w %^'^^vi^^- ■**" 4sr I ^<^. 1^ 'ik v ■■^Ifew -^4;V '|.'^' '^^^i't:^^/ •*v 'k . 1 » 4—-' HARVARD UNIVERSITY. T. I B R A R Y MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY. SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE. HUNDERTSECHZEHNTER BAND. WIEN, 1907. AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREL IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER, K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÄTSBUCHHÄNDLER, BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. SITZUNGSBERICHTE DER MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN KLASSE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. CXVI. BAND. ABTEILUNG I. Jahrgang 1907. — Heft I bis X. (MIT 2 KARTEN, 3 KARTENSKIZZEN, 57 TAFELN UND 139 TEXTFIGUREN.) KH-<«>-0-« WIEN, 1907. AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI. IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER, K. U. K. HOF- UND UNiVERSITÄTSBUCHHANDLER, Dl'CHHANDLER DER KAISBRLICHBN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN ^\^ V INHALT. Seite Apfelbeck V., Koleopterologische Ergebnisse der mit Subvention der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien im Frühjahr 1905 ausgeführten Forschungsreise nach Montenegro und Albanien. [Preis: 50 h — 50 pf] 493 — Neue Koleopteren, gesammelt während einer im Jahre 1905 mit Subvention der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien durchgeführten zoologischen Forschungsreise nach Albanien und Montenegro. (II. Serie.) [Preis: 60 h — 60 pf] 507 Beck V. Mannagetta und Lerchenau G., Vegetationsstudien in den Ost- alpen. I. Die Verbreitung der mediterranen, illyrischen und mittel- europäisch-alpinen Flora im Isonzo-Tale. (Mit 1 Karte.) [Preis : 3 K — 3 M] 1439 Bruckmoser J., Harmotom und Titanit (siebente Mitteilung über die Dar- stellung der Kieselsäuren). (Mit 1 Textfigur.) [Preis: 55 h — 55 pf] 1653 Cornu F. und Himmelbauer A., Untersuchungen am Apophyllit und den Mineralen der GlimmerzeoHthgruppe. (Mit 2 Textfiguren.) [Preis : 95 h — 95 pf] 1213 Diener K., Die Faunen der tibetanischen Klippen von Malla Johar (Zentral-Himalaya). [Preis: 40 h — 40 pf] 603 Doelter C, Über die Dissoziation der Silikatschmelzen. (Mit 12 Text- figuren.) [Preis: 2 K 20 h — 2 M 20 pf] 1243 Eisler E., Das extraflorale Nektarium und die Papillen der Blattunterseite bei Diospyros discolor Willd. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 1 K 20 h — 1 M 20 pf] 1563 Gaulhofer K., Über den Geotropismus der Aroideen-Luftwurzeln. (Mit 1 Tafel.) [Preis : 85 h — 85 pf] 1669 Gius L., Über den Einfluß submerser Kultur auf Heliotropismus und fixe Lichtlage. (Mit 10 Textfiguren.) [Preis: 2 K — 2 M] 1593 Glinkiewicz A., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. X. Parasiten von Pachyuromys duprasi Lat. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 65 h — 65 pf] . 381 Hanausek T. F., Die »Kohleschicht« im Penkarp der Kompositen. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 1 K 45 h — 1 M45 pf] 3 Heinricher E., Beiträge zur Kenntnis der Gattung Balanophora. (Mit 1 Tafel und 3 Textfiguren.) [Preis: 1 K 25 h — 1 M 25 pf] . . . 439 VI Seite Heritsch F., Geologische Studien in der >Grauwackenzone« der nordöst- lichen Alpen. I. Die geologischen Verhältnisse der Umgebung von Hohentauern. (Mit 4 Tafeln.) [Preis: 1 K 45 h — 1 M 45 pf] . . .1717 Höhne! F., v., Fragmente zur Mykologie (III. Mitteilung, Nr. 92 bis 155). (Mit 1 Tafel.) [Preis: 2 K 30 h — 2 M 30 pf] 83 — Fragmente zur Mykologie. (IV. Mitteilung, Nr. 156 bis 168.) [Preis: 95 h — 95pf] 615 — und Litschauer V., Beiträge zur Kenntnis der Corticieen. (II. Mit- teilung.) (Mit 4 Tafeln und 20 Textfiguren.) [Preis: 4 K — 4 M] . . 739 Jahn J. J., Über das quartäre Alter der Basalteruptionen im mährisch- schlesischen Niederen Gesenke. (Mit 6 Tafeln und 3 Textfiguren.) [Preis: 2 K 20 h - 2 M 20 pf] 1777 Karny H., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werne r's nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. IX. Die Ortho- pterenfauna des ägyptischen Sudans und von Nord-Uganda (Saltatoria, Gressoria, Dermaptera) mit besonderer Berücksich- tigung der Acridoideengattung Catantops. (Mit 3 Tafeln.) [Preis : 3 K 30 h — 3 M 30 pf I . . . . • 267 Keidel H., Über den Bau der argentinischen Anden. (Mit 1 Textfigur.) [Preis: 80 h — 80 pf] 649 Löwi E., Untersuchungen über die Blattablösung und verwandte Erschei- nungen. (Mit 1 Tafel und 14 Textfiguren.) [Preis: 1 K 85 h — 1 M 85 pf] 983 Mayr G., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unter- nommenen zoologischen Forschungsreise Dr. F. Werner's nach dem ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda. XI. Liste der von Dr. Franz Werner am oberen Nil gesammelten Ameisen nebst Beschreibung einer neuen Art. [Preis: 30 h — 30 pf] 387 Melichar L., Bericht über die mit Subvention der kaiserl. Akademie der Wissenschaften unternommene entomologische Studienreise nach Spanien und Marokko. [Preis : 50 h — 50 pf] 1025 Molisch H., Über die Sichtbarmachung der Bewegung mikroskopisch kleinster Teilchen für das freie Auge. [Preis : 30 h — 30 pf] . . . 467 Portheim L., Über Formveränderungen durch Ernährungsstörungen bei Keimlingen mit Bezug auf das Etiolement. (Mit 3 Textfiguren.) [Preis: 2 K 20 h — 2 M 20 pf] 1359 Samec M., Zur Kenntnis der Lichtintensitäten in großen Seehöhen. (I. Mit- teilung.) (Mit 1 Textfigur.) [Preis: 55 h — 55 pf] 1061 Schiller J., Beiträge zur Kenntnis der Entwicklung der Gattung Ulva. (Mit 2 Tafeln und 1 Textfigur.) [Preis: 1 K 15 h — 1 M 15 pf] . . . .1691 Schorn F., Über Schleimzellen bei Urticaceen und über Schleimcystolithen von Girardinia palmata Gau dich. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 95 h — 95 pf] 393 VII Seite Schuster K., Petrographische Ergebnisse der brasilianischen Expedition 1901 der kais. Akademie der Wissenschaften. (Mit 1 Kartenskizze.) (Mit einer geologischen Einleitung von Dr. Fritz v. Kerner und Bemerkungen über die kristallinen Schiefer von F. Becke.) [Preis: 2 K 70 h — 2 M 70 pf j 1 1 1 1 Seefried F., Über die Lichtsinnesorgane der Laubblätter einheimischer Schattenpflanzen. (Mit 4 Tafeln.) [Preis: 2 K 30 h — 2 M 30 pf] . 1311 Senft Em., Über eigentümHche Gebilde in dem Thallus der Flechte Physma dalmaficnm A.ZahlhT. {Mit lTa.M.) [Preis: 55 h — 55 pf] ... 429 Siebenrock F., Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. Monographisch bearbeitet. (Mit 2 Kartenskizzen, 2 Tafeln und 8 Textfiguren.) [Preis: 3 K — 3 M] 527 — Beschreibung und Abbildung von Pseudemydura umbrina S i e b e n r. und über ihre systematische Stellung in der Familie Chelydidae. (Mit 1 Doppeltafel und 1 Textfigur.) [Preis: 95 h — 95 pf] . . . 1205 — Über einige, zum Teil seltene Schildkröten aus Südchina. (Mit 1 Doppeltafel und 3 Textfiguren.) [Preis: 1 K 70 h — 1 M 70 pf] . 1741 Sperlich A., Die optischen Verhältnisse in der oberseitigen Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. Beiträge zur Auffassung der oberseitigen Laubblattepidermis als Lichtsinnesepithel. (Mit 2 Doppeltafeln und 9 Textfiguren.) [Preis: 2 K 70 — 2 M 70 pf] 675 Steimlachner F., Über einige Fischarten aus dem Flusse CubataS im Staate Santa Catharina bei Theresopolis (Brasilien). (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 95 h — 95 pf] 475 — Herpetologische Notizen (III). (Mit 1 Tafel.) [Preis: 50 h — 50 pf] 1535 Strakosch S., Ein Beitrag zur Kenntnis des Kohlenhydratstoffwechsels von Beta vulgaris (Zuckerrübe). [Preis: 50 h — 50 pf] 855 Strigl M., Der anatomische Bau der Knollenrinde von Balanophora und seine mutmaßliche funktionelle Bedeutung. (Mit 2 Tafeln and 3 Text- figuren.) [Preis: 1 K 15 h — 1 M 15 pf] 1041 Suess Ed., Über Einzelheiten in der Beschaffenheit einiger Himmelskörper. [Preis: 30 h — 30 pf] 1555 Uhlig V., Über die Tektonik der Karpathen. (Mit 1 Textfigur, 1 Tafel und 1 Karte.) [Preis : 3 K 30 h — 3 M 30 pf ] 871 Wagner R., Zur Morphologie der Sanchezia nobilis Hook. fil. (Mit 1 Tafel und 5 Textfiguren.) [Preis: 1 K 10 h — 1 M 10 pf] 33 — Zur Morphologie des Tabaks und einiger anderer Nicotiana- Arten. (Mit 4 Textfiguren.) [Preis : 90 h — 90 pf] 61 — Zur Morphologie der Gattung Creochiton Bl. (Mit 1 Tafel und 12 Textfiguren.) [Preis: 95 h — 95 pf] 411 — Zur Morphologie der Hoffmannia robnsta (Hort.). (Mit 8 Text- figuren.) [Preis : 80 h — 80 pf] 1075 — Zur Morphologie des Peltiphyllmn peltatmn (Torr.) Engl. (Mit 9 Textfiguren.) [Preis: 1 K — 1 M] 1089 VIII Seite Wagner R., Beiträge zur Kenntnis einiger Ainorpha-Avten. (Mit 4 Text- figuren.) [Preis: 80 h — 80 pfj 1541 Werner F., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's in den ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda. VIII. Ortho- piera Blatt aeformia (mit einer Revision der Mantodeengattung Tarachodes). (Mit 3 Tafeln und 1 Textfigur.) [Preis: 3 K 30 h — 3 M 30 pf] 165 — Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unter- nommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. XII. Die Reptilien und Amphibien. (Mit 4 Tafeln.) [Preis: 3 K 15 h — 3 M 15 pfJ . 1823 Zederbauer E., Variationsrichtungen der Nadelhölzer. [Preis: 1 K 10 h — 1 M 10 pf] 1927 SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE. HUNDERTSECHZEHNTER BAND. WIEN, 1907. AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI. IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER, K. U. K. HOF- UND UNIVERSITATSBUCHHANDLER, BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. SITZUNGSBERICHTE DER MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN KLASSE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. CXVl. BAND. ABTEILUNG I. Jahrgang 1907. — Heft I bis V. ERSTER HALBBAND. (MIT 2 KARTENSKIZZEN, 27 TAFELN UND 63 TEXTFIGUREN.) WIEN, 1907. AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI. IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER, K. U. K. HOF- UND UNIVERSITATSBUCHHÄNDLER, BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. INHALT. Seite Apfelbeck V., Koleopterologische Ergebnisse der mit Subvention der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien im Frühjahr 1905 ausgeführten Forschungsreise nach Montenegro und Albanien. [Preis: 50 h — 50 pf J 493 — Neue Koleopteren, gesammelt während einer im Jahre 1905 mit Subvention der kaiserHchen Akademie der Wissenschaften in Wien durchgeführten zoologischen Forschungsreise nach Albanien und Montenegro. (II. Serie.) [Preis: 60 h — 60 pf J 507 Diener K., Die Faunen der tibetanischen Klippen von Malla Johar (Zentral-Himalaya). [Preis: 40 h — 40 pfj 603 ' Glinkiewicz A., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. X. Parasiten von Pachyuromys duprasi Lat. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 65 h — 65 pf] . 381 Hanausek T. F., Die »Kohleschicht« im Perikarp der Kompositen. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 1 K 45 h — 1 M 45 pf] 3 Heinricher E., Beiträge zur Kenntnis der Gattung Balanophora. (Mit 1 Tafel und 3 Textfiguren.) [Preis: 1 K 25 h — 1 M 25 pf] . . . 439 Höhnel F., v., Fragmente zur Mykologie. (II. Mitteilung, Nr. 92 bis 155.) (Mit 1 Tafel.) [Preis: 2 K 30 h — 2 M 30 pf] 83 — Fragmente zur Mykologie. (IV. Mitteilung, Nr. 156 bis 168.) [Preis: 95 h ~ 95 pf] 615 — und Litschauer V., Beiträge zur Kenntnis der Corticieen. (II. Mit- teilung.) (Mit 4 Tafeln und 20 Textfiguren.) [Preis: 4 K — 4 M] . . 739 ''Karny H., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. IX. Die Ortho- pterenfauna des ägyptischen Sudans und von Nord-Uganda (Saltatoria, Gressoria, Dermaptera) mit besonderer Berücksich- tigung der Acridoideengattung Catantops). (Mit 3 Tafeln.) [Preis: 3 K 30 h — 3 M 30 pf] 267 Keidel H., Über den Bau der argentinischen Anden. (Mit 1 Textfigur.) (Preis: 80 h — 80 pf] 649 Mayr G., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unter- nommenen zoologischen Forschungsreise Dr. F. Werner's nach dem ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda. XI. Liste der von VI Seite Dr. Franz Wernei's am oberen Nil gesammelten Ameisen nebst Beschreibung einer neuen Art. [Preis: 30 h — 30 pf] . . . . . . 387 Molisch H., Über die Sichtbarmachung der Bewegung mikroskopisch kleinster Teilchen für das freie Auge. [Preis: 30 h — 30 pf] . . . 467 Schorn F., Über Schleimzellen bei Urticaceen und über Schleimcystolithen von Girardinia paluiala Gau dich. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 95 h — 95 pf] 393 Senft Em., Über eigentümliche Gebilde in dem Thallus der Flechte Physina dalmaticum A. Zahlbr. (Mit 1 Tafel.) [Preis: 55 h — 55 pf] . . . 429 Siebenrock F., Die Schildkrötenfamilie Cinosternidae m. Monographisch bearbeitet. (Mit 2 Kartenskizzen, 2 Tafeln und 8 Textfiguren.) [Preis: 3 K — 3 M] 527 Sperlich A., Die optischen Verhältnisse in der oberseitigen Blattepidermis tropischer Gelenkpflanzen. Beiträge zur Auffassung der oberseitigen Laubblattepidermis als Lichtsinnesepithel. (Mit 2 Doppeltafeln und 9 Textfiguren.) [Preis: 2 K 70 h — 2 M 70 pf] 675 Steindachner F., Über einige Fischarten aus dem Flusse Cubatao im Staate Santa Catharina bei Theresopolis (Brasilien). (Mit 2 Tafeln.) (Preis: 95 h — 95 pf] 475 Wagner R., Zur Morphologie der Sanchezia nohilis Hook. fil. (Mit 1 Tafel und 5 Textfiguren.) [Preis: 1 K 10 h — 1 M 10 pf] 33 — Zur Morphologie des Tabaks und einiger anderer Nicoiiana-ATien. (Mit 4 Textfiguren.) [Preis: 90 h — 90 pf] 61 xT — Zur Morphologie der Gattung Creochiton Bl. (Mit 1 Tafel und 12 Textfiguren.) [Preis: 95 h — 95 pf] 411 Werner F., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werne r's in den ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda. VIII. Ortho- ptera Blattaefoniiia (mit einer Revision der Mantodeengattung Tamchodes). (Mit 3 Tafeln und 1 Textfigur.) [Preis: 3 K 30 h — 3 M 30 pf] 165 13^ SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE. CXVI. BAND. I. HEFT. JAHRGANG 1907. — JÄNNER. ABTEILUNG L ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE, KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE, PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN. (MIT 4 TAFELN UND 9 TEXTFIGUREN.) '^' WIEN, 1907. AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND ST A ATSDRUCKEREL IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER, K. U. K. HOF- UND UNIVERSITATSBÜCHHÄNDLER. BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. INHALT des 1. Heftes, Jänner 1907, des CXVI. Bandes, Abteilung' I der • Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Klasse. Seite Hanausek T. F., Die »Kohleschicht« im Perikarp der Kompositen. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 1 K 45 h — 1 M 45 pf] 3 Wagner R., Zur Morphologie der Sanchezia nohilis Hook. fil. (Mit 1 Tafel und 5 Textfiguren.) [Preis: 1 K 10 h - 1 M 10 pfj 33 — Zur Morphologie des Tabaks und einiger anderer Xicotiana- Arten. (Mit 4 Textfiguren.) [Preis : 90 h — 90 pf] 61 Höhnel F., v., Fragmente zur Mykologie (III. Mitteilung, Nr. 92 bis 155). (Mit 1 Tafel.) [Preis: 2 K 30 h — 2 M 30 pf] 83 Preis des ganzen Heftes: 4 K 20 h - 4 M 20 pf. SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE. CXVI. BAND. I. HEFT. ABTEILUNG I. ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE, KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE, PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN. Die »Kohlesehieht« im Perikarp der Kompositen von Dr. T. F. Hanausek, k. k. Gymnasialdirektor in Krems a. d. Donait. (Mit 2 Tafeln.) (Vorgelegt in der Sitzung am 10. Jänner ] 907.) Einleitung'. Im Perikarp verschiedener Kompositen kann man eine tiefbraune oder schwarze, opake, in den meisten Fällen vielfach unterbrochene Schicht beobachten, deren Masse sich gegen die Einwirkung der meisten chemischen Reagenzien gänzlich indifferent zeigt. In der Längsansicht bietet sie ein sehr eigen- tümliches Bild eines von anastomosierenden Strängen dar- gestellten Netzes (Fig. 11), wobei die Längsstränge mächtiger als die Querstränge sind oder umgekehrt die stärkeren Quer- stränge eine Art dichter Querstreifung hervorrufen (z. B. bei Sclerocarpus); in einem bisher einzigen Falle (bei Tagetes) bildet sie eine Tapete von parallel gestellten schmalen recht- eckigen Platten, die durch sehr schmale lichte Zwischenräume voneinander getrennt sind (Fig. 4, a). Eine andere charakteristische Eigenschaft dieser Schicht rücksichtlich ihres Vorkommens ist in ihrer Abhängigkeit von einer bestimmten Gewebegruppe gelegen. Immer tritt sie an der Außenseite des mechanischen Gewebeteiles der Frucht- wand, der Bastzellbündel auf und füllt einen Raum aus, der zwischen diesen und dem von der Oberhaut überlagerten Parenchym oder der Oberhaut selbst gelegen ist; in letzterem Falle ist das ursprünglich vorhanden gewesene Hypoderma als solches nicht mehr zu beobachten. Daß diese bestimmte 1* 4: T. F. Hanausek, Lokalisierung auf einen genetischen Zusammenhang mit den genannten Geweben hinweist, ist einleuchtend. Wieder nur in einem Falle (bei Sclerocarpus) findet man die schwarze Masse auch innerhalb einer Gewebegruppe (Fig. 5, k'), was ftu- die Entwicklung derselben von besonderer Bedeutung ist. Das Vorkommen von tiefbraunen oder schwarzen, als Pigment oder als Sekret bezeichneten Aiassen, die extrazellular in der Fruchtwand der Kompositen sich vorfinden, ist schon seit längerem bekannt. Eine wenn auch ziemlich ungenaue Angabe enthält die bekannte Samenkunde von Harz^, in der es bezüglich HeJianthtis heißt, daß die unter der Oberhaut liegenden Zellen »gleich der Epidermis bei den schwarz- früchtigen Varietäten einen dunkelschwarzen harzartigen gerb- stoffreichen Farbstoff« führen; auch bei Madia und Gnizotia ist Ähnliches angegeben. Viel genauer und im wesentlichen richtig ist das Vorkommen der Schicht von Pfister^ ge- schildert, der außer den drei vorhin genannten Pflanzen auch noch Cartkamus anführt. Nach diesem Beobachter ist zwischen der Hartschicht und den äußeren Schichten ein brauner, in Kali, Chromsäure, Schwefelsäure und Schulze'schem Reagens unlöslicher Farbstoff gelagert, der der Außenseite der Bast- bündel ein charakteristisches schildpattähnliches Aussehen gibt. Eine Anmerkung zu dieser Stelle besagt: »Die inter- zellulare Lagerung dieser pechartigen Masse tritt besonders bei Carthamus klar hervor, wo sie sich zwischen zwei sklerenchymatischen Schichten befindet und die Lücken der Zellen genau ausfüllt.« Die Längsansicht bei Gnizotia ist abgebildet in König, Untersuchungen landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe, p. 309, Fig. 81. Tschirch^ sah diese Schicht im Fruchtknoten von Arnica montana, wo »zwischen der Bastzellzone und der Parenchymzellreihe in dem Interzellularspalte ein eigentümliches braunschwarzes, in 1 C. O. Harz, Landwirtsch. Samenkunde, 1885, 2. Bd., p. 851. 2 Rudolf Pfister, Ölliefernde Kompositenfrüchte. Landwirtsch. Versuchs- stationen, 1894, XLIII, Abhandlung 9. — Die Anatomie der Helianthusfrucht ist ebendaselbst, p. 253 von Prof. Kos u tan}' bearbeitet. 3 Tschirch und Oesterle, Anatomischer Atlas. Leipzig 1900, p. 273 und Taf. 62, Fig. 24 bis 26. Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. ■ O Alkohol, Wasser, Chloral unlösliches Sekret« sich befindet, »das oft den ganzen Interzellularraum erfüllt und von der Fläche betrachtet merkwürdige dendritisch verzweigte Bildungen dar- stellt«. \'on den übrigen älteren mir bekannten Schriften, die sich mit dem Bau der Kompositenfrucht beschäftigen, wie die Arbeiten von Kraus^, Heineck^ u. a. berührt keine diese Schicht. Im Jahre 1902 habe ich das Vorkommen derselben in Helianthus^ ausführlich beschrieben und die Ansicht aus- gesprochen, daß sie eine kohlige Substanz enthalte und die Folge eines Humifikationsprozesses sei. Drei Jahre später hat C. L. Gerdts,^ ohne von meiner Arbeit Kenntnis genommen zu haben, in drei Kompositenfrüchten (Coreopsis, Rtidbeckia, ArnicaJ diese Schicht nachgewiesen und ihre Masse ebenfalls als Kohle angesprochen. I. Chemische Zusammensetzung". In meiner Abhandlung über Heliantlius findet sich die Angabe, daß die schwarze Masse »eine ganz außerordentliche Resistenz gegen die angewandten Reagenzien zeigt, denn sie ist weder in Wasser noch in den bekannten harzlösenden Körpern, weder in Alkalien noch in Säuren löslich und erfährt nur durch längeres Kochen in letzteren eine Aufhellung; sie ist demnach weder gummi- noch harzartiger Natur«. Gerdts"' hat die schwarze Masse der Arnica-Fvwchi mit einer größeren Anzahl von Lösungsmitteln (durch Einlegen der Schnitte über acht Tage unter stetiger Erneuerung der betreffenden Flüssig- keit) behandelt, auf Indigo geprüft und schließlich die Zerstörung durch Chlorzink und Schwefelsäure und durch rauchende Schwefelsäure versucht; es erfolgte weder eine Lösung, 1 Gr. Kraus, Über den Bau trockener Perikarpien. Inaug.-Diss., Leipzig 1866, p. 61. '- 0. He in eck, Beitrag zur Kenntnis des feineren Baues der Fruchtschale der Kompositen. Inaug.-Diss., Gießen 1890. 3 T. F. Hanausek, Zur Entwicklungsgeschichte des Perikarps von Hdianthiis annuns. Ber, d. Deutsch. Bot. Gesellsch., 1902, Bd. XX, p. 449. ^ Carl Ludwig Gerdts, Bau und Entwicklung der Kompositenfrucht mit besonderer Berücksichtigung der offizinellen Arten. Inaug.-Diss., Bern 1905 .(Leipzig), p. 55. s Gerdts, 1. c, p. 55 bis 56. 6 T. F. Hanausek, beziehungsweise Blaufärbung noch eine Zersetzung oder Zerstörung der Masse. Er kommt somit zu dem Schlüsse, daß es sich nur um Kohle oder kohlehaltige Kieselsäure handeln könne. Aus dem Aschenskelett der Schnitte schließt Gerdts/ »daß das schwarze Sekret, das bei der Veraschung ver- schwindet, aus Kohle besteht, die allenfalls anorganische Salze, vielleicht ein Calciumsalz, Kieselsäure o. dgl. enthält.« Bisher ist das Vorkommen von kohleartigen oder Humus- substanzen in Teilen der lebenden Pflanze nicht einwandfrei nachgewiesen worden. Bekanntlich hat man die Bildung des Kernholzes einem Humifikationsprozeß zugeschrieben. Molisch^ hat die Anwesenheit von Humuskörpern im Kern- holze der echten Ebenhölzer nachzuweisen versucht: Nach ihm sind im Kernholze der Diospyros-Arten Humus- säuren und Humuskohle vorhanden, durch einen langsamen Verwesungsprozeß erzeugt, der die Holzfaser und die ein- gelagerte Gummisubstanz verändert; nebst dem Inhaltsstoff der Zellen (Gummi) verfällt auch die Zellwand der Humi- fizierung. »Die Libriformfasern sind dickwandig; je mehr Gummi sie im Lumen aufspeichern, umso dünnwandiger werden sie. Im mazerierten Material nimmt man kleine tropfenartige Gebilde wahr, wie ich sie in den Gefäßen beschrieben; es scheinen daher auch bei diesen Elementar- organen die jüngeren inneren Schichten das Material für Gummi zu liefern« (Mo lisch). Auch Belohoubek^ schließt sich dieser Anschauung an, er spricht von Reduktionsprozessen, die zur echten Karbonisation führen; der in Kalilauge unlös- liche Teil des Kernstoffes stellt die Kohle dar. Gewichtige Bedenken gegen die Meinung, daß im Kern- stoffe Humuskörper vertreten seien, bringt Edmund Prael'* vor. Er sagt p. 71: »Der hier behauptete Fall, daß ,die Bildung 1 L. c, p. 57. 2 Molisch, Vergleichende Anatomie des Holzes der Ebenaceen und ihrer Verwandten. Diese Sitzungsber., Abt. I, Juliheft 1879, p. 14 bis 15 des Separatabdruckes. 3 Sitzungsber. d. königl. böhm. Gesellsch. d. Wiss., Prag 1883, p. 384. •1 Edmund Prael, Vergleichende Untersuchungen über Schutz- und Kern- holz der Laubhölzer. Inaug.-Diss., Rostock 1888 (Berlin). Die >Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 7 von Kohle, die Karbonisation pflanzlicher Stoffe physiologisch in einer lebenden Pflanze vor sich gehe', muß in hohem Grade auffallend und bedenklich erscheinen; welch' ungeheure Energie muß dazu erforderlich sein, Gummi (denn das ist nach Molisch jene Muttersubstanz) zu elementarem Kohlenstoff zu reduzieren, (CgH^oOs)» zu C! Und zumal innerhalb eines einzigen Jahres! (Erscheint doch die Ausfüllung im letzten Jahresringe des Splintes noch hellgelb, im ersten Kernholz- ring aber bereits kohlig!) Von dieser großen Unwahrschein- lichkeit abgesehen, scheint es mir auch in Hinblick auf das von mir beobachtete chemische Verhalten der Inhaltsmasse des Ebenholzes ausgeschlossen, dieselbe als »Kohle« zusammen mit »Humussäuren« anzusprechen. Für beweisend möchte ich besonders das Verhalten gegenüber Kaliumchlorat und ver- dünnter HCl halten; durch diese Mischung wurde nämlich der schwarze Inhaltsstoft' der verschiedenen Ebenhölzer entfärbt (oder vielmehr, er zeigte jetzt die gelbe Farbe und überhaupt die ganze Erscheinung des homogenen gelben Gummi im älteren Splint) und alkohollöslich gemacht Ich sehe in dem schwarzen Inhaltsstoff des Kerns der Ebenhölzer lediglich das so verbreitete Schutzgummi, das hier nur durch einen auch in den Zellmembranen vorhandenen, sehr dunklen resistenten Färb- oder ähnlichen Stoff tingiert ist.« Prael meint auch, daß wirkliche Kohle durch die Behandlung mit KCIO3 und HCl nicht entfärbt werde. Daß diese Anschauung aber nicht richtig ist, wird unten dargetan werden. Hier möchte ich nur bemerken, daß das, was Prael über die ungeheure Energie sagt, die zur Reduktion des Gummi zu Kohlenstoff nötig sei, nicht gar so unwahrscheinlich sei, wenn man gegenüberhält, welche ungeheuren Energien die Pflanze im Assimilations- prozesse, also bei der Umwandlung anorganischer in organische Materie, und zwar in kürzesten Zeiträumen oder beim Wachstum der generativen Organe aufwendet. In neuerer Zeit hat sich Alfred Will ^ mit dieser Frage beschäftigt. Auch dieser Forscher bestreitet die kohhge Natur 1 Alfred Will, Beiträge zur Kenntnis von Kern- und Wundholz. Inaug.- Diss., Bern 1899. 8 T. F. Hanaus ek, des Kernstoffes der Ebenhölzer und hält die schwarze Masse für das sogenannte Holzgummi, das von Thomsen^ auf- gefunden und dessen Eigenschaften durch die Untersuchungen von Koch^ näher bekannt geworden sind; Will bezeichnet allerdings nur die Grundlage der Masse als Gummi, die schwarze Farbe werde durch einen besonderen Farbstoff bedingt; darüber lautet die Äußerung Will's^ folgendermaßen: »Die Inhaltsstoffe des Kernholzes (von Diospyros Ehemim) bilden sich auf ganz gleiche Weise wie diejenigen der übrigen Farbhölzer« (nämlich aus einer »inneren Haut«, die, vom Plasma gebildet, sich der innersten Seite der Zellmembran enge anlagert). »Wenn sie sich hiegegen durch ihre schwarze Farbe und ihre schwere Löslichkeit etwas stärker abheben, so ist dies lediglich nur in einer sekundär erfolgten, resistenten Farbstoffeinlagerung zu suchen und nicht auf eine Humi- fikation (Molisch) oder Karbonisation (Belohoubek) zurück- zuführen«. Wir sehen, daß von diesen beiden Autoren ein »dunkler, resistenter Farbstoff« als die Ursache der schwarzen Farbe angegeben wird, keiner aber kann angeben, was denn dieser dunkle Farbstoff eigentlich sei. Ebenso übereinstimmend lautet bei beiden Forschern, die Angabe über die »Resistenz«, d. h. also über die Reaktionsunfähigkeit des Farbstoffes, seine Widerstandskraft gegen so zahlreiche und energisch wirkende chemische Angriffsmittel, ja es gelingt nach Will"^ nicht einmal, auf das Gummi so einzuwirken, daß man durch Oxydation Schleimsäure erhält. Ich habe nicht die Über- zeugung, daß es den genannten Autoren vollständig gelungen ist, die Annahmen von Moli seh zu widerlegen; es bleibt 1 Journ. f. prakt. Chemie, Neue Folge 1879, Bd. 19, p. 146 bis 16S (Chemische Untersuchung über die Zusammensetzung des Holzes. — Holz- gummi ist in Wasser unlöslich, gekocht liefert es eine sauer reagierende Lösung, Natronlauge löst es bei gewöhnlicher Temperatur, mit verdünnter Säure gekocht wird es in Alkohol löslich). 2 Friedrich Ko ch, Experimentelle Prüfung des Holzgummi und dessen Verbreitung im Pflanzenreiche. Unters, a. d. pharm. Institute d. Univ. Dorpat. Pharm. Zeitschr. f. Rußland, 1886, Nr. 38 bis 47. 3 Will, 1. c, p. 83. 4 Will, 1. c, p. 75. Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 9 immer noch ein Rest (z. B. das Dunkel des dunklen Farb- stoffes), der von ihnen nicht erklärt worden ist. Wenn es sich nun auch in der vorliegenden Arbeit um ein ganz anderes Untersuchungsobjekt — nämlich um das Kompositenperikarp — handelt, so erschien es mir doch von größter Bedeutung, die Kern stofffrage der Ebenhölzer hier anzuführen, da ja bei beiden Arbeitsgebieten ein und dasselbe Problem — das Vorkommen einer angeblich kohligen Sub- stanz — zu lösen ist. Es läßt sich auch daraus ersehen, daß es nicht angeht, einer schwarzen Substanz ohneweiters, auch wenn sie in den bekannten gummi- und harzlösenden Mitteln unlöslich ist, einen Inhalt kohliger Natur zuzu- schreiben. Nun liegt aber eine Abhandlung von J. Wiesner^ aus dem Jahre 1892 über den mikroskopischen Nachweis der Kohle vor, die sowohl den vorher genannten Autoren als auch mir entgangen war. Wiesner hatte das Problem gewisser- maßen von der entgegengesetzten Seite aufgefaßt — die übrigens auch durch die Veranlassung zu dieser Unter- suchung (Studium des schwarzen Lungenpigmentes) gegeben war — und die Einwirkung eines bestimmten Oxydations- mittels auf die verschiedenen Arten der Kohle (Braun-, Stein-, Holzkohle, Ruß, Anthracit, Graphit, amorpher Kohlenstoff) studiert. Als bestes Reagens erwies sich nun das von dem- selben Autor ^ in die Pflanzenanatomie eingeführte Gemisch starker Chromsäure mit Schwefelsäure, im folgenden kurz als Chrom.säure bezeichnet, dessen außerordentlich kräftig 1 J. Wiesner, Über den mikroskopischen Nachweis der Kohle in ihren verschiedenen Formen und über die Übereinstimmung des Lungenpigments mit der Rußkohle. Diese Sitzungsber., Bd. 101, Abt. I, 1892, p. 379 ff. — Diese für meine Untersuchungen so überaus wichtige Abhandlung habe ich erst kennen- gelernt, nachdem meine Arbeit bereits abgeschlossen war. Meine in dem vierten Kapitel angeführten Erörterungen und Folgerungen waren ohne Kenntnis dieser Abhandlung niedergeschrieben und erhalten durch die Übereinstimmung der Beobachtungen Wies ner 's (an der Holzkohle) mit meinen Befunden eine höchst wertvolle Bestätigung. Die Ergebnisse meiner Versuche mit der Chrom- säure wurden nachträglich an den betreffenden Stellen eingefügt. '- J. Wiesner, Einleitung in die technische Mikroskopie. Wien 1S67, p. 38, Anmerkung 1. 10 T. F. Hanausek, oxydierender Wirkung keine Pflanzen- und Tierzelle wider- stehen kann. Die Anwendung der Chromsäure bietet daher zugleich den großen Vorteil, aus einem mikroskopischen Präparate alle organisierten Bestandteile, sofern es sich um die Beobachtung des zurückbleibenden unlöslichen Materials handelt, ausschalten zu können. Es sollen nun aus der Abhandlung Wiesner's jene Punkte herausgehoben werden, die für die vorliegende Arbeit von besonderer Bedeutung sind. Wiesner fand, daß der wesentliche Bestandteil der Braunkohle ein brauner, durch- scheinender Körper sei, der durch die Einwirkung der Chrom- säure farblos wird; die farblos gewordenen Teilchen bilden einen Gewebedetritus, der die Reaktionen der Zellulose zeigt. Alle übrigen Kohlearten enthalten nur eine geringe Menge einer durch Chromsäure leicht oxydierbaren Substanz, die die Farbe des Reagens zuerst in Braun, dann in Grün umwandelt. Der Rückstand verhält sich so wie amorpher Kohlenstoff und wird durch Chromsäure nur außerordentlich langsam angegriffen. Dieser Rückstand besteht aus schwarzen un- durchsichtigen Partikeln. — In der Steinkohle treten neben diesen schwarzen Teilchen braune oder rotbraune von dreierlei Art auf, und zwar schmelzbare, als Harze zu bezeichnende Anteile, ferner »Körper, welche sich genau so wie Braunkohle verhalten, also nach Einwirkung von Chromsäure einen Gewebedetritus geben, welcher aus Zellulose besteht« und endlich Körper, die von Chromsäure nach und nach gelöst werden (übereinstimmend mit den im Anthrazit vorkommenden Körnchen). Die Beobachtungen Wiesner's an der Holzkohle sind folgende: Die bei niederer Temperatur gewonnene braune Holzkohle, sogenannte Rotkohle (mit geringem Kohlenstoffgehalt) »wird durch Chromsäure vollkommen zer- stört. In einem bestimmten Stadium der Chromsäureeinwirkung bleibt Zellulose in Form wohlerhaltenen Holzgevvebes zurück, welche vor der Zerstörung lange dunkle Fäden (Reste von Außenhäuten) und zarte Ringe (äußerste Grenzen der Tüpfel) erkennen lassen, wodurch eine Unterscheidung von Braun- kohle ermöglicht wird. Schwarzkohle (schwarze [bei höherer Temperatur gewonnene] Holzkohle) wird, abgesehen von Die » Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 1 1 kleinen Mengen leicht oxydierbarer Substanz, im Reagens fast gar nicht angegriffen«.^ Bei der geringen Menge der schwarzen Masse in den Kompositenfrüchten und der außerordentlichen Schwierigkeit, sie zu isolieren, lassen sich damit makrochemische Versuche wie beim Ebenholz nicht anstellen. Es bleibt also nur die mikrochemische Untersuchung übrig und die zahlreichen von mir ausgeführten mikrochemischen Versuche lassen die in den reifen Früchten enthaltene schwarze Masse als einen Körper erkennen, dessen quantitativ wichtigster Bestandteil gegen chemische Ein- wirkungen die allergrößte Resistenz zeigt. Die schwarze Masse ist weder in Alkalien noch in Säuren löslich oder zersetzbar. In Bezug auf den Versuch Prael's mit KCIO3 und HCl will ich folgendes anführen. Während durch Behandlung mit diesen Reagenzien der Kern- stoff des Ebenholzes entfärbt werde, sei dies, so meint Prael, mit wirklicher Kohle nicht der Fall. Dies gilt aber für Braun- kohle nicht. Ich habe Lignit mit den genannten Stoffen digeriert und fand ihn in kurzer Zeit so aufgehellt, daß das Objekt im Mikroskop nur mehr blaßgelb erschien und die Holzelemente deutlich erkennen ließ; in den Tracheiden und Markstrahl- zellen fanden sich große rotbraune Tropfen vor. Da nun Lignit zweifellos humifiziertes Holz darstellt, so wäre also die Aufhellung in KCIO3 und HCl kein Beweis gegen Humus- körper und Humuskohle. Aber selbst diese Veränderung tritt in der schwarzen Masse der Kompositenfrucht nicht auf; ich habe sie (von Tagetes-Früchten, in denen sie in pechschwarzen Platten vorkommt) damit digeriert, auch gekocht, ohne je eine Aufhellung oder Lösung beobachten zu können. Wie sehr sie sich von einem wirklichen Pflanzenfarbstoff unterscheidet, läßt sich aus folgender Tatsache dartun. Tagetes-Früchte (wie 1 Wiesner, Über den mikroskopischen Nachweis etc., p. 39 des Separat- abdruckes. 12 T. F. Hanausek, Überhaupt sehr viele Kompositenfrüchte) besitzen eigentümhche zvveispitzige, gerade Doppelhaare, sogenannte Zvvillings- haare, die an der Frucht nach aufwärts, dem Scheitel zu, gerichtet sind und wohl das Festhalten der Frucht in dem Erdboden (bei der Keimung) bewirken sollen. Diese Haare enthalten einen tiefbraunen Farbstoff, der im Mikroskope dasselbe Aussehen hat wie die dünnen braunen Lagen der Masse, z. B. an der Basis der Frucht. Werden nun Präparate nach dem von Prael angegebenen Verfahren behandelt, so verschwindet der Farbstoff in den Haaren gänzlich, die Haare sind farblos geworden, während die Platten der schwarzen Alasse unverändert geblieben sind. Bemerkenswert ist auch die Einwirkung der konzen- trierten Salpetersäure auf die schwarze Masse. Wie Will (1. c. p. 81) angibt, zeigten Schnitte des Kernholzes von Diospyros Ehentim, die drei Tage in konzentrierter Salpeter- säure gelegen hatten, den größten Teil der Ausfüllungen, aus- genommen die der Gefäße, gelöst oder mindestens entfärbt. »Werden dünne Schnitte der längeren Einwirkung von kon- zentrierter Salpetersäure ausgesetzt, so entfärbt sich das bräunliche Zellgewebe mit den schwarzen Zellinhaltsstoffen in Hellgelb unter teilweiser Zerteilung des Sekretes und wohl auch teilweiser Lösung.« Tagetes-VxilchtQ und dünne Schnitte davon zeigten nach wochenlangem Liegen in konzentrierter Salpetersäure keine Aufhellung oder Lösung der schwarzen Masse; diese blieb unverändert, ließ sich von den ganz mürbe gewordenen Geweben in starren, kantigen Bruchstücken ab- lösen und war bei gehöriger Dicke gänzlich undurchsichtig, pechschwarz, in dünnen Stücken (von der Basis der Frucht) braun durchscheinend. Kocht man einen dieser Schnitte, nach- dem die Säure durch Auswaschen entfernt worden ist, in verdünnter oder in starker Kalilauge, so tritt auch jetzt keine Veränderung ein; mitunter ist eine schwache Bräunung der Lauge zu beobachten (wie beim Kochen der Braunkohle mit Lauge). Von ausschlaggebender Bedeutung erschien mir nun die Einwirkung der Chromsäure nach Wiesner's Methode. Ich habe sie an den Früchten von Tagetes, Helianthas, Xanthhun Die tKohlescliicht« im Kompositenperikarp. 13 und Sclerocarpns beobachtet. Längs- und Querschnitte wurden teils auf dem Objektträger, teils im Schälchen (ganze Früchte in der Flasche) in Chromsäure suspendiert; sehr bald trat Blasenbildung auf, im Verlauf von mehreren Stunden waren alle Gewebe, die sich an dem Schnitte befanden, und alle Farb- stoffe nach Braun-, beziehungsweise Grünfärbung des Reagens zerstört und verschwunden und nur die schwarze Masse war zurückgeblieben; auch nach mehrwöchentlichem Liegen in Chromsäure zeigen sich an den schwarzen Netzen und Platten nur sehr geringe Veränderungen. Von den so behandelten Ja^^/^s-Früchten bleiben nur die schwarzen Platten, die sich gegen die Fruchtbasis in braune anastomosierende Streifen auflösen, und diese Streifen zurück; sehr eigentümlich ist das Aussehen der schwarzen Platten ohne Vergrößerung; sie er- scheinen in der Flüssigkeit dem freien Auge als schwarze haarartige Fasern; mitunter lösen sich diese Platten in Einzelfasern auf, entsprechend den darunter liegenden (nunmehr aber verschwundenen) Bastfasernzellen, ohne sich aufzuhellen; nur die weit dünneren braunen durchscheinenden Stränge an der Fruchtbasis hellen sich etwas auf und eine dreiwöchentliche Einwirkung der Chromsäure verursacht ein leichtes Verquellen der dünnsten Partien. Ebensolange behandelte zarte bräunliche Häute mit den daraufliegenden dendritischen Strängen von 7a^^/t'5-Fruchtknoten zeigen nahezu gar keine Änderung. Man kann also annehmen, daß sich die schwarzen gänzlich undurchsichtigen Teile wie die schwarze Holzkohle oder amorpher Kohlenstoff, die braunen wie die braunen Körnchen in der Steinkohle oder im Anthrazit verhalten. Das zarte, überraschend schöne Netz von Xanthiuni erweist sich in Chromsäure gleichfalls als höchst resistent; nach mehr- wöchentlichem Liegen in dem Reagens findet man nebst den schwarzen ganz undurchsichtigen, also unveränderten Partien solche, die etwas aufgehellt worden sind, ja in kleinen Fädchen ganz farblos erscheinen; diese farblosen Teile reagieren aber nicht auf Zellulose. Die dünnsten Netzfädchen beginnen nach etwa sieben- bis achttägiger Einwirkung der Chromsäure gewissermaßen abzuschmelzen, also noch dünner und zarter 14 T, F. Hanausek, ZU werden, wobei aber ein \'erquellen wie bei Tagetes oder Helianthiis nicht stattfindet; bisher aber konnte eine voll- ständige Lösung der aufgehellten und farblosen Fäden nicht beobachtet werden. Ein gleiches Verhalten weist das durch die starken Ouerstränge charakterisierte schwarze Netz von Sderocarpus auf. Bei Helianthiis tritt ein Verquellen ein, indem die im unversehrten Netze als Lücken erscheinenden Stellen von einer hellbräunlichen, in der Mitte der ehemaligen Lücke selbst farb- losen Aiasse ausgefüllt werden, die Kreuzungsstellen der Stränge bleiben schwarz. Außerdem ist aber das ganze Netz von sehr kleinen, teils rundlichen, teils dreikantigen oder nach einer Seite spitz zulaufenden Löchern durchbrochen, die von den Zäpfchen der Bastfasern herrühren; sie bieten sehr häufig einen sehr scharfen negativen Abdruck der Zäpfchen dar. Von einer Zerstörung, Auflösung oder sonstigen bedeutenden Veränderung der schwarzen M a s s e durch die Chromsäure kann nach den mitgeteilten Beobachtungen nicht die Rede sein. Auf Anregung des Herrn Hofrates Wiesner^ habe ich noch die Wirkung der Fäulnis auf die schwarze Masse studiert. Die schwarzen Platten von Tagetes zeigten sich in dem von Bakterien, Pilzmykelien, zerfallenen Geweben und sonstigem Detritus gebildeten Breie gänzlich unverändert. Eine Zerstörung der schwarzen Masse wird nur durch die Ver- brennung herbeigeführt. Die beispiellose Widerstandsfähigkeit der schwarzen Masse gegen die Einwirkung lösender, oxydierender und sonstwie aufschließender Körper berechtigt zu der Annahme, daß die schwarze Masse eine der Kohle nahe verwandte Substanz enthalte und daß ihr ein sehr hoher Kohlenstoff geh alt zu- kommen müsse. 1 Ich fühle mich verpflichtet, Heirn Hofrat Wiesner für das Interesse, das er meiner Arbeit entgegengebracht, und für die wertvolle Unterstützung, die er mir hiebei zu teil werden ließ, meinen verbindlichsten Dank auszu- sprechen. Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 15 IL Verbreitung" und Vorkommen. Es wurden die Früchte oder, wenn diese nicht vorhanden, die abgeblühten Fruchtknoten von 34 Kompositengattungen aus nahezu allen Tribus auf das Vorkommen der schwarzen Masse geprüft. Bisher habe ich das Vorkommen derselben in 13 Gattungen feststellen können; es dürfte wohl als eine generelle Eigenschaft angesehen werden, da z. B. drei unter- suchte Xanthimn- Arten die Masse besitzen. Auf einen Umstand muß ich aber besonders hinweisen. Nicht alle Exemplare der Frucht einer Kompositenart, die zu den 13 Gattungen gehört, enthalten die Masse. In zahlreichen bein weißen Heliattthtis- Früchten habe ich sie vergebens gesucht; ebenso fehlt sie nicht selten in den graugestreiften Formen, denn — und das muß auch noch betont werden — mit der Färbung der Frucht- schale von Heliauthns hat die Masse nichts zu tun. Schwarze Helianthus-Fvüchte haben ein Pigment in der Oberhaut und dem Hypoderma, das im Mikroskop als brauner Zellinhalt erscheint und die schwarze Färbung der Fruchtschale ver- ursacht. Bei Tagetes werden die Früchte allerdings durch die schwarzen Platten gefärbt, nichtsdestoweniger kann in den Epidermiszellen ein besonderes Pigment vorhanden sein. Wie sehr sich dieses Pigment nach seiner stofflichen Zusammen- setzung von der schwarzen Masse unterscheidet, wurde im vorigen Kapitel erörtert. Ob nun alle Früchte eines Korbes oder einer und der- selben Mutterpflanze die schwarze Schicht besitzen oder ob sie bei einigen Früchten desselben Blütenstandes aus- gebildet ist, bei anderen fehlt, bleibt noch zu untersuchen. Bei Helianthiis habe ich im Jahre 1902 in zahlreichen Früchten einer Pflanze das Vorkommen konstatieren können. Wenn also nur 13 Gattungen als solche genannt werden können, die die schwarze Schicht führen, so soll damit nicht behauptet sein, daß sie den übrigen 21 Gattungen, die ich geprüft habe, definitiv fehlt. Erst wenn Früchte verschiedener Pflanzen und verschiedener Jahrgänge derselben Art unter- sucht worden sind, kann eine bestimmte Aussage gemacht werden. 16 T. F. H a n a u s e k , Die folgende nach Hoffmann^ geordnete Übersicht der die Kohleschicht führenden Kompositen zeigt, daß sie am häufigsten in der Tribus der HeJiantheae vertreten ist. In den ersten vier Tribus {Vcnionicae, Etipatorieae, Astcreae und Imileae), sowie in den Ligulißorae mit der 13. Tribus Cichorieae habe ich sie bisher nicht auffinden können. Tribus: Hdiautlieae. 3. Subtribus: Melampodinae; Melampodiiim (l). 4. » Ambro sinae;. Xanthimn (2). 6. » Zmninae; Zinnia (3). 7. » Verbesininae; Rtidbeckia (4). Helianthiis (5). Scierocarpns (6), 8. » Coreopsidinac; Gnizotia (7). Coreopsis (8). 9. » Galinsoginae ; Galinsoga (9). 10. » Madiuae; Madia (10). Tribus: Helenieae. 4. Subtribus: Tagetininac, Tagetes (11). Tribus: Seneeioneae. 2. Subtribus: Senecioninae; Arnica (12). Tribus: Cyiiareae. 4. Subtribus: Ceiitanreinae; Carthamiis (13). Der Perikarp der hier angeführten Kompositen besitzt in dem auf verschiedene Weise entwickelten mechanischen Gewebe, den Bastfaserbündeln, einen Apparat für Festigkeit gegen Zug und Druck und gegen das Biegen. An den Früchten, deren Perikarp zugleich auch die äußerste Hülle bildet, ist dieser Festigkeitsapparat am kräftigsten entwickelt und wird meist noch von anderen sklerotischen Geweben unterstützt. Es fehlt aber auch nicht an den Früchten, die noch eine besondere äußere, von den Spreublättern oder Deckblättern 1 Engler und Prantl, Pflanzenfamilien IV, 5, p. llSff. Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 17 durch Verschmelzung (Xmitlmim) oder durch Verhärtung (eines Deckblattes wie bei Sclerocarpiis und Melanipoditmi) gebildete Hülle besitzen, nur ist er dann sehr stark reduziert; die Bündel sind dann klein und enthalten wenige Bastzellen. Die Kohle- schicht tritt nun, wie schon in der Einleitung angegeben wurde, stets an der der Epidermis zugewendeten Außenseite der Bündel auf und bildet in der reifen Frucht eine schwarzbraune oder pechschwarze Masse, die durch Druck (Quetschen, Zer- reiben) in meist kantige, bröselige Stückchen zerbricht. Am Querschnitt erscheint sie schon bei schwacher Vergrößerung als ein dicker schwarzer, gänzlich undurchsichtiger glanzloser Streifen, der die Frucht (innerhalb der Epidermis und des hypodermatischen Gewebes) umschließt. III. Entwieklungsgesehichte. Tagetes und Helianthus. Ein Querschnitt vom unteren Drittel (gegen die Basis) des Fruchtknotens von Tagetes erecttis L. (Fig. 1) zeigt folgendes: Die Oberhaut besitzt eine überaus mächtige, kutikularisierte Außen- wand (ep). Die Radialwände sind kurz und die Lumina ver- hältnismäßig klein, nach innen zu verschmälert oder abgerundet begrenzt. Die nun folgende Zellreihe (sep) ist durch die kollenchymatische Entwicklung der Zelhvände ausgezeichnet und zeigt die Zellumina in der radialen Richtung stärker aus- gedehnt als in der tangentialen; die unmittelbar daran schließen- den Parenchymzellen haben ein kleineres Lumen, aber noch koUenchymatisch verdickte Zellwände; das Kollenchym ist als ein Hypoderma zu bezeichnen, das sich in seiner weiteren Entwicklung scharf von dem Parenchym absondert. Innerhalb des Hypoderma findet man kleine Bündel von Bastfasern. Von der Kohleschicht ist noch nichts wahrzunehmen. Ein weit älteres Stadium ist in Fig. 2 dargestellt, die einen Querschnitt etwa in der Hälfte der Frucht zeigt. Die Oberhaut- zellen haben sich nun nach allen Seiten entwickelt, ins- besondere in der Radialachse gestreckt, die Außenwand ist noch immer auffallend stark. Was früher als ein einreihiges Sitzb. d. mathem.-natunv. Kl.; CXVI. Bd., Abt. I. 2 18 T. F. Hanausek, kollenchymatisches Hypoderma erschien, ist jetzt ein sehr zartzelliges Parenchym (Fig. 2, sep); die Bastbündel sind mächtig geworden und haben sich ähnlich wie hei Helianthns^ entwickelt. Und nun läßt sich auch das erste Auftreten der Kohleschicht erkennen. Zuerst bräunt sich die Außenseite der Bastzellen (Fig. 2, das zweite Bündel in der Mitte), dann sieht man im Querschnitt sehr dünne schwarzbraune Anlagerungen an der Bastzeil-Außenwand (Fig. 2, k). Wie es sich tatsächlich damit verhält, kann man nur aus der Längsansicht erfahren. Fig. 3 stellt zwei Bastbündel vor, getrennt durch die Paren- chymzellreihe (vergl. Fig. 2), die wie ein Markstrahl das Hypoderma mit dem Innenparenchym verbindet und den Sklereidenmantel durchbricht. Die Bastzellbündel sind der ganzen Länge und Breite nach gleichmäßig braun gefärbt; auf dieser braunen Unterlage beobachtet man unregelmäßig verlaufende, verbogene, dendritisch verzweigte, tiefbraune Stränge, deren gemeinsame Eigenschaft darin besteht, daß sie stets von dem Rande des gleichmäßig braunen Überzuges der Bastbündel entspringen; dieser Rand ist auch etwas stärker, dicker und hie und da kann man beobachten, daß er sich nicht mit dem Längsrande oder der Längskante des Bündels deckt (Fig. 3 bei x), sondern das letztere hell und ungefärbt darunter noch hervorsieht; es erscheint dort der braune Überzug also schmäler als die Breite des Bastbündels. Stellenweise sieht man an Querschnitten, daß das Hypoderma ganz reduziert ist und schließlich fehlt; auch das Saftleitungsparenchym kann dann fehlen und der betreffende Raum ist durch sklerosierte Zellen, beziehungsweise durch Bastzellen abgeschlossen (Fig. 2, die zwei Bündel links). Wir finden auch schon in dem ersten Stadium der Bräunung der Außenwand die am Rande entstehenden tiefbraunen Stränge, freilich noch ganz kurz und unverzweigt, aber scharf von der Unterlage abgehoben. Sie machen den Eindruck, als würden sie aus dem hiebei sich verdickenden Rande des braunen Überzuges hervorquellen, obwohl ich, wie ich ausdrücklich betone, niemals, auch nicht in dem allerersten 1 T. F. Hanausek, Zur Entwicklungsgesch. etc., p. 451 und Taf. 21, Fis. 3. Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 19 Stadium einen anderen als den festen Aggregatziistand der braunen Stränge wahrgenommen habe. Besonders deutHch wird diese braune Haut mit den darauf liegenden dendritisch verzweigten Strängen in dem Chrom- säurepräparat. Nach 24 stündigem Lagern in Chromsäure sind alle organisierten Bestandteile verschwunden, nur die braune Haut und die Stränge sind unverändert erhalten. Man sieht nun, daß die Entwicklung gegen den Fruchtscheitel zu am stärksten vorgeschritten ist, gegen die Basis aber die zartesten feinsten Anfangsstadien der braunen Haut vorhanden sind; sie sind nur mehr an der stärkeren und tiefer braunen Randleiste zu erkennen; selbst diese feinsten Partien werden durch die Chromsäure nicht zerstört. Stellenweise sieht man auch solche dickere Streifen im Längsverlaufe der braunen Haut dort, wo die gemeinsamen Außenwände der (darunter liegenden) Bast- faserzellen sich befanden und von ihnen entspringende dendri- tische Stränge. Je älter nun die Frucht wird, desto zahlreicher treten die Stränge auf, es entsteht zuerst ein Netz und schließlich findet man an der reifen Frucht pechschwarze, gänzlich undurch- sichtige Platten, die nur durch die schmalen Lücken, die die markstrahlähnlichen Parenchymzüge enthalten (soweit diese nicht resorbiert sind), voneinander getrennt sind (Fig. 4, a). So ist die Ansicht vom Scheitel der Frucht bis ztim unteren Drittel; daselbst verschmälern sich die Platten und lösen sich in dünne Stränge auf, die durch rechtwinkelige kurze z^na- stomosen zusammenhängen (Fig. 4, h). Am Scheitel findet man nicht selten feine Stränge in die untersten Partien der Pappiis- Schuppen eingedrungen, die vollkommen die Forni und Größe der die Schuppen daselbst bildenden Zellen besitzen. Das erste Auftreten der schwarzen Masse ist also im großen und ganzen gleich dem von Heliantlins. Die eigen- tümlichen Zäpfchen an der Außenseite der Bastzellen bei Helianthus'^, die zentrifugalen Wucherungen der Zellwand, kommen bei Tagetes nur höchst selten vor; sie sind aber auch, wenn anders meine Anschauung über ihren Zweck richtig ist> 1 L. c, p. 451. 2* 20 T. F. Hanausek, gar nicht nötig. Ich sagte (1. c), daß sie die Aufgabe hätten, die Bastbündel von dem vorgelagerten Gewebe loszulösen, um für die schwarze Masse Raum zu schaffen, da bei Helianthtis das Hypoderm nicht nur persistiert, sondern sogar etwas sklerosiert; seine feine, überaus reichliche Tüpfelung gibt ihm, wie 1. c. Fig. 7 auf Tafel 21 zeigt, ein sehr charakteristisches Gepräge. Da nun bei Tagetes das Hypoderma oder wie man es nennen will, nach der Zellteilung — es bilden sich nur zwei, selten stellenweise drei Zellreihen — eine regressive Entwicklung nimmt und oft ganz resorbiert oder wenigstens mechanisch zurückgedrängt wird, so ist genügend Raum für das schwarze Produkt an der Außenseite der Bastbündel vorhanden. Die Unterschiede, die sich in der Entwicklung der Masse bei Tagetes und bei Helianthus zeigen, sind mit Berücksichtigung der Ausbildung der Gewebe folgende: 1. Bei Helianthus persistiert und sklerosiert das Hypo- derma; bei Tagetes wird es nur schwach entwickelt und ent- weder mechanisch zusammengepreßt oder stellenweise re- sorbiert. 2. Bei Helianthus entwickeln sich an der Außenseite der Bastbündel an den Bastfaserzellen Zäpfchen, lokalisierte Zellen- wandwucherungen, die bei Tagetes fehlen oder nur ganz ver- vereinzelt auftreten. 3. In dem ersten Auftreten der schwarzen Masse, der Bräunung der Außenwand der Bastzellen gibt es bei beiden Gattungen keinen Unterschied, wohl aber ist derselbe in dem Quantum der Masse zu konstatieren, indem bei Helianthtis nur ein lückenreiches Netz, bei Tagetes massive^, durch schmale Spalte getrennte Platten entstehen. Sclerocarpus africanus Jacq. Von dieser tropischen Art standen mir nur halb- und ganzreife Früchte zur Verfügung. Die Frucht von Sclerocarpus ist ausgezeichnet durch das bleibende und sklerosierende Spreublatt, das wie ein zweites Perikarp die Frucht einschließt und durch seine Spitze einen (falschen) Fruchtschnabel vor- täuscht. Soweit sich aus dem spärlichen Material ersehen ließ, ist das erste Auftreten der schwarzen Masse von dem bei Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 21 Helianthiis nicht verschieden; in Bezug auf den anatomischen Bau des Perikarps ist hervorzuheben, daß auch das innere Parenchym sklerosiert; es entwickehi sich stark verdickte und reichlich getüpfelte, abgerundet polyedrische Skiereiden (Fig. 5, sd). Von besonderer Bedeutung aber ist das Auftreten der schwarzen Masse auch innerhalb dieses Skleren- chyms; Sckrocarptt-s zeigt demnach, daß die Entstehung der Masse nicht allein an die Bastbündel oder, genauer ausgedrückt, an die Außenseite der Bastbündel und die Innenfläche des Hypodermas gebunden ist, sondern daß sie auch an anderen Orten, in anderen Gevvebearten auftreten kann. Verschiedene Partien des Sklerenchyms treten von den übrigen farblosen oder gelblichen Teilen durch die braunschwarze Umhüllung der Skiereiden höchst auffallend hervor (Fig. 5, k'). Man beob- achtet, daß eine Skiereide dicht von der Masse umhüllt ist und daß von dieser Umhüllung die schwarze Masse gewisser- maßen sich fortsetzt, eine nächste Skiereide umhüllt und neue Stränge zwischen die anstoßenden Zellen einschiebt; genau dort, wo ein solcher Strang endet, kann man als seine Fort- setzung die Mittellamelle wahrnehmen. Es macht also den Eindruck, als ob es die gemeinsame Außenwand benachbarter Zellen (Mittellamelle) wäre, die sich in die schwarze Masse .umsetzt, so daß eine Isolierung der Zellen erfolgen muß; ob zugleich auch die Zellmembran davon ergriffen wird, ließ sich trotz genauer Untersuchung nicht feststellen. Wie sich aus Fig. 5,^', ersehen läßt, sind die Stränge sehr verschieden mächtig; an einer und derselben Zelle kann eine Seite eine starke, eine andere eine viel schwächere Anlagerung der Masse aufweisen. Diese Art des Vorkommens scheint mir besonders geeignet zu sein, ein Licht auf die Entstehung der Masse zu werfen. Xanthium. Entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen konnten mit sehr reichlich zur Verfügung stehendem Material von Xanthium strumarmm L. angestellt werden, von Xanthium spinosutn L. wurden nur reife Früchte untersucht. Die Frucht von Xanthium ist bekanntlich von der widerhakigen, sehr harten inneren Hülle umschlossen, die zwei Fächer (mit je einer Frucht) bildet. 22 T. F. Hanausek, Diese Hülle ist für die Untersuchung insofern von besonderem Vorteile, als sie die Anfertigung guter Querschnitte — ■ schon des Fruchtknotens — wesentlich erleichtert. Da die Entwicklung der schwarzen Masse bei Xanthinin in anderer Weise vor sich geht als bei den vorhin besprochenen Arten, so erscheint es zuvor notwendig, einen Überblick über den anatomischen Bau des jugendlichen Perikarps zu geben. Die Oberhaut setzt sich aus — von der Fläche gesehen — längsgestreckten, schmal polygonalen Zellen zusammen (Fig. 7), die im Querschnitt (Fig. 6, ep) fast rechteckig sind und eine etwas vorgewölbte, kutikularisierte Außenwand besitzen. Die Radial- und Innenwände sind sehr dünn. Unter der Oberhaut liegt eine Reihe radial gestreckter dünnwandiger Zellen, ein Hypoderma, dem sich ein Bastzellmantel, aus 2 bis 3 Zellreihen gebildet, anschließt. Das innere Parenchym (Fig. 6, p) zeigt eine zweifache Zusammensetzung. Zwischen mehreren Reihen kleiner Zellen liegt eine Reihe viel größerer, die aber bei fort- schreitendem Wachstum der Frucht stellenweise durch da- zwischen sich einschiebendes kleinzelliges Parenchym von- einander getrennt v/erden (Fig. 8, jt). Den Abschluß bildet eine aus tangential gestreckten und in radialer Richtung sehr schmalen Zellen bestehende innere Epidermis. Hier soll auch noch des Baues der Samenhaut gedacht werden, da sie ihrer eigentümlichen Epidermis halber sehr bemerkenswert erscheint (Fig. 6 und 8, B). Die Oberhautzellen bilden bauchige Kegel, deren Basis an der Außenseite liegt, deren Spitze nach innen sieht; im erwachsenen Zustand (Fig. 8, ep') buchtet sich der Kegel in der schmalen Hälfte, also in dem der Spitze näheren Teil stark ein, so daß die Zellen von der Fläche gesehen zwei Kreise, einen größeren, dem Basisteil entsprechenden und einen bedeutend kleineren, der verjüngten Abteilung angehörigen Kreis zeigen; dieser Bau hat die Bildung recht bedeutender Interzellularräume zur Folge. Vermutlich hat die Samenhaut- epidermis gleich den großzelligen Geweben des Perikarps der Wasseraufnahme bei der Keimung ^ zu dienen. Wird infolge 1 Vergl. Richard Loose, Die Bedeutung der Frucht- und Samenschale der Kompositen für den ruhenden und keimenden Samen. Inaug.-Diss., Berlin 1891, p. 50 bis 55. Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 23 ZU rascher Sklerosierung und Eintrocknung der Fruchthülle •die freie Entwicklung und Dehnung der Epidermiszellen be- hindert, so verschieben sich die schmalen Partien und es ent- stehen Falten, wie sie in Fig. 9 abgebildet sind. Unter der Oberhaut befindet sich ein dünnwandiges, frühzeitig tangential zusammengepreßtes Parenchym; eine Aleuronzellschichte in bekannter Ausbildung schließt die Gewebefolge ab. Auf die Gefäßbündel ist hier weder bezüglich des Perikarps noch der Samenhaut Rücksicht genommen; auch die durch ihren rot- braunen Inhalt sehr auffälligen Balsamgänge sind nicht weiter •erörtert. Das erste Auftreten der Kohleschicht ist nun gänzlich von dem an Helianthus, Tagetes und Sclerocarptis beobachteten abweichend. Schon im Fruchtknoten findet man kleine schwarz- braune und schwarze Stückchen, und zwar teils als kurze Streifen an der Außenseite der ersten Bastzellreihe angelagert, teils als dreikantige Partikel in den kleinen Interzellularen, die zwischen dem Hypoderma und den Bastzellen sich befinden (Fig. 6). In der Flächenansicht zeigt sich deutlich, wie diese Partikel die Innenwände der Hypodermazellen umfassen. Eine Bräunung der Außenwand der Bastzellen der ersten Reihe ist nicht wahrzunehmen. Nun entsteht aber noch ein zweiter Entwicklungsherd der Kohleschicht. Es beginnen nämlich sehr bald auch die an die Epidermiszellen grenzenden (tangential verlaufenden) Wände der Hypodermazellen kleine schwarze Teilchen zu führen, die zunächst die Inter- zellularen erfüllen und von da aus zwischen die Zellen sich einschieben. Die Aufsicht dieser Zellen zeigt Fig. 10, die dunklen Stellen sind Kohleteilchen. Allmählich nimmt die Masse an beiden Entwicklungsstellen zu, der Querschnitt zeigt nun zwei Stränge, einen mächtigen an der Außenseite des Bastzellmantels und der Basis (inneren Tangentialwand) der Hypodermazellen, einen zweiten weit weniger starken an der Außenseite (äußeren Tangentialwand) der Hypodermazellen, also zwischen diesen und den Epidermiszellen (Fig. %,k und k'); zugleich ist die Oberhaut durch Schrumpfung (und wohl auch durch Pressung) zusammengefallen. Ist der Prozeß genügend weit fortgeschritten, so sind die äußeren und inneren Tangential- 24 T. F. Hanau Sek, wände der Hypodermazellen nicht mehr zu sehen, ihre Stelle nimmt die Kohleschicht ein und diese erstreckt sich auch in die Radialwände hinein, so daß von letzteren nur mehr die mittleren Abschnitte (Fig. 8, sep) als farblose Zellulosestreifen erhalten geblieben sind, während ihre Anfänge (an der Epi- dermis- und an der Bastzellseite) durch die schwarze Masse ersetzt sind. Dieses plötzliche Aufhören der spitz vorstehenden Masse und der unmittelbar darauf folgende lichte Zellwand- streifen bieten ein sehr eigentümliches Bild. Die Flächen- ansicht der Kohleschicht am reifen Perikarp läßt daher zwei Lagen derselben erkennen; eine weit stärkere schwarze und eine hellere, die aus dünneren Strängen gebildet ist. In Fig. 11 ist nur die erstere gezeichnet, um nicht das Bild zu undeutlich zu machen. Die Stränge sind von sehr verschiedener Mächtig- keit, auch die dazwischen befindlichen Lücken von sehr ver- schiedener Größe. Besondere Beachtung verdient folgendes. Viele Lücken — also Stellen, die von der Masse freigeblieben sind — entsprechen genau den Tüpfeln der darunter liegenden Bastzellen; während die Bastzellwände größtenteils dort, wo sich keine Tüpfel befinden, von der Masse bedeckt sind, sind die Tüpfel frei davon und wenn größere Lücken vorhanden sind, so entsprechen diese beiläufig dem von der Basis der angrenzenden Hypodermazellen eingenommenen Räume. Ich will nicht bestimmt behaupten, daß die von der Masse über- deckten Stellen der Bastzellen eine Art Korrosion zeigen; der Anschein spricht allerdings dafür und in Fig. 11 soll das Bast- zellenstück sc dies veranschaulichen. Ich habe mich bemüht, in diesem Abschnitte in objektiver Weise den Befund meiner Untersuchungen, das Tatsächliche, das jeder Nachuntersuchung standhält, wiederzugeben. Der folgende soll theoretische Erläuterungen und Schlüsse, insoweit solche aus dem Ergebnisse der Untersuchungen gezogen werden können, enthalten. Anhangsweise will ich hier noch das Verhalten der Kohle- schicht mitteilen, das dieselbe bei der Keimung der Heliantlms- Früchte (beziehungsweise -Samen) zeigt. Die Fruchtschale nimmt (nach längerem Verweilen) in feuchter Erde Wasser auf und wird von dem heraustretenden Wurzelchen in zwei Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 25 Klappen zersprengt. Das sich stark streckende Hypokotyl hebt die Keimblätter mit der noch anhaftenden Schale in die Höhe, worauf die Fruchtschale wieder eintrocknet. Die Kohleschicht zeigt während dieses Prozesses stellenweise eine Zerbröckelung, eine wohl nur mechanische Zerstörung des netzförmigen Zusammenhanges; löst man die Bastzellen durch Erhitzen im Schulze'schen Gemische aus ihrem Verbände, so kann man an denjenigen, die an der Außenseite der Bündel lagern, noch deutlich den braunen Überzug und auch stärkere Auflagerungen in einzelnen schwarzen opaken Bruchstücken eng an die Zellwand angeschmiegt beobachten. Irgend eine Funktion der Schicht beim Keimungsprozeß läßt sich kaum annehmen, es müßte denn sein, daß sie die Wasseraufnahme der Frucht- schale durch die Lockerung des Gewebeverbandes unterstützt. IV. Theoretische Erörterungen und Folgerungen. Die in der Einleitung angeführten Arbeiten sprechen die schwarze Schicht als Sekret oder als eine Pigmentlage an. In meiner Arbeit über Heliantlitis glaubte ich auf Grund meiner Beobachtungen — Bräunung der Außenseite der äußersten Bastfaserzellen, zellige Struktur der Schicht in der Längs- ansicht — annehmen zu dürfen, daß die Schicht aus den Zellen selbst durch Mumifikation der Zell wände hervorgehe, daß sie eine Reihe desorganisierter Zellen sei und kein Sekret; daß von einem interzellularen Sekretraum nicht die Rede sein könne und daß ein Humifikationsprozeß die Umwandlung der Zellwand in nicht organisierte Substanz bewirke. In dieser weitgehenden Fassung kann ich meine damalige Anschauung mit Rücksicht auf das Ergebnis der gegen- wärtigen Studien nicht mehr aufrecht erhalten. Eine Um- wandlung der vollständigen Zelle, die hier gleichbedeutend wäre mit totaler Zerstörung der Zelle, findet nicht statt. Wohl aber handelt es sich um die Umwandlung eines Teiles der Zellwand und dies soll durch die folgenden Erörterungen klarzulegen versucht werden. In dem einen Pralle, der durch Tagetes repräsentiert wird und wozu auch mit einigen nebensächlichen Abänderungen Heli- anthtis und wahrscheinlich auch noch viele andere Gattungen 26 T. F. Hanausek, {Rndhec'kia etc.) gehören, wird das erste Auftreten der schwarzen Schicht durch die Bräunung der Außenwand der äußersten Bastfaserzellen (an der dem Hypoderm zugewendeten Seite) angezeigt. Dieser Teil der Außenwand ist aber auch zugleich ein Teil der Außenwand der korrespondierenden Seite der innersten Hypodermazellen, d.h. die gemeinsame Außen- vv^and der beiden Zellarten, der Bastfaser- und der Hypoderma- zellen, die bekanntlich auch als Mittellamelle bezeichnet ward. Die Mittellamelle ist das Objekt, in dem die Bräunung vor sich geht und die Entwicklung der schwarzen Schicht ihren Anfang nimmt. Diese Folgerung habe ich, wie in der Anmerkung 1 auf p. 9 ausgeführt ist, gemacht, bevor ich die Arbeit Wiesner's über den Nachweis der Kohle gekannt hatte. Auf Seite 22 bis 23 beschreibt nun Wiesner den (künstlich herbeigeführten) Verkohlungsprozeß des Holzes, der in einer bestimmten Abhängigkeit von dem feinen histologischen Baue des Holzes fortschreitet. »Betrachtet man einen durch die Rotkohle eines Nadelholzes geführten Querschnitt, so fällt sofort auf, daß die gemeinschaftlichen Außenhäute (die Mittellamellen) der Holzzellen tiefschwarz erscheinen, während die übrige Zellhaut braun gefärbt ist. Auch an Längsschnitten, und zwar nicht weniger augenfällig, tritt dieselbe Erscheinung dem Beobachter entgegen. Verfolgt man die sukzessive fortschreitende Verkohlung, so findet man, daß dieselbe in den Außenhäuten beginnt.« Bezüglich der Einwirkung der Chromsäure bemerkt Wies n er, daß nach längerer Dauer derselben die Rotkohle einen Rückstand hinter- läßt, »der nur aus gleichmäßigen langen schwarzen Fäden und schwarzen kreisförmigen Ringen besteht; erstere sind nichts anderes als die dicksten Partien der Außenhäute, nämlich jene Partien, welche dort liegen, wo vier Tracheiden sich berühren, Diese schwarzen Fäden entsprechen also genau dem, was uns im Durchschnitt als »Zwickel« entgegentritt Diese Partien verkohlen am frühesten und enthalten, wie die Resistenz gegenüber der Chromsäure lehrt, den größten Kohlenstoff- gehalt.« Demnach enthalten die Außenhäute jene Substanzen, »welche im Vergleiche zu den übrigen Zellhautpartien am leichtesten chemischen Veränderungen zugänglich sind«. Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 2/ Wir sehen, daß die Analogie der Erscheinungen in den beiden Prozessen eine außerordentlich große ist. Sie wird noch deutlicher, wenn man das Auftreten der Masse innerhalb des Bastzellgewebes bei Sderocarpus (Fig. 5, k') und in den beiden Entstehungsherden bei Xaiithiiun ins Auge faßt. Bei Sdero- carpus ist die Umwandlung der Mittellamelle in die schwarze Masse deutlich verfolgen. Der »Zwickel«, der Zwischenraum zwischen drei oder vier Sklerench3mizellen erscheint zuerst schwarz; von da schreitet die Umwandlung vorwärts, die dunklen Stränge dringen, bildlich gesprochen, zwischen die Zellen ein und umhüllen sie allmählich. Bei Xantliium findet das Gleiche statt. Wieder sind die Zwischenzellräume zuerst mit den schwarzen Stückchen erfüllt; der Umwandlungsprozeß ergreift hierauf die kurzen (in der Tangentialrichtung ver- laufenden) Wände der Hypodermazellen, so daß hier also tatsächlich die Zellwände selbst in den Prozeß einbezogen werden; auch Teile der Radialwände werden durch die schwarze Masse ersetzt. Es ist wohl im höchsten Grade wahrscheinlich, daß die zur Umwandlung bestimmten Außenhäute zuerst in einen anderen Aggregatzustand übergehen, der selbstverständlich mit einer Änderung der chemischen Konstitution verbunden ist. Ich bemerke ausdrücklich, daß ich niemals — und meine Beobachtungen umfassen einen Zeitraum von vier Jahren — die ersten Anfänge der Masse, die braune Haut und die braunen Stränge in einem anderen als im festen Zustande gesehen habe. Aber die Folgerung, daß die Außenhaut sich zuerst in einen weichen, plastischen, vielleicht gummiartigen Körper umwandelt, läßt sich nicht abweisen. Schon die ver- bogenen, oft aufgehäuften, gekräuselten und dendritisch ver- zweigten Partien der erst auftretenden braunen Stränge, besonders aber das Verschmelzen derselben zu einem Netz oder zu homogenen Platten weisen darauf hin, daß ein weicheres primäres Produkt die Grundlage des Prozesses gewesen sein muß, als es die Außenhaut ist; sie ist ja, wie Wiesner schon festgestellt hat, chemischen Veränderungen am leichtesten zugänglich. Läßt sich die Annahme eines 28 T. F. Hanau Sek, primären Produktes sicher erweisen, so muß die schwarze Masse wohl als ein Sekret angesprochen werden. ■ Eine intrazellulare Abstammung der schwarzen Masse kann nach dem Ergebnis meiner Untersuchungen nicht angenommen werden. Die verholzten und verdickten Bastzellen können kein Sekret nach außen senden, die Hypodermazellen haben nur einen sehr spärlichen Inhalt oder sind leer. Die zwischen den Bastbündeln befindlichen Lücken enthalten mark- strahlähnliche Zellzüge, die eine Verbindung der außerhalb des Bastmantels gelegenen Gewebe mit dem inneren Parench3'm bewerkstelligen, solange eine solche notwendig ist; sie sind stets ganz frei von der schwarzen Masse und haben mit der Entstehung derselben nichts zu tun. Die braunen Häute und die dunklen Stränge sind die umgewandelten Außenhäute vor- nehmlich der Bastfaserzellen; an der Vermehrung der erst entstandenen braunen, beziehungsweise schwarzen Masse werden sich wahrscheinlich auch noch andere Teile der Zell- wand beteiligen, wie dies allerdings nur bei Xanthium bestimmt nachgewiesen werden konnte. Ergebnisse. 1. Im Perikarp verschiedener Kompositen befindet sich eine aus einer braunen oder schwarzen opaken Masse bestehende Schicht. Die Masse bildet entweder ein Netz, das sich aus dichtstehenden, meist rechtwinklig gekreuzten Strängen zusammensetzt, oder sie tritt in schmalen, mit der Fruchtlängsachse parallelen rechteckigen Platten auf, die durch schmale Zwischenräume voneinander getrennt sind. In der Regel ist die Schicht am Fruchtscheitel am stärksten entwickelt. 2. Die schwarze Masse tritt in allen untersuchten Fällen an der Außenseite des Bastzellmantels des Kompositen- perikarps auf; sehr selten finden sich noch andere Stellen in der Fruchtschale, an denen sie beobachtet werden kann, so bei Scierocarpus innerhalb des Bastzellmantels in dem skleren- chymatischen Teile des inneren Parenchyms, bei Xanthiiint im Hypoderma der zwischen Epidermis und Bastzellmantel liegenden Gewebeschicht. Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 29 3. Die schwarze Masse bleibt in allen gummi- und harz- lösenden Flüssigkeiten gänzlich unverändert; sie ist weder in Alkalien noch in Säuren löslich oder durch diese zersetzbar; sie wird durch Kaliumchlorat und Salzsäure, durch Schulze- sches Gemisch und durch konzentrierte Salpetersäure (selbst nach wochenlanger Einwirkung) nicht aufgehellt oder irgend- wie verändert. Sie wird endlich auch durch das Wiesner'sche Chromsäuregemisch, das alle organisierten Objekte auflöst, nicht zerstört; nur die braunen durchscheinenden Partien der Masse werden aufgehellt, die zartesten Stränge teilweise wenigstens gelöst. Legt man ganze Früchte von Tagetes, Xanthmm etc. in Chromsäure, so bleibt von diesen nach 24- bis 36 stündiger Einwirkung nichts zurück als die schwarze Masse. Diese Widerstandsfähigkeit berechtigt zur Annahme, daß die schwarze Masse zum mindesten eine der Kohle nahe verwandte Substanz enthalte und daß ihr ein sehr hoher Kohlenstoffgehalt zukomme. 4. Das Vorkommen der schwarzen Masse scheint bei den Kompositen nicht selten zu sein; sie wurde in 13 Gattungen (von 34 geprüften) gefunden, wobei aber beachtet werden muß, daß sie nicht in jedem Fruchtexemplar derselben Art vorhanden ist; in den bein weißen Helianthtis-Früchten fehlt sie häufig. Selbstverständlich darf sie nicht mit dem Pigment gefärbter Fruchtschalen verwechselt werden, das den Inhalt der Epi- dermis- und mitunter auch der Hypodermazellen bildet. 5. Das erste Auftreten der Schicht bei Tagetes und Heliantlms wird durch die Entwicklung einer braunen Haut an der dem Hypoderm zugewendeten Außenseite der ersten Bastzellreihe angezeigt. Hierauf entstehen längs den Rändern der braunen Haut, die den Berührungsstellen zweier (darunter- liegenden) Bastfaserzellen entsprechen, unregelmäßig ver- laufende, hin- und hergebogene, dendritisch verzweigte braune Stränge, die immer reichlicher auftreten und sich bei Heliantlms und wohl den meisten anderen untersuchten Früchten zu einem dichten Netze zusammenschließen, bei Tagetes zu homogenen, durch schmale Zwischenräume getrennten Platten verdichten. Die für Helianthus charakteristischen Zäpfchen an der Außen- seite der Bastzellen, zentrifugale Wucherungen der Zellwand, 30 T. F. Hanausek, kommen bei Tagetes nur höchst selten vor. Sie sind nach der Anschauung des Autors überhaupt nur dort notwendig, wo es sich um Lockerung und Loslösung der Bastbündel vom Hypo- derm handelt, falls letzteres persistiert (Helianthiis), fehlen hingegen dann, wo die Lockerung der Bündel eine Folge der Reduktion des Hypoderma ist. Die Lockerung und Loslösung hätte nach dieser Auffassung den Zweck, Raum für die schwarze Schicht zu schaffen. 6. hl dem Perikarp von Scierocarpns africaniis entsteht die kohlige Masse auch innerhalb des Bastmantels in dem sklerotischen Teile des inneren Parenchyms; die Skiereiden werden von der Masse umhüllt und das erste Auftreten der letzteren ist stets in den gemeinsamen Außenhäuten (Mittel- lamellen) zu beobachten. Hier kommen demnach mehrere Ent- wicklungszentren der schwarzen Masse vor. 7. Das Perikarp von Xauthüiui strumarmm weist zwei Entstehungsherde der Schicht auf. Der erste ist der normale, die Außenseite der Bastbündel; der zweite ist in den an die Epidermiszellen grenzenden kurzen (tangential verlaufenden) Wänden der Hypodermazellen gelegen. Zuerst erfüllen sich die kleinen Interzellularen mit der schwarzen Masse, dann greift diese auf die Wände selbst über und schließlich sind die kurzen (Tangential-) Wände der Hypodermazellen gänzlich, die Radial- wände nur in den anstoßenden Teilen — aber nicht in den mittleren — in die Masse umgewandelt. In der reifen Frucht sind daher am Querschnitte zwei Stränge zu sehen, ein stark entwickelter in der normalen Lage (Außenseite des Bastmantels) und ein schwächerer zwischen Epidermis und Hypoderma. 8. Eine PTmktion der schwarzen Schicht beim Keimungs- prozeß (von HeliantJuis) darf wohl nicht angenommen werden; es müßte denn sein, daß sie die Wasseraufnahme der Frucht- schale durch die Lockerung des Gewebeverbandes unterstützt. 9. Die im Jahre 1902 in Bezug auf Helianthns ausge- sprochene Anschauung des Autors, daß die schwarze Schicht eine Reihe durch einen Humifikationsprozeß desorganisierter Zellen darstelle, läßt sich in dieser allgemeinen Fassung nicht aufrecht erhalten. Hingegen ergab die Untersuchung, daß der Umwandlungsprozeß in den gemeinsamen Außenhäuten (Mittel- Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. 31 lamellen) beginnt und daß diese Außenhäute das erste Material zur Bildung der Schicht abgeben. Eine augenfällige Überein- stimmung zeigt damit der (künstlich herbeigeführte) Ver- kohlungsprozeß des Holzes, bei dem nach den eingehenden Untersuchungen Wieso er's die Außenhäute der Holzzellen zuerst tiefschvvarz werden, an ihnen also die Verkohlung ihren Anfang nimmt und nach Behandlung mit Chromsäure diese Außenhäute als schwarze Fäden ungelöst zurückbleiben. Höchst wahrscheinlich entsteht zunächst ein primäres (vielleicht gummiartiges) Umwandlungsprodukt, wofür die ersten Formen der Stränge und ihr Zusammenschließen zu einem zusammenhängenden Netze oder zu Platten sprechen. Bei Xantliiiim konnte nachgewiesen werden, daß auch andere Teile der Zellwand sich an der Bildung der Masse beteiligen. Die physiologische Bedeutung der schwarzen Masse ist der- malen noch völliff unaufgeklärt. N a c h t r ä g 1 i c h e B e m e r k u n g. Auch Zimiia elegans J a c q. führt die schwarze Masse in Gestalt eines schön entwickelten Netzes. 32 T. F. Hanaus ek, Die »Kohleschicht« im Kompositenperikarp. Text ZU den Figuren. Tagetes errectns, Fig. 1 bis 4. Fig. 1. Partie eines Querschnittes von dem unteren Drittel (gegen die Basis) des Fruchtknotens. Fig. 2. Querschnitt in der Hälfte der jungen Frucht. Fig. 3. Zwei Bastbündel in der Längsansicht von der Außenseite. Fig. 4. a Platten der Kohleschicht; b die letzten Ausläufer an der Basis der reifen Frucht. Sclerocarpns africauus. Fig. 5. Partie eines Längsschnittes des reifen Perikarps. Epidermis und Hypo- derma sind nicht gezeichnet. Xanthhim strumarium, Fig. 6 bis 11. Fig. 6. A Partie eines Querschnittes des sehr jungen Perikarps; B der Samenhaut. Fig. 7. Oberhaut des Perikarps von der Fläche. Fig. 8. A und B, wie Fig. 6, von der fast reifen Frucht. Fig. 9. Querschnitt durch die Samenhaut bei Vollreife. Fig. 10. Hypodermazellen von Fig. 6. A in der Aufsicht. Fig. H. Kohleschicht von der reifen Frucht, von der Fläche; ep Epidermis des Perikarps, beziehungsweise Fruchtknotens; ep' Epidermis der Samen- haut; sep Hypoderma; sc Bastzellen (beziehungsweise Bastzellmantel, Bastzellbündel); sc' Sklerenchym; k, h' Kohleschicht und Teile der- selben; ^ Gefäßbündel; p inneres Parenchym des Perikarps; in Mittel- schicht der Samenschale; al Aleuronschicht. naTiciiisek,XF;Die„KohlerLSchif;hte"im Koniposiieii Perikarp. Taf.l. V ■■ r P I "LF.Bariaijsi'k delhi . ljtlLAn.st,v,Th.Baiimvaith>'ipii. ^Sitzungsberichte d.kais.A].DC. Prodr.«, Vol. X, p. 585, unter den Genera non satis nota der nämlichen Familie, Hooker fil. bemerkt 1. c: »Its affinity with Ancylogyne^ is obvious, and so close, that there can be little doubt but that the name Ancylogyne should be oppressed<'. Zehn Jahre später schreiben Bentham und Hook er fil. in den »Genera plan- tarum« (Vol. II, p. 1083): »Genus auctorum Florae Peruvianae diu haud recognitum fuit ob errorem in descriptione quoad seminum numerum, species tamen 3 a Neesio in Prodromo descriptae^ ad S. ovatam R. et P. ipsam referendae videntur, his addantur plures nuperrime detectae«. In dieser Auffassung schließen sich neuere Autoren, wie Baillon in seiner »Histoire des plantes« (Vol. X, 1891, p. 429) und Lindau in Engler und Prantl, »Nat. Pflanzenfamilien« (IV, ?>b, p. 294), an Bentham und Hooker an und vereinigen die Gattung Ancylogyne mit Sancliezia. Auf die früher in der Gattung Ancylogyne Nees unter- gebrachten Arten ^ sowie auf die übrigen Spezies der Gattung 1 S. ollonga R. et P., 1. c, Vol. I, tab. 8, fig. b (nicht fig. 6, wie der Index Kewensis sagt) ; S. ovata R. et P. tab. 8, fig. c. 2 Aufgestellt von Chr. Gottfr. Nees v. Esenbeck in Mart. Flor. Brasil., Vol. IX, p. 63 (1847), wo zwei Arten erwähnt werden: A. macrocnemis (Poecilo- £nentis macrocnemis Mart.) und A. munita, beides einander sehr nahestehende Arten; letztere ist 1. c. tab. 7 abgebildet und erinnert habituell stark an S. nohilis. 3 Das sind A. capitata Nees, A. Peruviana Nees und A. munita Nees. * Außer den genannten noch eine habituell sehr abweichende Art, deren violette Blüten in lockeren, dekussierten Trauben zu stehen scheinen, deren Ausgänge zweizeilig sind, also Scheinwickel darstellen, soweit man aus der Abbildung der A. longißora Hook. fil. in Curtis' Bot. Mag., tab. 5588 (1866; schließen kann. Morphologie der Sanchezia nohilis Hook. fil. oO werden weiter unten noch einige Worte zu sagen sein. Zu- nächst möge das morphologische Verhalten unserer Art be- sprochen werden, soweit dies das etwas spärliche, dem k. k. Hofgarten in Schönbrunn entstammende Material erlaubt.^ Die Keimpflanze ist unbekannt. Wie schon oben bemerkt, wird die Art bei uns ausschließlich durch Stecklinge vermehrt; daher kommt es, daß man auch nicht mit absoluter Sicherheit, sondern nur mit großer Wahrscheinlichkeit sagen kann, daß sie zweiachsig ist. Die Blattstellung ist in Übereinstimmung mit der ungeheuren Mehrzahl aller Acanthaceen die dekussierte, die relative — und wohl auch die absolute — Hauptachse schließen mit einer Infloreszenz von bekanntem Habitus ab; bisweilen entwickeln sich, wie bei anderen Arten, aus den Achseln der obersten Laubblätter noch ein bis zwei kleinere Blütenstände von ähnlichem Bau, doch standen mir derartige kräftige Individuen in der letzten Zeit nicht mehr zur Ver- fügung; Hooker fil. bildet indessen 1. c. derartiges ab. Auf die Laubblätter folgen an der Hauptachse große, bauchig ent- wickelte Bracteen unter Beibehaltung der Blattstellung, in deren Achseln in dem sub I beschriebenen Falle in zwei um 90° divergierenden Zeilen dichtgedrängte Glomeruli entwickelt sind, die sich aus Blüten recht verschiedener Entwicklungs- stadien zusammensetzen. Wie aus Fig. 1 ersichtlich, sind diese Blütenstände serial bereichert und es mag gleich im voraus bemerkt werden, daß die Partialinfloreszenzen Wickelsym- podien darstellen, ferner daß auch Bereicherungen der ß-Achsel- produkte vorkommen, die sich allerdings auf die niederen Sproßgenerationen beschränken. In Fig. 1 bezeichnen die ein- fachen, stark konturierten Kreise einzelne Blüten, die Doppel- kreise Bütenstände. Für die drei ersten Blattpaare bezeichnen 1 Es sei mir an dieser Stelle gestattet, für die Überlassung des Materiales den Herren Anton Um lauf ft, k. u. k. Hofgartendirektor, und Franz Vogel, k. u. k. Hofgarteninspektor, meinen verbindlichsten Dank auszusprechen; nicht minder für die Erlaubnis, Herbar und Bibliothek des k. k. Naturhistorischen Hof- museums zu benützen, Herrn Kustos Dr. A. Zahlb ruckner, sowie für die Sammlungen des Botanischen Instituts der k. k. Universität, Herrn Prof. Dr. R. V. Wettstein. 3* 36 R. Wagner, die großen Doppelkreise dreiblütige Wickeln, die kleinen Doppelkreise zweiblütige; was das vierte Blattpaar anbelangt, so konnte des Erhaltungszustandes wegen nur festgestellt werden, daß zwei serial angeordnete Infloreszenzen vorhanden Fig. 1. Sanchezia nobilis Hook. fil. Diagramm eines endständigen Blütenstandes. Näheres im Texte. waren; ob eine davon oder gar beide Bereicherungsprozesse aufwiesen, war nicht mehr zu konstatieren. Die schraffierten Doppelkreise zeigen an, daß in der betreffenden Partial- infloreszenz sich Blüten mit abnormer Kelchdeckung finden, wovon weiter unten noch die Rede sein soll; dasselbe gilt von der serialen Primanblüte in der Achsel des ersten Deckblattes. Morphologie der Sanchezia nobilis Hook. fil. 37 Die fraglichen Blüten mit metatopischer Deckung sind mit römischen Ziffern bezeichnet; es bedeutet also III eine Tertian- blüte, bezogen auf die Partialinfloreszenz erster Ordnung. Zur Stellung der blütentragenden ^ Brakteen erübrigt noch zu bemerken, daß, wie aus der Figur hervorgeht, sich die gegenständigen Brakteen ohne jede Regel umfassen, ohne Rücksicht darauf, ob sie Blütenbüschel stützen oder nicht. Das nämliche dürfen wir mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den übrigen derart ausgebildeten Arten erwarten, deren eine von solchen Brakteen sogar ihren Namen erhalten hat: die als Ancylogyne von Nees in der »Flor. Bras.« beschriebene Sanchezia niunita PI. Auf Taf 1 sind die beiden untersten Partialinfloreszenzen erster Ordnung in etwas schematisierter Weise wiedergegeben; beide Tragblätter sind entfernt. Bezeichnet man die Tragblätter willkürlich mit a, b, c und b, wobei selbstverständlich der Rich- tungsindex von a willkürlich gewählt ist, so haben wir, wie schon in Fig. 1 angedeutet, zwei in verschiedenem Maße be- reicherte Partialinfloreszenzen W^i und Wl Aus praktischen Gründen mag zunächst die zweite Partialinfloreszenz erster Ordnung besprochen werden. I. Wir finden in der Achsel des abgetragenen Blattes B,i elf Blüten und eine Anzahl Brakteolen; letztere sind von sehr verschiedener Größe und daher auf einem etwa in halber Höhe von S'iia^ geführten Querschnitte, wie er in Fig. 2 abgebildet ist, nicht alle getroffen. Aus dieser Figur ist ohne weiteres ersichtlich, daß das Achselprodukt durch zwei Beisprosse bereichert ist und daß außerdem innerhalb des Hauptachsel- produktes noch eine Bereicherung stattgefunden hat. Die wenigen eingetragenen Brakteen mußten aus Raumgründen mit abgekürzten Formeln bezeichnet werden und es bedeutet: a'ai. . . das a-Primanvorblatt des Hauptachselproduktes, [jsl • • • » ß- » » » 1 Bezüglich der Blütenmorphologie sei auf Hooker's Darstellung, 1. c, verwiesen. 38 R. Wagner, «dl «52 das a-Primanvorblatt des ersten Beisprosses, » ß- » » » » » a- » » zweiten Beisprosses, » a-Sekundanvorblatt des Hauptachselproduktes von S3di ßs- Die römisclien Ziffern bezeichnen die Sproßgeneration, also I die Primanblüte, II die Sekundanblüte etc.; durch die Striche sind die einander serial koordinierten Blüten in der Fig. 2. Sanchezia nohilis Hook. fil. Schematisierter Querschnitt durch eine Partial- infloreszenz erster Ordnung. Näheres im Texte. aus den Formeln gewohnten Weise gekennzeichnet. Die arabischen 1 bezeichnen die Stellung des ersten Kelchblattes, bei 1! handelt es sich um anomale oder wenigstens ungewohnte, gleich zu besprechende Stellungsverhältnisse. Jede der drei Primanblüten hat gleich orientierte Vor- blätter, ein Verhalten, dem wir bei dieser Art durchwegs begegnen; in unserem Falle fällt a stets nach rechts und ist Morphologie der Sanchezia nohilis Hook. fil. 39 Steril; Fertilität des a- Vorblattes ist überhaupt nie beobachtet worden. Hinsichtlich der ß-Achselprodukte ist eine Verschieden- heit insoferne zu konstatieren, als das Hauptachselprodukt eine serial bereicherte Partialinfloreszenz zweiter Ordnung aus ß entwickelt, eine nur zvveiblütige Gruppe, die sich gleich anderen Serialsprossen unserer Art etwas zwischen die Blüten der akropetal inserierten Partialinfloreszenz einschiebt; auf diese V/eise wird innerhalb der Knospe der Raum am besten ausgenützt. Das gesamte ß-Achselprodukt ist auf Taf I ver- deckt und auch von dem ersten Beisprosse sind nur die beiden Primanvorblätter, die Priman- und Tertianblüte, zu sehen, durch Vergleich mit dem Querschnitt in Fig. 2 leicht zu identifizieren. Betrachtet man Fig. 2, so fällt zunächst die schon re- gistrierte Verschiebung der serialen Infloreszenzen ineinander auf; damit steht wohl im Zusammenhange, daß die Sym.metrie- ebenen der medianzygomorphen Blüten mit der einzigen Aus- nahme von '^'d\^'s2^d^si nicht mehr durch die zugehörige Abstammungsachse gehen, was wohl auf sekundäre Verschie- bungen während des Wachstums zurückzuführen ist. Dagegen entspricht der abgerundet fünfeckige Querschnitt immer der morphologischen Zusammensetzung, kann daher nicht auf Rechnung des Druckes gesetzt werden. Die Vorblätter sind ihrer Entwicklung nach sehr verschieden, nehmen aber im all- gemeinen mit der Sproßgeneration sowie der Stärke der Partial- infloreszenzen rasch an Größe ab und kommen teilweise gar nicht zur Ausbildung; die kleinsten, die beobachtet wurden, stellen Schüppchen von kaum 1 mm Länge dar und werden daher sehr leicht übersehen; in anderen Fällen, wo wir sie nicht mehr feststellen können, sind wir daher wohl berechtigt, ihren Abort anzunehmen; typische Vorblattlosigkeit ist nicht zu konstatieren. Wohl die größte Merkwürdigkeit bietet aber das \'erhalten der höchsten Verzweigungsgenerationen: bei den mit 1! bezeichneten Blüten finden wir eine Stellung des ersten Kelchblattes, die im Widerspruch mit der bei Wickelsympodien zu erwartenden steht; die Wickelsympodien des Hauptachsel- produktes sowie des ersten Beisprosses schließen mit zwei- blütigen homodromen Gruppen ab. Man könnte dieses Verhalten als eine Umlagerung des a-Vorblattes deuten, ich 40 R. Wagner, ziehe es indessen vor, hierin eine Metatopie des Kelches zu erblicken, zumal bei anderen kontorten Acanthaceen meta- topische Deckungen eine große Rolle spielen, so bei der vvest- afrikanischen Whitfieldia lateritia Hook.^ Wir würden somit bei den höchsten Sproßgenerationen eine Form der Metatopie haben, die eutopisch quincunciale Stellung vortäuscht; das Verhalten des zweiten Serialsprosses, bei welchem die Stellung des ersten Kelchblattes der Sekundanblüte keine Besonderheit aufweist, würde dann der wiederholt und in sehr verschiedenen Familien konstatierten Tatsache entsprechen, daß wir ursprüng- lichere Verhältnisse, alte Charaktere bei Serialsprossen häufig antreffen; weiter unten wird dieses Vorkommnis noch Er- wähnung finden. Somit wäre die Annahme einer ganz unge- wohnten Orientierung des a- Vorblattes vermieden. Nicht zur Entwicklung gelangt sind in unserem Falle ^diBs2ßd, dann '^'d\^'s2^di'[^s und deren Vorblätter, im ersten Serialsproß die Vorblätter der Tertianblüte, im zweiten Serial- sproß die der Sekundanblüte. Im übrigen mag bemerkt sein, daß ohne bestimmte Regel bald das a-, bald das ß-Vorblatt kräftiger ausgebildet ist. Die Aufblühfolge ist aus der Tabelle 1 ersichtlich, unter der Voraussetzung allerdings, daß sich die Blüten in gleichem Maße weiter entwickeln, daß keine die andere überflügelt. Auch hier können wir nur mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, da es an direkten Beobachtungen fehlt. II. Die unterste Partialinfloreszenz erster Ordnung ist durch einen Serialsproß bereichert, ebenso das ß-Achselprodukt. Dem Hauptachselprodukt erster Ordnung gehören sechs Blüten an, dem Beisprosse drei; von den genannten sechs Blüten entfallen zwei auf einen Serialsproß zweiter Ordnung. %'a\ leitet ein vierblütiges Wickelsympodium ein, dessen Quartanblüte bei unterdrückten Vorblättern normale Stellung des ersten Kelchblattes aufweist. 1 Abgebildet in Curtis' Botanical Magazine, tab. 4155 (1845). Morphologie der Sanchezia nobilis Hook. fil. 41 C C o in u C § 4) J^ o ^ % ^ 13 5 cj h 0. c •C) u t:) 0) TS N (1> c bf) :T o «<-( UJ :3 53 (4-1 ~ 3 ■- o o X o « ^ , C^l "^ ,ri 73 S. 1 1 1 t 1 1 ^' C :3 1 1 1 1 1 1 1 i_ ^ ^ *^^ OJ o s? 'S CO & tsj - 2 1 1 . ^c 1 1 , o "S 3 1 1 ' s?^ ' ' t/5 0- CO _— o ;. t-l ■i .^ 1 I I ^ O- C/3 u J3 ra Qh 3 CO — 5 1 1 1 1 1 1 «^ 1 1 Cl 1 1 1 (U s e:"' m 3 3 ^ ^ 73 O o>- S?^ Uh ü _D- ro c3 o C/5 — o c;~ -^ "o rt -^ 1 1 Cl k2 1 1 1 1 1 1 1 U, rt ^ 4) CO CS 3 Q Cl 1 1 "*"* 5 1 1 1 ^ 1 1 1 1 1 cx lU u 5J 3 CS x: o cd K ci C -.3 CO Cl ' ' ' 1 ^ i ' , H^ o ^ g |3 'H 2 i?" 1 1 1 1 1 1 1 1 1 P^ -H C<1 CO -r lO CD t^ CO CTJ 44 R. Wagner, Orientierung des a- Vorblattes. Er ist serial bereichert, ebenso das ß-Achselprodukt des Hauptsprosses. Von den zehn Blüten entfallen vier auf die seriale Partialinfloreszenz erster Ordnung, zwei auf die seriale Partialinfloreszenz zweiter Ordnung. Sämtliche Wickelausgänge sind homodrom. Eine eigenartige Variante findet sich innerhalb des Beisprosses erster Ordnung insoferne, als dessen Sekundanblüte im oben er- läuterten Sinne metatopisch ist, die Tertianblüte wieder normal, so daß also die sämtlichen vier Blüten des Wickelsympodiums homodrom sind, ein Fall, wie ihn in dieser Art die Literatur nirgends registriert; daher mag er in Fig. 3 dargestellt sein. Die metatopisch deckenden Blüten sind im Diagramm mit einem Ausrufungszeichen versehen. Die weiter oben inserierte Partial- infloreszenz erster Ordnung war leider zu sehr defekt, um genauer untersucht werden zu können; ich muß mich daher gänzlich auf die eingangs gemachten Bemerkungen be- schränken. Es wäre von großem Interesse, das Verhalten der oberen Partialinfloreszenzen sehr üppig entwickelter Exemplare, wie sie in der Literatur abgebildet sind, zu studieren; zur Zeit bm ich nur in der Lage, einige andere Partialinfloreszenzen erster Ordnung zu besprechen, die ich seit mehreren Jahren aufbewahrt habe. IV. Serial bereicherte Infloreszenz. Während das Hauptachselprodukt mit Primanblüte abge- schlossen ist, entwickelt der Beisproß mehrere Blattpaare und eine Infloreszenz aus dem rechten Vorblatt, ebenso aus dem nach vorne fallenden ersten Medianblatte. Beide sind schlecht erhalten, da die Pflanzen sehr von Ungeziefer zu leiden haben. Immerhin läßt sich feststellen, daß bei der aus dem rechten Vorblatte sich entwickelnden Infloreszenz die Kelchdeckung der Priman- und Sekundanblüte normal ist. Das Hauptachselprodukt hat ein nach rechts fallendes ^-Vorblatt, das eine sechsblütige, serial bereicherte Infloreszenz stützt; auf den Beisproß entfallen zwei Blüten. Keine Homo- drom ie. Wenn die oben entwickelten Anschauungen richtig sind, würde man mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen dürfen, daß die in Frage stehende Partialinfloreszenz erster Morphologie der Sanchezia nohilis Hook. fil. 45 Ordnung dem untersten Teile eines Blütenstandes angehört; dazu paßt auch der Umstand, daß der Beisproß nicht direkt floralen Charakters ist, sondern daß erst seine zweiten Achsen durch Blüten abgeschlossen sind. V. Partialinfloreszenz erster Ordnung mit zwei Beisprossen (im Diagramm Fig. 5 mit ^R^^^j bezeichnet). Der Hauptachselsproß zählt vier Blüten, der erste Beisproß deren drei, der zweite zwei. Die Wickelsympodien sind nach rechts entwickelt, Homodromie findet sich nur bei der Quartanblüte; in beiden Beisprossen zeigen die Wickel- sympodien nichts besonderes. Scämtliche Vorblätter sind ent- wickelt, mit Ausnahme der Quartanvorblätter und des ß-Se- kundanvorblattes im zweiten Beisprosse. VI. Partialinfloreszenz erster Ordnung mit zwei Beisprossen (Fig. 4; im Diagramm Fig. 5 mit W^^ bezeichnet). Das ß -Achselprodukt des Hauptsprosses ist serial be- reichert, und zwar durch eine zweiblütige homodrome Gruppe. So entfallen auf das Hauptachselprodukt sechs Blüten, auf den ersten Beisproß drei, auf den zweiten zwei. Außer der erwähnten Metatopie finden wir im Hauptachsel- produkt eine solche bei der Tertianblüte, so daß, da die Quartan- blüte die normale Kelchstellung aufweist, im Wickelsympodium drei homodrome Blüten aufeinander folgen. VII. Eine 16 blutige Infloreszenz, bestehend aus Hauptachselpro- dukt und zwei Beisprossen (im Diagramm Fig. 5 mit ^^^ bezeichnet). Das Hauptachselprodukt ist wiederum serial bereichert, achtblütig, drei davon entfallen auf den Serialsproß zweiter Ordnung. Beide Serialsprosse erster Ordnung sind vierblütig. Im ganzen Blütenstande finden sich vier Blüten mit der ab- 46 R. Wagner, normen Kelchdeckung, die man wohl präziser als es der Aus- druck »metatopisch« ist, mit »pseudeutopisch« bezeichnen kann; es handelt sich um eine Quintanblüte, zwei Quartan- blüten und eine Tertianblüte. Beide Beisprosse erster Ordnung schließen homodrom ab; bemerkenswert ist das Verhalten des Fig. 4. Sanchezia nobilisUo ok. fil. Diagramm einer Partialinfloreszenz erster Ordnung. Nur die Kelche metatopischer Blüten sind ausgeführt. Im Diagramm Fig. 5 mit &i^' bezeichnet. Beisprosses zweiter Ordnung, der sich ausschließlich aus eutopischen Blüten zusammensetzt, mit anderen Worten, nach der oben entwickelten Anschauung ältere Charaktere aufweist als das koordinierte Hauptachselprodukt, eine Tatsache, auf die in der Literatur schon an verschiedenen Stellen hingewiesen werden konnte. Über die Aufblühfolge gibt die Tabelle 3 Auf- schluß. Morphologie der Sanchczia nobilis Hook. fil. 47 VIII. Eine 13 blutige Partialinfloreszenz erster Ordnung, zwei Bei- sprosse erster Ordnung, ein Beisproß zweiter Ordnung (im Diagramm Fig. 5 mit 3i^3) bezeichnet). Drei pseudeutopische Blüten vorhanden, die aber über- raschenderweise nirgends die Ausgänge der Sympodien bilden. Der zweite Beisproß erster Ordnung und der Beisproß zweiter Ordnung bestehen aus eutopischen Blüten. Über das weitere orientiert die Tabelle 4. IX. Eine elfblütige Partialinfloreszenz erster Ordnung, zwei Bei- sprosse erster Ordnung, ein Beisproß zweiter Ordnung (im Diagramm Fig. 5 mit "^^p bezeichnet). Die drei pseudeutopischen Blüten finden sich hier in den Wickelausgängen der beiden Beisprosse erster Ordnung, wäh- rend das mit einer zweiblütigen Wickel bereicherte Haupt- achselprodukt erster Ordnung nur eutopische Deckungen auf- weist. Es ist das ein Verhalten, dem wir mutatis mutandis nur noch bei der im Hauptachselprodukt einfach serial bereicherten Partialinfloreszenz / begegnen, wo die einzige pseudeutopische Blüte den Ausgang der dreiblütigen serialen Partialinfloreszenz erster Ordnung darstellt. Im übrigen mag auf die Tabelle 5 ver- wiesen sein. X. Gleich ^^^^' eine elfblütige Partialinfloreszenz erster Ordnung, doch von gänzlich abweichender Zusammensetzung (im Diagramm Fig. 5 mit %^^^ bezeichnet). Es sind nur zwei Beisprosse gebildet, einer erster und einer zweiter Ordnung, beide sind dreiblütig. Die einzige pseudeutopische Blüte bildet, wie schon oben bemerkt, den Ausgang der Partialinfloreszenz serialer erster Ordnung. Im übrigen mag auf die Tabelle 6 verwiesen sein. 48 R. Wagner, CO bC C •ö )-l O u Vi O V4 Oh u 4) C 0) C4-X «C3 ^* O o f5i o 'S CO . o>- ö C3 « m « -"• OJ CO ^ IfS CO Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I. 50 R. Wagner, CO ^ G 3 Ö C O C Vi (D 4) bß C4-C ^' O © X CO O o CO . Is ii _2 m 3 ^ ^ •o c III 1 1 1 1 1 1 1 CO r 1 o .S 1 1 1 P5 ' 1 Ih '3 o p. O? ^"^ X "^ &> ffi 5 c 1 1 1 CO 1 1 ' i 1 1 1 1 ' C ■^ .N ^5 -o S. -■^ , S -^^ pa 1 { 1 1 1 1 1 1 1 1 ^ -^ 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 D CT» CO o :3 ja C ^ 1 1 1 1 1 [ 1 1 1 1 1 1 rt ^ 1 1 1 I 1 1 1 1 ] 1 1 1 S cu -- Ol CO ^ lo CO c^ DO o o — C3 CO Morphologie der Sanchezia nobilis Hook. fil. 51 o 3 3 w •« 5 1 1 1 1 1 1 1 1 1 M 1 T3 1 1 1 1 I 1 1 1 1 :t 1 ^iH 5 ES "3 CO '5 tsi c CS s 1 i 1 1 ,,, c?» 1 ,., •^ 0) ■^ ::2 CQ 2 00 '-0 ^ 3 "O -S o 3 CO u 5 i 1 1 1 1 1 1^11 1 ft, "tl 1 1 ! t r S c?f 1 1 1 1 1 1 ;_ ^ — 1 oa CO '^ lO CO r^ CO 05 o ^^ ■^^ Morphologie der Sanchezia nobilis Hook. fil. 53 C-l W ^ •-H W CO 54 R. Wagner, O c C TS c N o C T3 X! :3 3 <5^ Cd o o o H o :3 CO"' 3 CO c ö 1 1 1 1 1 1 1 1 1 p°^ l 1 1 ^ ' 71 03 ^■^ 3 m o? 03 w O ü D, :3 CO _tn V) OJ 3 üa pq 1 1 1 1 1 1 1 ' ' C C :3 3 ' — ' 1 1 1 1 I 1 1 1 1 •♦^ 'S w ^ CO 3 'S o :3 CQ w 3 P3 a c C3 1 1 1 1 I 1 1 1 1 05 1 " C I 1 m ' (U '3 Ä w o es ^ 0) ^ ■tJ 3 S t3 O, o 3 CO 3 "3 c i 1 1 1 1 1 ^ i 1 1 1 rt CS 3 K o O? w D ö D X :"3 C 1 1 1 CO 1 .^ 05 1 1 1 I 1 1 ;, ■* n, M TJ 2 , -"^ , G :3 m 1 1 1 { 1 1 1 1 1 1 1 1 CO C o sia w 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 ■n ^ CU '-' -( o 'S bC 3 > I I CO CO ; "<ö r» ^ m'' « OJ oa 1 ■^ 1 1 •^ pa i2 C^ N £3 1 1 1 Cl i 00 p^ ca'^' m" 1 pa^ ^w ^ «.^tH j « cT 5> ^ " CO CO oc CO CO •y 13 P3 ^ m Cü pa"^ öl '^ c:i 1 CO Cl Cl CO IM 1 OJ 1 CO + in , t^ pa"' 1 ra'' ea c^ 1 pa C^3 2:r-i ^r^ ^'H ^iH ^■r-t « 9» ^ ^ W - r^ ec ^ 1 1 ^ 1 1 •^ ca ^ CO 1 CO 1 + <^1 CO ^< ^1 Oi T- 1 « 1 1 CO 1 ' 00 1 1 CO 1 1 CO ' ■ — ■ — .^ ^ ,.- ^^ ' CO CO G^ 9> ii- s; u ^ 60 R. Wagner, y,loTpho\ogie der Sanchezia nobilis Hook. ül. also, die auch ontogenetisch neuer sind. Wir haben also, vor- ausgesetzt, daß diese Anschauungen richtig sind, hier nichts anderes vor uns als einen Spezialfall des biogenetischen Grund- gesetzes. Möglicherweise befindet sich die Pflanze im Stadium des Überganges von der normalen, eutopisch-quincuncialen Kelchdeckung in eine metatopische; der neue Charakter ist aber noch nicht völlig durchgedrungen, die Kelchdeckung befindet sich noch gleichsam in labialem Gleichgewichte, das mit stei- gender Generation mehr und mehr zu Gunsten der pseud- eutopischen Deckung gestört wird. Die auftretenden homo- dromen Wickelsympodien bilden ein nicht uninteressantes Pendant zu den durch Eichler bekannt gewordenen homo- dromen Gruppen von Canna iiidica L., also zweifelsohne einer in ihrem Blütenbau außerordentlich abgeleiteten Form. Mög- licherweise wird eine Untersuchung der übrigen, mit Ausnahme der bereits berührten 5. longiflora Hook, fil., augenscheinlich unserer Art ziemlich nahestehenden Arten in die Frage Licht bringen; doch scheitert sie vorläufig gänzlich an Material- schwierigkeiten. Es bedarf wohl keiner weiteren Begründung, wenn ich es unterlasse, im einzelnen auf die Verwandtschaftsverhältnisse der anderen »beschriebenen« Arten einzugehen; inwieferne überhaupt eine Übereinstimmung bezüglich des Aufbaues herrscht, das wird bei der Seltenheit der Objekte sich unserer Kenntnis wohl noch auf lange Jahre hinaus entziehen. K. Wagner: Sanchezia nobilis. ^rf^'BioC^ Sitzungsberichte d. kais. Akad. d. Wiss., math.-naturw. Klasse, Bd. CXVI, Abt. I, 1907. 61 Zur Morphologie des Tabaks und einiger anderer Nicotiana-Arten von Dr. Rudolf Wagner. (Mit 4 Textfiguren.) (Vorgelegt in der Sitzung am 24. Jänner 1907.) Die Arten der Gattung NicoHana weichen habituell sehr voneinander ab und vor allem sind es die Blütenstände, die gar nichts Gemeinsames aufzuweisen scheinen, es sei denn die cymöse Natur; des weiteren sind wir über deren Aufbau nicht orientiert; Darstellungen, wie sie im »Standard work« des ver- gleichenden Morphologen, in Eichler's Blütendiagrammen für Dahira Stramonmm, Atropa Belladonna und Solantim nigrtmi mitgeteilt werden,^ in denen diese Verzweigungssysteme inter- pretiert werden, besitzen wir nicht und, von einer Beschreibung Sendtner's^ abgesehen, bewegt sich die Systematik in Aus- drücken von gewohnter Vieldeutigkeit. Der neueste Monograph der Gattung, Comes,^ hat es nicht der Mühe wert erachtet, auf die Einzelheiten des Aufbaues einzugehen, er begnügt sich vielmehr, entgegen den Anforderungen, die wir an eine Mono- graphie zu stellen berechtigt sind, sich — euphemistisch aus- gedrückt — in den von den ersten Bänden des »Prodromus« vorgezeichneten Bahnen zu halten; schon Sendtner, dessen ausgezeichneter »Excursus morphologicus de Solanacearum inflorescentia« allerdings erst ein halbes Jahrhundert alt war, geht ihm zu weit. Von diesem als Mitbegründer der heimischen 1 Bd. 2, p. 200. 2 Flora Brasiliensis, Vol. X (1846), p. 165. 3 Monographie du genre Nicotiana. Naples 1899. O- R. Wagner, Pflanzengeographie bekannteren Autor stammt die beste mir bekannte Charakterisierung der Mt-o/m;/cz-Blütenstände: »In- florescentia terminaHs, cymosa (cincinnus unilateralis prophyllis bracteaeformibus solitariis, rhachi communi vel pseudoaxi stricta, elongata, virgata) modo racemum simplem fingens modo ramosa et in formam paniculae composita«. Bis hieher ist die Formulierung den Tatsachen entsprechend, doch beweist die nun folgende Angabe: »Flores in pedicellis calyces subaequanti- bus e foliorum aut bractearum axillis«, daß er sich mit der Gattung nicht eingehender befaßt hat; in den oben genannten »Excursus« sind es vor allem die Riesengattung Solaiiimi sowie Cyphomandra, die seine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, während Nicotiana gänzlich übergangen wird. Im übrigen bewahrheitet sich seine Bemerkung: »evolutiones. . . omnes tantae vis et efficientiae, ut inflorescentiam quam maxime variabilem et explicatae difficilem reddant'<, wie die folgenden Zeilen beweisen dürften. Aus praktischen Gründen sollen zunächst einige andere Arten besprochen werden, deren Aufbau übersichtlicher ist. Nicotiana paniculata R. et P. Bereits im Jahre 1799 wurde diese Art von Ruiz und Paron in ihrer »Flor. Peruv. Chil.«, Vol. II, tab. \2Qh, abgebildet, doch vermag ich die Zeichnung nicht in Einklang mit den Tat- sachen zu bringen, sie scheint vielmehr allzusehr mit der freien Phantasie des Illustrators belastet zu sein, wenn schon für den morphologisch ungeschulten Beobachter der Habitus vielleicht recht gut getroffen sein mag. Nach einem Exemplar des Wiener botanischen Gartens ist Fig. 1 gezeichnet, welche die Terminal- blüte und die vier obersten Partialinfloreszenzen der Rispe in halbschematischer Darstellung veranschaulicht. Wie in allen Figuren, ist von der Andeutung des Indumentes Abstand ge- nommen, die konsekutiven Sproßgenerationen sind abwechselnd dunkel und licht gehalten, die einzelnen morphologischen Bestandteile aus Raumgründen durch abgekürzte Formeln be- zeichnet. Wie auf den ersten Blick ersichthch, ist die Hauptachse des Blütenstandes durch seine Terminalblüte abgeschlossen, Morphologie des Tabaks. 63 die früher zur Entfaltung gelangte als die in der Abbildung ersichtlichen Endblüten der Partialinfloreszenzen erster Ord- nung, also die Primanblüten. Indessen ist die Aufblühfolge der Fig. 1. Oberster Teil einer Rispe von Nicotiana panicnlata R. et P. Näheres im Texte. Infloreszenz keineswegs streng zentrifugal, wie man vielleicht aus Fig. 1 entnehmen könnte, wo der Größe nach auf die Ter- minalblüte die Primanblüte der obersten Partialinfloreszenz erster Ordnung folgt, sondern im unteren Teile der Rispe, die 64 R. Wagner, sich im vorliegenden Falle aus nicht weniger als 15 Teilblüten- ständen erster Ordnung zusammensetzt, finden wir selbst die Sekundanblüten bereits im Zustand aufgesprungener Kapseln. Bezeichnet man in Fig. 1 die an der Hauptachse inserierten, aber mit ihren Achselprodukten verwachsenen Blätter mit t, u, ö und Vo, so finden wir die Partialinfloreszenz erster Ordnung %'^^ gleich den folgenden aus zwei sehr ungleichen Kom- ponenten zusammengesetzt, indem das Hauptachselpro- dukt eine mächtige Entwicklung aufweist, während der Beisproß, mit seinem Tragblatt ein Stück weit verwachsen, infolge der Entwicklung großer Drüsenhaare in der ganzen Infloreszenz leicht übersehen werden kann. Im Gegensatze zu der später zu besprechenden NicoHana Tabacum L. habe ich hier den Beisproß innerhalb des Blütenstandes nie entwickelt gefunden. Der besseren Übersichtlichkeit halber sollen zunächst die Serialsprosse und dann erst die Hauptachselprodukte besprochen werden, was auch für die anderen Arten gilt. %'l ist ein verkümmerter Beisproß. %[ ein Dichasium mit wohlentwickeltem Epipodium. Hier fällt schon das differente Verhalten der beiden Vor- blätter in Bezug auf ihre Achselprodukte auf: die Ver- wachsung ist beim ß-Vorblatt auf eine erheblich größere Strecke erfolgt als bei a, ein Verhalten, dem wir ziem- lich konstant begegnen; es handelt sich um die Er- scheinung, die an anderer Stelle in diesen Blättern als progressive Rekauleszenz bezeichnet worden ist. Daß dergleichen auch an der Hauptachse vorkommt, wird weiter unten ersichtlich werden. Während hier noch beide Achselprodukte zu kräftiger, wenn schon sehr ungleicher Entwicklung gelangen, — innerhalb der aus ^^'^ß^ entwickelten Partialinfloreszenz zweiter Ordnung ist mit freiem Auge (in der Fig. 1 fast gänz- lich verdeckt) noch die Sextanblüte zu erkennen, in der direkt koordinierten Partialinfloreszenz dagegen nur die Quartanblüte — werden von nun an die a-Achsel- produkte unterdrückt, sie entwickeln sich zwar anfangs Morphologie des Tabaks. 65 noch bis zur Länge von einigen Millimetern, bleiben aber auf diesem Stadium stehen. Die ß-Achselprodukte bilden ein Wickelsympodium, so daß also die Parti al- infloreszenz erster Ordnung einen in den unte- ren Sproßgenerationen durch verkümmerte Beisprosse bereicherten Doppelwickel mit star- ker Förderung der ß-Achselprodukte darstellt. Uf-' verhält sich ähnlich wie Xf\ indessen läßt sich bei der besonders kräftigen Entwicklung von U'^ die progressive Rekauleszenz besser als solche erkennen. Das der Hauptachse angehörige Blatt t verwächst auf reichliche zwei Dritteile des Hypopodiums; schon auf Y4 '^^s Blatt Vi[aa, auf die ganze Länge des Hypopodiums aber das ß-Vorblatt, also U'^ßs. Noch weiter geht aber die Verwach- sung beim ß-Vorbiatt der nächst höheren, aus U'^ßs ent- wickelten Sproßgeneration, indem das Blatt U'B^oß^^ höher inseriert erscheint als das a-Vorblatt seines Achselpro- duktes. Entwicklungsgeschichtlich sind derartige Vorgänge unschwer zu verstehen, solche extraflorale Metatopien stehen nicht ganz isoliert, obwohl sie zweifelsohne zu den Seltenheiten der morphologischen Kasuistik gehören; geradezu ein Schulobjekt dafür dürfte die AinorpJia fniti- cosa L. abgeben, bei der oft die endständige Traube durch die Hauptinnovation unterbrochen scheint. Keineswegs immer und ausschließlich hält die Verwachsung an diesem Extrem — dem von 11^652 ßi — fest, sondern der Grad der Verwachsung schwankt innerhalb gewisser Grenzen, so daß das Tragblatt bald wenig oberhalb, bald wenig unter- halb oder aber im Niveau des a-Vorblattes seines Achsel- produktes inseriert erscheint. Wenigstens mit der Lupe lassen sich hier überall a-Achselprodukte feststellen, zur Entwicklung ist allerdings nur ll'^A[;2 gelangt. Von Bei- sprossen ist kein einziger auch nur annähernd bis zum Aufblühen gekommen; von den mit freiem Auge erkenn- baren und in die Zeichnung in Gestalt einer kleinen Knospe aufgenommenen gehört U^B'2B'/3 der höchsten Sproß- generation an. Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl.; CXVI. Bd., Abt. I. 5 66 R. Wagner, S?!^^ zeigt wie das folgende System 2Bf\ im Gegensatze zu den beiden vorhergehenden, kathodische Stellung von a. Auf- fallend ist hier gegenüber den besprochenen Sprossen die weitgehende Verwachsung der Primanvorblätter; während diese bei %[ und U'^^ nur mit ß die volle Länge des Achsel- sproßhypopodiums einnehmen, reicht hier bereits das a- Vorblatt so weit und S^'^ßj2 ist merklich höher inseriert als Sß[Wa2y-d', ii"! der folgenden Sproßgeneration geht die Verwachsung wieder etwas zurück, bewegt sich somit in den oben angegebenen Amplituden. Die oberste Partial- infloreszenz Sßf' schließt sich ganz an die vorigen an, ohne irgendwie etwas besonderes zu bieten. Was die unteren, in Fig. 1 nicht dargestellten Blütenstände anbelangt, so verhalten sich diese ähnlich, m.it Ausnahme der untersten. Diese rekauleszieren noch nicht, alsbald macht sich aber eine schwache, nur nach Millimeter sich bemessende Ver- wachsung bemerkbar. Bezüglich der Tragblätter ist zu be- merken, daß g ein Laubblatt mit großer, wohlentwickelter Spreite darstellt, § jedoch in jähem Übergang ein Hochblatt mit linearer Spreite. Ihrem Bau nach zeigt die unterste Partial- infloreszenz (55^ insofern eine Komplikation, als auf die in Gestalt von Wickelsympodien ausgebildeten Vorblattachsel- produkte noch vier weitere ebensolche Partialinüoreszenzen zweiter Ordnung folgen, bevor die Achse mit Blüte abschließt, ein Verhalten, das bei der vielfach kultivierten, hier nicht näher besprochenen Nicotiana Sanderae Hort., einem Gartenbestande zwischen N. alata Lk. et Otto und N.forgetiana Hort. Sand.,^ eine große Rolle spielt. Die nächstfolgende Partialinfloreszenz erster Ordnung zeigt bereits den dichesialen, von der nächst höheren Sproßgeneration an durch Zurückbleiben des a-Achsel- produktes winkeligen Aufbau, wie er oben abgebildet und be- schrieben wurde. Nicotiana Langsdorffii Weinm. ist ein beinahe die Höhe eines Meters erreichendes Kraut aus Südbrasilien, benannt zu Ehren seines Entdeckers, der es in 1 Curtis, Botan. Mag. tab. 8006 (III. 1905).- Morphologie des Tabaks. "/ der Provinz Minas Geraes fand; später wurde es auch in Saö Paulo nachgewiesen. Sendtner beschränkt sich auf die Angabe: »Inflorescentia cymosa composita panicuhformis, parti- tionibus elongatis multifloris erecto-patentibus« und »bracteatae breves. Flores in pseudoaxibus secundi«. Wie man aus der Beschreibung entnimmt, handelt es sich wahrscheinlich um ein Pleiochasium, dessen Partialinfloreszenzen in Wickeln aus- gehen, beziehungsweise solche darstellen, eine Auslegung, die durch die Untersuchung ihre volle Bestätigung findet. In Fig. 2 und 3 — der Raumersparnis halber getrennt — sind die vier obersten Äste eines Blütenstandes abgebildet. Schon ein flüchtiger Blick zeigt uns, daß wir an der Haupt- achse progressive Rekauleszenz zu konstatieren haben. Wäh- rend das Achselprodukt in Fig. 3 sowie das unterste Achsel- produkt in Fig. 2 gar nicht mit den Tragblättern verwachsen sind, ist das dritte Blatt — es mag als r bezeichnet sein — schon deutlich verwachsen, auf mehr als ein Drittel der Länge des Hypopodiums das Blatt g und das Tragblatt q der obersten Partialinfloreszenz erster Ordnung auf Ve- Überall treffen wir hier seriale Beisprosse, die indessen nirgends zu voller Ent- wicklung gelangt sind; die Knospe O'/ ist in der Zeichnung zu sehen, ^l^'l dagegen verdeckt. Eine entfaltete Knospe stellt £)'/ dar, ebenso, etwas weiter entwickelt, 91'/ und 9Ji'/. In der nächstfolgenden Sproßgeneration macht sich nun ein krasser Unterschied zwischen den beiden Arten geltend: Während bei A^. paniculata Dichasien auftreten und auch in den höheren Sproßgenerationen ein a-Achselprodukt stets auf- tritt, wenn es auch normaliter nicht zu weiterer Entwicklung gelangt, so fehlt hier innerhalb der eigentlichen Infloreszenz das a -Vorblatt gänzlich, ebenso sein Achselprodukt, so daß bei der Fertilität von ß reine Wickelsympodien in extremer Ausbildung zustande kommen, die außerdem durch progressive Rekauleszenz kompliziert sind; eine weitere Komplikation durch Beisprosse ist nur der Anlage nach zu konstatieren, entwickelt habe ich sie nie gefunden. In Fig. 2 sind die Knospen von %Wk, ferner von 0[^'k und '^[Wk noch zu erkennen. Die progressive Rekauleszenz läßt sich auch hier innerhalb der Partialinfloreszenzen deutlich verfolgen: Die Vor- 68 Fig. 2. Nicotiana Langsdorffii Weinm. Oberer Teil einer Infloreszenz. Näheres im Text. blätter der konsekutiven Sproßgenerationen sind bei 9^^'^ auf rund Vsj Ve^ Vs verwachsen, ohne wenigstens bis zur Sextan- Morphologie des Tabaks. 69 ^-ICl'^Jl^^^^ Fig. 3. NicoHana Langsdorffii Weinm. Fünftoberster Ast. Näheres im Text. blute die volle Länge des Hypopodiums zu erreichen. Rascher schon vollzieht sich dieser Vorgang bei dem folgenden Sprosse 70 R. Wagner, £>[, dessen Primanvorblatt schon bis reichlich zur halben Länge des Hypopodiums verwachsen ist; das Sekundanvorblatt erreicht -/s? ^^^ Tertianvorblatt die volle Länge des Hypo- podiums. Analoges, nur durch den Ausgangspunkt der Pro- gression verschieden, konstatieren wir bei ^[ und £i[; ^/^ beziehungsweise Ye? Vs ^^^ ^ sind die Verwachsungs- quotienten für die konsekutiven Sproßgenerationen von ^(, Vä, 7io' 1 diejenigen von £l[. Demnach haben wir den Blütenstand von Nicotiäna Langsdorfß We'inm. als ein Pleiochasium anzusprechen, das durch progressive Rekauleszenz in sämtlichen Sproßgenera- tionen kompliziert ist und dessen in geringer Anzahl vor- handene Partialinfloreszenzen a-lose Wickelsympodien dar- stellen. Mit der im Verhältnisse zu A^. paniciilata geringen Anzahl von Partialinfloreszenzen erster Ordnung hängt es wohl zusammen, daß hier bei N. Langsdorffii Weinm. die Terminal- blüte zunächst zur Entwicklung gelangt und dann erst die Primanblüten folgen. Über die Reihenfolge innerhalb der Partial- infloreszenzen läßt sich feststellen, daß die Aufblühfolge eine akropetale ist, d. h., daß sich zuerst, nämlich nach der Terminal- blüte, die unterste Primanblüte öffnet. Es erübrigt noch, einiges zu Fig. 3 zu bemerken. Wie schon oben mitgeteilt, ist es der viertoberste Sproß, nach der gewählten Nomenklatur Qj^\ Wie aus dem Index hervorgeht, ist er durch einen Beisproß bereichert, der wie alle Beisprosse der Gattung — soweit beobachtet — dem Hauptachselprodukt homodrom ist. Etwa im nämlichen Entwicklungsstadium be- findet sich 9JJ'^A,;2, das ß-Achselprodukt hat ein Hypopodium entwickelt, um dann zu verkümmern; nunmehr ändert sich plötzlich der Charakter der Tragblätter, y ist ein Hochblatt und weit mit seinem Achselprodukte verwachsen. Nach den genannten drei Blättern ist die Achse durch eine Endblüte abgeschlossen und aus der Achsel des obersten Blattes ent- wickelt sich ein Sympodium, und zwar sofort ein Wickels3^m- podium mit gänzlich unterdrückten a- Vorblättern. Auch hier ist wieder die progressive Rekauleszenz deutlich zu konstatieren, wie ein Blick auf die Abbildung lehrt. 71 Morphologie des Tabaks. ' ^ Die kompliziertesten Fälle zeigt aber Nicotiana Tabacum L., die mir in der f. macrophyUa zur Verfügung stand. Da die bisher publizierten Abbildungen teils zu sehr nach der rein malerischen Seite gezeichnet sind, teils »vereinfacht.< sein dürften und halbschematische Abbildungen mir nicht bekannt sind, wurde der oberste Teil eines Blütenstandes auf Fig. 4 abgebildet, und zwar speziell die Terminalblüte, beziehungs- we'ise -Frucht mit der zweitobersten Partialinfloreszenz erster Ordnung; die beiden anderen damit zu einem Quirl angeord- neten Äste konnten nur teilweise zur Darstellung gelangen. Wie schon eine Oüchtige Betrachtung zeigt, sind die drei fraglichen Äste in verschiedenem Maße mit ihren Tragblättern verwachsen, was auf progressive Rekauleszenz schließen läßt; da die Äste in einem Niveau inseriert sind, ist zur Fest- stellung des Tatbestandes die Untersuchung der vorangehenden Teilblütenstände notwendig, die das erschlossene Verhalten bestätigt. Nimmt man hier die untere Grenze der terminalen Rispe da an, wo die Seitenäste nach ihren Vorblättern sofort mit Blüte abschließen, so gehen der Terminalblüte bei unserem Exemplar sechs Partialinfloreszenzen erster Ordnung voran; im Gegensatze zu den drei oberen sind die anderen durch Internodien von etwa 5 cm getrennt. Als Paradigma für den Bau der Partialinfloreszenzen mag die zweitoberste, O'/*, aus- führlicher besprochen werden. Während die Teilblütenstände erster Ordnung Wf, ^If und Df nahezu das gewöhnliche Verhalten von Achselsprossen, d. h. gar keine Verwachsung zeigen, finden wir bereits p ein merkliches Stück verwachsen, in höherem Maße noch q und r. Die Rekauleszenz finden wir dann in den höheren Sproßgenerationen als konstante Er- scheinung. Aber nicht nur einer der serialen Komponenten ver- wächst, sondern wie bei N.panictiJata finden wir Rekauleszenz beim Hauptachselprodukt wie beim Beisproß. Wir werden sehen, daß der normaliter hier allein zur Entwicklung gelangende erste Beisproß keine atavistischen Züge trägt, wie das in anderen Fällen in allerdings teilweise sehr fernestehenden Familien konstatiert werden konnte, sondern sich mit seinen 72 R. Wagner, ^S2^i3 Fig. 4. Nicotiana Tabacum L. f. macrophylla. Oberster Teil einer Rispe. Näheres im Text. Komplikationen — und als solche darf man wohl die gänzliche Unterdrückung des a-Vorblattes wie die Rekauleszenz auf- fassen — gänzlich an das Hauptachselprodukt anschließt. Morphologie des Tabaks. 73 sogar, was vielleicht bei der Häufigkeit des gegenteiligen Verhaltens überrascht, hinsichtlich der Vorblattorientierung, wie das für die ganze Gattung zu gelten scheint. Aus praktischen Gründen wird hier, wie schon oben bei A^. panicnJata R. et P., von der gewöhnlichen Reihenfolge ab- gewichen und nach dem zweiten Beisproß der erste und dann erst das Hauptachselprodukt besprochen werden. £}{'' ist eine kleine, normaliter wohl nur bei außergewöhn- lich kräftigen Exemplaren zur Entwicklung gelangende Knospe. £i{' hat ein nach der anodischen Seite, nach rechts zu er- gänzendes a-Vorblatt, dessen Insertionsstelle wohl an der basalen Artikulation des Blütenstieles zu suchen ist. Es kommt somit ein beträchtliches Epipodium zu stände, dessen obere Grenze sich jedoch nur dann mit voller Sicherheit wird feststellen lassen, wenn die ontogenetische Untersuchung, die eben noch aussteht, oder die Ver- gleichung die nötigen Anhaltspunkte geliefert haben. Unter dieser Voraussetzung ■ — die übrigens auch für N. Larigs- dorffii ihre Gültigkeit hat, finden wir auf die Länge von einigen Millimetern, mit seinem Achselprodukte ver- wachsen, das zweite Vorblatt des ersten Serialsprosses, also Qf ßs, in der Abbildung mit (ß(') bezeichnet; der Aus- druck ist in Klammern gesetzt, weil das fragliche Blatt abgefallen ist. Sein Achselprodukt Q^'B^f ist wiederum aus einer nicht weiter zur Entwick- lung gelangenden Beiknospe Q('Bs2 und dem Hauptachselprodukte d'^Wgo zusammengesetzt. Mutatis mutandis wiederholt sich das Spiel; die Orientierung ändert sich nur; a ist unterdrückt, ß verwächst mit seinem Achsel- produkt bis zur .'\rtikulation; in der Achsel von Q('Bs2ß,i, das auf der Figur abgekürzt als ß^2 be- zeichnet ist, sehen wir noch die kleine Serialknopse der nächsten Sproßgeneration, während Of 6596^3 abgebrochen ist. 74 R. Wagner, 0(, das Hauptachselprodukt, entwickelt beim Fehlen seines a-Vorblattes und zugehöriger Achselprodukte seine wei- teren Sproßgenerationen aus der Achsel des Hochblattes Q^ßs, die wiederum in Dreizahl vorhanden sind. OiBs2 ist eine kleine, nicht zu weiterer Entwicklung se- langende Knospe. O'^B^'o verzweigt sich wickelig; D^B^-oa^ ist durch die Artikulation angedeutet und auf der Figur bezeichnet mit c/.s; das zweite Vorblatt £l[B'j2^,i, abgekürzt ß^/'o, stützt ein zusammengesetztes Achselprodukt, dessen Serialknospe Cl'^B's'oBiJs sehr klein und durch das Tragblatt gänzlich verdeckt ist. Das Hauptachsel- produkt Cl{B'JoB[i.i, die kurz vor dem Aufblühen stehende Blüte, die mit B^'oB^s bezeichnet ist, läßt eine nach obiger Annahme als Lisertionsstelle des abortierten a-\^orblattes anzusehende Artikulation erkennen, die mit a'js bezeichnet ist. Dagegen ist das zugehörige ß-Vorblatt, Q^B^^Bf^sß^, abgekürzt ßls, kräftig entwickelt und stützt wiederum ein serlal bereichertes Achselprodukt, von dem indessen nur OiB^'2B^3B^4ß^, abgekürzt ßj4, zu sehen ist. O1B52 stellt ein durch die reichliche Entwicklung von Bei- sprossen ziemlich kompliziert gewordenes Wickel- sympodium dar, dessen ß-Vorblatt, wie zu erwarten, nach rechts fällt, auf der Figur bezeichnet mit ß^. €l[B's2Bi^s ist eine im Aufblühen begriffene Knospe; die weitere Verzweigung erfolgt aus der Achsel von Ü^B^-oB^'sß^, abgekürzt ß^., die Ouartanblüte ist an der basalen Artikula- tion abgebrochen und in der Zeichnung nicht zu sehen, wohl aber ihr ß-Vorblatt, also €l[B',2B'hBU'^a, abgekürzt ^iu, m dessen Achsel sich die erst wenige Milli- meter messende Knospe der Quintanblüte findet, die mit B^4B^5 bezeichnet ist. Ihr ß-Vorblatt, also aiB^2B'i3B^4B:,5ßs, ist als Morphologie des Tabaks. 75 kleine, weiße Spitze zwischen die vorauf- gehenden ß -Vorblätter eingekeilt zu er- kennen. £l[B's2^'d3 ist bereits abgeblüht; der Kelch überragt den seines Beisprosses. Auch hier Ver- zweigung aus der Achsel des hoch hinauf verwachsenen ß -Vorblattes, also von €l['B's2B'd3^Js, abgekürzt ß'3, das ein serial bereichertes Achselprodukt stützt. Q{Bl2Brf3B'A stellt eine Knospe dar, deren Korolle den Kelch erst um ein geringes überragt; Abkürzung B% Das ß -Vor- blatt, auf der Figur mit ß^' bezeichnet, korrekter O^Bl-sEf^sB^^ßj, verdeckt teilweise ein Verzweigungssystem, von dem drei Bestandteile zu erkennen sind, nämlich die weißgehaltene Quin- tanblüte Q{B',oB:,3B^^B'^5, selbst wieder teil- weise von ihrem nach links fallen- den ß-Vorblatt verdeckt und auf der weiß gelassenen Quintanblüte sich scharf abhebend, das ß-Sextan- vorblatt €l[Ws2KisB'AB'j,B',G^ä. €l[B's2B[isWs4, abgekürzt B:,4, ist bereits abgeblüht; sein ß -Vorblatt, das Blatt €i[B's2B'dsB's4[-icU abgekürzt ß'd4, stützt ein serial bereichertes Achselprodukt. €l[B's2B'd'sB's4B'^5, eine kleine, mit B'/,-, bezeichnete Knospe, überragt ihr Tragblatt nur wenig; von ihr hebt sich das gleichfalls weiß gehaltene ß-Quintanvorblatt sowie das nach rechts fallende, dunkel gezeichnete Blatt €l[B's2B'd3B'siB'döB'sG^ä, also 76 R. Wagner, das ß-Sextanvorblatt deutlich ab. Beide sind auf der Figur nicht weiter bezeich- net und tragen sehr kleine Knospen weiterer Verzweigungssysteme. Oi'B^2B^3BkB^5, die mit Bf^g bezeichnete Blüte, aus deren Kelch nur noch der Griffel weit hervorragt, hat ein kräftig ent- wickeltes, nach links fallendes ß-Vorblatt, alsoO;B^^2B:;3B^4Bf;5ßs, abgekürzt ß^s- In der Achsel steht ein serial bereichertes Verzweigungssystem, doch ist hier der Beisproß noch nicht zu weiterer Ent- wiclylung gelangt; in der Figur erkennt man von diesem nur das dunkel ge- haltene, nach rechts fallende Sextan- vorblatt £liB's2B',sB',M5B'jQ^a. Das Hauptachselprodukt O^B'^s B'^s BU B^5 B^ß, abgekürzt B^o, steht in voller Blüte. Bei der noch geringen Streckung der noch recht jugendlichen Hypopodien macht sich die Rekauleszenz von dieser Sproß- generation an kaum noch bemerkbar, das mit ßjo abgekürzte ß-Sextanvorblatt Q{B^oBf;3B^4B'j5B^6ß,^ scheint mit seiner Insertion in diesem Entvvicklungsstadium nichts besonderes zu bieten. Selbstver- ständlich wäre es aber bei weiterem Wachstum geradeso mit seinem be- reicherten Achselprodukte verwachsen, wie die voraufgehenden ß-Vorblätter der höheren Sproßgenerationen. In seiner Achsel finden wir das weiß gehaltene, nach links fallende ß -Vorblatt des Beisprosses, also ein Sextanvorblatt D(B^oB:,3B',4B:,5B^6B:,'7ß., das die zu- gehörige seriale Septanblüte sowie sein Achselprodukt noch gänzlich ver- Morphologie des Tabaks. / ' deckt und die dem Aufblühen sich nähernde relative Endblüte des Haupt- achselproduktes, die Septanblüte £l[B's2B'dMM5B's6K7, kurz als B:,7 be- zeichnet. In der Achsel ihres mit ß'7 be- zeichneten Vorblattes sind noch drei morphologische Bestandteile zu er- kennen: die vom Septanvorblatte nur wenig überragte Oktanblüte O^B'oBfis. .BUB'j-cKßB'diB'ss mit ihrem gleichfalls dunkel gehaltenen, nach rechts fallenden ß-Vorblatt und das ß-Nonanvorblatt, das sich als weiße Spitze von dem dunklen Hintergrunde der Oktanblüte abhebt. Vergleicht man in der Abbildung Fig. 4 die Insertions- verhältnisse der drei obersten Partialinfloreszenzen erster Ord- nung, so fällt, wie schon angedeutet, das progressive iMoment in der Rekauleszenz sehr in die Augen; während bei ^f die Verwachsung sich kaum auf die halbe Länge des übrigens recht kurzen Hypopodiums erstreckt, gilt das für Üf^ wie für die oberste Partialinfloreszenz 9^f in sehr viel höherem Maße. Umgekehrt haben wir bei den drei tiefer inserierten und spiralig angeordneten Partialinfloreszenzen erster Ordnung Verwachsungen erst in den höheren Sproßgenerationen zu registrieren. Was den Abort des a-Vorblattes anbelangt, so fehlt es mir bei dem aus naheliegenden Gründen recht beschränkten Mate- riale an Beobachtungen; indessen ließen sich bei einer Form der ebenso provisorisch wie so vieles umgrenzten Art, bei der bei Las Sedas im mexikanischen Staate Oaxaca von Pringle in 6200 Fuß Meereshöhe gesammelten und in seinen »Plantae Mexicanae« sub Nr. 6744 ausgegebenen Nicotiana Tabacum L. vav. undulata Sen dt. — die absolute Richtigkeit der Bestim- mung entzieht sich zur Zeit meiner Kontrolle — Beobachtungen machen, die mir einer Mitteilung wert zu sein scheinen. Es zeigt sich nämlich, daß a-Vorblätter vorkommen, auch dann, wenn auf das ß -Vorblatt hin die Achse mit einer Blüte iö R. Wagner, abgeschlossen ist. Ein Fall also, wie wir ihm schon bei unserem ersten Beispiel, der A''. paniailata R. et P., begegneten; die Konservierung eines alten Charakters. Aber das ist nicht das einzige: wenn nicht ein schwerer Beobachtungsfehler infolge des Umstandes, daß ein so dürftiges Material zu schonen ist, vorliegt, so findet sich auch der Fall, daß in höheren Sproß- generationen zunächst beim Hauptachselprodukt das a- Vorblatt verloren geht, während der basipetale Serialsproß dasselbe noch beibehält. Demnach einer jener Fälle, in denen der dem Abschluß einer Achse benachbarte Ast morphologisch vor- geschrittener ist, jüngere Charaktere aufweist als der basipetale Serialsproß, der in puncto seiner Charaktere sich als konserva- tiver erweist. Überraschen kann dieser Umstand heute nicht mehr, nachdem in diesen Sitzungsberichten zu wiederholten Malen auf derartige Beziehungen zwischen serial angeordneten Verzweigungssystemen hingewiesen wurde; und wenn es auch vielleicht verfrüht erscheint, sich in extenso mit der erst kürz- lich — Sitzung vom 10. Jänner 1907 — angedeuteten Inter- pretation dieser Verhältnisse zu befassen, so gewinnt doch — wie gesagt, falls die Tatsachen sich bestätigen — die Differenz im Verhalten der beiden Taba cum -Varietäten erheblich an Interesse durch die Feststellung, daß bei einer zweifellos wild gewachsenen Pflanze beim ersten, d. h. dem Hauptachsel- produkte nächsten Serialsproß ein alter Charakter sich noch erhalten hat, bei der kultivierten aber der neue Charakter, der Abort des a-Vorblattes, auch schon im ersten Beisprosse fixiert ist. Was nun die anderen Arten der Gattung anbelangt, so möchte ich vor allem hinweisen auf Paj^er's Angaben über N. rustica L., deren Blütenentwicklung in seiner »Organogenie de la fleur«, Tab. 132, abgebildet und p. 539 beschrieben wird. In Anbetracht der obigen Ausführungen erscheint es gewagt, seine Angabe; »Chaque fleur nait ä l'aiselle d'une bractee-mere et est accompagnee de bractees secondaires d'äges differents et tout fertiles« ohneweiters zu generalisieren; ich bin zur Zeit nicht in der Lage, die genannte Art zu untersuchen, das muß auf den Sommer verschoben werden, aber nach allem, was wir über das Verhalten von Tragblättern wissen, deren Achsel- Morphologie des Tabaks. ' " Produkte in Reduktion begriffen sind, liegt die Vermutung sehr nahe, daß bei solchen Arten, die in den untersten Seitenachsen, beziehungsweise den niedrigsten Sproßgenerationen noch a-Achselprodukte produzieren, während selbst die Tragblätter, also die a-Vorblätter in den höheren Sproßgenerationen unter- drückt sind, auch das ontogenetische Verhalten der beiden Vorblätter einem Wechsel unterworfen sein wird. Es würde durchaus nicht überraschen, wenn mit fortschreitender Förde- rung des ß-Vorblattes, beziehungsweise seines Achselproduktes das a-Vorblatt auf dem Wege zum Abort zunächst vor dem ß-Vorblatt in die Erscheinung träte, dann mit steigender Sproß- generation verspätet, also etwa gleichzeitig mit ß sich hervor- wölbte, um schHeßUch nach ihm erst sich aus dem. Meristem auszugliedern; als äußerstes Extrem ist natürlich der Ablaß anzunehmen, doch hegen, wie bemerkt, Beobachtungen in diesem Sinne noch nicht vor, es sollte nur gezeigt werden, daß es nicht ohne Bedenken zulässig ist, im Sinne Bayer s zu ver- allgemeinern. Die weitere Angabe Bayer's: »Le calice se compose de cinq sepales qui apparaissent successivement sur le receptacle dans l'ordre quinconcial« dürfte wohl von allgemeinerer Richtigkeit sein; indessen wurde obige Untersuchung auf die gewiß genügend komplizierten Verzweigungssysteme be- schränkt und von blütenmorphologischen Fragen, wie Kelch- deckung und vor allem Schrägzygomorphie — die, beiläufig bemerkt, schon 1844 von Wydler festgestellt wurde — ab- sichtlich abgesehen. Was die erwähnten Charaktere anbelangt, so ist es vor allem die progressive Rekauleszenz, die sich so sehr bemerkbar macht und vielfach die Untersuchungen nicht unwesentlich erschwert. Abgesehen von den oben erwähnten Gattungen möchte ich hier einige wohl weniger bekannte Gattungen er- wähnen, in denen sich diese namenthch in Verbindung mit Wickelsympodien, bisweilen auch mit Serialsprossen, zeigte. Abgesehen von einer Reihe von Nicotiaiia - Arten, wenn nicht allen, von denen an in Kultur befindlichen Arten nur A^, noctißora Hook. (Mendoza, leg. Bhilippi), A^. snaveolens Lehm, und A^ alata Lk. et Otto genannt sein mögen, 80 R. Wagner, zeigt sich progressive Rekauleszenz bei Dlscopodiiim penni- nervhmi Höchst. (Afr. trop.), Hebedadiis bißoriis Miers (Peru) und anderen Arten, Margavantlms sohmacens Schi dl. (Zentralamerika) und besonders deutlich bei dem erst von dem verdienstvollen C. G. Pringle im Tale von Mexiko entdeckten M. siilpimreus Fern. (PI. Mexic. No 8215), dann bei Cacahus MexicamLsV^8,ts. (Pringle, PI. Mexic. No 1742), bei der von Dr. August Henry in Hupeh (Zentralchina) entdeckten CJiamaesaradia sinensis Hemsl., bei Ch. nana Gray (Cusick, Eastern Oregon Plants, No 2685), Athenaea pogogotia Meissn. (Bahia, leg. Blanchet), A. picta SQwdt (Rio Jequetay Brasil., leg. Pohl), einer Pflanze, bei der die Vorblattanisophyllie besonders deutlich zum Ausdrucke gelangt, indem die Fläche des ß-Vorblattes wohl gegen 20 mal größer ist. Aus der Achsel des a- Vorblattes entwickelt sich auch ein Sproß, der indessen nicht zu rekauleszieren scheint; dagegen verwächst ß auf die ganze Länge des Hypopodiums; ähnliches gilt von A. hirsnta Sendt. (Mideiros, Pohl, No 148), denen große ß- Vorblätter besonders stark asymmetrisch sind. Ferner wäre zu erwähnen: Nothocestrum siihcordatum Mann von Hawaii (Erdumseglung der Fregatte »Donau«, Wawra, No 2140), zahlreiche Saracha- Arten, so die im Tale von Mexiko gesammelte 5. mollis Schi dl., die außerdem gleich der häufig kultivierten 5. Jaltomata Seh 1dl. Beisprosse auf- weist; dann viele Capsicum- Arten, so C. microcarpum DC. aus der Sierra de Maracayü (Paraguay, Hassler, PI. Parag., No 5703), Bassovia velutina (Sendt.) Dun. (S. Cruz de Donna Tereza, Brasil., Pohl, No 3479), die sich bezüglich der Vor- blattanisophyllie an die erwähnten Athenaea- Arten anschließt; auch andere Arten zeigen das, so die erst seit kurzem bekannte B.mexicana Robins. (San Luis Potosi, Pringle, PI. Mexic, No 3071), ebenfalls stark anisophyll, und B. Domiel-Smithii Coult. (Jalisco, Pringle, PI. Mexic, No 4378), von der das nämliche gilt. Auf die Arten der Gattung Cyphomandra hat schon Sendtner 1. c hingewiesen, sehr instruktiv ist in dieser Hinsicht C. divaricata (Mart.) Sendt. (Martii Herb. Fl. Bras., No 626) und C. Velloziana Sendt. (Brasilien, leg. Blanchet, also wohl bei Bahia). Morphologie des Tabaks. 81 Sympodialen Aufbau verbunden mit progressiver Re- kauleszenz zeigt ferner Salpichronia teimißorum Spruce aus den Anden von Ecuador (Spruce, No 5057), Nectotixia for- mosa HBK. aus der Sierra de Ajusco (Pringle, PI. Mexic, No 6309); in den Pleiochasien des Cestrum corymhosmn Schldl. (Brasilia, Pohl, No 197) ist wie bei anderen, aber nicht allen Arten, progressive Rekauleszenz zu konstatieren, ähnliches bei Sessea corymhosa Goud. (N. Granada, Triana No 2316 in der Provinz Bogota), und bei einer der 5. vestita Bth. nahestehenden Pflanze aus den Anden von Ecuador (Spruce, No 5863), bei der der bekannte Übergang von Konkauleszenz in Rekauleszenz stattfindet; dann in den armblütigen terminalen Infloreszenzen der Metternichia principis Mik. (Brasilien), bei Nieremhergia viscosa Torr. (Kalkberge von Monterey, Nuevo Leon, Pringle, PI. Mexic, No 1924, sub nom Leptoglossis Texaiia Gray), bei anderen Arten nicht, dagegen sehr schön bei Salpiglossis simiata R. et P. (Cordillera de Chilan, coli. Philippi), wo bei einem Exemplar die oberste Partialinflores- zenz erster Ordnung auf etwa die halbe Länge des Hypo- podiums rekaulesziert, die zweitoberste gar nicht, dagegen schon deren ß- Achselprodukt (a ist steril). Ähnliches bei anderen Arten, so 5. strammea Hook. (Poeppig, Coli. PI. Chil. prov. Concon) und 5. linifoJia (Miers) Wettst. aus der Sierra de Maracayü (Hassler, PL Parag. No 5589), wo sehr steife, gerade Wickelsympodien mit sehr ausgesprochen progressiver Rekauleszenz zu konstatieren sind. Auch die Arten der Gattung Schizmitlms schließen sich hierin an, so u. a. 5. alpestris Poepp. (Antuco, Südchile, Original) und 5. candidns Ldl., aus der Wüste Atacama, leg. Philippi, ferner die Browallia- Axien, so die häufig kultivierte Br. deniissa L., dann Schwetilzia Mandoni Rusby (Bang, PI. Bolivianae, No 2097) und Streptosolen Jainesonii Miers aus Peru (kultiviert in La Mortola). Das untersuchte Material erstreckt sich auf mehr Gat- tungen und vielmals mehr Arten und an anderer Stelle hoffe ich die Mitteilungen wesentlich ergänzen und vor allem auch experimentell behandelt publizieren zu können. Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I. ö2 R. Wagner, Morphologie des Tabaks. Zum Schlüsse ist es mir eine angenehme Pflicht, Herrn Prof. Dr. R. v. Wettstein, der mir N. panicnlata und N. Langs- dorffii sowie die Sammlungen zur Verfügung stellte, sowie Herrn Kustos Dr. A. Zahlb ruckner für die Möglichkeit, die Sammlungen des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums zu benützen, auch an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. 83 Fragmente zur Mykologie (III. xMitteilung, Nr. 92 bis 155) Prof. Dr. Franz v. Höhnel, k. M. k. Akad. (Mit 1 Tafel.) (Vorgelegt in der Sitzung am 7. Februar 1907.) 92. Protodontia uda n. gen. et sp. In den Donauauen von Langenschönbichl bei TuUn in Niederösterreich fand ich anfangs Juni 1905 an morschem Erlenholz einen Odofttia-'ähDlichen Pilz mit gelatinösem hya- linen Subiculum und durchscheinenden Stacheln, den ich prima vista für Oäontia uda Fr. hielt, der sich aber bei der mikro- skopischen Untersuchung als eine echte Tremellacee mit ei- förmigen, übers Kreuz vierteiligen Basidien erwies. Der Pilz stellt daher eine neue, den Gattungen Protohydnum und Tre- meUodon analoge Tremellaceen-Gattung dar, die ich der Ähnlichkeit mit Odontia wegen Protodontia nenne. Protodontia ist ganz so wie Odontia gebaut, nur daß die (sowohl in den Stacheln als auch im Subiculum auftretenden) Basidien echte Treniell a-Ba.sidien sind. Überdies ist der Pilz schwach gelatinös. Sporen mit grobkörnigem Inhalt, Protodontia uda n. sp. Pilz resupinat, fest angewachsen, unbegrenzt, mit hyalinem, sehr dünnem, gelatinösem, glattem Subiculum. Stacheln locker- stehend, kegelförmig, spitz, ohne Cystiden, etwas durch- scheinend und gelatinös, aus dem Hyalinen gelblich oder 6* 84 F. V. Höhne 1, rötlichgelb, ungeteilt und ohne Wimpern, 200 bis 400 ja lang, unten 50 bis 100 [i breit. Hyphen sehr zart, undeutlich. Basidien eingesenkt, sowohl in den Stacheln wie im Subiculum auftretend, eikugelig, 8 \i breit, übers Kreuz vierteilig. Sporen zartwandig, breit elliptisch, fast eiförmig, einseitig etwas flacher, mit grobkörnigem Inhalte, unten seitlich mit einem Spitzchen, 6 bis 8 ^ 4 bis 5 [x. An morschem Alntis-Uolz in den Donauauen bei TuUn, Niederösterreich, Juni 1905. Nach Fries' Beschreibung in Hym. europ., p. 615, wäre Odontia uda der charakterisierten Art ähnlich. Allein Odontia tida ist nach Bresadola (Hym. Kmetiani in Atti Acad. Agiati, Rovereto 1897, p. 97) und seinen Exemplaren derselben eine echte Hydnee und keine Protodontia. Auch von der Tremellinee Heterochaete europaea v. H. ist der Pilz ganz verschieden, obwohl hier einzelne Basidien in die das Hymenium beklei- denden Zotten emporsteigen; diese Basidien bleiben aber wie es scheint, stets steril. Jedenfalls aber stehen sich die Gattungen Heterochaete und Protodontia einander nahe und ist die Auf- findung von Übergangsformen zwischen beiden zu erwarten. 93. Helicobasidium farinaceum n. sp. Lager erst fleckenartig, dann zu ausgebreiteten Überzügen zusammenfließend, dünn, fest angewachsen, gegen den Rand ganz allmählich verlaufend, aus dem Weißlichen cremefarbig, manchmal mit rosafarbigen Stellen, feinkörnig-mehlig. Hyphen- gewebe locker, aus unregelmäßig verzweigten, hyalinen, dünn- bis ziemlich derbwandigen, verworren verflochtenen, 4 bis 5 [X breiten Fäden mit spärlichen Schnallen bestehend; nach oben einfache oder büschelig verzweigte, paraphysenartige, locker stehende Äste treibend. Dazwischen einzeln stehende, 50 bis 52 [j. lange und 8 bis 91/2 \^ breite, meist quer vierteilige Basidien, die an etwa 8 jx langen Sterigmen länglich zylindrische, unten mit seitlichem Ansatzspitzchen versehene, oben abge- rundete, hyaline, dünnhäutige, mit grobkörnigem Inhalte ver- sehene, meist 16 bis 18:=;9 bis 91/3 [x große Sporen bilden. An einem morschen Rotbuchenast im großen Steinbach- graben bei Untertullnerbach im Wienerwalde, März 1905. Fragmente zur Mj-kologie. 85 Nachdem der Gattungsname Helicohasidium Pat. 1885 älter ist als Stypiudla Schrot. 1887, muß er gebraucht werden, obwohl der letztere besser wäre. Der beschriebene Pilz sieht äußerHch täuschend ähnlich dem Helicohasidinm hypochnoideum v. H. (Ann. myc, 1905, p. 324, als Stypinella), ist davon aber, wie die mikroskopische Untersuchung lehrt, gänzlich verschieden. Die Hyphen der neuen Art sind viel dünner, schnallentragend, die Basidien und Sporen viel größer. Ob die hie und da zu sehenden schön rosafarbigen Flecken, welche der Pilz stellenweise zeigt, für denselben charakteristisch sind, ist mir noch zweifelhaft. 94. Über die zu Tomentella- Arten gehörigen Botrytis-Formen. Brefeld (Unt. a. d. G. d. Myko!., VIII., p. 9) versteht unter Tomentella solche HypocJinus- Arten, d. h. Corticmm- Arten mit locker gebautem (nicht geschlossenem), filzigem Hymenium, welche neben der Basidien - Fruktifikation noch Conidien- Stadien aufweisen. Allein es ist wahrscheinlich, daß alle Pilze Nebenfruchtformen zeigen, bei sehr vielen sind ja mehrere solche nachgewiesen und es geht sicher nicht an, Gattungen auf Grund des Fehlens oder Vorkommens von solchen Neben- fruchtformen oder auf die Art und Beschaffenheit derselben auf- zustellen. Ich verstehe unter Tomentella Corticieen mit lockerem Hymenium, rauhen oder stacheligen, meist gefärbten Sporen und ohne Cystiden. Tomentella in diesem Sinne ist gleich Hypochnus im Sinne von Karsten und Bresadola. Der Name Tomen- tella(?ersoon, 1799) ist aber der ältere und muß angewendet werden. Brefeld hat nun bei zwei Corticieen, die er Tomentella flava und Tomentella granulata nennt und als neue Arten be- trachtet, Nebenfruchtformen gefunden, die der Form nach offen- bar zur Formgattung Botrytis sect. Phymatotrichum gehören. Da die Maßangaben, auf die es bei den Basidiomyceten ganz wesentlich ankommt, bei B r e f e 1 d, soweit mir bekannt, durchaus unbenutzbar sind, da sie sämtlich in einem nicht genau bekannten Verhältnisse zu groß sind, so wird es kaum möglich sein, mit Sicherheit festzustellen, zu welchen Arten die von ihm über- 86 F. V. Höhnel, dies nicht näher beschriebenen beiden Formen gehören, wenn nicht etwa Originalexemplare oder Präparate derselben vor- handen sind. Indessen gibt Bresadola (Ann. myc, L, p. 106) an, daß Tomentella ßava Bref. := Hypochnus isabellinus Fr. ist. Hin- gegen ist die Zugehörigkeit der Tomentella graimlata Bref. ganz dunkel. Ebenso ist es durchaus unsicher, ob und unter welchen Namen die zugehörigen Botrytis -Formen bereits be- schrieben sind. Olsen (bei Brefeld 1. c.) meint, daß die zur Tomentella flava Bref. gehörige Form gleich Botrytis argillacea Cke. (Grevillea 1874. Taf. 48, Fig. 6) sei. So wahrscheinlich es mir nun, nach dem Bilde zu urteilen, ist, daß diese Cooke'sche Art zu einem lockeren Corticium gehört, so sicher ist es auch, daß sie nicht zu Tomentella flava Bref. gehören kann, weil sie glatte, eiförmige Sporen zeigt. Leider sind die im allgemeinen sehr charakteristischen Botrytis- Arten fast durchgängig so unzureichend beschrieben und abgebildet, daß, von einzelnen Arten abgesehen, eine sichere Bestimmung derselben fast ausgeschlossen erscheint. Wenn dies nun auch nicht von besonderer Wichtigkeit erscheint, so halte ich es doch für notwendig, daß wenigstens die häufigeren und auffallenderen Formen so eingehend beschrieben werden, daß sie festgehalten und sicher bestimmt werden können. Aus dieser Sachlage erklärt es sich, daß selbst ganz gewöhnliche, allver- breitete, höchst konstante und typische Formen von verschie- denen Autoren verschieden gedeutet werden. So ist beispiels- weise Botrytis epigaea bei Lindau (Rabenhorst, Kryptog. Fl., II. Aufl., Hyphomyceten, p. 299 c. Ic.) ein ganz anderer Pilz als der von Saccardo (Syll., IV, p. 136, und F. ital, Taf. 689) und Bonorden (Handbuch, Fig. 161) gemeinte. Im Wienerwalde ist nun nicht selten ein gewiß allgemein verbreiteter ^o/'rj/^/s, der am Boden auf vegetabilischen Abfällen und selbst auf Humuserde wächst und durch seine schöne, aus dem Gelbrötlichen ins Fleischfarbene und Violette übergehende Farbe auffällt. Es ist ein Phyniatotrichtmi, das mikroskopisch' fast völlig den Brefeld'schen Bildern in Heft VIII, Taf. I, Fig. 11 bis 14, gleicht. Er hat ebenfalls rauhe, kugelige Sporen (von etwa 4 bis 6 [i Durchmesser) und unterscheidet sich dadurch Fragmente zur Mykologie. 87 von der mikroskopisch ähnlichen Botrytis epigaea (sensu Saccardo), die glatte Sporen besitzt. Da ich an dieser Form aus dem Wienerwalde auch vier- sporige Basidien auffand, so leidet es keinen Zweifel, daß sie auch zu einer und zwar echten Tomentella gehört, sehr wahr- scheinlich zur so häufigen T.fusca (P.). Da es unmöglich ist, daß diese schöne und auffallende Form bisher übersehen wurde, entsteht die Frage, zu welcher der vielen Botrytis- Xxien sie nun gehört. Schließlich fand ich, daß nur wenige Formen hiebei in Betracht kommen. Es sind dies: 1. Botrytis (Eiihotrytis) carnea Seh um. (Saccardo, Syll., IV, p. 119). 2.B.(Eiih.) isabellina Preuss (Linnaea, 1852, Bd. 25 p. 75). 3. B. (Eiih.) fiilva Lk. (sensu Saccardo, Syll., IV, p. 123, et Bon or den). 4. B. (Eub.J brevior (B. et Br.), Ann. of Nat. History, 1881, VII, p. 131. 5. B. dichotoma Cda., Ic. Fung., I, p. 18, Fig. 244. Diese fünf Formen haben rundliche, rauhe oder stachelige Sporen und können zu Toment eil a- Arten gehören. Sie werden in der Sylloge fungorum zu Eubotrytis gerechnet, sind aber gewiß alle Phymatotric/mjn-Ar[en. Die Botrytis- Arten aus den beiden Sektionen Polyactis und Phyuiatotriclmin haben die Eigentümlichkeit, die meist sehr zahlreichen Sporen sehr rasch und gleichzeitig zu bilden. Die Folge davon ist, daß das ganze Protoplasma der sporentragenden Zweige auf einmal in die Sporen übertritt und die dünnwandigen Zweige dann alsbald verschrumpfen und obliterieren. In diesem Zustande ist dann die Art der Ansatzweise der Sporen nicht mehr mit Sicherheit festzustellen. Da man nun diese zarten Pilze gewöhnlich in diesem obliterierten Zustande antrifft, sind die Beschreibungen derselben meist unrichtig und daher ihre Klassifikation falsch. Was nun die erwähnte Phymatotrichum-F orm aus dem Wienerwalde anlangt, so habe ich mich auf einem Umwege davon überzeugt, daß sie identisch mit Botrytis carnea Schu m. im Sinne der Sylloge fungorum ist, trotz der sehr abweichenden Beschreibung. Saccardo (Syll., IV, p. 119) beschreibt von dieser Art die var. quercina, welche auf faulen Eichenblättern 88 F. V. Höhnel, von J. Therry bei Lyon gefunden und in den Fungi gallici Nr. 1867 (als F. foliicola) ausgegeben wurde. Trotzdem nun dieses Originalexemplar sehr verdorben und schlecht ist, konnte ich mich doch durch Vergleich desselben überzeugen, daß es mit dem Wienerv^aldpilze identisch ist. Da der Unterschied der var. qnercina Sacc. gegenüber der Normalart nur darin besteht, daß die Sporen um 1 bis 2 [j. kleiner sind, die Sporengröße aber sehr variabel ist, kann diese Varietät ganz gestrichen werden. Der auffallende Pilz ist aber noch mehrfach beschrieben worden. Zunächst zweifle ich nicht daran, daß Botrytis fiiJva Lk. derselbe Pilz ist. In der Tat stimmen die zwei Exsikkaten dieser Art (Fungi gallici, Nr. 1 161, und Saccardo, Myc. italica, Nr. 186) damit ganz überein. Auch Bonorden's Fig. 159 im Handbuch stimmt gut, hingegen nicht oder weniger Tafel 696 der Fungi italici. Ebenso halte ich für sicher, daß Botrytis dichotoma Cda. (Icon., I, p. 18, Fig. 244) derselbe Pilz ist. Cor da 's Figur stimmt zwar nicht gut, aber sie ist sehr schematisch und augen- scheinlich falsch. Hingegen ist das sogenannte Exsikkat in Fungi longob. Nr. 195 mit B. carnea und fulva identisch. Wahrscheinlich sind noch andere Botrytis-Avten damit identisch. Vermutlich ist Botrytis rosea Lk. derselbe Pilz. Daraus ergibt sich, daß die sehr verbreitete und auffallende Botrytis-fPhymatotrichum-JForm, die aller Wahrscheinlichkeit nach zu Tomentella ßisca (?) gehört, soweit sich dies noch feststellen läßt, unter drei Namen beschrieben wurde, nämlich Botrytis carnea Schum. (1801 bis 1803), B. fulva Lk. (in Spec. plant. 1824 bis 1825) und B. dichotoma Cda. (1836). Die Form hat demnach B. (Phymatotrickum) carnea Schum. zu heißen. Ich hielt ihn erst jahrelang für eine neue Form, da ich ihn aber immer wieder fand, mußte ich zur Überzeugung kommen, daß er schon längst beschrieben sein müsse. Um ihn nun endlich sicherzustellen, gebe ich weiter unten eine genaue Beschreibung. Was die zu Tomentella flava Bref. \_— Tomentella isahel- lina (Fr.)] gehörige Botrytis-Form anlangt, so ist dies sehr wahrscheinlich Botrytis isabellina Preuss. trotz der offenbar Fragmente zur Mykologie. 89 falschen, überreifen Exemplaren entnommenen Beschreibung. Ebenso dürfte Tomentella gramilata Bref. {—Hypoclimis Bre- fehiii Sacc, Syll, IX, p. 243) die, wie es scheint, bisher weiter nicht beachtete Basidienform von der so häufigen Botrytis epigaea Lk. sein. Botrytis (Phymatotrichum) carnea Schu: [m. Syn. Botrytis fiilva Lk. » dichotoma C d a. Rasen meist klein, locker, bis 1 bis IVo ^«"' hoch, mit traubig-buschig vorspringenden Sporenständen, anfänglich weiß, dann gelblich, rötlich und schließlich schmutzig violett. Hyphen fast farblos, protoplasmareich, zartwandig, septiert,ohne Schnallen, häufig zu mehreren parallel verwachsend, Glieder etwa 50 bis 100 [j. lang, Querwände sehr zart. Fruchthyphen steif aufrecht, 8 bis 16, meist 10 bis 12 jj. breit, oben mehrfach sparrig-dichotomisch verzweigt, daselbst ohne Querwände, Zweige stumpf, 6 bis 8 [x breit, zylindrisch, der ganzen Länge nach ringsum gleichmäßig mit den kugeligen, rauhen, sehr blaß violetten, zartwandigen, 4 bis 6 [i. großen, an kurzen, dünnen Stielen sitzenden Sporen besetzt. Häufig entstehen durch Verwachsung mehrerer Fruchthyphen coremienartige Sporenstände. An feuchten Stellen auf Humus und morschen Pflanzen- teilen beliebiger Art, auch zwischen Moos etc. in Wäldern häufig. 95. Über Odontia cristulata Fr. Diese Art scheint seit Fries nicht wieder gefunden worden zu sein. Sie ist in keinem Exsikkatenwerke ausgegeben. Das in der Mycotheca italica Nr. 218 unter diesem Namen befindliche Exemplar ist nicht diese Art, sondern wahrscheinlich Odontia livida Bres. Ich finde den Pilz nur in Winter's Werk, hier aber offenbar nur nach Fries angeführt, und in Quelet, Flore mycologique, p. 434, allein Quelet macht auch keine näheren Angaben und betrachtet 0. cristulata als eine Sub- species von O.fwihriata (P.), mit der sie jedoch nach Fries' Beschreibung nichts zu tun hat. In der Tat scheint mir ein von Ouelet gesammeltes und als 0. cristulata Fr. bezeichnetes 90 F. V. Höhne), Exemplar, das ich der Güte des Herrn J. Bresadola verdanke, nur eine sporenlose, schlecht entwickelte Altersform von 0. fiinhriata ohne Hyphenstränge, wie dies manchmal vor- kommt, zu sein. Quelet's Pilz ist fest und persistent, was für die O. cristiilata nicht gilt. Ich fand nun im August 1906 am Sattelberge bei Preßbaum an einem morschen, am Boden liegenden Rotbuchenstamme eine weitausgebreitete, schön blaßrosa gefärbte, von O.fimhHata völlig verschiedene Odontia, welche ich mit Bresadolafür die echte 0. cristiilata Fr, halte. Fries' Diagnose stimmt, wenn auch nicht vollkommen, so doch ganz genügend, und da nach Bresadola in lit. die genannte Art im Herbar Fries fehlt, so wird sich nicht mehr mit absoluter Sicherheit feststellen lassen, was 0. cristnlata ist, und scheint es mir unter diesen Um- ständen am richtigsten zu sein, die von mir gefundene Form als die echte 0. cristnlata Fr. zu betrachten. Wenn dies nicht der Fall wäre, ist es eine neue, von allen bekannten Arten auf- fallend verschiedene Form, die am nächsten mit Knciffia Setigera Fr. verwandt ist. K. setigera ist eine äußerst variable Art, deren Hymenium bald ganz glatt ist, und dann stellt sie eine echte PeiiiopJiora dar, bald aber ganz Odo!itia-a.rtig ent- wickelt ist. Das Gewebe der K. setigera ist jedoch stets fest und persistent, während das von O. cristnlata im frischen Zu- stande weich und leicht verwischbar ist. Auch ist K. setigera niemals rosa gefärbt. Wenn sie Odontia-a.\-i\g entwickelt ist, sieht sie der O. crustosa P. sehr ähnlich und findet man sie daher dann auch als solche manchmal bestimmt. Obwohl es nun keinem Zweifel unterliegt, daß der von mir gefundene und im folgenden als 0. cristnlata Fr. beschriebene Pilz von K. setigera gänzlich verschieden ist, ist doch höchst auffallend, daß beide Pilze mikroskopisch einander sehr ähnlich sind, so daß es den Anschein hat, als wenn der erstere nur eine rosa gefärbte und kleinersporige Varietät des zweiten darstellte. Eine auffallende äußerliche Ähnlichkeit zeigt 0. cristtitata mit einem in meinem Besitze befindlichen Originalexemplar von O. pannosa Bres. (Hym. Kmet., p. 98). Beide sind mit der Lupe voneinander nicht zu unterscheiden. Mein Exemplar Fragmente zur Mykologie. 9 1 der j!7t7///zo5<:7 zeigt genau die gleiche Farbe. Mikroskopisch sind sie jedoch völHg verschieden. O. pannosa hat meist gebüschelte, schwach inkrustierte rauhe, mäßig dickwandige, 60 bis 120 [x lange und 6 bis 8 [jl breite Cystiden und breitere, mehr ellip- tische (nicht zylindrische) Sporen. Am Hymenium sitzen, weit vorragend, in Wasser unlös- liche, in absolutem Alkohol sofort verschwindende, sehr dünne, spitze, lang dreieckige Kristalle von etwa 25 bis 30 [x Höhe, wahrscheinlich fettartiger Natur. Da dieses Originalexemplar von Km et herrührt und dieser seine Pilze sublimatisiert, habe ich mich davon überzeugt, daß diese Kristalle nicht vom Sublimat herrühren, sie sind daher für diese Art charakteristisch. Brinkmann's Exsikkat (Westf. Pilze Nr. 90) ist mir zweifelhaft. Odontia cristulata Fr. Pilz weit ausgebreitet, dünn, am Rande allmählich ver- laufend und feinkörnig-pruinat, nicht faserig, blaßrosa, am Rande heller, frisch weichfleischig-häutig, nicht persistent, mit dichtstehenden, erst kleinen Wärzchen bedeckt, die später zu spitzen, fast samtig aussehenden Papillen werden. Cystiden an der Basis der Papillen und am Subiculum, zerstreut, dünn- wandig, septiert, an den Querwänden oft mit Schnallen, grob- körnig-kristallinisch inkrustiert, 90 bis 140 ij- lang, 10 bis 12 [x breit. Sporen hyalin, länglich-zylindrisch, gerade oder etwas gekrümmt, 7 bis 1 1 ^^ 3 bis 4 ]x. Hyphen zartwandig, 4 bis 6 [x breit, mit Schnallen. Bildet, da die Sporen auch am Subiculum entstehen und die Papillen klein sind, so wie Kneifßa setigera einen Übergang von Odontia zu Peniophora. 96. Über die sanguinolenten Poria-Arten Europas. Meines Wissens gibt es bei uns fünf verschiedene mehr weniger deutlich sanguinolente Poria-Arten. Es sind dies: 1. Poria viridans (Berk. etBroome), Ann. nat. bist. 1861, VII, p. 379, Nr. 937, in allen Werken falsch unter der Nr. 347 zitiert. In der Originaldiagnose ist zwar von einer Sanguinolenz 92 F. V. Höhnel, des Pilzes nichts zu lesen, es heißt nur, daß der Pilz anfänglich rein weiß ist und beim Trocknen blaßgrünlich wird, »with a honey-like tinge in parts«, allein nach Bresadola (Hym. Hung. Kmetiani, in Atti Accad. di Scienz., Rovereto, 1897, Vol. III, p. 83) ist der Pilz sanguinolent und hat hyaline, zylindrische, gekrümmte Sporen, 4 bis 5^^1-5 bis 2 jj.. Nach demselben Autor ist Physisporus inconstans Karst. (Revue myc, 9. Bd., 1887^ p. 10) derselbe Pilz. Derselbe scheint bisher nur auf morschen Laubhölzern gefunden worden zu sein (Popuhis, Bcttila, QnercusJ. Der von Britzelmayr (Eotan. Zentralblatt, 1896, 68. Bd.,p. 142, Abbild. Polyporei, Fig. 199) als Polyporiis viridans aufgeführte Pilz scheint äußerlich dem echten viridans ähnlich zu sein, hat aber 8 ^ 3 bis 4 [x große Sporen und ist daher verschieden, wofür auch der Umstand spricht, daß Britzelmayr von einer Sanguinolenz des Pilzes nichts sagt. 2. Poria terrestris (D. C.) non Bres. Wird als sehr zart, fädig-spinnwebig und mit sehr kleinen Poren versehen beschrieben. Nach Fries und Quelet ist es eine zweifelhafte Form, die kaum selbständig sein dürfte. Muß noch weiter beobachtet werden. Dieselbe scheint nur am Boden (auf Erde?) aufzu- treten. Wenn der von Britzelmayr (Bot. Zentralbl., 1897, 71. Bd., p. 58) als P. terrestris Fr, aufgeführte Pilz die echte Form ist, dann hat der Pilz fast kugelige, 5 bis 6 jx große Sporen. Allein aus seinen Angaben und der Fig. 225 geht hervor, daß es sich höchstwahrscheinlich um Poria sangiiinolenta (Alb. et Schu'. nee Bres.) handelt, 3. Poria n. sp.? Eine nur auf Nadelholz vorkommende Form, welche nach Bresadola (Ann. myc, L, p. 79) gewöhnlich mit Poria violacea Fr. verwechselt wird und zylindrische, 6 bis 8 » 2 bis 2'^/^ jjl große Sporen besitzt. Diese Art wird von Bresadola für die echte P. sangninoletita (Alb. et Schw.) erklärt, ich halte sie jedoch für eine neue, davon ganz ver- schiedene Art. 4. Poria n. sp.? Eine nur auf Laubholz (Populus, Fagus, Jtiglans) auftretende, der vorigen höchst ähnliche Art, welche Fragmente zur Mykologie. 93 jedoch dicker ist, regelmäßigere Poren hat, im Alter nicht so dunkel braunviolett wie die vorige wird und kleinere, 5 bis 6 « 2 [JL große, zylindrisch gekrümmte Sporen besitzt. Sie wurde von Bresadola ursprünglich (Hym. Kmet., p. 83) wie die vorige für P. sanguinolenta (Alb. et Schw.) gehalten, später jedoch (Ann. myc, I., p. 79) als davon verschieden erkannt. Beide diese meiner Meinung nach neuen Arten müssen an frischen Exem- plaren weiter studiert werden. Ich halte sie beide für von P. san- guinolenta (Alb. et Schw.) ganz verschieden. Letztere vierte Art ist wahrscheinlich derselbe Pilz, den Quelet (Flore mycol., 1888, p. 381) als P. sanguinolenta (Alb. et Schw.) aufführt, mit länglichen, gekrümmten, (3 [x langen Sporen. 5. Poria sanguinolenta (Alb. et Schw.) (Conspect. Fung., p. 257) ist im Gegensatze zu den übrigen sanguinolenten, schwierigen Arten, richtig erkannt, eine höchst charakteristische Form mit fast kugeligen, etwa 4 bis 6 [x großen Sporen (Sporen- durchmesser nach Bresadola sub P. terrestris 4^/^ bis 6 (x; nach P. Hennings 5 bis 6 jji; nach Britzelmayr 4 bis 5 [x). Ob die beiden von Bresadola (Ann. myc.^ L, p. 79) als Poria terrestris (D. C.) und Bv\ize\mQ.YV oXs Polyporus sangtii- nolentns (Bot. Zentralbl., 1897, 71. Bd., p. 58) angeführten Pilze mit fast eiförmigen Sporen von 5 bis 6 5=; 4 bis 4^/3 ja, respektive 5 bis 7 Ä 4 bis 6 [Ji, Größe hieher gehören, ist mir sehr zweifel- haft, namentlich was den zweiten anlangt, der von Britzel- mayr als verschiedenfarbig und zähe beschrieben wird, was bei der echten Poria sanguinolenta nicht zutrifft. Das auffallendste derP. sanguinolenta (Alb. et Schw.) ist die Art ihres Wachstums. Während die übrigen Poria-Arten ein mehr weniger deuüiches, der Unterlage anliegendes und mit derselben meist fest verwachsenes Subiculum besitzen, auf dem die Poren sich ausbilden, entsteht bei dieser Art der Pilz- körper durch seitliche Verschmelzung von ursprünglich ge- trennten, wenn gut entwickelt kurz gestielten, verkehrt kegel- förmigen, schneeweißen, außen feinseidigen Hüten, die das Hymenium auf der Oberseite tragen. Da der Pilz sehr weich ist, ist dies jedoch nur an ganz frischen, jungen Exemplaren 94 F. V. Höhnel, ZU sehen. Im trockenen Zustand glaubt man, eine gewöhnliche resupinate Poria vor sich zu haben. Das Zustandekommen des Pilzes durch Verschmelzen von ursprünglich getrennten Teilen wurde schon von Albertini und Schweinitz beobachtet und beschrieben. Sie sahen aber nicht, daß jeder Teil nur mit schmaler, stielförmiger Basis auf- sitzt. Auch Fries kannte diese Tatsache, wie aus seinen Dia- gnosen hervorgeht (Syst. myc, I, p. 385, und Hym. Europ., p.578), nicht. Hingegen war sie Secretan (Mycographie suisse, 11, p. 505) sehr wohl bekannt, wie seine ausführliche Beschrei- bung zeigt. Merkwürdigerweise hielt er aber das ihm offenbar nicht bekannte Hydmim (0.) crisUilahmi Fr. für eine Alters- form seiner Sistotrema sangninolentnin (Alb. et Schw.), was natürlich nicht der Fall ist. Wenn der Pilz älter und dicker geworden ist, verrät er seine Entstehungsweise nur dadurch, daß er der Unterlage nicht ganz angewachsen ist, sondern mit ihr nur durch ziemlich gleichmäßig verteilte, zahlreiche, kleine Anheftungsstellen ver- bunden ist. Demnach wäre der Pilz gar keine echte Poria, sondern ein aus zahlreichen kleinen verwachsenen Hüten mit oberseitigem Hymenium bestehender Polyporus, der nur habituell einer Poria gleicht. Ich halte diesen eigentümlichen Pilz für den von Alber- tini und Schweinitz beschriebenen; Bresadola hingegen er- klärt ihn für Poria terrestris (D. C). Aber abgesehen davon, daß letztere Art, wie schon erwähnt, zweifelhaft ist, stimmt Fries^ Diagnose derselben gar nicht damit überein. Britzelmayr und Hennings halten so wie ich die sanguinolente Poria mit den kugeligen Sporen für P. sangninoJeiita (Alb. et Schw.). 97. Mycena atramentosa (Kalchbr.) v. H. (Lactipedes). Pilz aus dem Weißlichen graubräunlich, rauchgrau, schließ- lich bei Berührung und Verletzung sowie im Alter spontan schwarz werdend, wässerig, saftreich; Milchsaft fast wasser- hell, dann schwarz werdend, auf Fließpapier einen schwarzen, rot berandeten Fleck bildend. Hut und Stiel mit einem ver- Fragmente z-ur Mykologie. •-'«^ gänglichen, lockeren Samtüberzug aus hyalinen, kegeligen, stumpfen, zarten, bis 50 ^ 16 [j. großen Haaren bedeckt. Hut meist stumpfkegelig, bis 30 mm breit und bis 12 mm hoch, bis gegen den Rand dünnfleischig, meist feingrubig und radial- runzelig, rauh. Lamellen anfänglich weiß, dann schwarz fleckig, schließlich ganz schwarz, ziemlich dicht stehend, dicklich, breit angewachsen, nicht oder wenig ausgerandet und mit Zahn herablaufend, mit Querstreifen versehen, am Rande mit zer- streuten, stumpfkegeligen, an der Basis etwas bauchigen, bis 40 ^ 12 [Jt, großen Cystiden. Sporen eikugelig, mit vorgezogenem Spitzchen, 5 bis 6 ^ 4 bis 5 [i. Stiel mit weißfaserigem Marke^ zähe, etwas rauh, 3 bis 4 mm breit, bis 60 mm hoch, nach ab- wärts wenig dicker, an der Basis schwach weißfilzig. Einzeln oder in kleinen Büscheln an stark vermorschten Weißtannenstöcken am Sauerbrunnleiten bei Rekawinkel im Wienerwalde und im Walde bei der Station Rekawinkel, Juli und August 1906. Eine höchst bemerkenswerte Form, die in allen ihren Teilen Milchsaftröhren führt und besonders am Stiel bei Ver- letzung große Tropfen einer schwach opaleszierenden Flüssig- keit, die nach kurzer Zeit tintenschwarz wird, austreten läßt. Der Pilz hat, obwohl er eine zweifellose Mycena ist, mit keiner Art dieser Gattung eine nähere Verwandtschaft. Er erinnert sehr an einzelne schwarzwerdende i^'^roeK^^^-Arten. Mehrere Hygrocyhe- Arien haben ihre nächstverwandten Formen in der Gattung Mycena. So ist zweifellos Hygrocyhe nitrata sehr mit M. alcalina, welche manchmal sehr dicke Lamellen hat, ver- wandt. Derselbe ist zuerst in Ungarn bei Scepus ebenfalls im August auf morschem Föhrenholz gefunden worden und von Kalchbrenner (Ic. sei. hym. Hungariae, 1875, p. 15, Tafel 6, Fig. 2) als Collyhia beschrieben und abgebildet worden. Es ist aber eine ausgesprochene Mycena aus der Sektion Lactipedes, mit charakteristischen Cystiden, wie sie bei Collyhia nicht vor- kommen. Auch die Sporen und das Wachstum auf Holz deuten SiUiMycena hin. Jüngere Hüte sind ganz Mycena-iixWg beschaffen, erst wenn sich manchmal der Hut im Alter sehr ausbreitet, er- innert der Pilz etwas an Collybia. Bei letzterer Gattung kommen 96 F. V. Höhnel, keine Milchsaft führenden Formen vor, ein Umstand, der dem Pilz auch den Platz bei Mycena anweist. Der Pilz wird auch von Quelet (Fl. mycol. de la France, 1888, p. 234) aus dem französischen Jura und den Vogesen an- gegeben. Derselbe unterscheidet auch eine Subspecies der- selben: Collyhia nigrescens^ mit 10 [i langen Sporen. 98. Inocybe pluteoides n. sp. Pilz ganz weiß, mit lebhaft rosa gefärbten, dünnen, freien Lamellen. Hut stumpflich, aus dem Kegelförmigen ausge- breitet, mit schwachem Umbo, zirka 3 cm breit, radial-rimös, seidig-faserig. Stiel voll, zylindrisch, unten etwas keulig, weiß seidenfaserig, 2 bis 3 cm lang, 5 bis 6 mm dick. Fleisch weiß, geruchlos. Cystiden auf Schneide oder Fläche sitzend, sehr ver- schieden gestaltet, baid eiförmig-kegelig-bauchig bis 28 [x breit, bald zylindrisch-kegelförmig, schmal und bis 60 [x lang, an der Spitze mit einem Krönchen von Kalkoxalat versehen, dünn- oder derbwandig. Sporen fast hyalin, mit einem Stiche ins Gelb- liche, mandelförmig, ungleichseitig, oben abgerundet, mit kurzen, seitlichen Spitzchen, 10^5Y2 i^- Auf Waldboden im Viehoferinwalde bei Preßbaum im Wienerwalde, Oktober 1906. Ist eine interessante Übergangsform zwischen Inocybe und PJiiteiis, die jedoch nach dem Baue der Lamellen zweifellos in den Formenkreis von Inocybe gehört. Habituell sich einer- seits sofort als eine Inocybe aus der Verwandtschaft von /. Trmü' Weinm. verratende Art, die aber durch die rosa ge- färbten Lamellen und die fast hyalinen Sporen den Eindruck eines Plutetis, etwa aus der Verwandtschaft des PI. peUitus Fr., macht, um so mehr als die Lamellen frei sind. Die Cystiden sind jedoch ganz typische Iiiocybe-Cysiiden und unterscheidet sich die beschriebene Form von einer typischen Inocybe nur durch die fast farblosen Sporen, die nur, wenn sie in Haufen liegen, einen Stich ins Gelbliche zeigen. Auch die Sporenform stimmt mit der der glattsporigen echten Inocybe- Äxten überein, während die Pluteus-Arten meist rundlich-eiförmige Sporen haben. Ohne genauere mikroskopische Untersuchung und die Fragmente zur Mykologie. 97 nötige Formenkenntnis bestimmt, muß die beschriebene Form {\X\- PIntcns pelUHis Fv. gehalten worden und ist bisher wahr- scheinUch mit dieser Art konfundiert worden. Mit der Psathyra snbcernna v. H. = Nolanea stibcernvia Schulz, r:: Clitopihis conissans Peck. =;= Phitens siihcermms Bres., einer sehr blaß- violettsporigen, //^orj'Zv^-Cystiden besitzenden Pra/^//d!-Form, hat der beschriebene Pilz, wie der direkte Vergleich zeigte, nichts zu tun. 99. Über Pratella-Formen mit Inocybe-Cystiden. Daß bei violettsporigen Agarici auch Oxalatdrusen tragende hiocyb e-Cys\.\de,n vorkommen, wird meines Wissens nirgends erwähnt. Ich fand bisher vier solche Formen: 1. Psilocybe sarcocephalus Fr. hat sehr blaßviolette, 8 bis 12^5 bis 6 [j. große, elliptische, einseitig etwas abgeflachte Sporen und auf der Schneide sehr zahlreiche, oft gebüschelte, auf der Lamellenfläche zerstreute, schmal kegelförmige, unten etwas bauchige und dünnwandige, oben dickwandige, bis 50 [x lange und unten bis 20 [x breite, meist eine Oxalatdruse tragende, ganz typische Inocyhe-CysWdQn. Eine kleinere, cäspitöse, an der Basis eines Aescuhis- Stammes im Prater bei Wien gewachsene, zweifellos hieher gehörige Form hatte matte, fast feinsamtig -pruinate Hüte, nur 6 bis 772 ^ 3 bis 5 [x große Sporen und teils etwa 16 [x breite, glatte oder oben rauhe, rundlich - blasige, teils dünnwandige, keulig-kegelige, oben Kristallaggregate tragende, 25 [i lange Cystiden, Man ersieht daraus, wie variabel auch die mikro- skopischen Merkmale sind. Ähnliche Variationen zeigen auch die Iiiocybe-Avten. 2. Psathyra spadiceo-grisea (Schaff.). Die von mir dafür gehaltene Form hat violettbraune, durchscheinende, 6 bis 8 ^ 3 bis 4 [i große, meist elliptische Sporen und sowohl auf der Schneide wie auf der Fläche der Lamellen dünnwandige, etwas ausgebauchte, zylindrisch-kegelige, 40 bis 58 ^ 10 bis 20 [x große, drusentragende Cystiden. In den Donauauen bei TuUn fand ich eine mikroskopisch ganz übereinstimmende, auch sonst gut stimmende Form mit einer Hutfarbe wie Psathyrella gracilis. Sitzb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I. 7 98 F. V. Höhnel, 3. Hypholoma minutellum n. sp. In den Donauauen (Prater, Langenschönbichl bei Tulln) ist an morschen Weiden- und Pappelstämmen oder scheinbar am Boden, aber stets an Holzstückchen sitzend, nicht selten eine kleine Form, welche der Psathyra tenuicola Karst, und Psathyra gyroßexa Fr. sehr ähnlich, aber sicher davon verschieden ist, die ich für unbe- schrieben halte. Sie hat ebenfalls Inocyhe-CysiidQn. Hypholoma minutellum n. sp. Pilz einzeln stehend, in kleinen Herden. Hut häutig, bis 15 mm breit und 3 bis 4 mm hoch, flach gewölbt, ohne Umbo, erst gelbbräunlich, in der Mitte blässer, am Rande weißlich, bis gegen die Mitte durchscheinend gestreift, mit schmalen, flockigen, weißlichen, abfälligen Schüppchen locker besetzt und einzelnen Schüppchen am Rande, in der Mitte kahl, später Hut kahl, blaß graubräunlich, mit Stich ins Rötliche, etwas atomat. Hutrand stets gerade. Stiel weiß, durchscheinend, 1 bis 2 cm lang, 1 -2 bis 1 -6 mm dick, zylindrisch, meist etwas gekrümmt, flockig-mehlig bestäubt, oben schwach gestreift, an der Basis wenig zwiebelig verdickt und weißfilzig, hohl, etwas brüchig. Lamellen ziemlich locker stehend, ziemlich breit abgerundet angewachsen, in der Mitte am breitesten, mäßig breit, segment- förmig, aus dem Weißlichen schmutzig rötlichviolett, später grauviolett; Schneide kaum krenuliert, dünn, etwas blässer, mit zahlreichen, ziemlich dichtstehenden, auf der Fläche zerstreuten, dünnwandigen, kurz- und breitbauchig-kegeligen, meist eine Oxalatdruse tragenden, 20 bis 30 =; 12 bis 16 [x großen Cystiden. Sporen durchscheinend schmutzigviolett, elliptisch, stumpf, einseitig etwas abgeflacht, meist 6 bis 7 - 3 bis 3Y2 [J" Der Pilz scheint für die Auen charakteristisch zu sein. Im Wienerwalde fand ich ihn niemals. Nach der möglichst ge- nauen, mehreren Funden und vielen Exemplaren entnommenen Beschreibung ist er sicher erkennbar. Von Psathyra gyroßexa ist er schon durch den nicht kahlen Stiel und die Cystiden, welche bei gyroßexa völlig fehlen, ganz verschieden. Wenn Karsten's Beschreibung von Psathyra tenuicula (Acta soc. scient. fennicae, XV, p. 194, Fig. 28), die in Syll. fung., V, p. 1063, mangelhaft wiedergegeben ist, richtig ist, so ist seine Fragmente zur Mykologie. 99 Art der obigen zwar äußerlich ähnlich, wie insbesondere die Abbildung zeigt, aber doch verschieden. Das Gleiche gilt von Psathyra neglecta Mass. Doch sind die Beschreibungen der Pratelli schwierig richtig zu machen und daher oft irreführend. Ich zähle den Pilz zu Hypholoma, weil die Cystiden ganz so wie bei den mir bekannten Hypholoma- Arten blasig sind und auch auf der Lamellenfläche vorkommen und der junge eine ganz deutliche Randloma zeigt. Der Pilz wächst nie in dichten Rasen, sondern stets einzeln in lockeren kleinen Gruppen oder Herden, am nackten Stamme oder auch zwischen Moos. 4. Eine vierte hieher gehörige Form ist Agaricus (Nolanea) subcernuus Schulz, (Verh. Zool. Bot. Ges. Wien, 1876, p.427), ein Pilz, der nach Bresadola in lit. identisch ist mit dem später beschriebenen Clitopihis conissans Peck (Saccardo, Syll., IX, p. 86). Bresadola erachtet diese Form für einen Phiteus. Allein die Untersuchung eines amerikanischen Exem- plars, das ich seiner Güte verdanke, zeigte mir, daß es sich hier um eine Psathyra mit sehr schwach violett gefärbten Sporen handelt. Einzeln gesehen erscheinen die Sporen unter dem Mikroskop fast hyalin, in dichten Haufen aber sind sie schmutzig hellviolett und nicht rosa oder roströtlich. Es ist sicher eine Psathyra, womit auch die Art seines Wachstums und seine äußeren Eigenschaften in Übereinstimmung stehen. Es ist eine von jenen systematisch schwierigen Über- gangsformen mit abweichender Sporenfarbe, die von den Autoren sehr verschieden beurteilt werden. Zu diesen gehören z. B. Psilocyhe squalens, Psathyra frusttilenta , Naticoria Cucumis, Annularia laevis, Pleurotus nidulans etc. Die Psathyra subcernua (Schulz.) v. H. hat längliche, allseitig abgerundete, einseitig etwas flachere, 6^/^ bis 8 5=; 3 bis 3V2 l^ ^roße Sporen und sowohl auf der Schneide wie auf der Fläche der Lamellen zerstreut stehende, kurze, dickbauchige, oben im kurzen Fortsatze bis zum Verschwinden des Lumens verdickte und eine kleine Kristalldruse tragende, 26 bis 30 jj. lange und 14 bis 20 [x breite Cystiden. Diese sind also von sehr charakteristischer Gestalt. 7* 100 F. V. Höhnel, 100. Meliola longiseta n. sp. Myceliutn blattunterseits, oberflächlich, sehr zart und locker, 1 an breite, rundliche, unbegrenzte Flecken bildend. Hyphen aus dem Dunkelvveinroten dunkelbraun, meist wellig oder zick- zackförmig verlaufend, 8 [x dick. Hyphopodien abwechselnd, zwei- oder dreizellig, kurz kopfig-keulig, 28 - 12 [x, obere Zelle unregelmäßig rundlich-eiförmig, mit mehreren warzenförmigen, kurzen Ausstülpungen versehen. Spitze Hyphopodien fehlend. Borsten am Mycel zerstreut und zu wenigen die Perithecien umgebend, schwarz, opak, steif, spitz oder stumpf, einfach, 800 bis 1000 [x lang, unten 16 [x, oben 10 [x dick. Perithecien zerstreut, kugelig, von den stark vorspringenden Zellen warzig- rauh, 200 jx breit. Asci zwei- bis dreisporig, eiförmig, dünn- wandig, 50 ^ 20 {X. Sporen aus fünf gleichlangen Zellen be- stehend, dunkelbraun, elliptisch-länglich, an den Querwänden etwas eingeschnürt, 40 bis 44 ^ 18 [x. Auf der Unterseite der Blätter von Psychotria sp. zarte, spinnwebige Überzüge bildend. Samoa-Inseln; Tiavi (Dr. Rechinger). Eine sehr hübsche, durch die anfangs violettrote Membran der Hyphen, die mit warzigen Vorsprüngen versehenen Hypho- podien und die dicken, steifen, bis über 1 mm langen Borsten sowie die sehr lockere Anordnung der Hyphen sehr charak- teristische Art. 101. Limacinia spinigera n. sp. Mycelium einen meist dünnen, grauschvvarzen, häutigen, fest anliegenden, weit ausgebreiteten, allmählich verlaufenden Überzug bildend, aus dünnwandigen, meist gerade verlaufenden, braunen, mit großen Öltröpfchen versehenen, 4 bis" 6 [x breiten, stark verzweigten Hyphen bestehend, die mit zahlreichen stachelförmigen, meist Triposporium-eLYÜg zu drei verbundenen, meist vier- bis fünfzelligen, braunen, spitzen, 30^6[x großen, seltener bis 80 [j. langen Fortsätzen besetzt sind. Pycniden lang zylindrisch, bis 20 jx dick, oberhalb der Mitte spindelförmig bis 35 [X verbreitert, kleine, einzellige, längliche oder zylindrische Fragmente zur Mykologie. 1^1 Conidien entleerend. Perithecien mit rundlichem, zuletzt bis 60 (J. weit geöffnetem Ostiolum, aufrecht eiförmig, dünn-braun- häutig, 80 bis 140 [X breit, ringsum mit braunen, stumpfen, an der Spitze blassen, septierten, steifen, meist 50 bis 60 « 6 [j. großen, seltener bis 80 [x langen Borsten besetzt. Asci derb- wandig, dickkeulig, 40 bis 60 ^ 14 bis 20 [x, achtsporig. Sporen zwei- bis dreireihig, hyalin, drei- bis vierzellig, an den Quer- wänden nicht eingeschnürt, zartwandig, gegen beide stumpf- liche Enden etwas verschmälert, länglich- elliptisch, 15 bis 20 ^ 5 bis 6 [x. An lebenden Blättern von Stcrcnlea poptihiea. Samoa- Inseln (Dr. Rechinger). Ist von den wenigen Capnodimn- und Lima ein in -Arien mit Triposporiiim-öhnWchen Hyphenanhängseln völlig verschieden. 102. Limacinula samoensis n. sp. Hyphenfilz dick, leicht ablösbar, w^eit ausgebreitet, braun- schwarz, schwammig; Basalhyphen dünnwandig, glatt, SVa bis 5 {j. breit, dicht verzweigt. Haupthyphen ziemlich steif, sehr fein- körnig rauh, derbwandig, wenig verzweigt, 7 bis 9 [x breit, septiert, Glieder 12 bis 19 [i lang, Querwände sehr dünn. Obere Filzschichte Antemiaria-Q.\-t\g entwickelt, aus stark verzweigten, dunkelbraunen, torulösen, 8 bis 16 \^. breiten Ketten von rund- lich-tonnenförmigen, glatten, 8 bis 16 [j. langen und breiten, fest zusammenhaftenden Gliedern bestehend. Perithecien an den dünneren, Antennaria-ive\er\ Stellen des Filzes zerstreut sitzend, rundlich-warzenförmig, 260 [x breit, oben genabelt einsinkend, schwarz, kahl, an der Basis mit kriechenden Hyphen. Asci zahl- reich, dickkeulig, zirka 110-=^24[j,, durch Verquellung bald sehr dickwandig werdend. Paraphysen fehlend oder ganz ver- schleimend. Sporen zu acht, zweireihig, sehr verschieden ge- staltet, meist länglich und nach beiden Enden etwas ver- schmälert, stumpfendig, meist mit fünf bis sechs Querwänden und ein bis zwei unterbrochenen Längswänden, lange hyahn bleibend, zuletzt blaß durchscheinend bräunlich, 28 bis 36 =^ 9 bis 14 \i.. Auf einem ledrigen Blatt. 102 F. V. Höhnel, Samoa-Inseln: Savoi bei Matondu (Dr. Rechinger). An den dünnen Zweigen sind die Zellen der Antennaria-Fovm, besonders an sterilen Stellen, meist feinwarzig rauh. 103. Micropeltis Rechingeri n. sp. Perithecien epiphyll, zerstreut, matt braunschwarz, flach- schildförmig, mit rundlichem Ostiolum, später sternförmig auf- reißend, aus zirka 4 jx breiten, polygonalen oder etwas läng- lichen, oft gewundenen Zellen aufgebaut, am Rande allmählich in einen zarten, hyalinen, fast strukturlosen, 40 bis 50 [x breiten Saum übergehend, 280 bis 300 [x breit. Paraphysen zahlreich, fädig, verschleimend. Asci achtsporig, keulig, sitzend, 32 bis 44 - 10 bis 11 ]}/, Sporen zwei- bis dreireihig, hyalin, vierzellig, nicht eingeschnürt, länglich oder länglich-keulig, beiderseitig abgerundet, zartwandig, 13 bis 18 « 3 bis 4 [x. Auf einem Blatte (Spiraeanthemtmi?). Samoa-Inseln, Utumapu (Dr. Rechinger). Mit Micropeltis leucoptera Penz. et Sacc. und M. aJho- marginata Speg. verwandt, doch gut verschieden. Auf dem- selben Blatte wächst auch eine schöne Placosphaeria mit einer unreifen Phyllackora, die unbeschrieben bleiben müssen, da die Bestimmung der Nährpflanze sehr zweifelhaft ist. 104. Sphaeroderma hypomyces v. H. n. sp. Subiculum spinnwebig, zart, verschwindend. Perithecien kugelig, frei oder mit der etwas kurzkegelig vorgezogenen Basis haftend, ohne Ostiolum und Mündungspapille, zerstreut oder gehäuft, blaß ockergelblich, später blaß bräunlich, der schwarze Nucleus durchscheinend, 400 bis 550 [x breit, außen kahl, glatt oder mit vereinzelten dünnwandigen, hyalinen, bis 50 5=; 2 bis 4 [X großen Härchen versehen. Perithecienmembran ziemlich dick, fleischig, aus gelblichen, bis 25 [x breiten Paren- chymzellen aufgebaut. Paraphysen fehlen, Asci eine relativ kleine kugelige Rosette bildend, zartwandig, dickkeulig, unten in einen kurzen, breiten Stiel verschmälert, achtsporig, 80^ 16 bis 20 [X. Sporen zweireihig bis geballt, durchscheinend grau- schwarz, mit vielen Öltröpfchen, häufig etwas längsfaltig, ein- Fragmente zur Mykologie. 1^«^ zellig, an den Enden quer abgestutzt, spindelförmig, auf der Bauchseite etwas flacher, 20 bis 21 ^ 8 ^ 7 [x groß. Vornehmlich an den Lamellen von Lactarius pargamemis schmarotzend. August 1906 am Sattelberge bei Preßbaum im Wienerwalde. Das spinnwebige Subiculum rührt vielleicht, wenigstens teilweise, von dem Conidienstadium eines Hypomyces her, könnte aber auch autonom sein. Die darauf gebildeten Conidien sind einzellig, länglich stäbchenförmig, 6 bis 8 - T 6 bis 3 [x groß. 105. Sphaeroderma epimyces v. H. n. sp. Perithecien gesellig, kugelig, ohne OstiolumundMündungs- papille, erst gelblich, später mehr schmutzig bräunlich mit durchscheinendem schwarzen Nucleus, etwa 310 {j. breit, an- fänglich mehr weniger eingesenkt, dann oberflächhch, fast frei. Perithecienmembran aus gelben, großen Parenchymzellen auf- gebaut, ziemlich dick, fleischig. Paraphysen fehlend. Asci zu einer kugelförmigen Rosette radiär angeordnet, achtsporig, ei-birnförmig, keulig, zartwandig, oben breit abgerundet, unten in einen kurzen dicken Stiel rasch verschmälert, 80 bis 92 ^ 28 bis 32 [j.. Sporen geballt, einzellig, breit zitronenförmig, etwas flachgedrückt, im Querschnitte elliptisch, aus dem Blaßviolett- grauen oder Dunkelolivengrünen schließlich opak schwarz, an beiden Enden mit kurz zylindrischem, quer abgestutztem Fort- satze, häufig etwas kantig, fast sechseckig, mit zahlreichen Öltröpfchen, 24 bis 28 - 13 bis 18^11 bis 12 [x groß. Auf dem Stroma von Hypomyces ochraceus (P.) schma- rotzend. Im August 1906 Sauerbrunnleiten bei Rekawinkel und Sattelberg bei Preßbaum im Wienerwald. Wenn die Stromata des Hypomyces stark befallen sind, bleiben sie steril. Die Sporen sind der Anlage nach stets zu acht im Ascus, doch kommen nicht immer alle zur Reife. Von der Schmalseite gesehen, zeigen die Sporen in der Mitte einen ziemlich breiten blasseren Längsstreifen, als wenn die Mem- bran aus zwei Längshälften bestehen würde. Die Farbe der jüngeren Sporen ist verschieden, bald ins Violette, Tintenblaue oder Olivengrüne ziehend. 104 F. V. Höhnel, Die Art ist jedenfalls mit Spkaeroderma episphaerium (Ph. et PL) nahe verwandt, die auf Hypomyces terrestris in England und Frankreich gefunden wurde. Doch werden hier die Perithecien als anfänglich hyalin beschrieben und sind die Sporen länger und, was entscheidender ist, zweifellos relativ wesentlich schmäler. 106. Über Rosellinia Niesslii Auersw. Von dieser, wie es scheint, seltenen Art wird von Niessl (Beiträge zur Kenntnis der Pilze, Brunn, 1872, p. 35) und nach ihm in den Handbüchern angegeben, daß die Perithecien ober- flächlich entstehen. Dies ist auch tatsächlich oft der Fall. Man findet sie so nicht nur an der natürlichen Außenseite des Holz- körpers, sondern auch an Bruch- und Spaltstellen desselben, ja sogar am Marke der Zweige aufsitzen. Allein dies kommt auch bei anderen normalerweise eingesenkt-hervorbrechend wachsenden Pyrenomyceten vor, z. B. gerade auch bei der auf demselben Substrate — Berberis-Zweige — so häufigen Cucurhitaria Berheridis. Wenn von solchen Pilzen befallene Zweige längere Zeit bei genügender Feuchtigkeit am Boden liegen, erhält sich der normalerweise sonst absterbende Pilz am Leben, wächst weiter und bricht dann, Perithecien bildend, oft am nackten Holze oder Marke hervor, wo er dann ganz ober- flächlich erscheint. Tatsächlich sind aber solche Pilze doch normalerweise eingewachsen. Dasselbe ist nun auch hei Rosellinia Niesslii Auersw. der Fall. An einem instruktiven, bei Seitenstetten in Niederöster- reich gesammelten Exemplare dieser Art konnte mit Sicherheit festgestellt werden, daß der Pilz kein Saprophyt ist, wie nach den bisherigen Angaben wohl anzunehmen war, sondern ein Parasit, der sich normal unter dem Periderm der Zweige ent- wickelt und, wenn dieses festhaftet, durch Spalten in demselben hervorbricht. Bekanntlich wird aber bei Berberis das tief in der Rinde entstehende Periderm leicht und frühzeitig abgeworfen; dies ist ganz besonders dann der Fall, wenn der Zweig von einem Schmarotzerpilze befallen ist. Nach Abfall des Periderms erscheinen dann die Perithecien oberflächlich, während sie tatsächlich eingewachsen-hervorbrechend sind. Fragmente zur Mykologie. lOo Daraus geht aber mit Sicherheit hervor, daß der Pilz nicht in die Gattung RoselUnia gehört, zu welcher er bisher ganz allgemein gestellt wurde. Schwieriger ist die Frage zu beantworten, wohin er eigent- lich im System der Pyrenomyceten zu stellen ist. Da sind es nun drei Eigenschaften desselben, die in Berücksichtigung gezogen werden müssen. Erstens: An der Basis der Perithecien befindet sich ein mehr weniger deutliches Basalstroma. Zweitens: Die Perithecienmembran ist fast fleischig und ursprünglich lebhaft kirschrot, sie wird erst später rotbraun oder dunkler. Drittens: Besonders an der Mündung finden sich zahlreiche kurze, steife, schwarzbraune Borsten. Da der Pilz infolge seiner anfänglich roten, fast fleischi- gen Perithecien offenbar eine Art Mittelstellung zwischen den Hypocreaceen und Sphaeriaceen einnimmt, so müssen seine nächst verwandten Gattungen in beiden diesen Abteilungen gesucht werden. Unter den Hypocreaceen ist er offenbar am nächsten mit Sphaeroderma verwandt, eine Gattung, von der er sich nur durch die ursprünglich eingewachsenen Perithecien unterscheidet, während unter den Sphaeriaceen die beiden Gattungen AnthostomeUa und Anfhostoma in Betracht kommen. Von beiden unterscheidet er sich aber durch die Beborstung der Perithecien. Als Anthostoma kann er überdies nicht wohl aufgefaßt werden, da das Stroma doch zu undeutlich und nur als Basalstroma entwickelt ist. Alles ins Auge gefaßt, ist Sor- daria Niesslii doch am nächsten mit Sphaeroderma verwandt, wo auch beborstete Arten vorkommen und deren Perithecien- membran häufig nichts weniger als typisch hypocreaceenartig entwickelt ist. Da aber sämtliche Sphaeroderma-Arten ganz oberflächliche Perithecien besitzen, kann er nicht in diese Gattung gestellt werden und wird daher am besten in eine neue zu versetzen sein, für die ich den Namen Sphaerodermella in Vorschlag bringe. Der Pilz wird demnach Sphaerodermella Niesslii (Auersw.) v. H. zu nennen sein. Sphaerodermella unterscheidet sich von Sphaeroderma wesentlich nur durch die ursprünglich normalerweise ganz einsrewachsenen Perithecien. 106 F. V. Hühnel, 107. Über Nectria cosmariospora Ces. et de Not. Nectria cosmariospora Ces. et de Not. ist im Wienerwalde in der Gegend des Großen Stiefelberges häufig. Der Pilz wächst nur auf Polyportis radiattis (Sow.), wenn dieser ganz alt gew^orden ist. Die Angaben,. daß A^. cosmariospora auf P. obli- quus und P. femiginens wächst, sind falsch. P. obliqtms P. in Schröter (Pilze Schlesiens, I, p. 489) ist nichts als die Alters- form von P. radiattis (Sow.) var. iiodulosus (Fr.) Bres. (Hym. Kmet. in Atti Accad. scienz. etc. Rovereto, 1897, p. 72), welche von Rostkow als P. polymorphes beschrieben wurde. Schröter's Angabe (1. c, II, p. 256), daß A^. cosmariospora auf P. (Phaeoporus) ohliqims P. wächst, bezieht sich daher auf P. radiattis. Die drei Formen P. radiattis (Sow.), P. nodtüosus Fr. und P. polyinorphtis Ro s tk. sind genau der gleiche Pilz und können diese drei Arten nicht einmal als Varietäten desselben Pilzes gelten, da ich sie alle drei am selben Stamme, also aus dem gleichen Mycelium entstanden, mit allen Übergängen gleichzeitig fand. Die von mir eingesehenen Exsikkaten von A^. cosmariospora zeigen alle als Unterlage die Altersform von P. radiattis. So Fuckel (F. rhen., Nr. 2355) angeblich aufP./fr- rugittetis {Symh. mycol.,p. 179); Rabenhorst (F. europ.,Nr. 459) als Cosmospora coccittea Ra.bh. »in lignis putridis« (auch hier sind Reste des P. radiattis zu sehen); Fungigalliciexsic.Nr.2755, angeblich auf P.ferrtiginevis; Krieger, F. saxonici Nr. 1858 (richtig!); hingegen ist Sydow, Myc. marchica Nr. 2415, N. episphaeria auf einem alten Stroma. Danach sind die Angaben in der Literatur richtigzustellen. 108. Nectria modesta n. sp. Perithecien oberflächlich, vereinzelt oder in kleinen Gruppen, ei-birnförmig, 170 bis 250 [x breit, 240 bis 400 [x hoch, schmutzig bräunlichgelb, mit brauner, stark entwickelter, abgerundet stumpfer, bis 200 [x hoher und 140 [x breiter Mün- dungspapille. Gewebe unten undeutlich kleinzellig, faserig- plectenchymatisch, Halsteil aus deutlichen quergestreckten, etwa 12 [X langen Parenchymzellen aufgebaut; an der Basis mit gelblichen, 3 bis 4 [x breiten Hyphen, weiter oben mit Fragmente zur Mykologie. 107 vereinzelten haarähnlichen Hyphenenden; Hals kahl, Para- physen zahlreich, dünnfädig, lang; Asci dünnwandig, zylin- drisch oder etwas keulig, 90 bis 100 s=- 6 bis 8 [j., achtsporig. Sporen 1- bis l'^/^ i'Qihig, seltener zweireihig, zweizeilig, kaum eingeschnürt, länglich, beidendig abgerundet, ganz aus- gereift feinkörnig-rauh, durchscheinend violettbraun, mit zwei Öltröpfchen, 9 bis 12 ^i? 4 bis 5 [x. Am noch harten Holz eines Birkenstumpfes am Sattelberge bei Preßbaum und auf morschem Weißbuchenholz am Sag- berge bei Untertullnerbach im Wienerwald, August 1906. Ist, die vorhandenen Beschreibungen als richtig voraus- gesetzt, zweifellos eine neue Form. Durch die im gut ausge- reiften Zustande sehr rauhen, violettbraunen Sporen gehört sie in die Sektion Cosmospora, während ihr die an der Basis der Perithecien befindlichen Hyphen, die aber kein deutliches Subiculum bilden, einen Platz bei der Sektion Hyphotteclria anweisen würden. 109. Calonectria olivacea n. sp. Perithecien halb- oder zu zwei Drittel eingesenkt, in dichten Herden, einzelnstehend oder zu zwei bis drei verwachsen, kugelig oder ei-birnförmig, mit kegeliger, 30 bis 50 [x weit geöffneter Mündungspapille, bis 280 [j. breit, dünnhäutig. Membran undeutlich kleinzellig, blaß oliv^engrün, um das Ostiolum schwärzlich olivengrün mit Stich ins Blaue. Paraphysen zahl- reich, dünnfädig. Asci keulig, dünnwandig, unten kurz stielartig verschmälert, 80 bis 100 ^ 8 bis 9 jx, achtsporig, Sporen zwei- reihig, hyalin, länglich-elliptisch, beidendig verschmälert und abgerundet, mit vier großen Öltröpfchen, zuletzt vierzellig, an den Querwänden nicht eingeschnürt, dünnwandig, 12 bis 16 ^^ 3 bis 4 [A. Jod gibt keine Blaufärbung. An stark vermorschtem Fagus-HoXz. Sauerbrunnleiten bei Rekawinkel im Wienerwalde, August 1906. Eine bemerkenswerte Zwischenform zweifelhafter Stellung. Mit Odontotrema hat der Pilz nichts zu tun. Von Calonectria unterscheidet er sich durch die Färbung und das weite, kegelige Ostiolum, von Metasphaeria durch die blasse Färbung der Perithecienmembran und das halb eingesenkte Wachstum. 108 F. V. Höhnel, Ebenso von Zignoella. AXsWinterina kann er auch nicht klassi- fiziert werden, da die \V. tiiberculifera ganz oberflächliche Perithecien besitzt und den Bau der Ascusschichte wie Gnomoiiia und Diaporthe hat. (Die übrigen als Winterina. beschriebenen Formen gehören kaum in diese Gattung.) Am besten scheint mir derselbe als Calonedria betrachtet zu werden. Man könnte ihn höchstens noch als Metasphaeria klassifizieren. 110. Letendraea rhynchostoma n. sp. Perithecien gesellig, oberflächlich, kahl, zirka 400 \i. breit, rundlich oder eiförmig, mit einem bis 200 [x breiten, oben quer abgestutzten, bald kurzen, bald bis 700 jx langen Schnabel, bräunlichgelb, dünnhäutig, aus gelben, zartwandigen, etwa 7 bis 8 [Abreiten polygonalen Parenchymzellen aufgebaut. Ende des Schnabels dunkler braun. Paraphysen dünnfädig, zahlreich, die Asci überragend. Asci monostich achtsporig, sehr zart- wandig, zylindrisch, 85 bis 100 ^ 8 bis 10 [j.; Sporen anfäng- lich tintenblau, dann schwarz, länglich-spindelförmig, meist mehr weniger bis halbmondförmig gekrümmt, an beiden Enden stumpflich, mit 2 kleinen Öltröpfchen, dann zweizeilig (Zellen oft ungleich), 1 1 bis 17^6 bis 7 \x. Auf der Innenseite faulender Endocarpe von Juglans regia^ im Prater (Donauau) bei Wien, August 1906. Ist eine durch die geschnäbelten Perithecien und die meist fast halbmondförmig gekrümmten blauschwarzen Sporen sehr ausgezeichnete unzweifelhafte Letendraea. 111. Helminthosphaeria Odontiae n. sp. Perithecien eingesenkt, dann hervorbrechend-oberflächlich, in dichten Herden, häutig-kohlig, schwarz, kugelig, mit deut- licher Mündungspapille, 210 bis 250 ;j. breit, oben kahl, sonst ziemlich dicht mit meist stumpflichen, einzelligen, schwarzen oder durchscheinend dunkelviolettbraunen, steifen, bis 50 [JL langen und 3 bis 4 \h breiten Borsten bedeckt. Mem- brangewebe undeutlich. Paraphysen fehlend oder spärlich. Asci zylindrisch, 70 ^ 7 bis 8 [j., achtsporig. Sporen einreihig, einzellig, tintengraublau, durchscheinend, mit 2 Öltröpfchen, Fraomente zur Ah'kologie. 109 länglich-elliptisch, meist gerade, nicht zusammengedrückt, 6 bis 91/2 ^ 31/2 bis 4 [x. AufdemThallus von Ocfo////tz cristniata Fr. schmarotzend, auf einem morschen Fagiis-SiSimm am großen Sattelberg bei Preßbaum im Wienervvalde, August 1906. Die Perithecien fanden sich ausschließlich nur auf dem Thallus der schönen, blaßrosa gefärbten Odontia. Der Pilz saß nie direkt am Holze auf, ist daher wohl ein echter Parasit. Er steht mehreren kleinsporigeni?os(?////;m-Arten, z.B.R. melaleiica E. et Ev., piuicohi E. et Ev. nahe, kann jedoch mit keiner identifiziert werden und muß der anfänglich eingesenkten Perithecien und seiner Lebensweise als Schmarotzer wegen zu Hdminthospliaeria gestellt werden. Ein Conidium-Stadium wurde nicht beobachtet. 112. Helminthosphaeria Corticiorum v. H. n. sp. Perithecien geselUg, schwarz, kohlig-häutig, rauh, erst ganz eingewachsen, dann bis zu zwei Drittel hervorbrechend, rundlich-eiförmig, etwa 300 [x breit, 500 ]x hoch, an der Basis mit braunen, spärlichen, 4 bis 5 [x breiten Hyphen versehen, nach oben hin, besonders um das Ostiolum herum mit spärlichen bis sehr zahlreichen und dann dichtstehenden, dickwandigen, durchscheinend graubraunen, stumpfen bis spitzen, einzel- ligen, bis 60 ^ 6 bis 7 |x großen Borsten besetzt. Paraphysen zahlreich, fädig. Asci zylindrisch, 110 bis VlQ^T.\x, achtsporig; Sporen einreihig, durchscheinend rauchgraubräunlich, länglich- elliptisch, nach beiden Enden etwas verschmälert, manchmal fast spindelförmig, beidendig stumpflich, einzellig, erst mit einem großen, dann mit 2 bis 4 Öltröpfchen, außerhalb des Ascus selten zweizeilig werdend, 13 bis 16« 5 bis 6 p.. Auf Peiiiophora cremea[{Bres.) schmarotzend, Juni 1905 in den Langenschönbichler Donauauen bei Tulln, Nieder- österreich. Da die Sporen außerhalb des Ascus wenn auch nur zum kleinsten Teile zweizeilig werden, ist der Pilz eigentlich eine Ventiiria. Allein bei dieser Gattung findet er nicht seinen natürhchen Anschluß, denn er ist, wie mir der direkte Vergleich zeigte, so nahe mit H. Clavariae (Tul.) verwandt, daß er nur 110 F. V. Hühnel, neben diese gestellt werden kann. Die Feststellung dieser Tatsache bot nicht nur wegen der schließlichen Zweizelligkeit eines kleinen Teiles der Sporen, sondern namentlich deshalb seine Schwierigkeiten, weil die bei Fuckel, Winter, Schröter, Saccardo u. s. w. zu findenden Diagnosen von H. Clavariae sämtlich den wesentlichen Fehler besitzen, daß die Perithecien als ganz oberflächlich stehend bezeichnet werden, was, wie schon Tulasne wußte, nicht der Fall ist. Letzterer bezeichnet die Perithecien ganz richtig als ursprünglich »subimmersa«. Querschnitte zeigten mir, daß sie oft, ja meist ganz eingesenkt sind und erst später hervorbrechen und fast oberflächlich werden, ganz ähnlich wie bei der neubeschriebenen Form. Daher ist es ein großer Fehler von Winter und seiner Nachfolger gewesen, die vortreffliche Fuckel'sche Gattung Helmintosphaeria wieder einzuziehen und mit RoseUinia zu vereinigen. Letztere Gattung hat aber ganz oberflächliche, kohlige, niemals häutige Perithecien. Mit ihr hat Helmiutlio- sphaeria gar nichts zu tun. Damit stimmt auch die verschiedene Lebensweise als Schmarotzer auf Pilzen, im Gegensatze zu den saprophytischen Rosellinien, und die Tatsache überein, daß die reifen Sporen schließlich 4 größere Öltröpfchen haben und bei der einen Art sicher (bei der anderen wahrscheinlich) schließlich zum Teile zweizeilig werden. Meiner Ansicht nach ist Helnimthosphaeria an die Seite von Venturia (sensu Winter) zu stellen. Noch sei bemerkt, daß zweifellos ein Teil der in die Sektionen Amphisphaerella (Syll., I, p. 262) und Licheiiicolae (Syll., I, p. 275) gehörigen Rosellhiia- Alien zu Hehnintliosphaeria gehören werden, soweit wenigstens, als sie anfänglich eingesenkte Perithecien besitzen. Der Gattungscharakter von Helminthospliaeria wird in dem Sinne zu erweitern sein, daß von der Nebenfrucht form Scole- cotrichmn abgesehen wird. 113. Mycosphaerella Aretiae n. sp. Perithecien zerstreut oder zu 2 bis 3 einander genähert, meist blattoberseits, kugelig, ohne deutliche Mündungspapille, unter die Epidermis eingesenkt, reif über halbkugelig vorragend, schwarz, glänzend, 100 bis 140 jjl breit. Perithecienmembran Fragmente zur Mykologie. 1 1 1 aus 4 bis 5 schwarzbraunen Zellschichten bestehend. Para- physen fehlend. Asci zahlreich, ziemlich derbwandig, keulig, sehr kurz knopfig gestielt, achtsporig, 48 bis 60 ^ 9 bis 10 [i. Sporen zweireihig, hyalin, an der in der Mitte stehenden Quer- wand nicht eingeschnürt, länglich-keulig, beidendig stumpflich, obere Zelle etwas breiter, 14 bis 19 ^ 4 bis 5 (x. Auf den unteren, absterbenden Blättern von Aretici alpina (Lam.) Wulf., Tirol, Gurgl-Vent an der rechten Seitenmoräne des Spiegelferners, leg. Dr. Ginzb erger, VIL, 1900. Eine hübsche, von der M. Prhmtlae (Auersw.et Häufler) durch die viel kleineren Sporen und Asci ganz verschiedene, offenbar echt alpine Art. Die Asci sind sehr zahlreich und bilden herausgequetscht eine regelmäßige Kugel, in der sie radial angeordnet sind. Auf jedem der kleinen Blätter stehen fast stets nur oberseits meist nur wenige, etwa 5 bis 15 Perithecien, die am trockenen Blatte fast kugelig vorspringen, jedoch ursprünglich unter die Epidermis eingewachsen sind, wie Quer- schnitte lehren. 114. Pocosphaeria balcanica n. sp. Perithecien eingesenkt, zu mehreren an schwärzlichen, strichförmigen, 2 bis 10 mm langen, stromaähnlichen Stellen sitzend, derbhäutig, schwarz, kugelig, nach oben meist in einen kurzen, dicken Schnabel konisch verschmälert, 200 bis 3oO [x breit, an der Basis mit zahlreichen, derben, oft bündelweise verlaufenden, dunkelbraunen, 8 bis 12 [x breiten Hyphen ver- sehen, oben mit zerstreuten, stumpfen, braunen, meist vier- zelligen, an der Spitze blassen, bis 80 ^ 6 bis 7 [x großen Borsten versehen. Paraphysen zahlreich, fädig. Asci dick- keulig, sitzend, oben abgerundet, derbwandig, achtsporig, 105 bis 140^22 bis 26 [x. Sporen 2- bis Sreihig, zylindrisch- keulig, beidendig abgerundet-stumpf und verschmälert, stets sechszellig, hellbraun, die zweite Zelle am dicksten, an den Enden mit einer fast halbkugeligen Schleimkappe versehen, meist 40 bis 44 « 10 bis 1 1 [x. An dürren Stengeln von Veronica gentianoides in Rumänien, Cej, leg. Loitlesberger 1897. 112 F. V. Höhnel, Die Asci und Sporen gleichen fast völlig der Abbildung derer von Leptospliaeria Morthierana Sacc. in B e r 1 e s e, Icon., mit welcher vielleicht L. Whiteri Nssl. zusammenfällt. Indessen wird in den betreffenden Diagnosen weder der Perithecialborsten noch der Schleimkappen der Sporen ge- dacht. Nichtsdestoweniger könnte die Vergleichung mit Original- exemplaren die Identität ergeben, da die Borsten nicht immer gut entwickelt und leicht zu übersehen sind. Wie der Vergleich des Pilzes mit P. setulosa zeigt, ist er durch die derben Perithecien und die Form der Sporen, Asci, Borsten und die derben Hyphen auch dieser Form verwandt, die aber vierzellige Sporen hat. 115. Über Venturia Straussii Sacc. et R. und Gibbera salisburgensis Nssl. Betreffend diese zwei Pilze sind zwei Fragen zu beant- worten. Erstens die nach ihrer Identität oder Verschiedenheit und dann die nach ihrer Gattungszugehörigkeit. Von Neger (Ber. d. deutsch, bot. Gesellsch., 1901, XIX, p. 471) und Zahlbruckner (Krypt. exsic. vind., Nr. 824) werden beide Pilze als identisch betrachtet, w^ährend Saccardo (Syll., IX, p. 689) sie als verschieden aufführt. Vergleicht man die Originaldiagnosen beider, so ist eine große Ähnlichkeit beider zwar nicht zu verkennen, doch fallen einige Unterschiede sofort auf. So sind bei V. Straussi die Asci und die Sporen wesentlich breiter und wird weiter angegeben, daß die Paraphysen fehlen oder undeutlich sind, während Niessl (Hedvvigia, 1887, p. 33) von zahlreichen Paraphj^sen spricht. Die Untersuchung des Originalexemplares der V. Straussii (in Fungi gallic. exsic, Nr. 2828, und Rabenhorst- Winter, F. europ., Nr. 3142) zeigte mir aber zahlreiche, gut entwickelte Paraphysen. Ebenso fand ich die Sporen bei dieser Form stets nur zweizeilig und nicht, wie Patouillard (Tabulae analyticae fungorum, Nr. 299) angibt, vierzellig. Nichtsdestoweniger zeigte mir der genaue Vergleich der genannten Originalexemplare von T". Sfraiissii mit dem der G, salishurgetiis Nssl. (in Rabenhorst- Winter, F. europ., Nr. 3550), daß die beiden Pilze voneinander völlig verschieden Frai^mente zur Mykologie. 113 sind, so zwar, daß sie als ganz gute eigene Arten und nicht als Varietäten einer Form betrachtet werden müssen. Ich hebe im folgenden nur die gefundenen Unterschiede hervor. ■1. V. Straussii Sacc. et R. Der Pilz wächst nicht auf der Blattfläche, sondern an der Basis der Blätter, diese und die an- grenzenden Stengelteile besiedelnd. Die Perithecien sind größer, 200 bis 360 [j. breit. Die Asci sind stets achtsporig, länger und breiter, 92 bis 110^ 12 bis 15 [x; die Sporen sind absolut und relativ breiter, beidendig sehr stumpf abgerundet, durchschnitt- lich etwas kürzer, 16 bis 18^8 bis 9 [x. Die beiden Sporen- zellen sind meist fast gleich lang, die untere meist nur sehr wenig schmäler als die obere. Die Sporen sind im Umriß länglich-eiförmig. Steife, schwarze, opake, scharf spitze Borsten fehlen den Perithecien völlig, letztere zeigen nur längere oder kürzere, stumpfe, durchscheinende, mehr weniger verbogene, hyphenartige Haare. 2. G. saJislmvgeusis Nssl. Die Perithecien sitzen meist (wie bei voriger Art) in Gruppen oder Haufen stets auf der Oberseite der Blätter, weder in den Blattachseln noch am Stengel. Sie sind durchschnittlich kleiner, meist 150 bis 220 [i. Die Asci sind fast stets nur viersporig, niemals achtsporig, etwas kürzer und wesentlich schmäler, 80 bis 90 « 9 bis 10 [x. Die Sporen sind relativ und absolut schmäler und absolut länger, 18 bis 24 ^ 5 bis 67.^ [x. Die untere Zelle ist stets deut- lich länger und schmäler als die obere. Im Umriß sind die Sporen länglich, oft etwas keilig, niemals eiförmig. Die Perithecien zeigen neben braunen Hyphenhaaren noch mehr minder zahlreiche steife, spitze, opak-schwarze, derbwandige, verschieden, bis 200 [x lange und an der Basis bis etwa 8 [x breite Borsten. Daraus ersieht man, daß offenbar zwei völlig verschiedene, aber miteinander ziemlich nahe verwandte Pilze vorliegen. Beide gehören zweifellos in dieselbe Gattung. Die Frage nun, welche diese Gattung ist, wurde von den Autoren für die beiden Pilze verschieden beantwortet. Der eine wurde zu Ventnria gestellt. Der andere von Niessl zu Gibbera und von Neger (der aber, wie oben erwähnt, beide zusammenwirft) zu Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 8 114 F. V. Höhnel, Eriosphaeria. Neger bemerkt, daß er zu Gihbera nicht gehören könne, weil diese Gattung zu den Cucurbitariaceen gehöre und diese Familie unter der Epidermis angelegte Perithecien besitze, was hier nicht zutreffe. Das ist eine theoretische Bemerkung, die nichts beweist, denn derartige, die Verwändt- schaft von Formen betreffende Fragen können theoretisch nicht gelöst werden, sondern nur durch eine durchgeführte ver- gleichende Untersuchung. Was nun das Vorgehen Saccardo's anlangt, der die eine Form zu VetiHiria stellt, so ist zunächst zu bemerken, daß es zwei Gattungen Venturia gibt: Ventiiria sensu Saccardo und VenUiria sensu Winter. Saccardo rechnet zu seiner Gattung Venturia alle jene schmarotzenden Pyrenomyceten mit zwei- zeiligen hyalinen oder gefärbten Sporen, deren Perithecien ein- gesenkt, hervorbrechend oder oberflächlich stehen und dabei borstig sind. Asci bis achtsporig. Schon Winter (Pyrenomyceten, p. 433) hat aber darauf aufmerksam gemacht, daß die Gattung in dieser Begrenzung viel zu umfassend ist. Er sondert jene Arten, die ganz ober- flächliche Perithecien besitzen, ab und stellt sie in die Raben- horst'sche Gattung Coleroa (Bot. Zeitg., 1851, p. 180). Venturia sensu Winter umfaßt daher nur jene Arten, welche ursprüng- lich eingesenkte Perithecien besitzen. In der Tat sind Venturia Winter und Coleroa Rabh. zwei gut auseinander zu haltende Gattungen, an denen fest- gehalten werden muß. Bei Coleroa findet die Entwicklung des Pilzes in der Weise statt, daß in der Epidermis, meist unter der Cuticula, ein mehr weniger deutliches, oft ganz unscheinbares, oft gut entwickeltes Stroma entsteht, das schließlich nach außen durchbricht, sich dann seitlich ausbreitend oberflächlich (also auf der Cuticula) weiterwächst und dann die oberflächlich stehenden Perithecien bildet, die oft zerstreut stehen, meist aber rasen- oder haufen- weise wachsen. V^on dem nun oberflächlichen Stroma gehen oft Hyphen aus, die manchmal nur sehr spärlich entwickelt sind, manchmal aber ein förmliches Subiculum bilden. Genau so verhalten sich nun auch die beiden in Rede stehenden Arten. Bei beiden stehen die Perithecien (auf den Hyphen sich ent- Fragmente zur Mykologie. 115 wickelnd, siehe Neger's Figur, 1. c, Taf. XXVIII, Fig. 1) bald v^ereinzelt, bald, wenn sie sich unmittelbar am Stroma ent- wickeln, in dichten Rasen zusammengehäuft. Man kann daher ohnevveiters beide Arten als zu Coleroa gehörig betrachten. Allein, untersucht man nun Gihbera Vaccinii{S>o\v)aM{ <\em Querschnitte, so findet man genau dasselbe Verhältnis. G. Vac- cinii (So w.) unterscheidet sich generisch von den Co/(?roa- Arten gar nicht. Daß letztere, aufweichen Blättern wachsend, kleinere, oft undeutlich entwickelte Stromata besitzen, ist ohne Bedeutung, um so mehr, als auch bei G. Vaccinii das Stroma oft sehr un- scheinbar ist oder fehlt (V^^inter, Pyrenomyceten, p. 313). Die beiden Gattungen Gibbera und Coleroa sind daher identisch. Die Gattung Gibbera wurde von Fries im Jahre 1849 (Summa vegetab. Scandinav., II, p. 402) aufgestellt. Allein seine Gattungscharakteristik ist völlig nichtssagend und paßt auf viele oberflächlich wachsende Pyrenomyceten. Dazu kommt noch der Umstand, daß die Mehrzahl der von ihm zu Gibbera gestellten Arten heute nicht mehr in dieselbe gerechnet wird. Daher wird die Gattung am besten ganz fallen gelassen und die G. Vaccinii als Coleroa betrachtet werden müssen. Die Gattung Coleroa ist von Rabenhorst 1851 (Bot. Zeitg., IX, p. 180) auf- gestellt worden. Dieselbe ist zwar ursprünglich auch un- genügend charakterisiert worden, aber 1887 von Winter scharf umgrenzt worden. Es scheint mir das Richtigste, die Gattung Coleroa im heutigen Umfange (im Sinne Winter's) beizu- behalten und G. Vaccinii dazu zu rechnen. Demnach müssen die beiden oben besprochenen Arten C. sa- lisburgensis (Nssl.) v. H. und C. Stranssii (S. et R.) v. H. heißen. Die von verschiedenen Autoren zu Gibbera gestellten tropischen Arten, sieben an der Zahl, sind offenbar teils Neo- peckia-, teils Melanopsamma -Arten. G. fulvella Mass. ist wahrscheinlich eine Nectria. Ein Hauptgrund der Schwierigkeit der richtigen Einreihung von neuen Formen liegt in der verworrenen Gattungssyno- nymie. Oft erscheint dieselbe Gattung unter verschiedenen Namen in verschiedenen Familien. Die Unsicherheit, die daraus entspringt, liegt aber nicht in der Natur, sondern in der wieder- holten Aufstellung derselben Gattung. 8* 116 F. V. Höhnel, Noch bemerke ich, daß Dimerosporiopsis P. Henn. viel- leicht auch in den Formenkreis von Colevoa gehört. Es scheint eine Coleroa mit stark entwickelten Stromahyphen zu sein, 116. Rynchostoma minutellutn n. sp. Perithecien zerstreut, eingesenkt, schwarz, kohlig, kahl, 250 [Ji breit, kugelig, mit dem 250 »jl langen, 80 [Abreiten Hals vorragend. Paraphysen einfach, dickfädig. Asci zylindrisch, unten kurz stielartig verschmälert, 100^ 5 bis 7 ja, achtsporig. Sporen schief einreihig, elliptisch, rauchgraubräunlich, zweizeilig, an der Querwand nicht eingeschnürt, 7 bis 10 ^ 4 ja. An morschem Tannenholz , Rekawinkel, Wienerwald, August 1906. Von den kleinsporigen Rynchostoma -Arten durch den kurzen Schnabel und die zylindrischen Asci gut verschieden. 117. Über Bombardia fasciculata Fr. Dieser zwar v/eit verbreitete, aber, wie es scheint, überall seltene Pilz — ich fand ihn vor kurzem zum ersten Male im Wienerwalde — ist zwar, was die Asci und Sporen anlangt, gut bekannt, mit dem Bau der Fruchtkörper scheint sich aber bisher niemand näher befaßt zu haben. B erlese gibt zwar (Icones, Taf. 120) das Bild eines Längsschnittes durch dieselben, allein dasselbe ist falsch. Durch die sehr auffallende zähe und knorpelige Be- schaffenheit der frischen Fruchtkörper aufmerksam gemacht, untersuchte ich dieselben auf Quer- und Längsschnitten und fand einen ganz eigentümlichen Bau. Die Perithecien stehen dichtrasig auf einem gut ent- wickelten schwarzen knorpeligen Stroma, von dem sie sich einzeln nur schwer ablösen lassen. Sie sind 1 bis 2 nun hoch und 400 bis 600 [a breit, zylindrisch, in der Mitte meist etwas eingezogen, oben halbkugelig abgerundet, ganz glatt, ohne Spur einer Mündungspapille. An sehr feuchten Standorten sind sie oft mit einem dichten, schneeweißen, vergänglichen Filz bedeckt, der nur den obersten Teil freiläßt. Im obersten Teile ist die Wandung sehr dick, bis 160 bis 190 [a, etwas über der Fragmente zur Mykologie. 1 äl7 Mitte am dünnsten, etwa 120 (x, unten wird sie wieder dicker. Sie besteht aus drei distinkten Schicliten. Außen ist eine ganz dünne, braune, aus undeutlich begrenzten isodiametrischen oder etwas 'quergestreckten Zellen bestehende. Sie geht allmählich in die Hauptschichte über, welche fast die ganze Wanddicke der der Perithecien ausmacht. Diese Schichte besteht aus sehr blaß rötlich gefärbten, an dünnen Schnitten hyalinen, lückenlos ver- bundenen, plectenchymatisch verflochtenen, mit einem etwa 2 [x dicken Lumen versehenen, sehr stark knorpelig-gelatinös ver- dickten Hyphen. Die innerste Schichte der Wandung entwickelt sich allmähhch aus der mittleren und besteht aus etwa 4[x breiten, flachen, sehr zartwandigen, bräunlichen Parenchym- zellen,'die in ziemlich vielen Lagen stehen. Nach innen zu geht diese Schichte allmählich in ein farbloses zartes Gewebe über, aus welchem im unteren Teile des Peritheciums die Asci und Paraphysen, im oberen Teile die Periphysen entspringen, welche den obersten Teil der Höhlung bis zum runden, kleinen, etwa 20 bis 25 [i. breiten Ostiolum auskleiden. Das Innenlumen der Perithecien ist eigentümlich gestaltet. Die oberen zwei Drittel desselben sind etwa 260 bis 280 [x breit und bis fast 1 ;;/;// hoch, breit spindelförmig, oben und unten kegelig zulaufend, in der Mitte bauchig. Daran setzt sich unten ein kürzerer und schmaler, etwa 80 1>. breiter, zylindrischer Teil an, der unten stumpflich endigt. Dieser zylindrische Teil des Lumens ist ebenfalls wie der obere von der braunen Innen- schichte der Perithecienmembran begrenzt, außerhalb welcher hier aber das Gewebe der Mittelschichte lockerer und luftreich wird. Daher löst sich hier die Innenschichte leicht von der Mittelschichte ab. Man gewinnt den Eindruck, als wenn jeder Fruchtkörper ein Stroma mit einem einzigen Perithecium wäre, was aber gewiß nicht der Fall ist. Der zylindrische Teil des Lumens ist mit einem zarten Hyphengewebe ausgefüllt, in welchem ein Teil der Asci und Paraphysen entspringt. (Siehe Tafel, Fig. 2.) B. fascicnlata wurde bisher zu den eigentlichen Sphae- riaceen (im engeren Sinne des Wortes) gerechnet. Es ist aber nach den gemachten Angaben klar, daß sie zu diesen nicht gehören kann. Die nächsten Verwandten finden sich bei den 118 F. V. Höhne 1, Sordariaceen und zu diesen muß B. fasciculata gestellt werden. Die Sordariaceen im Sinne Winter's (und nicht Schro- te r's, der die Chaetomiaceen dazu nimmt) zerfallen, was bisher nicht genügend beachtet wurde, nach dem Baue und der Kon- sistenz der Perithecienmembran in zwei Gruppen. Bei der einen Gruppe, in die die Mehrzahl und insbesondere alle kleineren Formen gehören, ist die Perithecienmembran mehr weniger dünn, häutig, und besteht aus braunen, parenchymatischen, mehr weniger dünnwandigen Zellen in wenigen bis vielen Lagen. Hieher gehören z. B. die von mir diesbezüglich genauer unter- suchten Arten: Podospora mhmta, curvula, coprophila; Sor- daria discospora, fimicola; Sporormia minima, leporina, amhigua. Die zweite Gruppe der Sordariaceen hat dicke, knorpelige Perithecienwände von typisch ganz demselben Bau wie B. fas- ciculata. Auch die Form der Perithecien ist bei den Arten dieser Gruppe ganz ähnlich wie bei B. fasciculata. Diese Ähnlichkeit ist schon Auerswald bei einer Art aufgefallen und Niessl beschreibt bei dieser den eigentümlichen Bau der dicken Peritheciumwandung in ganz richtiger Weise (s. Beiträge zur Kenntnis der Pilze, Verh. d. nat. V. Brunn, X, 1872, p. 37, Taf. VI, Fig. 41 a). Es ist dies die 5. bombar- dioides Auersw.; ferner gehören in diese Gruppe noch 5. ma- xima Nssl. (welche wahrscheinlich nur die Forma tetraspora der vorigen Art ist), dann Podospora appendiculata (Nssl. non Auersw.) und Podospora ßmiseda (Ges. et de Not). Letztere Art ist, wie auch Podospora coprophila von Wo ronin genau beschrieben und schön abgebildet worden (s. de Bary und Wo ronin, Beiträge zur Morph, u. Biol. der Pilze, III. Reihe, p. 332 ff., Taf. II bis VI), Er hebt ganz richtig den Gegensatz im Baue der Perithecienmembran bei diesen beiden Arten hervor. Zwischen diesen beiden Gruppen von Sordariaceenarten mit knorpeliger, dicker und häutiger, dünner Wandung gibt es insofern Übergänge, als die Dicke der knorpeligen Wände sehr verschieden ist. Am auffallendsten verdickt ist die Wandung bei Sordaria bombardioides und 5. maxinia, die sich von Fragmente zur Mykologie. 1 1" B.fasciciiJata im Wandbaue gar nicht unterscheiden, sondern fast nur durch die Sporen. Wirldiche Übergangsformen, bei welchen zu zweifeln war, ob sie in die eine oder die andere Gruppe gehören, konnte ich bisher nicht finden, doch werden sie gewiß vorkommen. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß besonders bei Sordaria homhardioides sich die braune (dritte) Innenschichte der Wandung oft leicht von der Knorpelschichte ablöst und dann so wie bei B.fasciailata den Eindruck erweckt, als würde sie ein eigenes Perithecium sein, das von einem anderen oder von Stromasubstanz umhüllt ist. Dieser Umstand hat Zukal (in dem Aufsatze »Über einen merkwürdigen Fall von plötzlichem Parasitismus bei einem Saprophyten«, öst. bot. Zeitschrift, 1893, p. 277) zu dem Irrtum verleitet, zu «klauben, daß die Innenschichte der Wandung von Sordaria homhardioides ein Perithecium von S. fimicola ist, das m der ersteren schmarotzt. Die Einsichtnahme in seine diesbezüg- lichen Präparate zeigte mir, daß es sich tatsächlich um ganz normale Perithecien von S. homhardioides handelte, deren Innenschichte sich etwas abgelöst hatte und deutlicher hervortrat. Was daher Zukal am angezogenen Orte über den »Kampf« der beiden Arten miteinander, das Eindringen der einen in die andere und den Entwicklungsgang des »Schmarotzers« erzählt, ist Phantasie und Selbsttäuschung, dadurch gefördert, daß die Sporen beider Arten einander fast gleich sind. Aus dem Gesagten erhellt ohneweiters, d&Q B.fascicitlata eine Sordariee ist. Da sich die Sporen der Bomhardia von denen von Podospora eigentlich gar nicht unterscheiden, so müssen die beiden Gattungen vereinigt werden. xMan könnte zwar aus dem Umstände, daß das Anhängsel erster Ordnung bei B. fasciculata häufig, aber nicht immer, eine Querwand besitzt, was bei Podospora -Arien niemals vorkommt, einen Gattungsunterschied konstruieren, doch halte ich es für ganz irrelevant und zu einer generischen Trennung völlig un- genügend, ob das Sporenanhängsel ein- oder zweizeilig ist. Da viele Sordarieen auch auf Holz vorkommen — ich fand auch Sporormia leporina auf hartem Fagtis -Ho\z — so kann 120 F. V. Höhnel, auch nicht die verschiedene Lebensweise zur Trennung in zwei verschiedene Gattungen herangezogen werden. Auch das bei B. fascicttlata unzweifelhaft vorhandene Basalstroma genügt hiezu nicht, da etwas Ähnhches auch bei Sordaria bombardioides vorkommt, wenn diese in kleinen Rasen wächst. In nomenklatorischer Beziehung ist zu bemerken, daß die Gattung BojJibai^dia von Fries 1849 (in Summa vegetab. Scand., p. 389) begründet wurde, während die Gattung Podospora Ges. sich erst in Hedwigia, I, p. 103, erwähnt und auf Tafel XIV, Fig. Ibis 11, abgebildet findet; sie ist daher erst nach dem Jahre 1852 publiziert. Der Name Bombardia ist daher der ältere und muß an Stelle von Podospora gesetzt werden. B. ambigiia (Sacc.) und dessen Varietät carbouaria Rehm hat dünnwandige^ häutige Perithecien und wird am besten als Lasiosphaeria betrachtet werden, wo ähnliche Formen vorkommen. 118. Amphisphaeria nitidula n. sp. Perithecien oberflächlich, zerstreut oder in kleinen Rasen, kugelig, mit 20 bis 25 ji breitem, flachem Ostiolum, ohne Mün- dungspapille, glänzend schwarz, kohlig, derb, deutlich rugulös, 260 bis 500 [x breit. Paraphysen sehr zahlreich, fädig, die Asci nicht überragend; Asci sehr zahlreich, keulig, nach oben ver- schmälert, unten allmählich in einen etwa 20 bis 25 [j. langen Stiel übergehend, achtsporig, 60 5::; 8 bis 9 [j.; Sporen zweireihig, lange hyalin bleibend, zuletzt blaßgraubräunlich, zweizeilig, mit dunkler Querwand, an dieser nicht eingeschnürt, länglich elliptisch, beidendig abgerundet, anfänglich mit einigen Öl- tröpfchen, dünnwandig, 6 bis 8^3 bis 4 [j.. Auf morschem Holz von Carpinus Betiilus im Viehoferin- walde bei Heizawinkel im Wienerwalde, September 1906. Der Pilz nimmt durch seine lange h3^alin bleibenden Sporen eine Zwischenstellung zwischen Amphisphaeria und Melano- psatmna ein. Auch mit einigen Zigiioella-Arten mit schließlich zweizeiligen Sporen (die eigentlich zu Melanopsaimna gehören) 1 9 1 Fragmente zur Mykologie. J- -' -^ zeigt er Verwandtschaft. Mit keiner der sehr zahlreichen Arten dieser drei Gattungen ist er zu identifizieren. Am meisten scheint er mit .4. sardoa (de Not.) und A. deformis E. et L. ver- wandt zu sein. 119. Melanopsamma hypoxyloides n. sp. Perithecien auf weithin geschwärztem Substrat einzeln oder meist dichtrasig, oberflächlich sitzend, halbkugelig bis eikugelig, mit breiter Basis fest angewachsen, kahl, schwarz, hartkohlig, glänzend, derbwandig, mit kleiner, glänzender, oft obsoleter Mündungspapille, häufig schwach konzentrisch gefurcht, 900 bis 1000 [j- breit und hoch. Paraphysen sehr zahl- reich, die Asci überragend, 1 [xdick; Asci zahlreich, zylindrisch, oben abgerundet und dickwandig, unten in einem ziemlich langen Stiel allmählich verschmälert, achtsporig, 150 bis 160 ^ 6 bis 7 [JL. Sporen hyalin, zweizeilig, zartwandig, spindelförmig, beidendig spitz, an der Querwand nicht eingeschnürt, gerade, 18 bis 32 « 3 bis 31/2 (meist 20 bis 24 « 3) [x, im Ascus zwei- reihig Hegend. Auf morschem Holz. Samoa-Inseln, Urwald bei Utumapu, leg. Pechinger 1905. Eine sehr charakteristische Form, die äußerhch an Hypo- xylon erinnert. 120. Pleosphaeria malacoderma n. sp. Perithecien oberflächlich, gesellig, kugelig, schwarz, 140 bis 200 [X. Membran sehr dünn, durchscheinend, schwärzlich rauchgrau, aus 3 bis 4 (x breiten, eckigen Parenchymzellen be- stehend. Basis mit hellbraunen, septierten, 2 [j. breiten Hyphen; ringsum dicht mit steifen, schwarzen, einzelligen, spitzen, 45 bis 60 i^ 2 bis 5 [x großen Borsten bekleidet. Paraphysen fehlend, Asci wenig zahlreich, verschieden gestaltet, meist unregelmäßig keulig-eiförmig, unten stielartig verschmälert, 55 bis 66 « 26 bis 29 [x, achtsporig. Sporen geballt, olivengrün, im Alter graubräunlich, durchscheinend, im Querschnitte rund, 122 F. V. Hühnel, unregelmäßig eckig, vielzellig, mit zirka sieben bis neun Quer- wänden und mehreren Längswänden, eiförmig, gegen das eine Ende zu etwas schmäler, 16 bis 18 ^ 10 bis 12 [x. Ostiolum fehlend. An altem Polyporus noduIosusFr. {= polymorphtis Ro stk.) in Gesellschaft von Nectria cosmariospora und Botrytis n. sp. am großen Stiefelberge im Wienerwalde, Mai 1904. Eine höchst charakteristische Form, gut von allen be- kannten verschieden. 121. Pleosphaeria sylvicola n. sp. Perithecien kugelig, oberflächlich, schwarz, dünnhäutig- kohlig, zerstreut, 200 bis 260 [x breit, dicht mit schwarzen, spitzen, steifen, nicht oder undeutlich septierten, 40 bis 70 ^ 4 [j.. großen Borsten versehen. Paraphysen spärlich; Asci zylindrisch oder keulig, achtsporig, zirka 100 ^ 10 bis 16 {x. Sporen 1- bis IV2 reihig, aus dem schmutzig-olivengrünen bräunlich, mit fünf bis acht Querwänden und ein bis zwei unvollständigen Längs- wänden, elliptisch, nach beiden Enden etwas verschmälert, beidendig abgerundet, meist 17 bis 20 ^ 8 bis 9 jx. An morschem Stammholz von Fagiis syluatica am Sattel- berge bei Preßbaum im Wienerwalde, August 1906. Ist mit P. quercinciFcit und P. puJveracea Mout. verwandt, doch nach den Diagnosen zu urteilen, sicher verschieden. 122. Physalospora Hoyae n. sp. Perithecien schwarz, punktförmig, einzelnstehend oder meist zu mehreren oft linienartig aneinanderstoßend, auf beiden Blattseiten an verbleichten Stellen meist unregelmäßige, 3 bis 4: mm breite Herden bildend, die oft zusammenfließen. Peri- thecienrnembran sehr dünn und weich, blaßbräunlich. Perithecien kugelig, mit der flachen Mündungspapille vorbrechend, 120 bis 180 |x groß. Asci keulig, sitzend, oben abgestutzt, dünnhäutig, achtsporig, 60 bis 90 ^ 12 bis 15 jx; Paraphysen dickfädig, zart- häutig, mit vielen kleinen Öltropfen versehen, 3 |x dick, bald verschleimend. Sporen zweireihig, hyalin, dünnwandig, einzellig, Fragmente zur Mykologie. 1-^ breiten Hyphen, oben, besonders auch an der Mündung mit einzelnen, braunschwarzen, an der Spitze blasseren, stumpfen, 40 bis 80^4[x großen Borsten. Wandung zweischichtig, jede Schichte aus etwa 5 bis 6 Lagen von Parenchymzellen be- stehend und 20 bis 25 [x dick. Äußere Schichte schwarzbraun, innere hyalin oder subhyalin, dicht mit einfachen, hyalinen, 20 ^ 1 tx großen Sporenträgern ausgekleidet. Kern rosa, Sporen hyalin, gerade oder wenig gekrümmt, stäbchenförmig, an den Enden etwas verschmälert und spitzlich, mit 4 bis 5 Öltröpfchen, ohne deutliche Querwände, 12 bis 16 ^^ 1 -5 bis 2 [x. An noch hartem, faulendem Rotbuchenholz am Pfalzberg bei Preßbaum im Wienerwalde, April 1906. Der Pilz gehört zweifellos in die Grove'sche Forragattung Collonema. Die innere Pycnidenmembranschichte ist an der Basis der Pycniden viel dicker, oft bis 100 [x mächtig. Ich führe den Pilz als eigene Form an, obwohl ich nach eingehendem, direkten Vergleich die Überzeugung gewonnen habe, daß der- selbe nichts anderes als die Oberflächenform von Diplodina rosea K. et B. (Sitzber. d. k. böhm. Ges. d. W. in Prag, 1903) — Diplodina roseophaea v. H. (Hedwigia 1903, p. 188 und p. 233) ist. Die Unterschiede, so die derbe Pycnidenmembran, die stärkere Entwicklung der Hyphen, die oben zu stumpfen Borsten werden, halte ich für eine Folge des oberfläch- lichen Wachstums auf dem harten Substrate. Der innere Bau beider Pilze ist ein so auffallend gleicher, daß ich beide Pilze nur für verschiedene Wachstumsformen derselben Formart halte. Die Oberflächenformen sehen oft und ganz natürlicher- weise ganz anders aus als die eingewachsenen, nur der Bau des Nucleus ist daher maßgebend. Ich zweifle nicht daran, daß der größte Teil der Oberflächenformen sich auf eine eingesenkte wird zurückführen lassen. 144 F. V. Höhnel, Auf demselben harten Holzstücke fand ich bezeichnender- weise auch Spororniia leporina Nssl., geinz Melanouuna-SivWg aussehend und auftretend. 142. Fusicoccum Macarangae v. H. n. sp. Stromata hervorbrechend-oberflächlich, schwarz, oben runzelig, flach, 400 bis 500 [i hoch, ^/^ bis 1 mm breit, rundlich oder länglich, manchmal unregelmäßig linienförmig und bis Snim lang, vom Periderm begrenzt. Gewebe außen kohlig, innen fleischig, aus etwa 10 bis 16 [x breiten, dünnwandigen Parenchym- zellen bestehend. Bau dothideaceenartig, Loculi zahlreich, meist einreihig, länglich eiförmig, oft durch sehr dünne, unscharfe Wände voneinander geschieden, 60 bis 120 \i. breit, innen dicht mit einfachen, hyalinen, 12 bis 14 ^^ 2 bis 3 [x großen Sporen- trägern ausgekleidet. Sporen hyalin, rundlich- eiförmig, derb- wandig, mit grobkörnigem Inhalt, einzellig, 10 bis 22 j::; 10 bis 14 II. Auf der Rinde von Macaranga Reineckei Fax (Euphor- biacee). Samoa-Inseln, Upolu bei Apia (Dr. Rechinger). Die Stromata sind ganz dothideaceenartig gebaut und gehört der Pilz jedenfalls als Nebenfruchtform zu einer Dothideacee. 143. Septoria eburnea n. sp. Flecken unregelmäßig eckig-rundlich, zahlreich, 2 bis 7 min breit, oben schließlich elfenbeinweiß, unten braun, breit dunkel- braun berandet. Pycniden nur oberseits, gleichmäßig verteilt, zu wenigen bis über 50 im weißen Flecke, eiförmig, ganz ein- gesenkt, 200 [X hoch, 170 [x breit, oben abgestutzt, mit flachem, rundlichem, 60 [x breitem Ostiolum. Wandung 30 bis 40 [x dick, undeutlich kleinzellig-plectenchymatisch, zweischichtig, äußere Schichte gelbbraun, dünner, innere hyalin. Sporen fädig, ver- bogen, ziemlich gleichmäßig dick, an den Enden stumpflich, mit 3 bis 5 oft undeutlichen Septen, 64 bis 92 ^ I72 bis 2^/^ [x. An Blättern von Artocarpns incisa. Samoa-Inseln, Apiaberg (Dr. Rechinger). Fragmente zur Mykologie. 14o Eine durch die Art der Fleckenbildung und die dicke P3^cnidenmembran auffallende Art. Von S. Artocarpi Cke. und S. criistacea Welw. et Curr. gänzlich verschieden. Die weißen Partien der Flecken sind von den lockerstehenden Pycniden gleichmäßig braun punktiert. 144. Trichosperma cyphelloidea n. sp. Subiculum weit ausgebreitet, weiß, fest angewachsen, dünn- häutig. Pycniden zerstreut, oberflächlich, schief, oben konisch- becherförmig, hängend, weit geöffnet, mit dünnhäutigem Rande, außen kahl oder von kurzen Hyphenenden etwas rauh, weiß- lich, bis 1 mm breit und hoch, Scheibe blaß gelblich. Gewebe aus plectenchymatisch verflochtenen, dickwandigen, dünnen Hyphen gebildet, an der Basis der Becher bis 250 [x dick, oben auf der einen Seite 50 bis 90 [x, auf der anderen 25 (x dick. Scheibe dicht mit 40 bis 50^ 1 '5 bis 2 [x großen, einfach-fädigen Sporenträgern bedeckt, die gegen den Rand allmählich ganz kurz werden und an der Spitze je eine hyaline, fadenförmige, bogig oder korkzieherartig gekrümmte, vielfach septierte, unten 2 bis 3 [x, oben 1 • 5 bis 1 • 8 [x dicke, 60 bis 90 [x lange Spore bilden. Glieder der Sporen 6 bis 7 [x lang. Sporen unten stumpf, oben spitz, miteinander zu einer im Wasser sich nicht ver- teilenden Masse verschlungen. An morscher Rinde. Samoa-Inseln, Upolu (Dr. Rechinger). Eine sehr eigentümliche Form, die ganz gut in die Gattung Trichosperma paßt und äußerlich ganz einer kahlen Cypliella gleicht. Durch die eigentümlich gekrümmten Sporen erinnert sie an die Excipulaceengattung Oiicospora, von der sie sich jedoch durch das blasse Gehäuse unterscheidet. Die Sporen bilden eine feste Masse, die nur schwer in ihre Elemente zer- legt werden kann. Das Subiculum ähnelt einem dünnen Flechten- thallus. 145. Pestalozziella ambigua n. sp. Pilz schmutzig fleischfarben, rundlich oder länglich, V^ bis 1 mm lang, erst geschlossen im äußeren Rindenparenchym eingesenkt, dann hervorbrechend, oben verschleimend und die Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 10 146 F. V. Hühnel, konkave oder schalenförmige Fruchtschichte freilegend. Wand- schichte 20 bis ^0 [1 dick, aus dünnen, plectench3'matisch ver- flochtenen Hyphen bestehend, weichfleischig-gelatinös, hyalin, im äußeren oberen Teile blaßrötlich. Sporenträger hyalin, ein- fach, etwa 20 bis 30 [i lang, dünn, an der Spitze die einzeln- stehenden, länglich-zylindrischen, einzelligen, dünnwandigen, an den Enden meist abgerundeten, meist geraden, 28 bis 48 ^ 8 bis 12 [j. großen Sporen tragend, die an beiden Enden, meist einseitig unterhalb derselben, etwa 2 bis 5 hyaline, ver- bogene, weiche, stumpfliche oder spitze, meist 20 bis 40 ^ 1 '5 [x große Borsten tragen. Meist in Reihen an dürren Stengeln von Artemisia vulgaris im Prater am Donaukanal, Oktober 1906. Ein eigentümlicher, durch die Sporen an Chaetospenmim erinnernder Pilz, doch sind die Anhängsel der Sporen nicht steif und sehen Keimfäden ähnlich. Der Pilz ist im jungen, eingesenkten Zustande allseitig von einer ziemlich dicken, aus hyalinen Hyphen bestehenden Membran umgeben. Beim Hervor- brechen verschleimt diese jedoch im äußeren Teile völlig und die Fruchtscheibe wird freigelegt, ist aber ringsum von einem Wulste von halbverschleimten, verzweigten Hyphen umgeben. Man könnte ihn auch als Nectrioidee auffassen, da eigentlich ein Gehäuse vorhanden ist, doch ist seine nahe Verwandtschaft mit Pestalozziella so auffallend, daß es richtiger erscheint, ihn in dieser Gattung einzureihen. Jedenfalls stellt er aber eine Zwischenform dar, die von den Melanconieen zu den Nectri- oideen hinüberführt. 146. Gonatorrhodiella eximia n. sp. Sterile Hyphen spärlich, fast hyalin, kriechend, zartwandig, septiert, 4 bis 6 [i breit. Fertile Hyphen blaß fuchsrot, kleine, dichtere oder lockere, ausgebreitete Rasen bildend, steif auf- recht, einfach oder seltener in der Mitte oder an der Basis einmal gegabelt, mäßig dünnwandig, 7 bis 14, meist 9 bis 11 [x breit, septiert, mit 80 bis 200 (jl langen Gliedern, etwa 500 ;x hoch, eine endständige und zwei bis drei intercalare, elliptisch- eiförmige, 24 bis 36 [x lange und 20 bis 30 [x breite, blasige Fragmente zur Mykologie. 147 Anschwellungen bildend, die ganz mit kleinen Spitzen bedeckt sind, an welchen unmittelbar aus etwa zehn bis zwölf Gliedern bestehende Ketten von Sporen sitzen. Sporen wie die Hyphen gefärbt, elliptisch, einzellig, mäßig dünnwandig,? -öbis 10^^5-5 bis 6 [x. Auf Tremella hitescens schmarotzend. Sauerbrunnleiten bei Rekawinkel im Wienerwalde, Juli 1906. Die Rasen sind durch ihre gelblich-ziegelrote oder fuchs- rote Farbe auffallend. Die Gattung Gonatorrhodiella, von Thaxter 1891 aufgestellt, ist bisher nur durch die ameri- kanische G. parasitica Thaxt., welche auf Nectriaceen schmarotzt, bekannt geworden, ist also für Europa neu. Die hier aufgestellte Art steht der amerikanischen offenbar sehr nahe, ist aber durch die viel längeren Sporenketten, die kleineren Sporen, welche beidendig abgerundet sind, die kleineren Blasen und die lebhafte Farbe des ganzen Pilzes wohl verschieden. 147. Clonostachys cylindrospora n. sp. Raschen ziemlich dicht, rundlich, etwa 1 mm breit, schnee- weiß, unten gelblich, körnig-flockig, 400 bis 500 ^ hoch. Hyphen ziemlich dicht parallel aufrecht, gerade, zartwandig, etwa 200 [J- hoch, septiert, unten gelblich, 4 bis 6 [a breit, nach obenhin hyalin, 3 bis 4 [t breit, glatt. Sporentragende Hyphen unten mit ein bis zwei abwechselnden, oben mit zwei bis vier gegenständigen Seitenzweigen, die einfach oder einmal gegen- ständig verzweigt sind. Selten stehen die Äste zu dreien quirlig. Zweige und Stamm an den Enden mit 1 bis 3, 8 bis 12 [x langen, 1 '5 {x breiten, zugespitzten Sterigmen versehen, außer- dem häufig ein bis zwei unter der Spitze befindliche kurze, anliegende, den Sterigmen ähnliche Seitenzweige vorhanden. Zweige erster und zweiter Ordnung abstehend, Sterigmen und Zweige dritter Ordnung parallel aneinanderliegend. Sporen hyalin, einzellig, stäbchenförmig, meist gerade, an den Enden abgerundet oder stumpflich, 4 bis 5 ^^ 1 '5 bis 1 '8 [x, an der Spitze der Sterigmen einzeln und in großer Zahl nacheinander gebildet, miteinander parallel und mit jenen der nebenstehenden Sterigmen zu einem 6 bis 12 p. breiten und bis über 200 [x 10* 148 F. V. Höhnel, langen Zopf, in welchem sie mehrreihig imbrikat angeordnet sind, verklebend. An den Blattnarben morscher, am Boden liegender Zweige von Abies pectinata am großen Wienerberge bei Preßbaum im Wienerwalde, Juni 1906. Während bei der nächstverwandten Ga.\.i\xng Acrostalagnms die sporenbildenden Astspitzen einfach sind und keine Sterigmen besitzen und die an denselben gebildeten, außen schleimigen Sporen zu kugeligen Köpfchen verschmelzen, sind bei Clono- stackys an der Spitze der Zweige stets einige kurze, spitze Sterigmen vorhanden, die oft von etwas unter der Spitze ansitzenden begleitet werden. Alle diese Sterigmen stehen dicht parallel nebeneinander und erzeugen gemeinschaftlich durch Verklebung der in großer Zahl gebildeten Sporen einen zylin- drischen Zopf, in welchem die Sporen schief imbrikat ange- ordnet sind. So ist es sicher bei der vorstehend beschriebenen zier- lichen Art. Corda's Abbildung von Clotiostachys Araiicaria (Prachtflora, Taf. XV) zeigt zwar von den Sterigmen nichts, doch sind diese sehr zart und von Cord a offenbar übersehen worden, denn nur durch das Zusammenwirken mehrerer Sterigmen erklärt sich der regelmäßige Aufbau der Sporenzöpfe. Ähnliche, aber weniger regelmäßige Sporenzöpfe können allerdings auch an einfachen sporenbildenden Spitzen ent- stehen. So bei der Gattung Cirrhomyes. In der Gattung Clonostachys stehen heute Arten, die mit ihr gar nichts zu tun haben. Es sind dies C. spectahüis (Harz); C. populi Harz; C. Candida Harz und C. psetidobotrytis v. H. Bei diesen Arten sind die sich imbrikat deckenden Sporen in Reihen an langen Seitenzweigen der Fruchthyphen ange- ordnet; diese kolben- oder ährenähnlichen Sporenstände sind den Sporenzöpfen von Clotiostachys nur äußerlich ähnlich und damit verwechselt worden. Sie haben eine Hyphenachse, an welcher die Sporen seitlich entstehen. Die vier genannten Formen sind mit Botrytis, wo ähnliche vorkommen, sehr nahe verwandt. Sie verdienen aber, in eine eigene Clonostachyopsis zu nennende Gattung gestellt zu Fragmente zur Mykologie. 149 werden, die eventuell auch als Sektion von Botrytis aufgefaßt werden kann. Es ist sicher, daß manche Botrytis- Arten, z. B. B. epigaea vielleicht besser als Clonostachyopsis - Arten be- trachtet werden. Eine Übergangsform ist Botrytis spectahilis Harz, welche Art von Oudemans zu Clonostachys gezahlt wird, sich aber von B. epigaea eigentlich generisch nicht unter- scheidet. Der Hauptunterschied beruht darauf, daß bei B. epigaea die sporentragenden Hyphenenden nach obenhin etwas ver- breitert sind, was bei B. spectahilis Harz nicht der Fall ist. Zu Clonostachyopsis sollten nur jene Arten gerechnet werden, welche bis zur Spitze gleichmäßig dicke, sporen- tragende Hyphen haben und deren Sporen länglich oder zylin- drisch sind und sich imbrikat decken. Es sind dies 1. Clonostachyopsis poptili (Harz) v. H., 2. C. Candida (Harz) v. H., 3. C pseudohotrytis v. H. Clonostachys Gneti Oud. ist nach der Abbildung (Versl. en Meddel. der koningl. Ak. Wetenschapp. Amsterdam, III. S., II. T., 1890, p.321, Taf. 2) eine echte Clonostachys, von der es mir zweifelhaft ist, ob sie von C. Araticaria Cda. spezifisch ver- schieden ist. Jedenfalls steht sie dieser Art sehr nahe. 148. Harziella effusa v. H. n. sp. Rasen 40 bis 50 \i hoch, weit ausgebreitet, am Rande all- mählich verlaufend, weißlich mit einem Stich ins Rötliche. Sterile Hyphen zart, Fruchthyphen 40 bis 50 [x hoch, zartwandig, 2 bis 3 {j. breit, nicht oder wenig septiert, meist mit zwei bis drei gegen- oder wirtelständigen, zugespitzten Seitenzweigen ver- sehen, von 20 bis 30 [x Länge und 1 • 5 bis 2 [x Breite. Hauptstamm und Seitenzweige an der Spitze die Sporen einzeln in großer Zahl nacheinander bildend. Sporen meist rundUch, 1 '5 bis 3 [x breit, hyalin, in Massen rosa, zu kugeligen, 4 bis 100 [j. großen, zuletzt zu großen unregelmäßigen Massen verschmelzenden Köpfchen von rötlicher Färbung verklebt. An morschen Pflanzenteilen, Holz, Rinden, Moosen weit ausgebreitete, sehr zarte, feinmehlig aussehende Überzüge 150 F. V. Höhnel, bildend, welche mit der Lupe betrachtet hie und da glänzende Körnchen und größere rötliche Flecke zeigen, die beide von den Sporenköpfchen und -massen herrühren. Am großen Wienerberge bei Preßbaum im Wienerwalde (1906). Die Gattung Havziella steht der Gattung Acrostalagwius sehr nahe und unterscheidet sich hauptsächlich durch die ein- fachere und weniger regelmäßige Verzweigung sowie durch das Verschmelzen der Sporenköpfchen zu größeren Massen, das bei Acrostalagmus fast nie eintritt. Die beschriebene Art ist etwas länger verzweigt als die einzige bisher bekannte Harziella capitata C. et M., bildet in dieser Beziehung einen deutlichen Übergang zu Acrostalag- mus und könnte schließlich auch zu letzterer Gattung gestellt werden. 149. Cercospora Kleinhofiae n. sp. Blattflecken zahlreich, unregelmäßig-rundlich-eckig, 2 bis 10 imn breit, oft zusammenfließend oder randständig, beider- seits sichtbar, braun, ockergelb berandet. Raschen klein, kaum sichtbar, unterseits zahlreich, oben spärlich; Fruchthyphen bräunlich, einfach, einzellig, wenig zahlreich, meist 20 bis 25 ^ 4 bis 5 |JL und nur mit einer Narbe. Sporen blaß, zylindrisch- fädig, nach oben etwas verschmälert, oben stumpf lieh, zwei- bis fünfzellig, 35 bis 65 « 4 bis 5 [x. Auf den Blättern von Kleinhofia hospita (L.). Samoa-Inseln: Matrotua (Dr. Rechinger). 150. Cercospora Caladii Cke. var. Colocasiae v. H. Blattflecken amphigen, zahlreich, rundlich, braun, dunkler berandet, konzentrisch gefurcht-gezont, 3 bis 7 mm breit. Raschen zahlreich in jedem Flecke, auf beiden Blattseiten, punktförmig, dunkelbraun, aus den Spaltöffnungen kommend, aus vielen, meist einzelligen, einfachen, blaßbraunen, mit einer oder zwei bis drei Narben versehenen, 30 bis 45^5 [jl großen Fruchthyphen bestehend. Sporen subhyalin oder blaßbräunlich> vier- bis fünfzellig, unten 4 [x breit, nach oben allmählich ver- schmälert, 50 bis 100 (x lang. Fragmente zur Mykologie. 151 Auf Blättern von Colocasia sp. Samoa-Inseln: Malifa (Dr. Rechinger). Unter jedem Raschen entwickelt sich eine Pycnide von Phyllosticta Colocasiae v. H., die jedenfalls dazu gehört. 151. Über Camptosporium glaucum Lk. und Menispora glauca Cda. Diese beiden Namen werden seit Cor da als S3'nonym betrachtet (Syll. fung., IV, p. 325). Es sind aber zwei von- einander gänzlich verschiedene Pilze. Der eine muß heißen Menispora glauca (Lk.) Fers. (Mycol. europ., I, p. 32), die zweite ist eine Acrotheca und muß heißen Acrotheca glauca (Cda.) v. H. Es geht dies schon aus den Beschreibungen von Fries und Corda hervor. Fries (Syst. myc, III, p. 450) beschreibt den Pilz als filzig, die Hyphen als intorto-intricates, tenues, trans- parentes und die Sporen als diffluentia. Dies paßt nicht zu dem Corda'schen Pilze, der die Hyphen als erecti, die Sporen als acrogenae, primum fasciculatim junctae beschreibt (Icones, Heft II, p. 12, Taf. X, Fig. 54). Ver- gleicht man Corda's Abbildung mit Fries' Beschreibung, so sieht man sofort, daß zweierlei Pilze vorliegen und sohin Corda mit Unrecht seinen Pilz mit dem Link'schen identi- fizierte. Da ich nun beide diese Pilze fand, bin ich in der Lage, sie näher zu charakterisieren. 1. Acrotheca glauca (Cda.) v. H. hat weit ausgebreitete, nicht filzige Rasen. Die Fruchthyphen sind meist einfach, seltener unten mit einem Seitenzweige, ziemlich steif aufrecht, septiert, etwa 260 [x hoch, unten dunkelbraun, weniger durchscheinend, ziemlich derbwandig, etwa 6 \h dick, oben 4 [x dick, dünn- wandig, sehr durchscheinend. Die Sporen sind hyalin, einzellig, spindelförmig, fast halbmondförmig gekrümmt, 24 bis 28 w 4 [x. Dieselben stehen zu etwa 10 bis 20 an der Spitze der Frucht- hyphen, sind seitlich miteinander verklebt und bilden so ein festes, elliptisches, etwa 30 bis 35 ix langes und 20 bis 25 ;x breites Köpfchen, das zuckermelonenartig aussieht. Manchmal 152 F. V. Höhnel, wächst die Fruchthyphe durch das Köpfchen hindurch, ver- längert sich und bildet ein zweites Köpfchen. Dann sieht man im Längsverlauf der Fruchthyphen ein Sporenköpfchen, das von der Hyphe durchsetzt ist, so wie dies Corda abbildet. Es kann keinem Zweifel unterworfen sein, daß der von mir gefundene Pilz mit dem Corda'schen identisch ist. 2. Menispora glauca (Lk.) Pers. hat 250 bis 300 [i lange, stark durchscheinende, septierte, unten 4 bis 5, oben 2 bis 3 [1 breite, verbogene, leicht umfallende und dann einen sehr lockeren Filz bildende Hyphen, die hie und da an ganz kurzen, papillenartigen, hyalinen Seitenzweigen die einzel- stehenden, zerstreuten, niemals miteinander verklebten Sporen entwickeln. Diese sind spindelförmig, schwach gekrümmt, beidendig spitzlich, 16 bis 18^4 [x, ohne Cilien. 152. Clasterosporium glandulaeforme n. sp. Sterile Hyphen fehlend. Fertile Hyphe einfach unverzweigt, gerade oder etwas gebogen, einzellig oder mit 1 bis 2 undeut- lichen Querwänden, unten bräunlich und etwa 3 bis 4 [x breit, nach obenhin allmählich subhyalin werdend und bis 6 bis 7 [x breit, dünnwandig, zirka 30 jx lang, an der Spitze eine vier- zellige, unten quer abgeschnittene, oben kugelig abgerundete, etwa 10 [x breite und 12 [x hohe Spore tragend. Oberste Sporen- zelle opak, schwarz, über halbkugelig, zweite Zelle flach scheibenförmig, braun, die zwei Basalzellen subhyalin, dünn- wandig, ganz schmal. Fruchthyphe an der Basis zu einer dem Substrat aufsitzenden, 8 bis 12 [x breiten, flachen, rundlichen, am Rande krenulierten oder etwas gelappten Scheibe erweitert. Nach dem Abfalle der Spore wächst häufig die Fruchthyphe weiter und tritt wiederholte Sporenbildung ein. An den Hyphen von Corticinin coronatum Schrot. {— C. pruinahim Bres.) sitzend und offenbar darauf schmarotzend. Sauerbrunnleiten bei Rekawinkel im Wiener- walde, August 1906. Eine höchst charakteristische Form, die nur mit Clastero- sporiitm Lini Oud., die in Holland auf den Wurzeln des Leines gefunden wurde, Ähnlichkeit zu haben scheint. Fragmente zur Mykologie. lij" Der auf den Hyphen reichlich sitzende Pilz macht ganz den Eindruck, als würde er ein drüsenartiges Organ des Cor- ticiiun sein. 153. Dendryphium Pini n. sp. Raschen klein, locker-wollig, schwärzlichgrau. Sterile Hyphen obsolet, fertile steif aufrecht, 200 bis 400 jx hoch, gleich- mäßig 4 [X dick, so wie die Sporen durchscheinend rauchgrau mit Stich ins Violette, dünnwandig, septiert, glatt, Glieder zirka 25 bis 35 ^ lang; ganz oben mit meist gegenständigen, kurzen Seitenästen, die so wie die Spitze kurze, einfache oder ver- zweigte Sporenketten bilden. Sporen zu wenigen in Ketten, zylindrisch, beidendig abgerundet, mit zwei bis vier, meist vier Querwänden, meist 16 -^ 5^4 bis 6[j.. An morscher Rinde von Phms siJvestris am Steinberg (Troppberg) im Wienerwald, Mai 1906. Ist ein ganz typisches, bisher unbeschriebenes Dendry- phium. 154. Fusarium cirrosum n. sp. Sporodochien eingesenkt, flach, klein, verschieden gestaltet; Sporenträger kürzer als die Sporen, dicht parallel stehend, meist einfach, an der Spitze die meist regelmäßig sichelförmig ge- krümmten, hyalinen, in Haufen rosa erscheinenden, spindel- förmigen, 60 bis 70 [X langen, 6-5 bis 7 [x breiten, reif stets vier- zelHgen Sporen bildend, die in roten Ranken heraustreten. Die zwei mittleren Zellen sind etwas kürzer als die Endzellen, welche allmählich stumpflich zugespitzt sind. In den Acervuli von Steganosporium pyriforme (auf Rinde von Acer sp.) schmarotzend. Irenental bei UntertuUnerbach im Wienerwalde, Mai 1906. Von den zahlreichen bekannten Fusarmm-Arten ist die beschriebene, in die Sektion Selenosporhim gehörige Form durch die Lebensweise, die eingesenkten Sporodochien und besonders die in schönen, manchmal langen Ranken austreten- den Sporen auffallend verschieden. Der Pilz fand sich stets nur in den Sporenlagern des Steganosporinm und ist seine sporen- bildende Schichte mit der des Nährpilzes so verschmolzen, daß 154 F. V. Höhnel, dieser scheinbar zweierlei Sporen entwickelt. Die Fusaviiun- Sporen bilden eine Ranke, welche durch die Sporenmassen des Steganosporium brechen und oft weit vortreten. Solche Sporen- ranken sind bei Fusarhtm- Arten meines Wissens bisher nicht beobachtet worden. Die Mittelzellen der Sporen zeigen häufig einige kleine Öltröpfchen. 155. Zur Synonymie einiger Pilze. 1. Mollisia Gtiernisacii Crouan (1867) ist nach Gillet, Les Discomycetes, 1881, p. 118, Tafel 80, offenbar gleich Uruiila terrestris (Nssl.) 1872, was an Originalexemplaren noch näher zu prüfen wäre. 2. Die beiden Hyphomycetengattungen Stephanoma Wallr. und Syiitlietospora Morgan fallen offenbar zusammen. 3. Odontia tennevima Wettst. (Verh. d. zool.-bot. Ges. Wien, 1888, p. 178) ist nach untersuchtem Originalexemplare gleich Tomentella isahelUna (Fr.) v. H. et Litsch. 4. Ceratostoma biparasiticum Ell. et Ev. ist höchstwahr- scheinlich gleich Melanospora parasitica Tul. 5. Steganosporium compactnni Sacc. ist keine Melan- conieC;, sondern eine Tuberculariee und hat Thyrococciun com- pactnni (Sacc.) V. H. zu heißen. 6. Septoria violicola =z Septoria Violae Rabh. ist zweifel- los gleich Marssonina Violae (Pass.) Sacc. 7. Dendrodocliinm snhtile Fautr., Pionnotes pinastrt Karst, und Cylindrocolla pini Lamb. et Fautr. sind miteinan- der identisch oder sehr nahe verwandt und gehören in eine neue Formgattung, die zu den Tnberctüarieae inncedineae gehört und durch sehr dünne, lang fadenförmige Sporen ausge- zeichnet ist. Ich schlage hiefür den Namen Linodochium vor. 8. Nachdem ich gefunden hatte (s. diese Berichte, math.- naturw. KL, Band 115 [1906], p. 41), daß Lenzites faventina Cald. und L.Reichardtii Schulz. derselbe Pilz sind, überzeugte ich mich an den großen Originalexemplaren Schulzer's, die sich im Wiener Hofmuseum und im botanischen Institute der Wiener Universität vorfinden, daß diese Arten nichts anderes sind als die entwickeltste (Lenzites-Forra) von Daedalea qncr- cina (L.). Diese entwickeltste Form mit scharfrandigen Fragmente zur Mykologie. loi^ Lamellen (die aber an großen Exemplaren rückwärts stumpf werden und dann ganz so wie bei der gewöhnlichen Form auf Eichen miteinander Daedalea-artig anastomisieren) scheint typisch nur auf Poptiliis vorzukommen. Nun erklärt es sich, daß D. qtiercina unter den übrigen Daedalea- Axien so ganz isoliert dastand, während sie als Lenzites qnercina (L.) v. H. bei den Letizites-hr{Qn einen besseren Anschluß findet. Naraenverzelehnis. Seite Acrotlieca glaiica (Cd a.) v. H 1^1 Aglaospora profusa Fr ^ ^t> Ag)'rieUa nitida (Lib.) S acc 135 Amphisphaeria anceps S. et B l-^^S » deformis E. et L 1-1 » iiitidula n. sp 1 -Ö sardoa (de Not.) 121 Aunularia Jaevis ^^ Antliostoma Cocois n. sp 12^ » versicolor Starb 12-1 Bombard ia ambigua Sacc. var. carbonaria Re hm 120 » fasciculata Fr 1 16> 1 18 Botrytis argillacea Cke 8" » (Eubotrytis) brevior (Berk. et Broome) 87 » » carnea Seh um 87, 88 » (Phymatotriclium) carnea Seh um 88, 89 » carnea var. quercina 87 » dichotoina Cda 87, 88, 89 epigaea Lk 86, 89, 149 » (Eubotrytis) fiilva Lk 87, 88, 89 » » isabcllina Preuss 87, SS » rosea Lk 8S » spectabilis Harz l"!^' Calonectria olivacea n. sp 1^' CalospJiaeria myriospora Nke 12-^^ Cauiptosporiuin glaucnin Lk 1*^1 156 F. V. Höhnel, Seite Cenangium pallide-ßavescens Fe Itg . . 140 » » » var. Enpatorii Fe Itg 140 Ceratostoma hiparasiticum Ell. et Ev 154 Cercospora Caladii var. Colocasiae v. H 142, 150 » Kleinhofiae n. sp 150 Cistella dentata Quel 141 Clasterosporium glandtilaeforme n. sp 152 » Liiii Oud 152 CUtopilus conissans Peck 97^ 99 Clonostachyopsis Candida (Harz.) v^ H 149 » popiüi (Harz.) v. H 149 » pseudohotrytis v. H 149 Oouostachys Araucaria Cda 148, 149 » Candida (Harz.) 148 » cylindrospora n. sp 147 » Gneti Oud 149 » poptili (Harz.) 148 » pseudohotrytis v. H .... 148 » spectahilis (Harz.) 148 Coleroa salisburgensis (N s sl.) v, H 115 » Stranssii (S. et R.) v. H 115 Collonema rosea n. f. 143 Collybia nigrescens 96 Coronopkora Nitschliei Sacc 125 » thelocarpoidea v. H. 124 Coryne Faberi K z e 135 » sarcoides 135 » Urceohis (Fckl.) v. H 135 Cosmospora coccinea 106 Cticurbitaria Berberidis 1 04 CylindrocolJa pini Lam b. et Fautr 154 Daedalea qnercina (L.) 154 Dendrodochium subtile Fautr 154 Dendryphiujn Pini n. sp 153 Diaporthe (Claevostronia) Cerasi Fe Itg. non Fckl 139 » leiphemia Fe Itg 139 Didymella Passiflorae n. sp 123 Fragmente zur Mykologie. lO' Seite DidymospJiaeria alhescens Nssl 138 » brimneola Nssl 138 » epidermidis (Fr.) 138 » lignicola Feltg 138 Diplodina rosea K. et B 143 » roseophaea v. H 143 Dothidella Mnsae n. sp 130 Fusarium cirrosum n. sp Iö3 Fiisicoccum Macarangae v. H 144 Gihbera fulvella Mass 115 » salishurgensis Nssl 1 12, 1 13 » Vaccinii S o vv 115 Gloeosporhun affine Sacc 123 Gonatorrliodiella eximia n. sp 146 » parasitica Thaxt 147 Guepinia capitata Feltg 142 Harziella capitata C. et M. 150 efftisa V. H 149 Helicobasiditmt farinaceum n. sp. 84 » hypochnoidetiin v. H 85 Helminthosphaeria Clavariae Tul 109 » Corticiorum v. H 109 » Odontiae n. sp 108 Helotium serotinum (P.) 140 » terrestre Feltg 1 40 » virgultorum (Vahl.) 140 Heterocliaete europaea v. H 84 Homostegia graminis n. sp 131 Hyalinia crenato-inarginata n. sp 132 Hydmmi (Odontia) cristulatum Fr 94 Hygrocyhe nitrata ""^ Hyplioloma minutelluni n. sp 98 Hypochnus Brefeldii Sacc 89 » isahelUmis Fr 86 Hysteriuni sanioense n. sp 131 Inocyhe pluteoides n. sp 96 » Trinii W e i n m "^ 158 F. V. Höhnel, Seite Kneiffia setiger a Fr 90, 9 1 Lenzites faventina Cald 154 » qtiercina (L.) v. H 155 » Reichardtii Schulz 154 Leptosphaeria inirahiUs Nssl 128 » Morthierana Sacc 112 » Wintert Nssl 112 Letendraea rJtynchostoma n. sp 108 Limacinia spinigera n. sp 100 Limacinula sanioensis n. sp 101 Lophiostoma canlium f. Vitalhae Feltg 137 Marssonina Violae (Pass.) Sacc 154 Massariita gigantospora Rehm. . 128 » Talae Speg 128 Melanopsamma hypoxyloides n. sp 121 » pomiformis (P.) 137 Melanospora parasitica Tul 154 Meliola longiseta n. sp 100 Metiispora glatica Cda 151, 152 Micropeltis albomarginata Speg 102 » FlageoJetii Sacc 137 » lencoptera Penz. et Sacc 102 » Recliingeri n. sp 102 Microthyrum Hederae Feltg 137 MoJlisia cinerea Feltg. 140 » » var. coiivexiüa Feltg 140 » Guernisacii Crouan 154 » stihcorticalis var. tapesioides Feltg 140 Mycena alcalina 95 » atramentosa (Kalchbr.) v. H 94 MycosphaereUa Aretiae n. sp 1 10 » Prininlae ..111 Naucoria Cucumis 99 Nectria cosmariospora C es. et de Not 106, 122 » episphaeria 106 » modesta n. sp 106 Neolecta aiirantiaca Feltsr 142 Fragmente zur M3'kologie. 1 o9 Seite JSiiptera dentata Fckl 141 Nolanea sutceriina Schulz 97, 99 Odontia cristnlata Fr 89, 90, 91, 94, 109 » crtistosa P 90 fimhriata (P.) 89, 90 » liuida B r e s 89 » pannosa Bres 90, 91 » tennermia Wettst 154 » jida Fr 83 Orhilia hottilispora n. sp 131 PateUaria UrceoJns Fckl 133 Patellea Urceolus (Sacc.) 133 PestaJozziella anibigua n. sp 145 Pezizella radiostriata var. Jignicola Feltg 141 Pliialea epihrya n. sp 136 » Urceohis (Reh m) 133 Phylladiora Crotonis Cke 130 » Cytharexyli (Rehm) 130 » doliclwgeua (Berk. et Broome) 129 » graminis P 131 Phyllosticta Colocasiae v. H 142, 150 » colocasiaecola n. sp 142 Physalospora afßnis Sacc 123 » Fagraeae n. sp 123 » foUornm (Sacc.) v. H 138 » gregaria Sacc. va.r.foliornm Sacc 138 » » » f. Taxi Feltg 138 » Hoyae n. sp 122 Physisponts inconstaus Karst 92 Pionnotes pinastri Karst 154 Pirohasidinni 1 35 Pirottaea miinatcnsis P. et R 136 Pinly. H 135 » venUirioidcs S. et R 136 PlcospJiaeria malacoderma n. sp 121 » pulveracea Mout 122 » qncrcina Pat 122 160 F. V. Hühnel, Seite Pleosphaeria sylvicola n. sp 122 Pleospora Arnieriae (Rabh.) 139 * discors Feltg. non Ces. et de Not 138, 139 » Feltgeiiü Sacc. et Syd 138, 139 » herbarum (Rabh.) 139 Pleurotus nichdmis 99 Plutetis subcenmus Bres 97 Pocosphaeria balcanica n. sp 111 Podospora appendiculata Nssl 118 » coprophila 118 » ctirvtila 118 » fimiseda Ces. et de Not 118 » minuta 118 Polyportis ferrnglnens 106 » nodulostis Fr 106, 122 » obliqtms 106 » polymorplms Rosth 106, 122 » radiattts (S o w.) 106 » sanguhioletiUis 93 » terrestris Fr 92 Porta sangiiinolenta (Alb. et Schw.) 92, 93 » terrestris (DC.) non Bres 92, 93, 94 » violacea Fr 92 » vlridmis (Berk. et. Broome) 91 Protodontia nda n. g. et sp 83 Psatliyra frnstulenta 99 » gyroflexa Fr 98 » neglecta Mass 99 » spadiceo-grisea (Schaff.) 97 » snbcermta v. H 97, 99 » tetinicola Karst 98 Psathyrella gracilis 97 Pseudosphaeria Callista (Rehm) v. H 129 Pseudospkaeriaceae 129 Pseudovalsa profusa (Fr.) 126 Psilocybe sarcocephalns Fr 97 » sqiialens 99 - :, ■' Erägrri«rite zur Mykorogie. - • ■ •- 161 Seite kebentiscliia imicaudata (Berk. et Broome) .137 Rhaniplioria thelocarpoidea v. H. l25 tympanidispora Rehm . .-. •. . . ............. 125 Rhynchostoma minutelhim n. sp 1 16 Rosellinia nielaleuca Ell. et Ev. 109 » Niesslii A u e r s vv 1 04 » pinicola Ell. et Ev , . . 109 Septoria Artocarpi Cke 144 » crustacea We l\v. et Curr 144 » ehiirnea n. sp . . .., ........ 144 Violae Rabh 154 violicola S a c c 1 54 Sistotrema sanguinolentmn (Alb. et Schw.). . . . . '.'. 94 Sordaria bomhardioides Aue rsw 118, 1 19 » discospora 118 » ßniicola 118 » niaxima Nssl 118 » Niesslii 105 Sphaerodernia epiniyces n. sp 103 » episphaeritim (Ph. et PI.) 104 » Jiypomyces n. sp , ; ,...,. 102 SphaerodenneJla Niesslii (Auersw.) v. H 105 Sphaerulina Annae Oud 128 Callista Reh m .128 » » var. Vossi Rehm 128 » pachyasca Nssl 128 Sporormia ambigua 118 leporina Nssl 118, 119, 144 » minima 118 Steganosporinm compactum Sacc 154 Stilhospora Robiniae Oud 126 Tapesia fnsca (P.) 150 Thyrococciun compactum (Sacc.) v. H 154 Tomeiitella flava Bref. 85, 86, 88 fnsca 87, 88 granulata Bref 85, 86, 89 » isabell ina (Fr.) v. H. et Litsch 88, 154 Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 1 1 162 F. V. Höhne 1, Fragmente zur Mykologie. Seite Trichobelonium pilosiun var. tetrasporum Feltg 141 Trichosperma cyphelloidea n. sp 145 Tiibercularia vulgaris? 142 Urnula terrestris Ns sl 154 Valsa ceratophora Tul. v&r.farinosa Feltg 139 » » Tul. f. Rosarum Fe kl 139 » farinosa Feltg 139 » Rosarum de N o t 1 39 Venturia Straussii Sacc. et R 112 Wettsteinina gigantospora (Rehm) v. H 129 » gigaspora v. H 1 26 » Vossi (Rehm) v. H 129 Winterina tahercttlifera 108 Zignoella (Zignaria) superficialis Feltg 137 Figurenerklärung zur Tafel. (Gezeichinet von Assistenten V. Lit schau er.) Fig. 1. Wettsteinina alpina V . U.. a senkrechter, h horizontaler Medianschnitt durch ein Stroma (Vergr. 120); c drei Sporen (Vergr. 250); d ein Ascus (Vergr. 200); e eine Spore (Vergr. 500). Fig. 2. Bomhardia fascicnlata Fr. Zwei Perithecien im senkrechten Median- schnitt und Obenansicht eines Peritheciums mit dem Ostiolum (Vergr. 60). iIöhiiel,F.V.: Fragmente zurlV^tologie. i. 120 L V. lÄUSc-houer. d^Üll. laULA...st.v.Th.Bannw,u^,Wien. vSilzim<5sberiehte d.kaLs.Akad.d.Wis.s.,matIi.-natui^v.Klasse, Bd.CXV. Abtii.I.1906. Die Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Klasse erscheinen vom Jahre 1888 (Band XCVII) an in folgenden vier gesonderten Abteilungen, welche auch einzeln bezogen werden können: Abteilung I. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Kristallographie, Botanik, Physio- logie der Pflanzen, Zoologie, Paläontologie, Geo- logie, Physischen Geographie, Erdbeben und Reisen. Abteilung II a. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mathematik, Astronomie, Physik, Meteorologie und Mechanik. Abteilung II b. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der Chemie. Abteilung III. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der Anatomie und Physiologie des Menschen und der Tiere sowie aus jenem der theoretischen Medizin. Von jenen in den Sitzungsberichten enthaltenen Abhand- lungen, zu deren Titel im Inhaltsverzeichnisse ein Preis bei- gesetzt ist, kommen Separatabdrücke in den Buchhandel und können durch die akademische Buchhandlung Alfred Holder, k. u. k. Hof- und Universitätsbuchhändler (Wien, L, Rothenthurm- straße 13), zu dem angegebenen Preise bezogen werden. Die dem Gebiete der Chemie und verwandter Teile anderer Wissenschaften angehörigen Abhandlungen werden auch in be- sonderen Heften unter dem Titel: »Monatshefte für Chemie und verwandte Teile anderer Wissenschaften« heraus- gegeben. 14 K — 14 M. Der akademische Anzeiger, welcher nur Originalauszüge oder, wo diese fehlen, die Titel der vorgelegten Abhandlungen enthält, wird, wie bisher, acht Tage nach jeder Sitzung aus- gegeben. 5 K — 5 M. SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN kADEMlE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE. CXVL BAND. IL HEFT. JAHRGANG 1907. — FEBRUAR ABTEILUNG L ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE, KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE, PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN. (MIT 6 TAFELN UND 1 TEXTFIGUR.) ^"^ WIEN, 1907. AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI. IN KOMMISSION BEI ALFRED HOLDER. K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÄTSBUCHHÄNDLER. BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. INHALT des 2. Heftes, Februar 1907, des CXVI. Bandes, Abteilung- I, der Sitzung-sberichte der mathem.-naturw. Klasse. Seite Werner F., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's in den ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda. VIII. Ortlio- ptera Blattaeformia (mit einer Revision der Mantodeengattung Tarachodes). (Mit 3 Tafeln und 1 Textfigur.) [Preis: 3 K 30 h — 3 M 30 pf] 165 Karny H., Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werner's nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. IX. Die Ortho- pterenfauna des ägyptischen Sudans und von Nord-Uganda (Saltatoria, Gressoria, Dermapteva) mit besonderer Berücksich- tigung der Acridoideengattung Catantops. (Mit 3 Tafeln.) [Preis: 3 K 30 h — 3 M 30 pf I . . . . • 267 Preis des g-anzen Heftes: 5 K 50 h — 5 M 50 pf. SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE KLASSE. CXVL BAND. II. HEFT. ABTEILUNG I. ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE, KRISTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE, PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE UND REISEN. 12 165 Ergebnisse der mit Subvention aus der Erb- sehaft Treitl unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werne r's in den ägyptischen Sudan und nach Nord-Uganda. Vin.i Orthop tera Blatt aeformla (mit einer Revision der Mantodeengattung Tarachode s) von Dr. Franz Werner (Wien). (Mit .3 Tafeln und 1 Textfigur.) (Vorgelegt in der Sitzung am 10. Jänner 1907.) Einleitung. Der ägyptische Sudan ist orthopterologisch noch wenig erforscht. Das spärliche Material, das von den Reisen von 1 Da die Ergebnisse meiner Reise bisher unter zwei verscliiedenen Über- schriften und teilweise nicht numeriert erschienen sind, so gebe ich nachstehend zur Übersicht ein Verzeiclinis der bisher darüber erschienenen Publikationen: I. Die Orthopterenfauna Ägyptens mit besonderer Berücksichtigung der Eremiaphilen. Von Dr. Franz Werner. (Überschrift: Ergebnisse einer zoologischen Forschungsreise nach Ägypten und dem ägyptischen Sudan.) Sitzb. Bd. CXIV, I, Mai 1905. II. Cestoden aus Fischen, aus Varanus und Hyrax. Von Dr. Bruno Klaptocz. (Überschrift wie oben Nr. VIII.) Sitzb. Bd. CXV, 1. Jänner 1906. III. Atichmophila kordofensis, eine neue Psychidengattung und Art, nebst Verzeichnis der übrigen gesammelten Lepidopten. Von Dr. H. Rebel. (Überschrift: Ergebnisse einer zoologischen Forschungsreise von Dr. Franz Werner etc., wie Nr. I.) Sitzb. Bd. CXV, I, April 1906. IV. Krokodile und Schildkröten. Von Kustos Friedrich Sieben rock. (Über- schrift wie Nr. III.) Sitzb. Bd. CXV. I, Juni 1906. V. Beiträge zur Kenntnis der Fischfauna des Nils. Von Dr. Franz Werner. (ÜberschriftvonjetztabwieobenNr. VIII, beziehungsweise II.) Sitzb. Bd. CXV, I, Juli 1906. VI. Cestoden aus Numida ptilorhyncha Lebt. Von Dr. Bruno Klaptocz. Sitzb. Bd. CXV, I, Juni 1906. VII. Araneida. Von Eugene Simon. Sitzb. Bd. CXV, I, Juli 1906. 12* 166- F. Werner, Hartmann, Kotschy, Marno, Schvveinfurth und andern Forschungsreisenden in den Sammlungen vorliegt, genügt eben, um zu erkennen, daß wir teils mediterrane, teils äthio- pische Formen vor uns haben; aber von dem enormen Reichtum an Orthopteren, den dieses ausgedehnte Gebiet beherbergt, ist bisher nur ein minimaler Bruchteil bekannt gewesen. Während meiner Sudanreise 1905 habe ich den Orthopteren besondere Aufmerksamkeit geschenkt und wenn auch die Zahl der gesammelten Arten sicherlich bei weitem noch nicht die der wirklich vorkommenden erreicht hat, so ist doch in nachstehender Arbeit wenigstens eine Grund- lage geschaffen für die Kenntnis der Orthopterenfauna des Ostsudan. Daß Kordofan, das Gebiet des Gazellenflusses, ja auch noch die Steppengebiete nördlich von Khartoum eine reiche Orthopterenfauna enthalten, ist zweifellos, ebenso, daß viele Arten erst zur Regenzeit im Imaginalzustande anzu- treffen sind. Nach der Bodenbeschaffenheit läßt sich im ägyptischen Sudan Wüste, Steppe, Sumpfland und Urwald unterscheiden. Die Wüstenformen sind in meiner Ausbeute relativ spärlich vertreten; denn ich habe nur in dem Gebiete zwischen Duem und dem Gebel Araschkol im östlichsten Kordofan sowie im nördlichsten Teile, bei Wadi Haifa, die Wüste des Sudan besucht; ebenso war das Gebiet am Gazellenflusse (Bahr-el- Ghazal) wegen des Niam-Niam- Feldzuges aus dem Reise- programm auszuschließen gewesen. Die Hauptmasse der ge- sammelten Arten stammt daher aus dem Steppen- oder richtiger gesagt Savannengebiete, ein geringerer Teil aus den Sümpfen am Weißen Nil und Bahr-el-Gebel. Diese letzteren gehören vorwiegend zu den Lociistodea e. g. Xiphidion, Conocepliahis, Pseudorhynchtis und Phmieroptera und zu den Gryllodea {Eiiscyrtus, Cyrtoxipha u. a.); von den Feldheuschrecken sind Oxya und Paracinema, sowie Paratettix in erster Linie hieher zu rechnen. Besonders von den Gryllodeen kann man sagen, daß sie im Sudan so gut wie nirgends an ganz trockenen, dürren Stellen gefunden werden, denn abgesehen von den kleinen Sumpf- bewohnern sind auch die übrigen vorwiegend am Flußufer OHhoptera Blatlaeformia. 1"/ unter Steinen und Papyrusstrünken zu finden, unter welchen die Erde auch zur Trockenzeit noch ganz feucht ist, oder aber unter alten Dumpalmenstrünken wie bei Gondokoro, wo sich zum mindesten eine Spur von Feuchtigkeit vorfindet, und zwar bis an das Ende der Trockenzeit. Was die Savannenfauna anbelangt, so finden wir hier Grasbewohner und Bewohner der Bäume, und zwar kommen nach meiner Erfahrung ausschließlich Akazien in Betracht, welche von Mantodeen (Elaea, Tarachodes, Tarachina, Oxy- pilus), deren Färbung aufs genaueste mit der Rinde überein- stimmt, bewohnt werden. Auf welchen Bäumen die übrigen Phaneropteriden außer Plianeroptera leben, die aus dem Ge- biete bekannt sind, habe ich nicht eruieren können, da ich Diogena nicht selbst fand, die andere Art (Eurycorypha varia) aber ins Haus gefiogen kam. Möglicherweise leben auch sie auf Akazien; auf Palmen, Kigelien und andern starkblätterigen Bäumen habe ich niemals Orthopteren gesehen. Geradezu charakteristisch für die Orthopteren des Sudan ist die außerordentliche Häufigkeit langgestreckter Formen und das ebenfalls häufige Auftreten von Verlängerungen des Kopfes in der Längsachse des Tieres. Für letztere Erscheinung kann unter den Mantodeen Pyrgomantis, unter den Acridiern Acrida, Mesops, Calamus, Gonyacatitha, unter den Locusto- deen Pseudorhynchus als Beispiel angeführt werden. Mit der stabförmigen Körpergestalt tritt auch manchmal im Zusammen- hange noch die Verlängerung hinterer Körperanhänge (Lamina supraanalis bei Isclmomantis und Solygia unter den Manto- deen, Lamina subgenitalis bei Ischnacrida unter den Acri- diern), stets aber hellgelbbräunliche Färbung, ähnlich der des dürren Steppengrases, auf. Einer auffallenden Anpassung habe ich bereits in meinem Reiseberichte gedacht; auf dem Streifen Ufer nämlich, in welchem von den Eingeborenen zum Zwecke der Urbar- machung alljährlich gegen Ende der Trockenzeit das dürre Steppengras niedergebrannt wird, leben nämlich teils gänzlich schwarzgraue oder nur stellenweise dunkel gefärbte Heu- schrecken aus Arten, die sonst die normale Steppenfarbe zeigen (Acrotylus, Cosmoryssa, PyrgomauHs, Galepsus u. a.). 168 F. Werner, Es handelt sich hier jedenfalls um eine ähnliche »Farben- photographie«, wie sie Vosseier für algerische Wüsten- heuschrecken nachgewiesen hat und wie sie sicherlich auch für die normalen steppengrasfarbigen Individuen angenommen werden darf. Wenn wir nach der Zahl der vorgefundenen Larven und Imagines, nach dem Vorkommen oder Fehlen grüner Arten auf die Verteilung während der beiden Jahreszeiten schließen dürfen, so können wir sagen, daß (wenn wir von den Sumpf- bewohnern absehen) die grünen Formen wahrscheinlich zur Regenzeit ihre hauptsächlichste Lebens- und Fortpflanzungs- periode haben und danach nur mehr in vereinzelten Indivi- duen vorkommen, während die steppenfarbigen, von welchen bis Ende März Larven und Nymphen immer seltener werden, im allgemeinen (wohl mit Ausnahme der meisten Mantodeen, von welchen Ischnomaittis, Tenodera superstitiosa ausschließ- lich, Miomantis, Pyrgomantis, Galepstis, Oxythespis zum großen Teile im larvalen Zustande gefunden wurden) in der zweiten Hälfte der Trockenzeit voll entwickelt und fort- pflanzungsfähig sind. Die Blattodeen, welche ich auf der Reise sammelte, stammen zum größten Teile aus den Hütten (Tukul) der Schilluk- und Barineger; die übrigen wurden wie die Gryllo- deen am Ufer des Stromes unter Steinen, Baumstrünken und Papyruswurzeln gefunden; nur ein Exemplar von Naiiphoeta sudanensis und fast alle 9 9 von Pellita versicolor stammen aus Spalten und Ritzen unter der Rinde von Akazien. Auf den Dampfern finden sich Phyllodromia germanica und siipellecti- lium, auch ein 9 von Pellita wurde einmal in einem Wasser- behälter auf dem Verdeck ertrunken gefunden. Trotz der Flugfähigkeit der meisten Orthopteren des oberen Nils ist die Übereinstimmung mit der Fauna Ägyptens eine verschwindend geringe und scheint sich im wesentlichen auf die Arten zu beschränken, welche durch Kokons ver- schleppt werden können, beziehungsweise Hausgenossen des Menschen sind, also Blattodeen {Phyllodromia germanica und supellectilium, Periplaneta americana, Nauphoeta cinerea, wohl auch Holocompsa fulvd) und Gryllodeen (Acheta dorne- Orlhoptcra Blattaeformia. 1"" sHca). Die ägyptischen Mantodeen scheinen (mit Ausnahme von Mantis) nirgends in das äthiopische Gebiet einzudringen; dagegen allerdings tropische Formen (Tarachodes) bis nach Dongola (Hart mann) und sogar Ägypten (Klunzinger) sich zu verbreiten, wohl im Zusammenhang mit der Verbreitung der Akazien nach Norden. Von den sicher ägyptischen Laubheu- schrecken ist nur Xiphidion aethiopicum, eine ursprünglich ohnehin tropische Art, von den Feldheuschrecken der den ver- einzelten dürren Strecken am Stromufer folgende, übrigens nicht sehr wählerische Clirotogonns lugnhris, der wie AioJopns thalassimis auf dem kurzen Grase der Ufer^ sich herum- treibende Calephorits compressicornis, die nirgends fehlenden Acrida turrita und Acridella variabilis, die auf Sumpfboden neben Tridactylus (der hier nicht wie in Ägypten im Sande leben kann) herumspringende kleine Paratettix meridionalis, der im hohen Ufergras lebende Eiiprepocnemis plormis und von den Grillen GryUotalpa africana (auch eine ursprünglich tropische Art) am oberen Nil zu finden. Dagegen sind die von Kordofan bisher bekannten Arten im wesentlichen paläarktisch: Sphingonoius coertdans und azurescens, Poeciloceriis liierogly- phicus, Eremiaphila u. s. w., was freilich nicht ausschließt, daß Westkordofan, welches ja kein Wüstengebiet ist, eine echt äthiopische Fauna beherbergen kann, aus welcher Gymnoproctus ahortivus am weitesten nach Osten geht. Relativ wenig wissen wir über das Gebiet zwischen Wadi Haifa und Khartoum, in welchem eine intermediäre Fauna zwischen der ägyptischen und der tropisch -sudanesischen heimatet. An auffallenden und bemerkenswerten Formen sind hier Centromantis Hedenhorgi (Stäl), Empitsa Hedenborgi Stäl, beide sudanesische Tarachodes-Arten, Clonaria gracilis, Poecilocertis (zwei Arten: kieroglyphiciis und vittatus, während die dritte — bufonms — auf Unterägypten und Syrien be- schränkt ist), Dlogena, Magrettia zu nennen, also teils palä- arktische Formen (auch Diogena ist noch hieher zu rechnen, weil sie keine andere als paläarktische Arten enthält und 1 In Gesellschaft der unseren Oedipoda- Arten sehr ähnlichen Trilophidin annulata und verschiedener kleiner Acridier aus der Stenoboihrits-Gruppe. 170 F.Werner, nicht über Kawa nach Süden geht), teils spezifisch nubische Magrettia) oder echt sudanesische (Tarachodes). Es ist zweifel- los, daß in den Steppengebieten Nubiens (Bajudasteppe) eine Menge echt sudanesischer Formen sich finden, die gegen- wärtig durch den Wüstengürtel um Khartoum vom Zusammen- hange mit dem Hauptgebiete südlich vom 15. Grade abge- schnitten sind, ebenso wie dies auch für die Berberländer gilt, welche derzeit durch ein ausgedehntes Wüstengebiet vom' Sudan getrennt sind und eine ganze Menge von Arten enthalten, welche im Sudan vorkommen,^ aber in Ägypten fehlen. Für die Erlaubnis, die ihnen unterstehenden Orthopteren- sammlungen studieren zu dürfen, bin ich in erster Linie den Herren Direktoren K. Ganglbauer (k. k. Naturhistorisches Museum, Wien), Prof. A. Brauer (königl. Museum für Natur- kunde, Berlin), Oberstudienrat Prof. K. Lampert (königl. Natu- ralienkabinett, Stuttgart), Prof. Y. Sjöstedt (Reichsmuseum, Stockholm), Prof. A. Balfour (Gordon College, Khartoum) zu Dank verpflichtet, ebenso auch den Herren Dr. K. Holdhaus, Assistent am k. k. Naturhistorischen Hofmuseum in Wien, und Th. Kuhlgatz, Assistent am königl. Museum für Naturkunde in Berlin, für die Freundlichkeit, mit der sie allen darauf bezüg- lichen Wünschen stets entgegenkamen. Großen Dank schulde ich auch meinem verehrten Freunde Capt. S. S. Flow er, Direktor des zoologischen Gartens in Giza (Kairo) für das auf seinen Reisen im Sudan gesammelte und mir zur Verfügung gestellte Mantodeen-Material. Die Bearbeitung der Orthoptera im engeren Sinne {Salta- form, Gressoria, Dermaptera) hat Herr H. Karny übernommen und sie wird als Nr. IX der Ergebnisse meiner Reise erscheinen. Erwähnen möchte ich noch, daß mir von den hier ge- nannten sudanesischen Arten nur zwei {Miomantis Savigiiyi und Empiisa Stollit) nicht in sudanesischen Exemplaren und weitere zwei {Oxypila brunneriana und Empusa Hedenborgi) überhaupt nicht vorlagen. 1 Oxythespis senegalensis, Conocephahts nitiduliis, Paracinema fricolor, Trigonidium cicindeJoides u. a., wohl auch Pyrgomorpha cognata. Orthoptcra Blattaeformia. 1' 1 Blattodea. I. Ectobiidae. Anaplecta Burm. 1. A. africana Sauss. Saussure, Ann. Mus. Genova, XXXV, 1895, p. 70. Lado (Saussure). IL Phyllodromiidae. Phyllodromia Serv. 2. Ph. germanica L. Brunner, Nouveau Systeme des Blattaires, 1865, p. 91, und Prodromus, p. 91. Kirby, Syn. Cat. Orth., I, p. 87. — Bormans, Orthopt. (Ann. Mus. Genova, 1880), p. 206. Adelung, Symbola nova ad Cognitionen! Blattodeorum (Orth.) Afr. ov., p. 2. Auf dem Dampfer »Toski* zwischen Shellal und Wadi Haifa (cf, 9, Kokon). Kosmopolit; in Nordostafrika, auch noch in Gallaland (Rehn), Somaliland (Schul thess), Let Marefia und Mahal Uonz in Schoa (Bormans) und Abessynien (Adelung) ge- funden. 3. Ph. cordofana B r. Brunner, Blattaires, p. 97. Ein cf dieser Art, welches größer ist als Brunner's Type aus Khartoum, fing ich am 31. März 1905 bei Mongalla. Körperlänge 9, Elytren 10 mm. Die Art lebt auch, nach einem Exemplar der Coli. Br. zu schließen, am Senegal. 172 F. Werner, 4. Ph. supellectilium Serv, Brunner, p. 98. — Werner, Onhopt. Aegypt., p. 377. Kirby, p. 88. Khor Attar, in den Hütten (Tukul) der Schilluks; Mon- galla, Gondokoro; auch wie Pk. germanica auf Dampfern (»Dal« zwischen Gondokoro und Khartoum); Khartoum (Coli. Br.). Außerdem in Ägypten, Somaliland, Isle de France, Ost- indien, Brasilien, Cuba. 5. Ph, trivirgata n. sp. Ph. germanicae simillima, vitta interoculari distincta, vittis longitudinalibus pronoti angustioribus, vitta mediana angusta a medio pronoti ad apicem abdominis percurrente, scuto seg- menti 6. nullo, lamina supraanali 1. subgenitalem superante cercis que flavis basi nigris. 9 Larva. Vittae laterales pronoti in meso- et metanotum (ad basin elytrorum et alarum) perductae; pro-, meso- et metanotum inter vittas rufescente-tlavum, margine externo albidum. Ab- domen supra albidum, segmentis antice nigromarginatis in forma • — ^^ — -. Lamina supraanalis triangularis. Subtus flavescens, abdomen rufescens, pallide margina- tum, hoc margine a colore rufescente vitta atrofusca seiuncto; lamina subgenitalis atrofusca, apice albido. Larvae minores vitta mediana pronoti nuUa. Long. tot. 9' 7 mm. Khor Attar, Februar 1906; Gondokoro, März 1906. Unter Papyrusstrünken am Nilufer. 6. Ph. aequatorialis n. sp. Differt a Ph. germanica vittis obscuris pronoti indistinctis, vitta interoculari distincta, statura minore, cercis multo lon- gioribus, laminis supraanali et subgenitali haud triangulariter productis, rotundatis, abdomine supra postice nigrescente, albo- limbato, subtus testaceo, nigrescente marginato, margine atro Orthoptera Blattaeformia. 173 extus albolimbato. Vena ulnaris alarum biramosa, posterior elytrorum pluriramosa. 9 . Long, corporis 9 fnm, » pronoti 2 ' 7 » » elytrorum 11 » Khor Attar, Mongalla, Gondokoro. 399. Diese Art lebt wie die vorige unter Papyrusstrünken und Steinen, 7. Ph. pallidula n. sp. Ph. Treitliana, specie aegyptia, valde affinis, sed vitta inter- oculari nulla, oculis multo maioribus, vena ulnari posteriore elytrae pluriramosa (in Ph. Treitliana uni-, raro biramosa). Supra et subtus testacea, unicolor. cf . Long, corporis 10 mm, » pronoti 2*7 » » elytrorum 10 » Khor Attar, Februar 1905. Lebensweise wie bei voriger Art. 8. Ph. arundinicola Werner. Sitz. Ber. Akad. Wiss. Wien, 1905, p. 377. Die im Sudan gefundenen Exemplare dieser Art unter- scheiden sich nur unwesentlich (durch hellere Färbung) von den Typen aus Unterägypten. Es sind mir nur cfd" unter- gekommen, während die Typen 9 9 waren. Nachzutragen wäre, daß die Vena ulnaris posterior der Elytra mehrfach ver- zweigt ist und daß die V. ulnaris des Hinterflügels gegabelt, der obere Ast aber selbst wieder gegabelt ist. Long, corporis \2 mm. •» pronoti 3 » » elytrorum 13 » Khor Attar, Mongalla, Gondokoro; Lebensweise wie bei vorigen Arten. 174 F. Werner, Die ägyptischen und sudanesischen Phyllodromien lassen sich ohne Schwierigi^eit auf folgende Weise unterscheiden: 1. Pronotum nigro bivittatum aut bimacu- latum 2 Pronotum concolor aut punctulatum . .5 2. Pronotum indistincte bimaculatum aut bivittatum (Vena ulnaris alarum bifurcata) Ph. aeqtiatorialis Pronotum distincte bivittatum 3 3. Pronotum anguste atro bivittatum (Cerci basi et apice nigri) Ph. angustifasciafa Pronotum late bivittatum 4 4. Vittae pronoti spatio mediano aeque latae aut latiores; cerci unicolores, fusci Ph. germanica Vittae pronoti spatio mediano angu- stiores; cerci flavescentes, basi nigri Ph. trivirgata 5. Elytra fusca, flavescente maculata . . . .Ph. stipellectilium Elytra unicoloria 6 6. Caput inter oculos fascia atra ornatum Ph. TreitUana Fascia interocularis nulla 7 7. Venae alarum apice infuscatae; elytra rufescentia Ph. arundinicola Venae alarum apice concolores; elytra testacea Ph. pallidtüa III. Periplanetidae. Periplaneta Burm. 9. P. americana L. Brunner, 1. c, p. 232, und Prodromus, p. 50. Kirby, 1, c, p. 140. Khor Attar, in den Tukuls der Schilluks; Larven im Freien im Garten des Hotels in Khartoum und bei Gondokoro unter Steinen. Orthoptera Blattaeformia. \ i O Kosmopolit. In Nordostafrika auch von Obok und Adis- Ababa (Adelung, 1. c, p. 23) bekannt. Deropeltis Burm. 10. D. erythrocephala Fabr. Brunner, 1. c, 242, Taf. VIII, Fig. 38 A— F. Kirby, 1. c, p. 145. Sudan (in Coli. Mus. Gordon College, Khartoum), ein cf ganz typisch. Erst aus Südafrika bekannt (Cap, Algoabai, Damaraland)- Pseudoderopeltis Krauss. 11. P. Adelungi n. sp. 9 larva, a P. spedahili Ad., unica femina cognita huius generis colore necnon structura segmentorum posticorum ab- dominis numeroque spinarum in margine inferiore femorum facile distinguenda. Nigro-picea, nitida, antennis fuscis; aptera, glabra; clypeus et coxae anticae totae, coxae intermediae et posticae ad tro- chanterem flavescentes, articuli basales duo palporum labialium rufescentes (labro et articulo tertio palporum atris). Antennae linea impressa angulata, ad verticem convexa, seiunctae. Pro- notum fere semicirculare, caput fere perfecte obtegens, punctis sparsis impressis notatum. Femora antica subtus intus 7-, extus 3-spinosa; inter- media 8 (6), postica 6 (5) spinosa. Metatarsus posticus subtus dense denticulatus, apice pulvillo instructo, articulis caeteris sumptis (omnibus pulvillo distincto instructis) metatarso bre- vioribus; unguiculi tarsorum graciles, breves. Segmentum dorsale primum abdominis metanoto perfecte obtectum; septimum segmentis duobis praecedentibus longi- tudine aequalis, postice acute trilobatum, lobis lateralibus distincte reflexis lobo mediano rectangulo; segmentum 8. tri- lobatum, lobo mediano lateralibus multo maiore, medio cari- nato; lamina supraanalis acute bilobata. Lamina subgenitalis 176 F.Werner, indistincte rotundato-trilobata, lobo mediano truncato, medio subtiliter carinulato. Cerci margine externo rotundato, interno obtuse angulato, laminam supraanalem valde superantes. Long, corporis 21 "5 mm, » pronoti 6 » » abdominis 12*5 » » segm. 7. abd. 3 » Gondokoro, März 1905. Von der Gattung PsetidoderopeWs war bisher nur ein einziges 9 bekannt, welches N. v. Adelung aus Südabes- synien beschrieb (P. spectahilis). Die auffallende Länge des 7. Abdominalsegmentes scheint für die Gattung charakte- ristisch zu sein. IV. Panehloridae. Leucophaea Br. 12. L. surinamensis Fabr. Brunner, 1. c, p. 278, Taf. VII, Fig. 32 A— E. Kirby, 1. c, p. 151. Khor Attar, in den Tukul der Schilluks. Nur Larven erhalten. Kosmopolit. Nauphoeta Burm. 13. N. cinerea (Oliv.). Olivier, Encyclopedie Methodique, Tome IV, p. 314. Saussure, in: Hist. Madagascar (Grandidier), I, Paris, 1895, p. 81, Taf. III, Fig. 31, und in: Wiss. Ergab. Reise Mad. (Voeltzkow), I, 4, 1899, p. 583. Khor Attar, in den Tukul der Schilluks. Ägypten, Zanzibar, Madagaskar, Reunion, Sumatra, Java, Philippinen, Antillen, Portorico, Mexiko, Brasilien, Rio de Janeiro, Honolulu. 14. N. sudanensis n. sp. Species maior, affinis A''. testacea Br.^ et gestroiana Sauss.,^ colore abdominis et numero venarum campi analis 1 Brunner, Nouveau Systeme des Blattaires, p. 284. 2 Ann. Mus. Genova (2), XV, 1895, p. 86. Orthoplera Blattaeformia. 177 elytrorum (15, in A''. testacea 20, in A''. gestroiana 12 — 13) distincta. Valida, sed A''. gestroiana minor; fulva. Caput crassum, vertice distincte prominente, rotundato. Occiput et Vertex sub- tiliter brunneo-punctata, lineis 3 — 5 pallidioribus. Frons flava, labrum fulvum. Anguli scutelli macula minuta nigra. Pronotum heptagonale, margine anteriore leviter rotundato, lateribus deflexis, marginibus leviter reflexis; margine laterali anteriore quam posteriore longius, posteriore obtusissime angulato. Dis- cus pronoti sparse impresso-punctatus, fulvus, latera pallida. Meso- et metanotum necnon abdomen picea, late paUide lim- bata, margine pallida subtiliter nigropunctata, haud granulata. Abdomen subtus piceum, segmentis medio et postice fulvis, marginibus posticis serie punctorum nigrorum ornatis. Margo latus pallidus nigroadspersus etiam in parte inferiori abdominis distincta. Pedes fulvi. Elytra fulva, campo marginali pallide-flavescente, vena principali nigra; alae hyalinae, venis in campo anteriore Omni- bus, in campo anali longitudinalibus tantum infuscatis, margine anteriore alarum infuscato. Lamina supraanalis 9 rotundato- bilobata, cercis fere duplo longior; lamina subgenitalis lata, magna, triangularis; cf lamina supraanali (forma ut in 9) cercos haud superante, lamina subgenitali parva, truncata. Antennae piceae. cT^. Dimensiones (j^ ex Mongalla Long, corporis 25 » pronoti 7 Lat. » 8-5 Long, elytrorum .... 23*5 Lat. abdominis 10-5 Tewfikia, 8. Februar 1905; Mongalla, März 1905. Das Exemplar aus Tewfikia fand ich in einer Rinden- spalte einer Akazie in der Savanne; die aus Mongalla stammen aus den Hütten der Eingebornen. 9 ex Mong alla 9 ex Tewfikia 30 31 7-5 8-5 10-5 11-5 28-5 33 14 16 178 F.Werner, V. Corydiidae. Holocompsa Burm. 15. H. fulva Burm. Brunn er, 1. c, p. 348. Ägypten (Burm.), Khartoum (Brunn er), Damara (Stal). VI. Oxyhaloidae. Oxyhaloa Br. 16. O. minor Br. Brunner, 1. c, p. 254. Khartoum (Brunn er; in Coli. Br., Nr. 1041), Suro, Süd- abessynien (Adelung, 1. c, p. 55), Webital, Somaliland (Schulthess). VII. Perisphaeriidae. Pellita Br. 17. P. versicolor (Burm.), 1839. Burmeister, Handb., II, p. 487 (Derocalymna). Unter der Rinde von Akazien bei Duem (3. Februar), Khor-Attar (Februar), Mongalla, Gondokoro (März), 9 9 ver- schiedenen Alters. Ein cf aus dem Mus. Khartoum. Auch in Gallaland (Gil- dessa, Adelung, 1. c, p. 62) und Arramba, Schoa (Bormans, 1. c, p. 208). Da Adelung, 1. c. 1904, eine vollständige Liste der bisher aus Abessynien, Somali- und Gallaland bekannten Blattodeen gibt, so habe ich davon Abstand genommen, die Blattodeen Nordostafrikas in ähnlicher Weise wie die Mantodeen zu- sammenzustellen. Mantodea. Diese Gruppe ist im Sudan verhältnismäßig reich an Arten, jedoch arm an Individuen; auch von den relativ häufigeren Arten findet man an manchen Tagen auch an ihren bevorzugten Auf- enthaltsorten kein einziges Exemplar und nur selten mehrere Orthoptera Blattaeformia. 1 '' 9 an einem Tage. Die Zeit der Eiablage war bei allen Arten im Februar schon lange vorbei; die untersuchten Kokons, die sicher drei verschiedenen Gattungen angehörten, waren durch- wegs bereits leer und auch die Dimensionen der kleinsten ge- fundenen Larven erwiesen dasselbe; wmPopa und Pseudoharpax müssen erst im März ausschlüpfen. Die Bewegungsweise der Sudanmantodeen ist eine ver- schiedenere, als man in dieser Gruppe gewöhnlich annimmt. Die langbeinigen Formen, welche auf dem Boden oder auf Gebüsch leben, bewegen sich in der bekannten Weise laufend fort; bei Eremiaphüa und Elaea sind die Laufbewegungen unterbrochen, sozusagen stoß- oder ruckweise vor sich gehend; die langgestreckten, dabei kurzbeinigen Pyrgomantis- Arten machen beim Laufen ganz deutliche schlängelnde Bewegungen, etwa wie eine Eidechse; und CalamotJiespis rutscht behend mit ihren kurzen Beinen an Grashalmen auf und ab, ähnlich wie die Acridier aus den Gattungen Mesops, Calamus u. dgl. Zum Licht fliegen nur wenige Arten; in der ganzen Zeit unseres Aufenthaltes, wobei wir stets entweder am Rande eines Dorfes, dicht an der freien Savanne oder in derselben selbst kampierten, ist mir nur einmal Oxythespis senegaletisis zugeflogen, auf den Dampfer nur einmal Mioniantis pharao- nica; das Vereinzelte dieses Vorkommens spricht dafür, daß die Mantodeen Tagtiere sind und manche findet man nur bei glühendster Mittagshitze in Bewegung (Elaea Marchali). Von den sudanesischen Mantidengattungen ist nur eine als rein paläarktisch zu betrachten (Ceiitromantis), während die verwandte Gattung Eremiaphüa durch E. somalica auch in die äthiopische Region eintritt. Andrerseits dringen äthio- pische oder überhaupt tropische Gattungen in einzelnen Arten mehr weniger weit in die paläarktische Region vor, so daß bei manchen der paläarktische Teil ihres Verbreitungsgebietes als der hauptsächliche betrachtet werden könnte, was bei der Verbreitung der einzelnen Arten noch deutlicher hervor- tritt. Während von den äthiopischen Gattungen Tarachodes (Ägypten??) Sphodromantis (südliche Mittelmeerländer: Nord- afrika, Südspanien, Syrien), Mantis (Nordafrika, Süd- und Mitteleuropa, Westasien), Miomantis (Ägypten), Oxythespis Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl.; CXVI. Bd., Abt. I. 1^ 180 F. Werner, (Algerien, Tunesien), Leptocola (Algerlen?), Empusa (Nord- afrika, Südeuropa, Westasien), Idolomorpha (Algerien, Tune- sien), Blepharis (Nordafrika, Syrien, Canaren), wie man sieht, mehr oder weniger weit in das paläarktische Gebiet über- greifen, sind von den Arten des Sudan nur neun paläarktische {Eremiaphila, Cetitrommitis, Sphodromantis bioctilata, Mantis, Oxythespis, Miomantis Savigiiyi und pharaonica sowie Ble- pharis ntendica und Empusa), wobei alle Arten, welche in der Mittelmeerregion regelmäßig gefunden werden oder nur aus dem Wüstenteile des Sudan bekannt sind, als palä- arktisch gerechnet sind, was für Miomantis, die einzige Gattung, die nur mit Ägypten gemeinsam ist, gar nicht so fest- steht, auf 33 sicher äthiopische Arten. Über eine weitere zoo- geographische Region sind noch Mantis religiosa und Tenodera superstitiosa (tropisches Asien) verbreitet; auch die Gattungen sind großenteils rein äthiopisch, da außer Mantis und Teno- dera nur noch Empusa für die indische Region in Betracht kommt, vielleicht auch noch Elaea, Sphodromantis und Popa, obwohl diese Angaben (bei Kirby) wohl noch zu prüfen wären. Fünf Gattungen {Paramorphoscelis, Tarachina, Nilo- mantis, Calamothespis und Stenovates) sind bisher nur aus dem Ostsudan bekannt, ebenso 17 Arten; mit dem Westsudan sind Elaea Marchali, Tenodera herhacea, Sphodromantis biocti- lata, Oxythespis senegalensis, Oxypila antnilata und Pseiido- harpax virescens gemeinsam, wahrscheinlich aber noch mehr. I. Amorphoseelidae. Paramorphoscelis n. g. Differt a genere Amorphosceli Stäl pronoto distincte lon- giore quam latiore laminaque supraanali haud elongata. 1. P. gondokorensis n. sp. (Taf. I, Fig. 3). Caput processis posticis distinctis, rotundatis. Oculi casta- nei, longitudinaliter fusco-striati. Antennae haud nigro-annu- Oi'thoptcra Blattaeformia. 181 latae. Pronotum lateribus parallelis, sulco supracoxali margine anteriori quam posteriori plus approximato. Elytra et alae hyalinae, illa reticulatione A. laxeretis Karsch similia, venulis transversis pro parte fuscis. Pedes haud annulati, tibiae anticae breves, distincte curvatae, articulo primo tarsorum anticorum multo breviores, tarsus anticus femoribus anticis multo longius. Totum animal testaceum, immaculatum, abdomen tantum sub- tus medio nigrescens. Long. tot. 19-5 mm, » pronoti 1-6 » Lat. 1-3 » Long, elytrorum 16 » femorum anticorum 2 * Gondokoro, 5. März 1905. Diese interessante Form liegt mir in einem einzigen männ- lichen Exemplare vor, welches leider etwas defekt ist, indem die Cerci nicht erhalten sind; doch genügen die übrigen Merkmale, um zu erkennen, daß sich diese erste ostafri- kanische Amorphoscelide von den bekannten Arten der Gattung Amorphoscelis deuÜich unterscheidet und der medi- terranen Gattung DiscoUiera Bonnet & Finot nähert. Von dieser ist aber unsere Gattung durch den längeren Kopf mit längeren Fortsätzen, längeres, in der Mitte ungekieltes Pro- notum, gekrümmte Vordertibien und kürzere, den Körper nicht überragende Flugorgane sowie die einförmige Färbung sehr leicht zu unterscheiden, auch geht bei Discothera die Lamina subgenitalis nach hinten in zwei kurze gleichfarbige Zipfel aus, während sie bei Paramorpkoscelis zwei schwarze, deut- lich abgesetzte, dornartige Fortsätze trägt. Beiden Gattungen scheint, wenigstens im männlichen Geschlechte, das mir allein vorliegt, eine verlängerte Lamina supraanalis nicht zu- zukommen. Die Familie der Amorphosceliden, welche durch die ganz oder fast unbewehrten Vordertibien ausgezeichnet ist, wird demnach in Afrika durch drei Gattungen mit vier Arten reprä- sentiert, die sich folgendermaßen unterscheiden lassen: 1 '^* 182 F.Werner, \. Lamina supraanalis elongato-triangularis (Pronotum haud longius quam latius) Amorphoscelis 2. Pedes annulati; elytra dense reticulata A. annulipes Karsch (Kamerun, Barombi-Station am Elefantensee.) 2'. Pedes haud annulati; elytra venis transversis distanti- bus, parallelis, areas quadrangulares magnas formanti- bus A. laxeretis Karsch (Togo) 1'. Lamina supraanalis haud elongata. 2. Pronotum quadratum, medio carinatum; tibiae anticae haud curvatae; elytra abdomen superantia Discothera (Hinetana) (Spanien, Tunis, Palästina.) 2^ Pronotum longius quam latius, haud carinatum, tibiae anticae curvatae; elytra abdomen attingentia Paramorph oscelis Das Exemplar wurde in der Umgebung von Gondokoro im dürren Steppengrase, dessen Färbung es besitzt, zufällig beim Abstreifen desselben gefangen. II. Orthoderidae. Eremiaphila Lef. 2. E. cordofana n. sp. E. Khmzingeri Wern. persimilis, capite (latitudine ocu- lorum) latiore, macula coxarum anticarum minore, lamina sub- genitali multo angustiore excisa bene distincta. Long. tot. 18 mm, pronoti 3*5 » femorum anticorum 4*5 » » posticorum 9 » Lat. abdominis 6*5 » Färbung oberseits gelblich, sandfarbig, Mittel- und Hinter- beine undeutlich dunkler gebändert. Unterseite weiß, Vorder- Orthoptera BlaHaefonnia. 1 83 koxen mit schwarzem Fleck, der sich nicht bis an die beiden Enden ausdehnt. Pronotum ganz wie bei E. Klimzlngeri, aber um die Augenbreite schmäler als der Kopf. Flügeldecken und Flügel wahrscheinlich völlig lateral (Nymphe). Mittlere Abdominal- tergite am Hinterrande mit kurzen, medianen, dreieckigen Fort- sätzen. Vordere Femora außen mit vier Dornen, vordere Tibien mit fünf, an der Spitze dunklen Dornen. Wüste am Fuße des Gebel Araschkol, Kordofan, 13. April 1905. Centromantis Wem. 3. C. Hedenborgi (Stäl). Stal, Öfversigt k. Svenska Vet. Ak. Handlingar, 1871, p. 396, cf 9 (Ereniia- phila). Werner, Sitz. Bar. Akad. Wiss. Wien, CXIV., Abt. I, Mai 1905, p. 399, Fig. 7, 12. Diese von Stäl für den Weißen Nil, von mir für Khartoum angegebene Art habe ich nicht selbst gefunden. Ein 5 aus der Umgebung von Khartoum befindet sich im Museum des Gordon- College daselbst und wurde von mir untersucht. Tarachina n. g. Genus proximum Tarachodes Burm,, sed occipite valde convexo, pronoto medio distincte carinato, elytris alisque maris abdomen multo superantibus necnon statura minima distinctum; femina aptera. 4. T. rhaphidioides n. sp. (Taf. II, Fig. 2, 2 a — h). Caput pronoto latius, oculis lateralibus. Pronotum longius quam latius, lateribus integris, subparallelis, dilatatione supra- coxali vix distinguenda, carina media distincta, antrorsum obsoleta. Elytra et alae hyalinae; illa alis breviora, venis trans- versis distantibus, subparallelis, interstitiis venarum princi- palium infuscatis; campo costali serie punctorum nigrescen- tium ornato, venisque caeteris punctis raris signatis; alae apice infuscatae. 184 F.Werner, Coxae et femora antica latere interno nigra; femora pro- notum longitudine parum siiperantia, compressa, subtus obtuse angulata, spina discoidali prominenti; tibiae anticae extus bi- maculatae, dimidio femorum breviora, apicem versus extus quadrispinosa. Articulus primus tarsorum anticorum tibiae anticae longior, apicem versus parum incrassatus, subtus sub- tiliter spinulosus. Coloratio corporis uniformis, grisea. c^ 9 Long, tot 1 1 • 3 mm 14 mm » pronoti 2*4 3 Lat. » 1-2 1-8 Long, elytrorum 11"6 Gondokoro, März 1906; das cf wurde in der Grassteppe fliegend angetroffen, das 9 am Fuße eines Akazienstrunkes in Gesellschaft zweier anderer gleichfalls der Rindenfärbung an- gepaßten Mantodeen (Elaea 9 und Oxypila). Versuch einer Revision der Gattung Taraehodes Burm. Diese von Burmeister in seinem Handbuch der Entomo- logie, Bd. II, aufgestellte und auf T.perloides Burm. gegründete Gattung ist eine sehr einheitliche und leicht kenntliche und durch ihren Geschlechtsdimorphismus (cf lang-, 9 kurzgeflügelt) auffallende, wenn wir alle unter den Namen Äriusa Stäl, Achlaena Karsch, Chiropacha Charp., Galepsiis S>iQ.\ {■=: Lyg- damia Sauss.) beschriebenen Formen einbeziehen. Charakterisiert ist sie durch den linsenförmig zusammen- gedrückten Kopf mit ausgedehnter, nach aufwärts gerichteter Occipitalregion, das ungefähr rechteckige, über der Einlenkungs- stelle der Vorderhüften wenig erweiterte Pronotum mit bogen- förmigem Vorderrand, stumpfwinkligen oder abgerundeten Vorder- und abgestutzten Hinterecken, das langgestreckte Ab- domen, beim 9 meist mit fünf Längsreihen von mehr weniger stark entwickelten Längsrunzeln oderLängsleisten, deren mittlere am stärksten hervorzutreten pflegt, die am Ende (letzte drei Glieder) stark abgeplatteten, an der Basis mehr rundlichen, Ortkoptera Blattaeformia. 1 85 meist langen Cerci, deren Glieder von der Basis zum Ende an Länge zunehmen, die langgestreckt trapezförmige, zwei kurze Styli tragende Subgenitalplatte und den aufwärts gebogenen Penis des cf , die spitz dreieckige, in der Mitte tief eingeschnittene Subgenitalplatte des 9, die breiten, vier Außendornen außer dem Kniedorn tragenden Vorderschenkel, die Kürze der Glied- maßen überhaupt, die hyalinen oder berauchten, langen, mit einer einzigen Ausnahme das Ende des Abdomens wenigstens erreichenden Flugorgane des cf, die kurzen, derben, undurch- sichtigen, stark pigmentierten, mit stark vortretenden Adern versehenen des 9. Die Tarachodes- Arten im weitesten Sinne bilden sozu- sagen eine Übergangsform zwischen den primitiven Ortho- deriden mit ausgebildeten Flugorganen in beiden Geschlechtern {Mdalleutica, Chaetessa, Hoplopliora etc.) und den extremen, verkürzten Eremiaphiliden mit reduzierten Flugorganen beider Geschlechter. Sie laufen flink, mit etwas schlängelnder Be- wegung des langen Körpers, die aber nicht so stark ist wie die der Pyrgomaittis-Arten; die meisten dürften auf Bäumen, und zwar an der Rinde leben, nur die Galepsns-Avten leben sicher im Grase. Unterscheiden lassen sich vier Gattungen oder Unter- gattungen, nach den Merkmalen eines oder beider Geschlechter. I. Vertex bei cT und 9 innerseits von den Augen in zwei nach vorn gerichtete kleine dreieckige Fortsätze ausgehend; Pronotum des 9 mit Höckern Achlaena Kar seh II. Vertex bei d" und 9 ohne Hörner; Pronotum des 9 mit zwei Höckern nebeneinander hinter dem Sulcus Tarachodes Burm. (Chiropacha Sauss.) III. Vertex bei cf und 9 ohne Hörner; Pronotum bei cf und 9 glatt, nicht mehr als doppelt so lang als breit; Vorder- schenkel innen gefleckt oder punktiert Ariusa Stäl IV. Pronotum beim d" und 9 glatt, konvex; 9 Abdomen ohne Längsreihen von Runzeln; Clypeus meist nicht breiter als lang Galepstis Stäl Die Gattung Tarachodes s. str. muß eine phylogenetisch sehr junge sein. Die meisten Arten sind nur an Färbungs- 186 F.Werner, merkmalen der nicht angepaßten Unterseite zu unterscheiden, während morphologische Merkmale uns hier niemals mit völliger Sicherheit führen. Zieht man eine von ihnen ein, so fällt ein halbes Dutzend mit ihr; ich finde aber die Färbungsmerkmale konstant genug und die Koinzidenz mit der geographischen Verbreitung ebenfalls genügend, um fast alle die beschriebenen Arten aufrecht zu erhalten und habe kaum mehr als einmal über die Zugehörigkeit eines oder des andern Individuums Zweifel gehegt, als ich einmal die wesentlichen Charaktere festgelegt hatte. Ich hoffe durch die beigegebenen Abbildungen die Wiedererkennung erheblich erleichtert zu haben. Von den afrikanischen Orthoderiden ist die Gattung Pyrgomantis mit Tarachodes, und zwar mit der Untergattung Galepsus am nächsten verwandt; aber andrerseits zeigt T. oxy- cephala Gerst. durch den winkelig vorspringenden Vertex die erste Spur jener Bildung, die bei Pyrgomantis singiilaris Gerst. so extrem entwickelt ist. Manche von den Galepstis- Arten (modestiis, dispar, meridionalis) erinnern in der Form des Pronotums an die australische Gattung Ortliodera. Verzeichnis der untersuchten Exemplare von Tarachodes. 1. T. pantherma Gerst. 1 cf , 1 9 2. T. lucuhrans Burch. 2 cfcf. 3. T. giJva Charp. 2 cTcT. 4. T. ohtiisiceps Stäl. 5 d'c^, 299 5. T. dissimuJator W. Mason. 1 cf. 6. T. sancta Sauss. 3 cfcf, 699. 7. T. perloides Burm. 1 cf, I9. 8. T. maura Stäl. 1 cf , 499. 9. T. Afzelii Stäl. 12 ö'cT, I9. 10. T. irrorata Gerst. 9 cTcf, 799. 11. T. dives Sauss. 2 cfcT. 12. T. Karschii Wern. 3 r^cf, 399. 13. T. Sjöstedti Wern. 1 ö", 1 9. 14. T. Gerstaeckeri Wern. 1 c/'. 15. T. rohmdiceps Wern. 1 cf , 299. 16. T. inaculisterntini Sjöst. I9. 17. T. minimus Wern. 1 cf. Orthoptera BlaUaeformia. lo' 18. T. nieridionalis Sauss. 10 cf cT, 4 5$. 19. T. laticeps Wern. 3 cf cT. 20. T. lenticularis Sauss. 2 cTc?. 21. r. capitata Sauss. 6 cfcf, I9. 22. T. modesta Gerst. 10 cfcf. 23. T. dispar Wern. 3 cTcT, 5 ? ?. 24. r. Kuhlgatzi Wern. 3 cf cf. Zusammen 122 Exemplare. Nicht gesehen: 25. r. conspersa Stäl (Bih. k. Sv. Vet. Ak. Handl., IV, No. 10, 1876, p. 17). 26. T. crypsichroma Karsch (Berl. Ent. Zeitsch., XXXIX, 1894, p. 272, Taf. XIX, Fig. 2). 27. T. oxycephala Gerst. (Mitt. Ver. Neuvorpommern u. Rügen, XIV, 1883, p. 39.) 28. T. media Schulth. (Ann. Mus. Genova [2], XIX, 1898, p. 171). 29. T. Smithi Rehn (Proc. Ac. Philad., 1901, p. 278). 30. T. aestuans Sauss. (Ann. Mus. Genova, XXXV, 1895, p. 91). 31. r. modestior Schulth. (Ann. Mus. Genova [2], XIX, 1898, p. 173. 32. T. tentiis Stäl (Bih. k. Sv. Vet. Ak. Handl., IV, No. 10, 1876, p. 18. Unter diesen 33 Arten findet sich das größte cT (47 mm) bei sa^icta (insidiator), das größte 9 bei maura {4ßm,m); das kleinste cf (21mm) bei modestior, das kleinste 9 bei capitatus (25 mm)\ die längsten Elytren des ö" (4-07 : 1)^ bei luctihrans, die längsten Elytren des 9 bei media (M : 1); die kürzesten Elytren des d" (2 : 1) bei dispar, die kürzesten. Elytren des 9 bei Karschii (6*64: 1); 1 Verhältnis zur Pronotumlänge. 188 F.Werner, das längste Pronotum des cT (3-28 :])i bei laticeps, das längste Pronotum des 9 bei capitatus (2-70 : 1); das kürzeste Pronotum des ^ (1-62:1) bei pantherina, das kürzeste Pronotum des 9 bei pantherina^ (1-38 : 1); das absolut längste Pronotum des d^ (ll-ömm) bei sancta (insidiator), das absolut längste Pronotum des 9 bei maura (12-3 mtti); das absolut kürzeste Pronotum des cf {bmm) bei minima, das absolut kürzeste Pronotum des 9 bei meridionalis^Q •2mm). Die Verwandtschaftsverhältnisse der Taraehodes-Arten (T. sensu strictiore, excl. Ariusa, Achlaena et Galepsus). Die Tarachodes-Avien dieser Gruppe sind einander äußerst nahe verwandt und bei Durchsicht eines größeren Materials findet man bald, daß die für die einzelnen Arten angegebenen Merkmale entweder nur individuelle oder aber überhaupt keine unterscheidenden sind. Das gilt so ziemlich für die Dornenzahl der Vorderschenkel, die Beschaffenheit der Oberfläche des Pro- notums und des Abdomens, ja auch für die Form der Genital- anhänge. Wirklich von Belang sind nur: Form des Vertex, Färbung der Innenseite der Vorderbeine und des Prosternums,' Färbung der Flügel beim cT und ihre Länge beim 9, Behaarung Form des Stirnschildes. ' Wenn wir von den Formen mit einfarbig heller Innenseite der Vorderbeine ausgehen, so haben wir eine westafrikanische Gruppe mit rundlichem, begrenztem Prosternalfleck und eine östliche mit ganz dunklem oder ein- bis dreifach gebändertem Prosternum. An diese letzteren schließen sich die Formen mit an beiden Enden dunkler Innenseite der Vordercoxen und dunklem Längsstreif der Vorderfemora an, endlich die mit innen ganz schwarzen Vordercoxen und schwarzem breiten Femoralstreifen. In allen diesen Gruppen gibt es rund- und geradstirnige Arten. 1 Verhältnis zur Breite. 2 Die Angabe bei Stäl für Galepsus lenuis (3 mm) ist ein Druckfehler und soll 8 mm heißen, was mir Prof. Sjöstedt bestätigte. 3 Zugleich Maßstab für Größe. Orthoplera Blattaefonnia. 189 Die Verwandtschaft wäre demnach ^ etv/a folgende: Tnamlistej'jiuin' afzcUi pcrloidcs irrorntn 1, Dispositio Specierum. Vertex summo obtuse angulato T. oxycephala Gerst. Vertex summo convexo aiit truncato -^ 2. Femora antica intus maculis tribus aut pluribus nigris ornata; femina tuberculis pronoti nullis 3 (Ariiisa) Femora antica unicoloria aut vitta longitudinali ornata; feminae pronoto tuberculis maioribus duabus pone sulcum , 4 armato 3. Grisea,nigro conspersa; femoribus posticis nigrobifasciatis; vertice fere toto nigro T. (Ariusa) conspersa Stäl Ochracea, pedibus nigropunctatis; vertice concolore T. (Ariusa) pmithevina Gerst. 4 Vertex trunctatus, processus duos breves trianguläres antrorsum emittens 5 (Achlaena) Vertex truncatus aut convexus, haud cornutus 6 5. Femora antica intus flavescentia, unicoloria. Pronotum lateribus subparallelis, Spina latero-antica minima T. (Achlaena) liicuhrans Burm. Femora antica intus violaceonigra, punctis nonnuUis flavis ornata; pronotum postice distincte angustatum, angulis lateralibus anticis valde spinosis T. (Achlaena) crypsichroma Karsch 1 Nicht berücksichtigt ist nur acstuans Sauss. und Smithi Rehn, deren systematische Stellung nicht klar ist. Kirby identifiziert acstuans mit mcdta Schulth. 190 F. Werner, t^ o CH- S . O C>] 00 Oi M ca -H ^ s "* CO <— ■ 00 c^) lO CO -^ 00 r^ CO 00 CO CO CO CO CO CD 00 CO CO CO CO CD CO lO CD CO CO CO CO CO CO CO ^ c"i o) c^i eJ (M CO -^ -H t^ ^ '-' -^ lO lO — I CO 00 Tj< o • ^ CO CO CO Tf *v to i^ ?? ■^ vi ■»» 8- ,^ <2 •'S ?s -^ «3 "Q -^ ^ tS 'Q ^ ^ •a R, !^ o Orthoptera Blattaeformia. 191 Ol J C>1 — . Ol C<1 (M 00 00 — ^ oj oa »C LO --i zl -* c^- '5. C5 CO CO CO C>3 CO CO « ; ^ 's a C 'S g g "5-2 'S -5 ~ -S So CO 2 •s u 'S 'Q a. 5^ -? 192 F.Werner, 6. Elytrae cf macula magna e venulis albis formata ornatae (venulis aliis elytrae fere omnibus fuscis, prope apicem solum albis intermixtis; coxae et femora antica intus nigrovittata) T. dissininlator W. M. Elytrae cf macula magna a venulis albis formata nulla . . 7 7. Vertex distincte truncatus aut leviter emarginatus (femora antica intus nigrovittata) 8 Vertex plus minusve arcuatus 10 8. Coxae anticae intus flavescentes basi et apice macula nigra ornata T. sancta Sauss. Coxae anticae intus atrae 9 9. Femora antica vitta nigra apicem haud attingente, bicuspi- data, ornata (abdomen subtus immaculatum) T. perloides Burm. Femora antica vitta nigra usque ad apicem prolongata (abdomen subtus in omnibus segmentis maculis duabus nigris marginem lateralem segmenti attingentibus ornatum) T. niaura Stäl 10. Coxae anticae cT intus nigrovittatae; coxae 9 intus granu- latae; pronotum 9 granulatum 11 Coxae anticae cf flavescentes aut rufescentes, coxae 9 laeves; pronotum 9 haud granulatum 12 11. Vertex cT acutus; pedes parum pilosi T. Äfzelii Stäl Vertex cf obtusus; pedes distincte albopilosi T. irrorata Ger st. 12. Femora antica intus nigro-aut rufo vittata; prosternum in tertio posteriore nigrofasciatum 13 13. Alae maris in campo anali obscuriore maculatae 14 Alae maris in campo anali unicolores fuscovenosae T. dives Sauss. 14. Species ochracea pedibus crassioribus . . .T. gilva Charp. Species fuscogrisea pedibus gracilioribus . T. ohtiisiceps Stäl Femora antica haud vittata; prosternum pone coxas totum coeruleonigrum aut macula unica aut fasciis tribus ornatum 15 15. Prosternum ab insertione coxarum atroviolaceum; Vertex minime rotundatus; pedes pilosi T. Karschii Wern. Prosternum pone coxas unimaculatum aut trifasciatum 16 Orthoplera Blattaeformia. 193 16. Prosternum trifasciatum, frons quadrifasciata; species orienlalis T. media Schul th. Prosternum macula unica rotundata aut antice acuminata ornatum; species occidentales 17 17. Vertex valde convexus; elytra et alae maris infuscatae T. roiimdiceps Wem. Vertex parum convexus; elytra et alae maris hyalinae. . 18 18. Clypeus frontalis haud fasciatus 19 Clypeus frontalis plus minusve distincte fasciatus 20 19. Pedes pilosi; species maior T. macnlisterimin Sjöst. Pedes glabri; species parva T. minima Wem. 20. Elytra et alae cf perfecte hyalinae, parum nitidae, venis haud infuscatis; femina obscure trivittata T. Sjöstedti Wem. Elytra et alae cf nitidae, venis, etiam in campo anali alarum, infuscatis (femina ignota) T. Gerstaeckeri Wem. T. aestitans und Smithii kann ich in dieser Tabelle nicht unterbringen. Geographische Verbreitung. Wie aus nachstehender Tabelle ersichtlich, kommen von den 33 Tarachodes- Arten die meisten ausschließlich in West- afrika nördlich vom Äquator vor (10), dagegen sind nur 6 auf Nordost-, 3 auf Südwest-, 4 auf Südost- und gar nur 2 auf Südafrika beschränkt, es sind also nicht weniger als 25 Arten mehr weniger lokalisiert; von den übrigen 8 sind 2 in Ost- afrika, 1 in Westafrika südlich und nördlich vom Äquator gefunden worden; eine lebt in Süd- und Südost-, zwei weitere in Südwest-, Süd- und Südostafrika (maura und meridionalis); nur lenticularis ist aus Nordost- und Südafrika allein bekannt, bisher aber nicht aus Südostafrika, wo sie aber zweifellos vor- kommt. Es ergibt sich also, daß sie geographisch im allgemeinen sehr scharf geschieden sind und namentlich fällt es uns im Gegensatze zu andern Orthopteren-, ja sogar Mantidengattungen auf, daß West- und Ostafrika nördlich vom Äquator keine einzige Art gemeinsam haben und daß auch Nordost- und Südostafrika nur an zwei Arten (T. pantherina, capitata) 194 F. Werner, gemeinsam teilhaben. Andrerseits ist es auffallend, daß eine Art ohne wesentliche Veränderung in Malakka angetroffen wurde, und zwar gerade die westafrikanische T. Afzelii; sie wurde wohl durch Schiffe, die um das Kap nach Indien fuhren, im Kokon verschleppt. Weit verbreitete Arten gibt es in dieser Gattung nicht, da die Flugunfähigkeit des 9 hier jedenfalls hinderlich ist; daß das cf stets wohlausgebildete Flugorgane besitzt, ist in diesem Falle natürlich bedeutungslos. Tarachodes NO SO s sw 1 NW pantherina .... 1 1 _ _ _ Somali bis Britisch-Ostafrika conspersa — — — 1 — Üamaraland lucubrans — — 1 — — Kap crypsichroma . . — — — — 1 Kamerun s^ilva 1 1 — — — Sudan Sudan, Bogos, Somali obtiisiceps .... dissimtilalor . . — — — — 1 Togo und Kamerun sancfa — 1 1 — — Nyassa bis Kap perloides — — 1 (1?) — Kap, Natal (Benguella?) maura 1 1 1 1 — Afrika mit Ausnahme des Nor- dens und Nordwestens Afzelii — — — — 1 Westsudan irrorata — — 1 1 Goldküste, Kongo dives — 1 — — 1 Westsudan Deutsch-Ostafrika Karschii media 1 — — — — Somali rotundiceps . . . — — — — 1 Kamerun maculisternum (1?) — — — 1 Kamerun (Ägypten?) minima — — — 1 — Deutsch-Südwestafrika Sjöstcdti — — — 1 — Chinchoxo Gerstaecheri . . — — — — 1 Kamerun aestuans Smithi 1 1 — — — : > Somali oxycephala . . . . — — — — 1 Ogowe Kuhlgatzi . . . . — 1 — — — Deutsch-Ostafrika dispar — 1 — ~ — Deutsch-Ostafrika Oiihoptera Blattaefonnia. 195 Tarachodes NO SO laticeps vieridionalis modeslior. . , lenticularis . modestus . . capitatns . . tenuis 10 9 SW NW 11 Kamerun Kap, Natal, Transvaal, Kilima- ndjaro Somali Sudan, Natal Deutsch-Ostafrika Sudan, Zanzibar Westafrika Untergattung Ariusa Stäl, Tarachodes pantherina Ger st. Gersfäcker, Arch. f. Naturg., XXXV, p. 208, und in: v. d. Decken, Reisen Ostafrika, III, 2 (1873), p. 11, Taf. I, Fig. 5. Eine sehr auffällige und leicht kenntliche Art durch die ockergelbe oder lehmgelbe Färbung mit runden, tiefschvvarzen Tüpfeln auf den GHedmaßen. Das bisher anscheinend unbe- kannte 9, welches ich in meiner Sammlung habe, unter- scheidet sich von den erwachsenen 9 9 aller mir bekannten Arten der Gattung durch das zwar unebene, aber glatte und der starken Mittelhöcker entbehrende Pronotum, welches außer- dem im Verhältnis zum cf länger ist. Dornen an der Außenseite der Vorderschenkel wie ge- wöhnlich 5, an der der Vorderschienen 1 1 bis 12; alle schwarz- spitzig. Das mir vorliegende cf aus dem Museum Berlin besitzt einen, das Originalexemplar und das 9 meiner Sammlung zwei schwarze Punkte außen an den Vorderschenkeln. Innen sind sowohl Femora als Coxen mit zahlreicheren Punkten versehen, dicht getüpfelt (ober- und unterseits) auch Mittel- und Hinter- beine. Prosternum mit zwei großen mattschwarzen Flecken hintereinander. Vorder- und Hinterflügel des cf besitzen nur im Costalteil braune Adern, während das Analfeld vollkommen hj^alin ist. Das Stirnschild ist iVsmal so lang als hoch und ohne Spur einer Querbinde. Sitzb. d. mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 196 F.Werner, Dimensionen Pronotum, Pronotum, Elytra, Totallänge Länge Breite Länge cT Mombasa 34 7-3 4-5 p cf Daua 27 7 4 25 9 Britisch-Ostafrika . . 37 10 6-3 7-7 cTOrig. nach d. Abbild. (51) 36 (1 1 -2) 7-91 (6) 4-2 (37) 26 Vorkommen: Endara, Ostafrika (Gerstäcker; leg. v. d. Decken, Oktober 1862); Mombasa (xMus. Berlin, leg. Hilde- brandt, Dezember 1876), Daua, Somaliland (Schul thess; leg. Ruspoli, 25. April 1893). Wegen des höckerlosen Pronotums und der gefleckten Innenseite der vorderen Femora ist diese Art neben Ariusa cofispersa Stäl zu stellen, als Untergattung kann Ariiisa ohne- weiters beibehalten werden. Untergattung Achlaena Kars eh. Tarachodes lucubrans (Burch.) (Taf. III, Fig. 7). Burchell, Travels S. Africa, I, p. 465 (1822) CManlisJ; Westwood, Rev. Mant, p. 29, Taf. 6, Fig. 2 (1889); Sharp, Cambridge N. H., Ins I p. 429 (1895). Diese Art ist durch den zwischen den Augen in zwei kurze, dreieckige, aber sehr deutliche Fortsätze ausgezogenen Kopfgipfel sehr leicht kenntlich. Diese Fortsätze stehen median- vvärts von den Längsfurchen, welche selbst medianwärts von den Augen über den Hinterkopf verlaufen. Die großen rot- braunen Augen sind mehr weniger deutüch längsgestreift. Der obere Rand der Stirnplatte ist gerade oder schwach, der untere stärker gebogen, die Platte selbst doppelt so breit wie hoch. Quer durch sie zieht eine breite schwarze Binde, eine zweite an der Basis des Clypeus, eine dritte an der Basis der Ober- lippe, je eine schmale über den Oberrand der Stirnplatte, die beiden oberen Ocellen und unterhalb des Vertex. Pronotum mit schwacher Längs- und deutlicher supracoxaler Ouerfurche, an der Grenze zwischen dem bogigen Vorder- und dem Seiten- 1 Die eingeklammerten Zahlen sind die der Abbildung, die daneben- stehenden sind berechnet nach dem Verhältnis der Länge der Abbildung (51) zu der von Gerstäcker angegebenen wirklichen Totallänge (36). Orthoptcra Blattaeformia. 1"' rande mit einem kleinen, spitzigen, schwarzen Vorspmng, hinter der Querfurche etwas erweitert. Seitenränder des Pronotums parallel, hinter der Erweite- rung etwas eingeschnürt, dann wieder erweitert. Außenrand der Vordertibien, die Mittel- und Hinterbeine und die Cerci (deren basale Glieder rund sind, während sie gegen das Ende immer mehr plattgedrückt erscheinen) weiß behaart, weniger deutlich das Pronotum am Seitenrande, die vorderen Coxen und Femora. Die Vordercoxen glatt; vordere Femora außen wie immer mit 5, vordere Tibien mit 13 Dornen, die letzteren schwarzspitzig; Coxen und Femora innen glänzend rotbraun, ungefleckt. Antennen dunkel und hell geringelt. Vorderflügel mit dunkelbraunen Adern, von denen die konvexen, in regel- mäßigen Abständen dunkler und breiter und lichter und heller erscheinen; an den dunklen Stellen ein kleiner, ganz schwach berauchter Fleck. Hinterflügel im Vorderfeld mit dunkelbraunen Längs- und Queradern, im Analfeld sind nur die Längsadern dunkelbraun. Färbung der Oberseite gelb- bis graubraun, mit dunklen Punkten und Flecken, dieVordertarsen sowie Tibien und Tarsen der Mittel- und Hinterbeine dunkel geringelt. Unterseite des Abdomens in jedem Segment mit zwei dunklen Punkten. Kapkolonie. 2 cf cf untersucht, davon das eine aus dem Museum Berlin. Dimensionen: Totallänge 35 mm 33 • 5 mm Pronotum, Länge 8 7 » Breite 4 3-5 Elytra, Länge 30 28-5 Das Berliner Exemplar ist als Chiropacha diaphana Charp. bezeichnet. Die typische Art der Untergattung Achlaena, wohin Kirby (Synon. Cat. Orthopt, 1, 1904, p. 216) T. hicubrans richtig stellt, ist T. crypsicliroma Karsch (nicht cryptochroma, wie Kirby schreibt), durch die auffallend verschiedene Form des Pronotums (hinten stark verengt) und die Färbung der Innen- seite der Vorderbeine genügend charakterisiert. Chiropus dives Sauss. 1869 (ertiella perloides als n. sp., ohne irgend welche Synonymie heranzuziehen, nennt, was wohl genügend besagt, daß es sich in diesem Falle nur um eine zufällige Gleichheit des Speziesnamens handelt und nicht um eine Identität, wie West wo od etwas voreilig annahm. Die Art kann also ohne- weiters mit dem Burmeister'schen Namen als Tarachodes per- loides verbleiben, trotz der mageren Beschreibung, die Bur- meister der Art mitsrab. 210 F.Werner, Dimensionen (^ 9 cf Nymphe Totallänge 40 36 30 Pronotum, Länge 9 10 7*5 Breite 4-5 5-2 3*5 Elj^tra, Länge 32-6 10-8 — Hieher gehört wahrscheinlich auch das von Saussure als Chiroptis dives (Mitt. Schweiz, entom. Ges., Bd. III, 1869, p. 61) beschriebene und in Mel. Orthopt., III, 1870, Taf. IV, Fig. 1, \A abgebildete 9, trotz der innenseits nicht dunklen, sondern gelben vorderen Coxen und Femora, die eher auf T. lucuhrans hinweisen würden. Die Form des Kopfes und die Färbung der Hinterflügel, aber auch das Pronotum entsprechen recht deutlich unserer Art. Tarachodes maura (Stäl) (Taf. III, Fig. 4). Stäl, Öfv. Vet. Ak. Förh., 1856, p. 168; 1871, p. 395; 1876, p. 68. Durch die Liebenswürdigkeit von Herrn Prof. Sjöstedt ist es mir möglich geworden, die Type dieser Art aus dem Zoologischen Reichsmuseum in Stockholm zu untersuchen. Diese Art gehört zu den größten der Gattung und ist durch die glänzend und intensiv schwarze Innenseite der vorderen Hüften und Schenkel, die von vorn nach hinten schief abge- stutzten beiden Höcker des Pronotums und die Zeichnung der Unterseite des Abdomens sehr leicht erkennbar. Vertex wie bei T. perloides; Pronotum mit einer medianen, vom in der Mitte aufgeworfenen Vorderrande bis zwischen die Höcker ziehenden Längsfurche, deutlich gezähneltem, an der Über- gangsstelle in den gebogenen Vorderrand in einen kleinen abgestutzten Stachel übergehenden Seitenrand, einem Paar kleiner Höcker hinter dem Vorderrande und zwei Paaren von noch kleineren Höckern vor dem Sulcus. Hinterrand und die Hinterecken abgestutzt. Mittlere Abdominaltergite in der Mitte und an den Seitenrändern in kleine Läppchen ausgezogen, zwischen den mittleren und lateralen Läppchen jederseits zwei Orthoptcra Blattaeformia. 211 Reihen von Längsrunzeln; Unterseite des Abdomens hellgelb- braun mit einem glänzend schwarzen dreieckigen Flecken jederseits am Seitenrande jedes Segmentes. Vordere Femora auf der Außenfläche deutlich konkav, mit einer vom distalen Ende durch die Mitte gegen den Trochanter hinziehenden undeutlichen Längsleiste. Mittelbeine mit erweiterten Schen- keln; Behaarung der Mittel- und Hinterbeine stark. Clypeus am Vorderrand einen stumpfen Winkel bildend, nicht ganz doppelt so breit als hoch, mit Querbinde durch die Mitte; Prosternum schwarz, Vordertibien innen am gezähnten Rande geschwärzt, Mittel- und Hinterbeine unterseits gelblich, die letzteren mit einem schwarzen Ring um den Femur am Ende der proximalen zwei Drittel seiner Länge. Metasternum mit zwei dunkelbraunen Flecken hintereinander. Oberseite des Tieres wie gewöhnlich bei den 9 9 graubraun, die Gliedmaßen oben mit dunklen Querbinden, je zwei auf dem Femur, zahl- reichere auf Tibia und Tarsus. Diese Beschreibung bezieht sich nur auf die Type. Außer- dem lagen mir noch weitere 9 9 aus dem Museum Berlin und eines aus meiner Sammlung vor. Die Art scheint auf Süd- und Ostafrika beschränkt zu sein. Ein sehr großes 9 aus Südwestafrika (Nr. 3288) stimmt mit dem typischen in allen wesentlichen Punkten überein. Nur ist der Clypeus ganz weiß, am Vorderrande schwach konvex, die Vordertibien innen ganz gelb, die Zeichnung der Gliedmaßen undeutlich; außer den beschriebenen Höckern des Pronotums finden sich noch zwei schwache hinter den großen. Ein drittes großes 9 (bezeichnet: Mozambique, Sandacca) gleicht dem Originalexemplare noch mehr als das vorige, hat aber innen noch mehr geschwärzte Vordertibien und hinten auf den großen Pronotumhöckern sitzt noch je ein kleinerer. Die weiße Behaarung an Beinen und Cercis sehr stark, Zeich- nung der Gliedmaßen undeutlich. Das 9 meiner Sammlung (Kapkolonie) sehr dunkel, stimmt mit dem vorigen gut überein in den Höckerbildungen des Pro- notums und im Besitze eines dunklen Querbandes durch den Clypeus, dessen Vorderrand ebenfalls konvex ist. Sitzb. d. malhem.-naturw. KI.; CXVI. Bd., Abt. I. 15 ■^1^ F. Werner, Dimensionen der vier Exemplare: Original- Südwest- exemplar afrika Mozambique Kapkolonie Totallänge 46 41 46 40 Pronotum, Länge. . . 11-4 11-5 12-3 11-6 Breite... 6-2 7 6-5 6-4 Elytra, Länge 9 10-2 9 9*2 Vorkommen : Südwestafrika (Owambo, Damara), Südafrika (Kapkolonie, Caffraria, Port Natal), Südostafrika (Mozambique). T.sancta Sauss. ist zwar dieser Art nahe verwandt, aber durch die helle Innenseite der Vorderhüften, die Fleckenzeich- nung der Unterseite des Abdomens (Flecken vom Seitenrande der Segmente entfernt) leicht zu unterscheiden. Das cf dieser Art lernte ich erst nach Abschluß vorliegender Art kennen; es bot insofern eine Überraschung dar, als sich dadurch herausstellte, daß T. maura dem T. obtusiceps nahe steht und nur vielleicht eine melanotische Form vorstellt, ähn- lich wie T. gilua etwa als Flavismus derselben Art anzusehen wäre. Das Exemplar stammt aus dem Bongoland (oberes Nil- gebiet) und wurde von Schweinfurth gesammelt. Es befindet sich im Stuttgarter Naturalienkabinett und wurde mir durch Herrn Oberstudienrat Prof. Lampert zur Untersuchung ein- gesandt. Die düstere, auf dem Pronotum und den Vorderglied- maßen direkt schwarze Färbung des Tieres ist auch auf den Flugorganen zu bemerken, von denen die Elytren deutlich beraucht und mit dunklen Adern versehen sind, während die Hinterflügel die dunkle Fleckenzeichnung zeigen, wie sie nur die beiden echt nordostafrikanischen Arten, die ich vorhin erwähnte, besitzen. Leider ist das Exemplar stark defekt, indem ein großer Teil des Abdomens fehlt. Vertex sehr schwach bogig; Behaarung keine. Pronotum 8-6x4 • 2 ww, Elytren zirka 30 mm, Clypeus 2 • 6 X 1 ■ 3 mm. Tarachodes Karschii n. sp. Vertex kaum merklich gebogen, stumpf, ohne Vorsprünge oder Einkerbungen. Pronotum mit medianer Längsfurche, Vorderrand bogenförmig, mit den Seitenrändern einen stumpfen Ortkoptera Blattaeformia. 213 Winkel bildend; diese parallel, beim cf über dem Hüftansatz erweitert, dahinter mehr weniger eingeschnürt; Hinterrand und Hinterecken abgestutzt; Pronotum des 9 mit fein gezähnelten Seitenrändern und zwei starken Höckern. Abdomen oberseits mit fünf Längsreihen von Längsrunzeln, die der Medianreihe am Hinterrande der Segmente etwas erhöht; Behaarung am Pronotum, den Mittel- und Hinterbeinen bei beiden Ge- schlechtern stark und lang, beim cf an den Hinterbeinen schwächer, ebenso an den Cercis, die sehr lang sind. Schenkel der Mittelbeine nicht auffallend erweitert. Dornen außen an den vorderen Schenkeln und Tibien (13) schwarzspitzig. Hinterflügel des cT im Analfelde vollkommen hyalin; Vorder- flügel und Costalfeld der Hinterflügel dunkler geädert, die ersteren auch teilweise mit weißen Adern. Oberseite gelb-, rot- oder graubraun; Gliedmaßen, Kopf und Pronotum einfarbig oder mehr weniger dunkel marmoriert, punktiert oder ge- bändert. Innenseite der Vorderbeine vollkommen einfarbig hellgelbbraun. Unterseite des Abdomens einfarbig oder mit zwei Fleckenreihen, die vom Seitenrande und voneinander gleichweit entfernt sind. Diese auf das äquatoriale Ostafrika beschränkte Art liegt mir in drei erwachsenen cfcT (Coli. Br. und Mus. Berlin) und drei erwachsenen 9 9 (Coli. Br. und Mus. Berlin u. Stuttgart) vor, nebst drei cTcf Nymphen und einer 9 Larve. Die Zu- gehörigkeit der letzteren ist zweifelhaft. (-f von Deutsch- Ostafrika (Coli. Br. Nr. 21749) Dimensionen (leg. Reimers) Totallänge 41-5 Pronotum, Länge 9-5 Breite 4 • 6 Elytra, Länge ... 34 • 7 Dimensionen Totallänge Pronotum, Länge » Breite Elytra, Länge . . . 9 von Bondei (Mus. Berlin) (leg. Schmidt) 35 9-8 5 7-5 (^ aus Dar- es-Salaam (Mus. Berlin) (leg. Braozowski) 8-4 4 30 9 von Deutsch- Ostafrika, Küste (leg. C.Weiß) 35-5 9-8 4-7 6-3 (^ vom Tanga- nyikasee (Mus. Berlin) (leg. Böhm) 32 8-4 4-3 29-4 9 von Deutsch- ostafr.(Coll.Br.) (leg. Reimers) 38 9-7 4-6 6-2 15* 214 F. Werner, Prosternum mit großem, schwarzblauem Fleck; Stirn- schild doppelt so breit als lang, mit konvexem Vorder- und konkavem Hinterrand und drei Querbinden. Tarachodes maculisternum Sjöst. Bih. k. Sv. Vet. Akad. Handl., XXV, 4, No. 6, p. 6. Von dieser sehr charakteristischen Art war bisher nur ein cT, das Originalexemplar, bekannt. Durch die Güte des Herrn Oberstudienrates Prof. K. Lampert konnte ich ein 9 des königl. Naturalienkabinettes in Stuttgart untersuchen, welches aber nicht aus Kamerun, sondern aus Oberägypten (Kosseir am Roten Meer, leg. Klunzinger) stammt. Es unter- liegt für mich keinem Zweifel, daß die Art dorthin verschleppt wurde, wie schon das Vorkommen an einem Hafenort wahr- scheinlich macht. Die weißliche Behaarung der Vorderfemora an der Innenseite nahe dem distalen Ende ist durch die dunkle Färbung des Exemplares besonders auffallend. Totallänge 38 mm 40 mm Pronotum, Länge .... 10 » 9 » » Breite .... 5 » 4*5 » Elytra, Länge 10-3 » 29 Oberseite des 9 schwarzgrau, Elytren und die unter ihnen hervorsehenden Spitzen der Hinterflügel dunkelasch- grau, der bedeckte Teil schwarzbraun, Unterseite dunkel gelb- braun. Vertex deutlich gerundet; Clypeus frontalis mit bogigem Vorderrand, breiter als hoch {2- 4: : Vd» mm). Pronotum mit zwei deutlichen kegelförmigen Höckern, seitlich fein gezähnelt; Behaarung des Körpers kurz, weißlich, nur an den Glied- maßen, von welchen das vordere Paar breite, kräftige, die übrigen aber schlanke Femora besitzen, sowie an den Seiten des Pronotums deutlich. Orthoptera Blattaeformia. 215 Tarachodes Gerstäckeri n. sp. Diese Art ist T. fnaculisternum Sjöst. nahe verwandt, jedoch durch die auffallend kürzeren Mittel- und Hinterbeine und das Fehlen der Behaarung des Vorderschenkels bei den drei obersten Tibialdornen, überhaupt durch sehr reduzierte Behaarung leicht zu unterscheiden; sie ist auch etwas kleiner, wenn die Größe des vorliegenden einzigen Exemplares maß- gebend ist. Vordertibien innen und außen mit 12 Kamm- zähnen, aber nur die inneren schwarzspitzig wie die äußeren des Vorderschenkels. Auch diese Art stammt aus Kamerun (Banyana, Nord- kamerun, 200 bis 300 m; leg. Conrau, April bis Mai 1899). Totallänge 35; Pronotum S-2 mm lang, 37 ;;/w breit; Elytren am Ende beschädigt, aber sicher das Abdomen überragend. Von T. Karschii ist die Art durch die unbehaarten Mittel- und Hinterbeine und den kleineren, runden Prosternalfleck zu unterscheiden. Eine noch kleinere Art ist Tarachodes Sjöstedti n. sp. (Taf. III, Fig. 5), welche ebenfalls der T. maculisternum nahesteht, auch, wenig- stens schwach, weiß behaarte Mittel- und Hinterbeine und etwas längere Hinterbeine als vorige Art besitzt, aber ein quergebändertes Stirnschild, vollkommen hyaline Flugorgane (Adern nicht dunkler) und keine schwarzen Spitzen an den Dornen der Vorderschenkel und -schienen; auch fehlt dieser Art wie voriger der behaarte Femoralfleck der Sjöstedt- schen Art. Färbung gleichförmig hellgraugelb, vordere Coxen und Femora innen hellrötlichgelb. Bei genauer Betrachtung (unter der Lupe) findet man die ganze Oberseite des Körpers, auch die Beine, fein rötlich punktiert. Totallänge des einzigen vor- liegenden cf von Chinchoxo (leg. Falkenstein), etwa 30mm, Pronotum 6 • 8 X 2 • 8 mm, Elytren 22-5 mm. Das 9, das ich zu dieser Art rechne, ist etwas größer, rötlichgraubraun, mit einer dunklen, schwarzbraunen, breiten Längsbinde in der Körpermitte, die vom Occiput bis zum Ende 216 F. Werner, des Abdomens hinzieht und etwa das mittlere Drittel des Pro- notums bedeckt; die Seiten des Abdomens mit einer noch breiteren Binde von gleicher Färbung. GHedmaßen außen dunkel punktiert. Vordercoxen innen dunkelbraun; vordere Femora innen rötlichbraun; Stirnschild wie beim cT quer- gebändert. Pronotum seitlich fein gezähnelt, mit einer etwas längeren Spitze an der Übergangsstelle vom Vorder- zum Seitenrande; zwei Höcker hinter dem Vorderrande, zwei größere und stärkere hinter dem Sulcus. Behaarung weiß, kurz, aber deutlich. Totallänge 32, Pronotum 8 • 6 X 3 • 4, Elytrae 6 • 3 mm. Fundort und Sammler wie beim cf. Tarachodes rotundiceps n. sp. Ebenfalls aus der MaaiHsternum-Gruppe, mit großem Kopf, stark gebogenem Kopfgipfel und deutlich berauchten Flugorganen. Färbung der Oberseite dunkelgraubraun, dunkler punktiert. Pronotum bedeutend schmäler als der Kopf, sein bogenförmiger Vorderrand auch im Bogen in den Seitenrand übergehend; sein Hinterrand ebenfalls konvex; an der Er- weiterung über den Coxen ist es ein wenig schmäler als vorn. Vorderbeine innen einfarbig gelbbraun; Elytren und Costal- feld der Hinterflügel mit dunkelbraunen Adern. Stirnschild 2 • 5 : 1- 5 mm, mit Querbinde. Pronotum 8 • 7 X 3 • 7 mm; Elytra 28 mm. Da die Hälfte des Hinterleibes fehlt, so kann die Totallänge höchstens approximativ auf etwa 35 mm angegeben werden. Kamerun (Dr. Kraatz), Coli. Br. Cat. Nr. 21415. Ein ö". Nach Beschreibung des J hatte ich auch noch Gelegen- heit, 299 unter den Inserenden der Coli. Br. aus Deutsch- Kamerun (Mundame, leg. Rhode) aufzufinden, welche sich durch den großen breiten Kopf mit stark konvexem Vertex sofort als zu dieser Art gehörig erkennen lassen. Stirnschild 3 : 2 nwi, mit dunklem Querband. Pronotum mit einem Paar deutlicher, dicht nebeneinander stehender kegelförmiger Höcker, seitlich fein gezähnelt, vorn nicht breiter als an der supra- coxalen Erweiterung. Vordere Femora und Tibien platt, unten hellgelbbräunlich, oben wie die ganze Oberseite hellgraubraun, Orthopf era Blatfaeformia. 217 aber nicht einfarbig, sondern dunkel dicht getüpfelt. Prosternum mit großem, blauschwarzem Fleck wie beim cf . Abdomen mit fünf wenig hervortretenden Längsreihen von Längsrunzeln, die medianen kielartig entwickelt. Mittel- und Hinterbeine behaart, ebenso die langen Cerci, äußere Tibialdornen 10; Vorder- und Hinterrand des Pronotums mehr weniger deutlich auf- geworfen. Dimensionen: Totallänge 40' 5 mm 40 mm Pronotum, Länge 10 "8 » 10*5 » » Breite 5 » 4*6 » Elytren 7 » 7*3 » Cerci 10 » Tarachodes minima n. sp. Diese, wie der Name schon andeuten soll, kleinste Art der ganzen Gattung (Pronotum 5 mm lang, 2 mm breit; Elytra 20 mm lang; Abdomen des einzigen Exemplares, eines cf, defekt) ist durch wenig konvexen, aber von vorn nach hinten stark abgerundeten Scheitel, deutlich verbreiterte (gegen doppelt so breit als lang) Stirnplatte ohne Ouerbinde, mit stumpf- winkeligem oberen und geradem unteren Rande, die innen ein- farbig hellgelbbraunen Vorderbeine, den dunklen Längsstrich des Prosternums, die unbehaarten, gelbbraunen Mittel- und Hinterbeine und die hyalinen, braun geäderten Flugorgane charakterisiert. Fundort: Deutsch-Süd vvestafrika (Mus. Wien). Untergattung Galepsus Stäl (Lygdamia Sauss.). Aus dieser Untergattung sind bisher bekannt: Galepsus temiis Stäl (Bih. K. Sv. Ak. Handl. Bd. 4, Nr. 10, 1876, p. 17). Galepsus modestus G e r s t. (Tarachodes) (Arch. Naturg. 1 869, p. 209). Galepsus capitatus Sauss. (Chiropacha) (Mel. Orth. IIL, p. 166, Fig. 2). Galepsus meridionalis Sauss. (Chiropacha) (ibid. p. 10, Fig. 19). 218 F.Werner, Galepsus lenticularis Sauss. (Chiropacha) (ibid. IV., p. 11, Fig. 18). Galepsus modestior Schulth. (Tarachodes) (Ann. Mus. Genova 1898, p. 173). Von diesen Arten kenne ich G. modestior und teniiis nicht aus'eigener Anschauung. Letztere scheint mir nur im 9 bei<;annt zu sein und soll keine Hinterflügel besitzen. Die in der Coli. Brunner befindlichen Exemplare einer Galepsus- Art, die V. Brunn in die Nähe von modestior Schulth. stellt, gehören sicherlich nicht hieher, weil die Flugorgane die Spitze des Hinterleibes bei weitem nicht erreichen, bei modestior aber weit überragen sollen. G. lenticularis Sauss. Von dieser Art (siehe auch p. 226) habe ich zwei cTcf gesehen. Die Cerci sind sehr lang (ß-?,mm bei 32-5 w//^ Totallänge), namentlich die Endglieder, und diese außen der Länge nach gekielt. Die Vordercoxen sind innen schwarz, was in dieser Untergattung nur noch bei G. dispar, und zwar nur beim 9 vorkommt. Die Adern der Flugorgane sind nicht dunkel, die Färbung im übrigen eintönig ockergelb oder lehmgelb; Prosternum mit dunkler Querlinie vor dem Hinterrande; das Stirnschildchen trapezförmig, etwa eben so hoch wie breit, die Vorderschenkel weniger breit als bei den Tarachodes-Arten s. Str. — Ein 9 von Transvaal wird von Stäl (1. c.) angeführt. Dimensionen: Totallänge 32-5 bis 43; Pronotum 8-4 bis 9 mm lang, 2*8 bis 3 mm breit; Elytren 25*5 bis 27. G. meridionalis Sauss. Dieses ist die bei weitem schwierigste, weil veränder- lichste Art der ganzen Gruppe, bald G. capitatus, bald G. lati- ceps sich annähernd. Durch den sehr schwach gebogenen Vertex und die schmalen Vorderschenkel ist sie im allgemeinen von letzterer, durch das erstere Merkmal und das kürzere End- glied der Cerci von ersterer zu unterscheiden. Innerhalb der Art aber finden wir die mannigfachsten Formen, bald solche mit schmalem Kopf (ähnlich capitatus), bald mit breiterem; Orthoptera Blaüaeformia. ^1" bald mit schmäleren, bald mit breiteren Vorderschenkeln, und auch das Verhältnis von Höhe zur Breite des Clypeus ist sehr veränderlich. Durch die innenseits dunkel gefleckten Vorder- schenkel des 9 und das (wie freilich bei allen Galepsiis) höckerlose Pronotum nähert sich diese Art auch der Unter- gattung Ariusa, speziell der A. coiispersa Stäl; ja auch G. tenuis Stäl dürfte in die nächste Verwandtschaft dieser Art gehören. Alle cTcf, die ich gesehen habe, besitzen innenseits ein- farbig gelbbraune Vorderbeine, alle 9 9 innenseits schwarz gezeichnete Vorderschenkel. Ursprünglich aus Südafrika (Port Natal) beschrieben, scheint sie über ganz Südost-, Süd- und Südwestafrika verbreitet zu sein; während . aber die ebenso verbreitete TaracJiodes maura so gut wie gar nicht variiert, finden wir in den verschiedenen Gebieten sehr verschieden aussehende Formen. Gemeinsame Charaktere außer den vor- erwähnten Färbungsmerkmalen wären noch: der lange dunkle Prosternalfleck, die relativ kurzen (5 • 2 mm) Cerci, deren End- glieder auch relativ kurz, gewöhnlich nicht mehr als zweimal so lang wie breit sind (sowohl bei lenticularis als capitaUis etwa dreimal so lang wie breit). Bei G. modeshts ist das End- glied der 4-3 mm langen Cerci etwa IVg-, bei dispar das End- glied der 6-7 bis 7-6 mm langen Cerci gegen doppelt so lang wie breit. Die Stirnplatte ist ebenso lang bis fast doppelt so breit wie lang, rechteckig bis schwach trapezförmig, mit abge- stutzten oder scharfen Vorderecken. Färbung gelblich (steppen- farbig) bis düster graubraun. Ich gebe nun nachstehend die Beschreibung der Exem- plare aus den verschiedenen Gebieten. I. Forma typica (Port Natal). d^ ö^ 9 9 Totallänge 34 31 32 30 Pronotum, Länge 7-8 8 8-6 8*4 Breite 3 3 3-6 3-6 Elytra, Länge 24-3 26-4 6-4 6-7 Kopf deutlich breiter als das Pronotum; Clypeus etwa um die Hälfte breiter als hoch, die Vorderecken sehr flach abge- 220 F. Werner, Stutzt. Färbung schmutzig gelbbraun mit wenigen dunklen symmetrischen Flecken auf Occiput und Pronotum. Flügel- adern des cT dunkel. Hier schließt sich an ein cf aus Damaraland (Coli. Br. Nr. 16723, leg. Dr. H. Schinz; Totallänge 32, Pronotum 6-7X2-7, Elytren 23-5). Von der Kopfzeichnung der vorigen Form ist ein dunkler Punkt jederseits zwischen dem Auge und der Occipitalfurche sehr deutlich. Ctypeus fast doppelt so lang als breit, mit deutlich abgestutzten Vorderecken. Pronotum und Außenseite der Vorderschenkel (die etwas breiter sind als beim Typus) graubraun, dunkler punktiert. Vertex mehr gebogen als beim Typus, was vielleicht auf Deformation durch Quetschung zurückzuführen ist. Gliedmaßen sonst wie beim Typus spärlich punktiert. Diese Art wird von Schulthess mit G. modestiis verglichen (Zool. Jahrb. Syst. VIII, p. 69). II. Kilimandjaro-Form. Es liegt nur ein 9 (zwischen Taveta und Meru, leg. Höhnel, Coli. Br. Nr. 18004) und ein cf (Kilima- ndjaro, leg. Baumann; Mus. Wien) vor; beide sind defekt (hintere Hälfte des Abdomens fehlt; 9 Pronotum 6'2X2-6; Elytren A-Qnim). Kopf breit wie beim Typus, Clypeus fast doppelt so lang wie breit, mit kaum abgestutzten Vorderecken. Färbung düster, Oberseite fein dunkel punktiert, auch die feinen Seitenzähnchen des Pronotums, welches eine undeut- liche, breite, dunkle Mittellängsbinde besitzt. Vorderfemora innen mit schwarzen Längslinien, vordere Coxen innen schwarz. cf Pronotum 5 •9x2-4, Elytren 15- 4 mm. Clypeus P/gmal so breit wie lang. Färbung schmutzig gelbbraun. Vorderbeine innen einfarbig. Sonst wie das \mm. Außer diesen Arten bin ich noch in der Lage folgende zu beschreiben: G. (Achlaena) Kuhlgatzi n. sp. (Taf. II, Fig. 8, 8ö). Wenn man Galepsus (was ich durchaus nicht befür- worten möchte) als besondere Gattung beibehält, so muß diese Art hier verbleiben, andernfalls aber besteht die Frage, wie das Pronotum des 9 aussieht (mir liegen nur 3 cfcf vor) und ob die Form des 9 Pronotums wichtiger ist als die des Vertex beider Geschlechter. Mir erscheint das Merkmal, welches beiden Geschlechtern zukommt, als das wesentlichere und daher würde ich die Zurechnung der Art zu Achlaena beantragen, trotz der geringen Dimensionen und des Galepsus- artigen Habitus. 224 F. Werner, Kopfgipfel nach einwärts von den Längsfurchen des Occi- put in zwei kurze, abgerundete, aber sehr deutliche Höcker ausgehend, dazwischen abgerundet. Stirnplatte etwas breiter als hoch, mit abgerundeten oberen Ecken. Pronotum glatt, konvex, der konvexe Vorderrand im Bogen in den Seitenrand übergehend, dieser über den Coxen wenig erweitert, dahinter etwas eingezogen, Hinterrand konvex. Mittel- und Hinterbeine schlank, Elytren etwas beraucht, die Hinterleibspitze über- ragend oder eben erreichend. Hinterflügel beraucht, im Anal- feld etwas dunkler gefleckt. Cerci bei allen drei Exemplaren abgebrochen, aber wie man sicher sagen kann, lang. Dornen an den Vordertibien außen 12. Färbung graubraun. Dimensionen: Totallänge 29-5 29-5 29-5 Pronotum, Länge 6 6-4 5-7 » Breite 2-2 2-2 2*2 Elytra, Länge 21-2 23 21-2 Deutsch -Ostafrika (2 oV Mus. Berlin; 1 ö" Nat. Kab. Stuttgart). G. dispar n. sp. Dem G. modeshis sehr ähnlich, aber cf mit kürzeren Flug- organen, 9 mit innen schwarzen vorderen Coxen (nur noch bei lenticularis in der Gruppe, und zwar beim cf) und bei beiden Geschlechtern die Cerci viel länger, das letzte Glied gut dreimal so lang wie breit und alle drei letzten der Länge nach (auf der Innenfläche) gekielt; Elytren des cT mit dunkleren Adern, so wie vorige Art, die Hinterflügel beraucht. Prosternum mit zwei Flecken. Dimensionen: 7, p G. modestus > , cT (in Coli. Br., Nr. 20972) Totallänge 31 34 35 Pronotum, Länge 7-5 8-5 9 » Breite 4 3'8 4-3 Elytra, Länge 22-5 17-8 7 Cerci, Länge ! 4-3 6-7 7-6 Orthoptera Blattaeformia. 22o Von weiteren Exemplaren habe ich untersucht: 1 cT Baga- moyo, Dr. Steudel, Dezember 1892 (Mus. Berlin); 1 9, Deutschostafrika (leg. Manow, Coli, m.); 1 9 Bagamoyo, leg. Steudel 1891 (Nat. Kab. Stuttgart). Von allen ist das 9 meiner Sammlung das größte (40 mm). Die Art ist an der schwarzen Innenseite der Coxen sehr leicht zu erkennen; von lenticularis unterscheidet sie die Form des Kopfes und die Kürze des Pro- notums (wenig über doppelt so lang wie breit, bei lenticularis dreimal so lang wie breit) sowie die Kürze der Flugorgane des cf ebenfalls ohne Schwierigkeit. Dispositio specierum subgeneris Galepsus. Marcs. 1. Vertex bituberculatus G. Knhlgatzi Wem. Vertex tuberculis prominentibus nullis 2 2. Elytra et alae abdomine multo breviores: (Alae distincte infuscatae; segmentum ultimum cercorum praecedenti duplo longius) G. dispar Wern. Elytra et alae abdominis apicem fere aut perfecte attin- gentes aut superantes 3 3. Coxae anticae intus nigrae; vertex utrinque distincte incisus (ultimum segmentum cercorum praecedenti triplo longius) G. lenticularis Sauss. Coxae anticae plerumque intus flavescentes; vertex haud incisus 4 4. Vertex valde rotundatus, caput latum (segm. ult. cerc. praec. dimidio longius) G. laticeps Wern. Vertex parum rotundatus aut truncatus 5 5. Elytra et alae apicem abdominis valde superantia .... . . . G. modestior S c h u 1 1 h. Elytra et alae apicem abdominis parum superantia aut breviores ö 6. Vertex truncatus G. capitatus Wern. Vertex parum convexus , .... 7 7. Pronotum latitudine plus quam duplo longius . . . G. meridioiialis Sauss. Pronotum latitudine minus quam duplo longius . . . G. niodestus Gerst. 226 F. Werner, Feminae. 1. Alae haud distinctae G. teniiis Stäl Alae distincte expli'catae 2 2. Vertex bituberculatus (G. Kuklgatzi Wem.) Vertex tuberculis prominentibus nuUis 3 3. Coxae anticae intus nigrae 4 Coxae anticae intus flavescentes 5 4. Vertex latus, haud incisus G. dispar Wem. Vertex angustus, utrinque distincte incisus . . .(G. lenticularis Sauss.) 5. Caput latum, Vertex distincte rotundatus . . .(G. laticeps Wern.) 6. Vertex parum rotundatus aut truncatus 6 Vertex parum rotundatus G. meridionalis Sauss. Vertex distincte truncatus G. capitatus Sauss. Wenn icli die Galepsiis-F ovmen hier separat behandelt habe, so geschieht dies nur mit Rücksicht auf die von den meisten Autoren befürwortete Trennung. Denn es gibt kein einziges Merkmal, um die Arten dieser Untergattung mit Sicherheit von den übrigen abzutrennen. Das höckerlose Pro- notum findet sich auch bei Ariusa, zu welcher meridionalis einen kompletten Übergang bildet; der Cl3^peus ist ebenfalls bei dieser Art mitunter breiter als lang und wenn er auch niemals quergebändert ist, so fehlt ein Querband doch auch bei echten Tarachodes-Arten {maculisternum z. B.); die Länge des Pronotums, im Durchschnitt wohl größer als bei den echten Tarachodes-Arten, nähert sich doch in gewissen Formen sehr (G. modesttis) den niedrigsten Zahlen, die bei Taracliodes s. Str. angetroffen werden. G. Kuhlgatzi weist auf die Unter- gattung Achlaena hin. Von den vorerwähnten 32 Tarachodes- Arten sind die folgenden fünf der Fauna des Sudan zuzurechnen, von welchen drei zu Taracliodes s. str. und zwei zur Untergattung Galepsiis gehören. Orthoptera Blatiaeformia. ^^ ' Tarachodes Stäl. 5. bis 7. T. gilva Charp., T. obtusiceps Stäl und T. maura Stäl. Soweit ich in der Literatur und in den mir zugänglichen Museen und Sammlungen erfahren konnte, kommen im ägyp- tischen Sudan keine andern als diese drei Tarachodes-Avten vor und sicherlich sind sie nichts weniger als häufig. Ich habe nur ein einziges Exemplar von T. obtusiceps bei Renk am 6. Februar 1905 gefangen, welches im Grase dahinlief, glaube aber nicht, daß dies der gewöhnliche Aufenthalt dieser Manto- deen ist, sondern daß sie, worauf die Färbung aller Arten hindeutet, Rindenbewohner sind, wie Elaea marchali, Oxy- pihis annulatus und die nahe verwandte Tarachina, wovon ich das 9 ja auch wirklich an einem Akazienstrunk fing. Galepsus Stäl (Lygdamia Sauss). 8. G. capitatus (Sauss.) 1870. Saussure, Mel. Orth., III, 1870, p. 166, Taf. IV, Fig. 2 (Chiropacha). Stäl, Bih. k. Sv. Vet. Ak. Handl., Bd. 4, Nr. 10, 1876, p. 17. Nicht selten im südlichen Bahr-el-Gebel-Gebiete (Mon- galla, Gondokoro); am 2. März das erste erwachsene Exem- plar (cT) gefunden. Im dürren Steppengrase, dessen Färbung das Tier auch trägt. Pronotum gewöhnlich mit dunkler, medianer Längslinie. Elytren kürzer als die Hinterflügel (auch bei lenti- cularis). Auch in Sennaar (Saussure), wo sie auch Capt. Fl o wer 1906 in einem cf wieder auffand. Ich habe nur ein einziges 9 gefunden. 9. G. lenticularis (Sauss.) 1872. Saussure, Mel. Orth., IV, 1872, p. 11, Taf. IX, Fig. 18, cf (Chiropacha). Stäl, Bih. k. Sv. Vet. Ak. Handl., Bd. 4, Nr. 10, 1876, p. 17, ?. Ursprünglich aus Natal beschrieben, von Stäl aus Trans- vaal erwähnt. Liegt mir in je einem Exemplar vom Gazellen- flusse (Mus. Stuttgart, leg. Schweinfurth) und von Roseires am Blauen Nil (Coli, m.) vor; beide sind cf cf. Die Innenseite Siizb. d. mathem.-naturw. KL; CXVI. Bd., Abt. I. ^^ 228 F. Werner, der vorderen Coxen und Femora ist schwarz. Diese Art ist größer als die vorige. Die Ansicht Kirby's (Synon. Cat. Orthopt., I, p. 217), daß diese Art synonym mit L. meridionalis Sauss. sei, ist ganz unbegründet. Paroxyophthalmus W. Mason. 10. P. collaris (Sauss.) 1872. Saussure, Mel. Orth., IV, p. 14, Taf. IX, Fig. 17 (Oxyophthalmtis). Wo od- Mason, Cant. Mant., p. 38 (Paroxyophthalmus). Sennaar (Saussure). Da junge Larven von L. capitata sehr ähnlich dieser Art sind, so kann ich nicht mit Sicherheit angeben, ob sie sich nicht etwa auch in Mongalla und Gondo- koro findet. Ich möchte diese Gattung lieber hieher stellen als zu den Mantidae. Pyrgomantis Ger st. II. P. septentrionalis n. sp. (Taf. I, Fig. 5). Capite minus prolongato quam in P. singulari Gerst, verticis processu subtus haud carinato apice nigromarginato, pronoto lateribus parallelis, integris, elytris alisque ^ apice nigromaculatis, pedibus unicoloribus. Diese merkwürdige Mantide ist bei Mongalla und Gondo- koro nicht selten, doch fing ich vorwiegend Larven. Sie leben auf dem Boden und bewegen sich wegen ihrer langgestreckten Körpergestalt und ihrer relativ kurzen Beine schlängelnd wie eine Eidechse. Die Färbung ist hellbräunlichgelb, der des dürren Steppengrases äußerst ähnlich; doch findet man aus- nahmsweise, nämlich bei Mongalla, an einer Stelle, wo das Gras verbrannt und geschwärzt ist, neben schwarzen Exem- plaren von Acrotylus patmelis und Cosmorhyssa fasciata auch solche schwärzliche Pyrgomantis -Larven. Imagines fanden sich erst von der zweiten Hälfte des März an. Dimensionen: d" 9 Totallänge (ohne Cerci) ... 38 • 5 mm 45 mm Kopflänge 8 10-2 Orthoptera Blattaeformia. 229 cf 9 Kopf breite 3 ftini 3 • 1 mm Pronotum, Länge 7*8 8*7 Breite 2 3 Elytren, Länge 20 5-2 Die Art findet sich auch in den Bogosländern, wie ein Exemplar der Coli. Brunn er beweist. Färbung gelbbraun, Pronotum oft mit dunklerer medianer Längslinie. Flugorgane des cf hyalin, ganz schwach gelblich gefärbt. Durch die kürzeren, unterseits der scharfen medianen Längsleiste entbehrenden Kopffortsatz und die nicht punk- tierten Mittel- und Hinterbeine läßt sich diese Art auch im Larvenzustande von der folgenden unterscheiden. 12. P. singularis Ger st. Gerstäcker, Arch. f. Naturg., 1869, Bd. 35, p. 211, und in: C. v. d. Decken, Reisen Ostafrika, III, 2, 1873, p. 18, Taf. I, Fig. 8, %b. Saussure, Bull. Suisse, III, p. 233, und Mel. Orth., III, p. 325 (singularis), und III. SuppL, p. 396, Taf. VII, Fig. 37 (nasuta). Westwood, Rev. Mant., Taf. 14, Fig. 4 (rf) und 5 (9). Liegt mir nur in drei jungen Larven aus Gondokoro vor, wo also drei von den vier bekannten Arten nebeneinander leben. Die vierte {P. jonesii Kirby), welche wie P. septen- trionalis einen kürzeren Kopffortsatz besitzt, aber sich durch berauchte Hinterflügel von ihr unterscheidet, lebt in Westafrika. 13. P. mabuia n. sp. (Taf. I, Fig. 4, 4a). Major, processu capitis (ab occipite ad apicem) longi- tudem pronoti superanti, apice rotundato. Elytra 9 atrofusca. Frons inter ocula a clypeo ad insertiones antennarum nigro- bivittatum, vittas antrorsum convergentes. Supra olivaceus, cerci rufescentes, pedes flavi. Processus capitis apice subtus niger, abdomen subtus flavescens, sparse nigro-punctatum. 16* Zoü F. Werner, in P. septen- trionali ^ Long, tot 68 mm (cercis omissis) 45 mm Processus cap 13'7» 7-8» Pronotum 11-5» 8 • 7 » Elytra 6'3» 5-0» Femora antica 8-5 » 6*2 » Cerci Gondokoro, 17. März 1905. Diese große Art, die größte der Gattung, fand ich er- wachsen nur in einem 9 am Fuße eines der Hügel, welche etwa vier Wegstunden südlich von Gondokoro liegen. Wegen der gestreckten Gestalt ist diese Art im Laufe noch mehr zur schlängelnden Bewegung des Körpers veranlagt; darauf bezieht sich auch der gewählte Artname (Mabnia ist die häufigste Eidechsengattung des Gebietes). Elaea Stäl. 14. E. Marchali (Coquerel, Reiche&Fairmaire) (Taf. II, Fig. 4). Ferret und Galinier, Voyage en Abessynie III, 1847, p. 421, Taf. 27, Fio-. .'S (9> Eremiaphila). Saussure, Mel. Orth., III. Suppl., 1871, p. 372 (9, Eremiaphila). Werner, Sitz. Ber. Akad. Wiss. Wien, CXIV, 1, 1905, p. 405 {^ , Eremiaphila). Saussure, Mel. Orth., III, 1870, p. 169 {^, Humbertiella perloiäes). Stäl, Syst. Mant., 1876, p. 48 (^f, Elaea perloiäes). Schulthess, Ann. Mus. Genova (2), XIX, 1898, p. 170 (ö" ? , Elaea somalica). Rehn, Proc. Acad. Philadelphia 1901, p. 280 (somalica). Diese Art hat in ihren beiden Geschlechtern, wie man aus vorstehender Synonymie ersieht, gar mancherlei Schicksale erlebt. Das 9 wurde als Eremiaphila beschrieben und da mir die Art in natura bei meiner Revision dieser Gattung nicht vorlag, so nahm ich keinen Anstand, sie darin zu belassen. Erst nach meiner Rückkehr aus dem Sudan fiel mir die außer- ordentliche Ähnlichkeit der in der »Voyage en Abessynie« abgebildeten y Eremiaphila« mit einer im Sudan weit ver- breiteten, aber baumlebenden Mantide auf und da sie bei Orfhoptera Blaitaeforntia. - . . 2 Long, pronoti 16 Lat. » 2 Long. fem. antic 11 » » intermed. . . 3 » » postic 5 » tib. antic 8 » » intermed. . . 3 » » postic 6 Mongalla, 2. März 1905. 1 9, Nymphe. Diese Mantide ist durch ihre ganz abweichende Lebens- weise ausgezeichnet. Während nämlich die übrigen mir lebend untergekommenen Arten sich als gewandte Läufer erweisen, ist Calamothespis, welche in dem verbrannten Ufergras des Bahr-el-Gebel gefunden wurde, ein Klettertier, welches mit seinen kurzen Mittel- und Hinterbeinen Grashalme umklam- mert und sich ziemlich flink an ihnen bewegt. Die Färbung gleicht täuschend der eines halbverbrannten Grasstengels. Ich fand nur das eine Exemplar, dessen schwarzbraune Flügel- stummel leider nur ein Nymphenstadium andeuten. Ich glaube, daß Calamothespis ebenso wie Compsothespis den Mantiden und nicht den Orthoderiden zuzurechnen ist. Orthoptcra Blattaeforviia. 239 Hoplocorypha Stäl. 23. H, galeata Gerst. Gerstäcker, Arch. f. Naturg. XXXV, p. 210 (1870); v. d. Decken, Reisen in Ostafrika, Ins., p. 16 (1873) (Mantis galeata). Stäl, Öfv. Vet. Ak. Förh. XXVIII, 1872, p. 388 (macra). Im Steppengrase bei Khor Attar und Gondokoro, am 19. Februar am ersteren Orte bereits ein erwachsenes cf, aber niemals ein erwachsenes 9 gefunden. Das cf ist grau- braun, seine Elytren tragen einen sehr deutlichen weißen, nach innen schwarzbraun begrenzten Vorderrandstreifen und sind entweder schwach beraucht, mit feinen, dunklen Punkten oder dunkler rauchgrau. Pronotum bei einer cf Larve dunkel punk- tiert, ebenso auch Scheitel und vordere Femora. Das 9 wird viel größer und besitzt, wenn erwachsen, wahrscheinlich nur FlügehTidimente; ich habe unter zahh^eichen Exemplaren aus dem ganzen tropischen Afrika keines gesehen, welches über das Nymphenstadium hinausgekommen wäre. Die Färbung ist die des dürren Steppengrases, mit einer dunkel- braunen Mittellinie vom Vorderrande des Mesonotum bis zur Supraanalplatte. Die Tergite der mittleren Abdominalsegmente haben am Hinterrand einen kleinen, medianen, etwas ab- stehenden Lappen. Dimensionen: cT 35'5i;n;?, 9 50- 5 mm. Ich kann zwischen dieser Art und H. macra Stäl keinen Unterschied finden. Miomantis Sauss. (Caltdomantis Rehn.). 24. M. Savignyi Sauss. Savigny, Taf. I, Fig. 15 {(f); Krauss, p. 237. Saussure, Mel. Orth. IV, p. 69, Taf. VIII, Fig. 15 (9); Analecta, I, p. 190. Westwood, Rev. Mant., p. 37, Taf. X, Fig. 1 (9). Werner, Sitzungsber. Akad. Wiss. Wien, CXIV, I, 1905, p. 409. Diese Art, aus Sennaar von Saussure erwähnt, habe ich im Sudan nirgends angetroffen. Es ist mir nicht ganz klar, ob 240 F. Werner, nicht etwa nur eine der beiden Arten daselbst vorkommt, be- ziehungsweise ob nicht Saussure die pharaonica aus Sennaar früher für Savignyi gehalten hat. 25. M. pharaonica Sauss. Saussure, Analecta Entomologica, I, p. 193 (Rev. Suisse Zool. V, 1898). Ein cf flog am 28. Februar 1905 bei der Station Bor (Bahr- el-Gebel) auf den Dampfer zum elektrischen Licht, welches auch andere Orthopteren (Pseudorhynchus hastifer, namentlich aber Grillen) anlockte. Diese Art ist außerdem aus Ägypten und Sennaar bekannt. In Ägypten kommt sie neben der vorigen Art vor, von welcher sie die dunklen Punkte an den vorderen Coxen und Schenkeln und die einfarbigen Hinterflügel des 9 unterscheiden. Außerdem liegt mir noch eine Mioinantis-]>iy mphe aus Gondokoro vor, welche sich durch ihre Zeichnung auffällig von den mir bekannten Arten unterscheidet. Das Pronotum, welches hellgraubraun ist, besitzt einen schmalen, weißen, medianwärts dunkelbraun gesäumten Seitenrand; das gelbbraune Abdomen ist symmetrisch schwarzbraun gezeichnet. Die vorderen Femora tragen an der Außenfläche drei dunkelbraune Längs- flecke hintereinander, innen aber drei weit voneinander ab- stehende kleine dunkle Punkte. Anlagen der Flugorgane fein dunkelpunktiert, ebenso die mittleren und hinteren Femora, die am Apex außen dunkel gefärbt sind. Ischnomantis Stäl. 26. I. attarensis n. sp. (Taf. I, Fig. 2). Differt ab I. spinigera Schulth., cui proxima est, fronte stramineo, marginibus lateralibus pronoti cT etiam pone sulcum transversum nigro denticulis, tibiis anticis subtus etiam basi spinis armatae, prosterno pone coxas nigromaculato, coxis anticis intus bimaculatis. Flavescens. Caput transversum, pronotum multo latius. Oculi valde prominuli, globosi, fusco-fasciati. Antennae flaves- centes, prothorace breviores. Pronotum laeve, subtiliter fusco- Orthoptera Blattaeformia. 241 punctatum margine tota denticulatum, denticulis in parte post- eriore pronoti nigris. Pronotum pone dilatationem supracoxalem constrictum, antrorsum attenuatum, acute trianguläre, margine anteriore rotundato, carina media a metanoto ad pronotum currente nigra ante sulcum transversum in sulcum longitudi- nalem transiente. Abdomen supra fuscopunctatum et macula- tum, punctis lineolas longitudinales formantibus. Coxae anticae intus granulatae carina inferiore spinulosa (inter duos spinas maiores duos minores) carina superiore spinis maioribus decem armatae; femora antica extus 5-, tibiae 10-spinosae. Tibiae intus rufofuscae. Abdomen subtus flavum, nigro adspersum. Long, totalis 70 mm. » pronoti 20 Lat. » 3-7 Long, coxarum anticorum . . 11 » femorum 14 » tibiarum 6*3 » fem. postic 22 Khor Attar, Februar 1905, 1 9 Larve im dürren Grase ge- fangen. Gleicht sehr /. media Rehn von Gallaland, welche aber ein kürzeres Pronotum besitzt und größere Dimensionen erreicht. Solygia Stäl. 27. S, sulcatifrons Serv. (Taf. I, Fig. 1, \a). Serville, Orthopt, p. 171, I (1839), (Thespis). Stäl, Syst. Mant., p. 32, 54 (1876). Diese meines Wissens bisher nur vom Kap bekannte Art ist im Sudan anscheinend weit verbreitet und fand ich Larven bei Melut und Khor Attar am Weißen Nil und Doleib Hill am Sobat. Eine große Larve, beziehungsweise Nymphe von Khor Attar hielt ich gegen sechs Wochen im Kätig, bis sie auf der Heimreise von Gondokoro auf dem Dampfer von Ameisen (Monomorium) aufgefressen wurde. Sie verzehrte in dieser Zeit eine große Menge von Heuschrecken, entwickelte sich aber nicht weiter. 242 F. Werner, Von den Exemplaren der Coli. Brunner unterscheiden sich- die sudanesischen nur durch die lichtere Färbung des Prosternums. Sie leben im dürren Steppengras und laufen sehr behend. Die Färbung ist einförmig gelblichweiß oder lachs- farbig. Mein größtes Exemplar (von Melut) mißt 93 mm (inklu- sive der Lamina supraanalis). Von den Larven der Tenodera- Arten, mit denen sie zusammenleben und denen sie sehr ähn- lich sind, unterscheiden sich die SoIygia-ho.rMen durch den breiteren Kopf mit mehr vorquellenden Augen, die stark quer- geriefte Stirn und die lange, gekielte und zugespitzte Supra- analplatte sehr leicht. Kapt. Flower fand ein erwachsenes cf am Blauen Nil im Juni 1906. 28. S, grandis (Sauss.). Saussure, Mel. Orth. III, 1870, p. 190 (Phasmomantis), und III, Suppl. 1871, p. 424 (Fischeria). Werner, Jahresb. Württ. Ver. f. Naturk. 1906, p. 370 (Ischnomantis) . Diese große, bisher erst aus Westafrika bekannte Mantide liegt mir in einem 9 {\\<6mm ohne Lam. supr.) vom Gazellen- fluß (leg. Schweinfurth) aus dem kgl. Naturalienkabinett in Stuttgart vor. Nach der Skulptur der Stirn und der Form der Vorderschenkel scheint es mir am besten, sie in die Gattung SoJygia zu stellen; von 5. 5«/ca///rows unterscheidet sie sich durch den höheren Kopf und die bedeutendere Größe. Es bleiben demnach in der Gattung Ischnomantis von den von mir (p. 371) unterschiedenen Arten nur drei übrig, die im imaginalen Zustande bekannt sind, während von /. media Rehn und attarensis Wern. nur Larven beschrieben wurden. Die Unterscheidung der obigen drei Arten, welche durch- wegs einen Supracoxalstachel besitzen, der demnach als wesentliches Merkmal der Gattung Ischnomantis er- scheint, würde nunmehr auf folgende Weise geschehen können: 1. Kein großer, gelblichweißer Fleck vor der Hinterflügel- spitze; Kostalrand der Vorderflügel hell. . ./. gigas Sauss. Ein großer, gelblichweißer Fleck vor der Spitze des Hinter- flügels, der von der hyalinen Flügelspitze durch einen großen, braunen Fleck getrennt ist 2. Orthoptera Blattaeformia. -^43 2. Flügel das Ende des Abdomens überragend . . . I. fatiloqtia Stäl Flügel die Hinterleibspitze nicht erreichend . . ./. spiniger a Schulth. Leptocola Ger st. 29. L. giraffa Kars eh. Karsch, Berl. ent. Zeitschr. XXX, 1894, p. 276. Sjöstedt, Bih. k. Svenska Vet. Ak. Handl. XXV, 1, 1890, p. 17. Werner, Jahresb. Württ. Yer. f. Naturk. 1906, p. 371. Ich besitze in meiner Sammlung eine Larve dieser Art aus Roseires am Blauen Nil. Die Art ist demnach sowohl in West- afrika als im Sudan verbreitet; auf meiner Reise habe ich sie, das eine Extrem der afrikanischen Mantidenformen ebenso- wenig wie das andere, das blattförmige Idolum, auffinden können. Das Vorkommen gewisser Tierformen in Westafrika, in der Berberei und im Sudan, nicht aber in Ägypten, ist höchst bemerkenswert. Als Beispiele mögen nur Oxythespis sene- galensis, die Vatiden, Idolomorpha unter den Orthopteren, Bitis arietans (Marokko), Leptodira hotamhoiea (Tripolis) unter den Reptilien hervorgehoben werden. Es mag dieses Vor- kommen darauf hinweisen, daß das Gebiet zwischen Nordwest- afrika, Senegambien und Togo früher tropische oder sub- tropische Vegetation besessen hat und eine ungehinderte Aus- breitung tropischer Formen nach Norden gestattete, während in Ägypten eine Ausbreitung der Sudanfauna nach Norden infolge der in Nubien stellenweise völlig fehlenden Ufervegeta- tion kaum für einige Reptilien (Naia nigricollis, DasypelHs scahra, Mahtiia quinqtietaeitiata, Varanus niloticus) und Batrachier (Rana mascareniensis, Bufo regularis) möglich war. IV. Harpagidae. Oxypila Serv. 30. O. annulata Serv. Serville, Orthopt, p. 156, Taf. 3, Fig. 5. Burmeister, Handb., II, p. 526. Von dieser Art, die vom Senegal und Somaliland bekannt ist, fand ich eine junge Larve an einem Akazienstrunk bei Sitzb. d. mathem.-naturw. KI. ; CXVI. Bd., Abt. I. «b 244 F. Werner, Gondokoro, wo auch Elaea Marchali und noch eine dritte Mantide (Tarachina) lebte. Alle drei waren von der grauen Rindenfärbung der Akazie nicht zu unterscheiden und die kleine Oxypila wäre, wenn sie sich nicht bewegt hätte, wohl unentdeckt gebheben; wie so viele andere Mantodeenlarven trägt sie das Abdomen nach aufwärts geschlagen, dessen grell weiß-schwarz gebänderte Unterseite dadurch sehr auffällig ist. 31. O. brunneriana Sauss. Saussure, Mel. Orth. III, 1870, p. 818. Nubien (Saussure) — Nicht gesehen. Pseudocreobotra Sauss. 32. P. Wahlbergi Stäl. Stäl, Öfv. Vet. Ak. Förh. 1872, p. 385. Sjöstedt, Bih. K. Sv. Vet. Ak. Handl. Bd. 25, Afd. IV, Nr. 6, p. 19. Ich beziehe diesen Namen auf eine große Fseiidocreobotra- Larve, die ich im Museum des Gordon-College in Khartoum sah; sie könnte wohl auch zu P. amarae Rehn gehören, da aber obige Art bereits in Uganda gefunden wurde, so zweifle ich nicht daran, daß diese Larve hieher gehört. Übrigens kann ich kein Merkmal von Belang auffinden, das P. amarae von P. Wahlbergi zu unterscheiden gestatten würde; die Beschrei- bung Rehn's eines 9 ersterer Art von Somaliland paßt voll- kommen auf ein wahllos meiner Sammlung entnommenes 9 von Nairobi, Britisch-Ostafrika, und die Angabe, daß P. amarae (mit 33 ;^w Totallänge) größer sei als die gemeine ostafrikanische Art, ist vollkommen irrig, da diese wenigstens 40 mm lang wird. Ich glaube also berechtigt zu sein, trotz kleiner Unterschiede (Rehn bezeichnet das Labrum von P. amarae als gekielt und die Vordercoxen als »finely scabrous«, was für die mir vor- liegenden Exemplare von P. Wahlbergi nicht zutrifft) die Somaliart mit der gewöhnlichen ostafrikanischen zusammen- zuziehen. Orthoptera Blattaeformia. ^4o Pseudoharpax Sauss, 33. P. virescens (Serv.). Serville, Orthopt., p. 162, Taf. III, Fig. 7 ((f). Saussure, Mel. Orth. III, 1870, p. 298, Fig. 48, 48«. Analecta Orthopt. I, p. 211. Larven dieser Art fand ich auf niedrigen, krautigen Pflanzen im Sumpfe gegenüber Khor Attar, Februar 1905, und bei Mongalla (gleichfalls im Sumpfland), März 1905. Sie waren durchwegs noch recht jung, aber wohl erkennbar. Es ist dieses die einzige Mantide, die ich auf sumpfigem Boden angetroffen habe. Auch am Senegal und im Somaliland sowie nach Saus- sure auch in Abessynien. V. Vatidae. Stenovates Sauss. 34. S. pantherina Sauss. Saussure, Mel. Orth., IV, 1872, p. 84, Fig. 31. Werner, Jahresh. Wüftt. Ver. f. Naturk. 1906, p. 376. Diese schöne Art, welche ich nicht selbst gefunden habe, scheint auf den Sudan beschränkt zu sein. Das Wiener Hof- museum besitzt sie vom Weißen Nil (leg. Hansal, Marno, Typen) und ich habe eines von Roseires am Blauen Nil in meiner Sammlung. Popa Stäl. 35. P. undata (Fabr.). Serville, Orthopt., p. 152 (9). Bates, P. Z. S. London 1863, p. 473. Saussure, Mel. Orth. IV, 1872, p. 79. Diese Art, welche durch Schulthess bereits aus Galla- land bekannt geworden ist, fand ich in einem einzigen Exem- plare, einer ganz jungen Larve bei Gondokoro (11. März 1905) im Grase. Danuria Stäl. 36. D. impannosa Karsch, Karsch, Ent. Nachr. XV, 1889, p. 273, 274. Die von Hartmann in Nubien (Gebal Fung) gefundene und durch das Fehlen von Läppchen an der Unterseite der Mittelschenkel von allen bisher bekannten Danuria-Arten (mit 17* 246 F. Werner, Ausnahme der D. gracilis Schulth., die aber kleiner ist), leicht unterscheidbare Art ist in einem 9 Exemplare von 10 cm Total- länge im Museum des Gordon-College in Khartoum vertreten, leider ohne genauere Fundortsangabe. 37. D. Schweinfurthi n. sp. Speciei praecedenti peraffinis sed coxis anticis intus tantum parte apicali dilatata atro-bifasciata (in D. i. per totam longi- tudinem fasciatis), elytris campo costali flavescente, medio macula hyalina deficiente pedibus distincte brevioribus, denti- culatione laterali pronoti minus distincta facile distinguenda. — 9 vom Gazellenfluß (leg, Schweinfurth) im Nat. Kab. Stutt- gart. D. impannosa D. Schweinfurthi Long, tot 100 97 Pronot. long 32-5 22-5 lat 6-3 4-5 Elytrae 19-5 . 16-5 Alae ? 11 Cox. ant 20 16 Fem. ant. 26 19-5 Tib. ant 10 9 Tars. ant ? g Fem. interm 22 17 Tib. interm 19 13 Bei den Typen der D. impannosa im Mus. Berlin (103, beziehungsweise 94-5 mm lang) sind die Tibien der Mittel- beine 19 '5, beziehungsweise 18-5, die Femora 21-5, beziehungs- weise 20mm lang (nach frdl. Mitt. von Herrn Dr. Kuhlgatz). 38. D. bolauana Sauss. Karsch, Ent. Nachr. XV, 1889, p. 274. Saussure, Bull. Suisse, III, 1869, p. 70; Mel. Orth. III, 1870, p. 310. Gerstäcker, Arch. Naturg., XXXV, p. 210 (1S69); v. d. Decken's Reisen in Ostafrika, Ins. p. 15, Taf. I, Fig. 7, 7a, b (1873) (Mantis supercilians). Ich fand eine einzige 9 Larve dieser in Ost- und Südafrika verbreiteten Art, welche sich durch die erweiterten Mittel- schienen des 9 von allen übrigen Damtriae unterscheidet und Orthoptera Blattaefonnia. 247 darin mit der westafrikanischen Macrodanutia phasmoides Sjöst. übereinstinnmt. Die Art zu Macrodamtria zu stellen, wie dies Kirby in seinem Katalog tut, halte ich jedoch für zu weit gegangen. Das Tier wurde bei Gondokoro am 10. März 1905 beim Streifen im Grase gefunden und glich sehr einem abgefallenen Ästchen. VI. Empusidae. Empusa Illig. 39. E. Hedenborgi Stäl. Stäl, Öfv. k. Vet. Ak. Förh. IV, Bihang, p. 77. Diese Art, welche vom Weißen Nil stammen soll, habe ich nirgends gefunden. 40. E. Stolli Sauss. Saussure, Mel. Orth. III, 1870, p. 336. Ambukol, Dongola (Ehrenberg). Ich lasse es dahingestellt, ob diese Art nicht mit E. penni- cornis Fall, identisch ist; mit E. egena Charp., wie Kirby meint, hat sie aber nichts zu tun, denn der Stirnfortsatz des cf ist zwar fein zweispitzig, aber ganz anders als beim 2. Larve von Solygia sulcatifrons (Doleib Hill, Sobat). > 2a. Kopf derselben, von vorn gesehen. » 3. Pyrgomantis mabtiia, ^ (Gondokoro). » 3^. Kopf derselben, von vorn (unten) gesehen. > 4. Pyrgomantis septentrionalis, (^ (Gondokoro). > 5. Oxythespis senegalensis, 9 (Khor Attar). » 5 fl. Kopf und Pronotum derselben, von oben. » 6. Larve von Calamoihespis adnsta (Mongalla). Tafel IL Fig. 1. Paramorphoscelis gondokorensis (Gondokoro). » la. Kopf und Pronotum von oben, vergr. > \b. Elytra, vergr. > 2. Tarachina rhaphidioides (Gondokoro). > 2 a. Kopf und Pronotum von oben, vergr. » 2b. Elytra, vergr. > 3. Tarachodes obttisiceps, ^ , von oben (Blauer Nil). > 4. Elaea Marchali, 9, von oben (Gondokoro). » 5. Kopf und Pronotum von Tarachodes irrorata, 9 , von unten (To^ » 5fl. Dasselbe von oben. > 6. Kopf und Pronotum von Tarachodes Afzelii, (^, von oben. » 6ö. Vorderbein derselben Art, ,^, von unten. » 7. Tarachodes sancta, (^, Vorderbein von unten. » 7 a. Kopf derselben Art, von vorn. > 8. Durchsichtiger Kokon einer Mantide aus Gondokoro. » 9. Tarachodes Kuhlgatzi, (^ (Deutsch-Ostafrika). » 9 a. Kopf und Pronotum von oben, vergr. » 10. Tarachodes obtusiceps, (^ (Weißer Nil). Tafel III. Fig. 1. Tarachodes perloides, (^ (Südwestafrika). » 2. 9 derselben Art. » 3. Tarachodes maiira, ^ > von unten. > 4. Tarachodes Sjöstedti, ^ (Südwestafrika). » 5. Tarachodes sancta, 9 > von unten. » 6. Tarachodes Ittcubrans, (^ (Kap). > 7. Tarachodes dissiniiüaior, ^ (Togo). "Werner, F.: Orthoptera Blattaeformia. Taf. I. J, Fleischmann, n. d. N. lith. Druck von Alb. Berger, Wien Vlll. Sitzungsberichte d. kais. Akad. d. Wiss., math.-naturw. Klasse, Bd. CXVI,Abt. I 1907. Werner, F.: Orthoptera Blattaeformia. Taf. II. J. Fleischraann, n. d. N. lith. Druck von Alb. Berger, Wien, VIII. Sitzunsrsberichte d. kais. Akad. d. Wiss., math. naturw. Klasse, Bd. CXV[, Abt. I 1907. Werner, F.: Orthoptera Blattaeformia. Taf. III. J. Fleischmann, n. d. N. lith. Druck von Alb. Berger, Wien, VIIl. Sitzungsberichte d. kais. Akad. d. Wiss., math.-naturw. Klasse, Bd. CXVI.Abt. I 1907. 267 Ergebnisse der mit Subvention aus der Erb- sehaft Treitl unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. Franz Werners nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. IX. Die Orthopterenfauna des ägyptischen Sudans und von Nord-Üganda (Saltatoria, Gressoria, Dermaptera) mit besonderer Berücksichtigung der Acridoideengattung Catantops von H. Karny. (Mit 3 Tafeln.) (Vorgelegt in der Sitzung am 17. Jänner 1907.) Allgemeiner Teil. Das untersuchte Material. Die vorliegende Schrift soll ein Verzeichnis der Orthopteren des ägyptischen Sudans darstellen und wurde hauptsächlich auf Grund der Ausbeute Dr. Wem er 's abgefaßt. Ich fühle mich daher verpflichtet, vor allem Herrn Dr. Fr. Werner, Privatdozenten an der Wiener Universität, meinen herzlichsten Dank auszusprechen, weil er mir, obwohl selbst Orthopterologe von Fach, das von ihm im Jahre 1905 im ägyptischen Sudan gesammelte Material zur Bearbeitung über- ließ. Die Werner'sche Ausbeute war die reichste, die bisher aus dem Gebiete vorliegt. Infolge dessen konnte ich in meiner Arbeit 3 neue Gattungen, 32 neue Arten und 9 neue Varietäten 268 H. Karny, aus dem behandelten Gebiete beschreiben. Von den übrigen angeführten Arten waren 43 aus dem ägyptischen Sudan noch nicht bekannt, so daß die Orthopterenfauna dieses Landes, die bisher nur 38 bekannte Arten zählte, nunmehr auf 113 ge- stiegen ist. Auch die Mehrzahl der vor Herrn Dr. Werner im ägyp- tischen Sudan gesammelten Orthopteren konnte ich unter- suchen; in der Coli. Mus. Caes. Vind. lagen mir die Ausbeuten Kotschy's (1838, 1839), M arno's (vSiebzigerjahre) und Emi n's (Achtzigerjahre) vor und auch in der Coli. Br. v. W. fand ich einige Arten aus dem Gebiete vertreten. Außerdem untersuchte ich die Orthopteren des Landes- museums in Chartum und darunter befanden sich auch einige Arten, die sonst in dem mir vorliegenden Materiale nicht ver- treten waren. Leider entbehren alle Stücke des Chartumer Museums einer genaueren Fundortsangabe, konnten aber den- noch hier aufgenommen werden, da das genannte Museum prinzipiell nur Arten des von mir behandelten Verbreitungs- bezirkes sammelt. Endlich wurde es mir durch die Freundlichkeit des Heri'n Dr. P. Kammerer ermöglicht, die von ihm und Herrn Dr. H. Przibram in Ägypten und im ägyptischen Sudan im Jahre 1903 gesammelten Orthopteren zu untersuchen und zu determinieren; doch habe ich die diesbezüglichen Fundorte in mein Verzeichnis nicht aufgenommen, da sie ohnedies ehestens publiziert werden; übrigens waren auch alle Arten dieser Ausbeute auch sonst in dem mir vorliegenden Materiale ver- treten, abgesehen von einer neuen Diogeiia- Art, Diogena Przihrami n. sp. ined., die ich nur nach einem 9 -Exemplare der Przibram-Kammerer'schen Ausbeute kenne. Übrigens soll auch die andere Art der Gattung, Diogena fatista, im behan- delten Gebiete vorkommen (Nubien teste Burmeister), doch habe ich sie in mein Verzeichnis nicht aufgenommen, da ich nichts Bestimmtes darüber weiß. Rechnet man aber die beiden Diogena- Arien mit, so gehören 115 Orthopteren dem Ver- breitungsbezirke an (mit Ausschluß der Blattiden und Mantiden). Außer den mir in den angeführten Sammlungen vor- liegenden Arten habe ich auch die Angaben der bisherigen Orthopterenfauna des Sudans. 269 Literatur, soweit sie mir verläßlich erschien, berücksichtigt, und zwar verwendete ich dabei besonders die im nachfolgenden angeführten Abhandlungen und Werke. Verzeichnis der benützten Literatur. Bolivar J., Monografia de los Pirgomorfinos. Madrid 1884. — Articulados (in: Ossorio, Fernando Pöo y el golfo de Guinea. An. Soc. Espafi., XV, p. 341). Madrid 1886. — Essai sur les Acridiens de la tribu des Tettigidae. Ann. Soc. ent. Belgique, XXXI, 1887. — Ortöpteros de Africa del Museo de Lisboa. Jörn. Scienc. Mathem., Phys. Nat. Lisboa 1889, 1890. — Mission scientifique de M. Ch. Allnaud aux lies Sechelles. Orthopteres. Ann. Soc. ent. P>ance, LXIV, 1895. — Contributions ä l'etude des Acridiens especes de la faune indo- et austro-maiaisienne. Ann. Mus. civ. Genova, 1898. — Les Orthopteres de St.-Joseph's College ä Trichinopoly (Sud de rinde). Ann. Soc. ent. France, LXX, 1902. — Notas sobre los Pirgomörtidos. Bol. Soc. espan,, IV, 1904. Brancsik C., Orthoptera nova africana. XV. Jahrb. Naturwiss. Verein Trencsin. Kom., 1892. — Orthoptera quaedam nova africana et australica. 1894/5. Jahresb. Naturwiss. Ver. Trencsin. Kom. — Series Orthopterorum novorum. Soc. Hist. Nat. Trencsen, 1897. Brunner v. VVattenwyl C, Monographie d. Phaneropter. Zool.-bot. Ges., Wien 1878. — Prodromus d. europ. Orthopt. Leipzig 1882. — Additam. Monogr. Phaneropt. Verh. Zool.-bot. Ges., Wien 1891. -— Revision du Systeme des Orthopteres. Ann. Mus. civ. Genova, 1893. — und J. Redtenbacher, Monographie der Phasmiden. (Manuskript.) Burmeister H., Handbuch der Entomologie. II, 1839. Burr M., A list of Rumanian Orthoptera, with descriptions of 3 new species. Trans, ent. Soc, London 1898. 270 H. Karny, Burf M., A monograph of the genus Acrida Stäl. Trans, ent Soc, London 1902. Gerstäcker A., Beitrag zur Insektenfauna von Zanzibar. II. OrtJioptera et Neuroptera. 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Ihren Hauptbestandteil bilden Arten, die uns auch sonst aus einem größeren oder geringeren Teile Afrikas bekannt sind, während sie in der Mediterranregion fehlen oder doch nicht weit nach Norden vordringen. Doch finden wir auch noch zahlreiche mediterrane Formen im Sudan wieder, namentlich aus der Gruppe der Ödipodiden. Der Übergang von der paläarktischen zur äthiopischen Region erfolgt nämlich hier ganz allmählich, in Westafrika dagegen viel plötzlicher und unvermittelter, weil dort der breite Wüstengürtel, der sich zwischen der mediterranen Fauna Algeriens und Marokkos und der äthiopischen des Senegal- und Nigergebietes einschiebt, die Vermischung der beiden Faunen erschwert. Am Nilgebiete ist durch das Fehlen eines solchen Wüstengürtels die allmäh- liche Änderung des Charakters der Tierwelt erklärt und es ist jede hier gezogene Scheidelinie zwischen der äthiopischen und mediterranen Region eine mehr oder weniger willkürliche. Am besten läßt sich eine solche Scheidelinie zwischen Ägypten und dem ägyptischen Sudan ziehen, indem ersteres noch zum Mittelmeergebiet, letzterer zur äthiopischen Region zu zählen ist. Eine übersichtliche Vergleichung der Faunen beider Länder wird die Richtigkeit dieser Ansicht bestätigen. Vergleich mit der ägyptischen Fauna. Wenn ich mich hier an Dr. Werner's^ Ausführungen halte, so umfaßt die Orthopterenfauna Äg3^ptens (mit Ausschluß der Blattae- formia) 75 Arten, von denen 39 der mediterranen Fauna ange- hören. Außer diesen führt Werner 16 Arten an, die bisher nur 1' Sitzber. Akad. Wiss. Wien, 1905. Orthopterenfauna Ägyptens. Orthopterenfauna des Sudans. L73 aus Ägypten bekannt seien. Hier muß ich eine unwesentliche Berichtigung einfügen. Werner führt nämUch unter diesen Arten auch den Gryllodes apriciis an, für den Saussure nur Ägypten als Heimat angibt. Diese Angabe bei Saussure ist aber sehr ungenau, um nicht zu sagen, unrichtig. Saussure kannte diese Art nämUch nur nach der Type unseres Hof- museums, die aus Sennaar (im Sudan) stammt; es dürfte diese Art in Ägypten überhaupt nicht vorkommen, sondern, soweit wir bis jetzt wissen, auf den ägyptischen Sudan beschränkt sein. Dr. Werner hat die Fundortsangabe von Saussure übernommen und daher erklärt sich die Anführung dieser Art, die bis auf weiteres aus der ägyptischen Fauna zu streichen ist. Tropische Arten finden wir in Ägypten nur 20, von denen 3 über die Tropen der ganzen Erde verbreitet sind, nämlich Acketa domestica, ScJiistocerca peregrhia und Lahidura riparia; 7 finden sich in /Afrika, in Indien und, zum Teile wenigstens, auch in Australien, nämlich Acheta btirdigalensis, Liogrylliis bimactüatiis, Gryllotalpa gryllotaJpa, Gr. africana, Cyrthacan- thacris aeruginosa, Pachytyhis Danicns und Acrida turrita. Nur 10 Arten Äg3^ptens sind typisch äthiopisch, und zwar: Xiphidion aethiopicum, Conocephalus nitidultis, Anepiscephis horridus, Honioeogryllus reticulatus, Chrotogonus Ingtibris, Pyrgomorpha cognata, Poecüocerus hieroglyphicus, Cyrthacan- thacris riificomis, Eiiprepocnemis plorans und Acridella variabilis und gerade unter diesen befinden sich weiter ver- breitete Formen, die zum Teil sogar bis Südeuropa vordringen. Wenn wir dagegen die Fauna des ägyptischen Sudans in ähnlicher Weise gliedern, so finden wir unter den 113 von mir im nachstehenden Verzeichnis angeführten Arten nur 13, die der Mediterranregion entstammen dürften, nämlich Tridactylus Savignyi, Parateftix meridionalis, Pyrgomorpha coiiica, Locusta aegyptia, Calliptamus italicus, Acrotylus versicolor, A.patriielis, Sphingonotus coeriüans, Sph. aziiresceiis, Sph. Savignyi, Aiolo- lopus thalassinus, Platypterna tibialis und Calephorus com- pressicornis. Dagegen sind 47 Arten echt äthiopisch und 37 sind bisher aus keinem anderen Gebiete bekannt, nämlich die 32 von mir neu beschriebenen Formen, welche im nach- stehenden Verzeichnis mit einem f bezeichnet sind, und 274 H. Karny, Calyptotrypiis Petersi, Heterotrypus Africanus, Gryllodes apricus, Chrotogoims homalodemus und Xenippa viridtda. Außerdem finden wir unsere drei Kosmopoliten der Tropen, wenn man so sagen darf, wieder, die uns schon aus Ägypten bekannt sind, und endlich noch 13 paläotropische Arten, nämlich Xiphidion maculatiim, Trigotiidhim cicUideloides, Acheta quadristrigata, A. Brtmneri, A. melanocephala,Liogrylhis bimaailatiis, Gryllotalpa africana, Cyrtkacanthacris aeru- ginosa, Gastrimargus marmoratus , Cosmoryssa sulcata , Pachytylus Danicus, Acrida turrita und Forficula setiegalensis. Unterziehen wir nun die Resultate dieser statistischen Übersicht einer vergleichenden Betrachtung, so müssen wir vor allem konstatieren, daß die Fauna des ägyptischen Sudans bedeutend reicher ist als die Ägyptens und daß namentlich die äthiopischen Elemente, die in Ägypten noch recht ärmlich vertreten waren, auffallend hervortreten, während die medi- terranen Formen, die den Hauptbestandteil der ägyptiFchen Fauna bildeten, sehr stark in den Hintergrund gedrängt erscheinen. Wenn die Endemismen im Sudan anscheinend viel zahlreicher sind, so dürfte dies seine Erklärung auch darin finden, daß die äthiopische Region noch viel weniger durch- forscht ist als das Mittelmeergebiet. Ich wenigstens neige der Ansicht zu, daß noch so manche jener Arten, die wir jetzt nur aus dem ägyptischen Sudan kennen, einmal auch in südlicheren Gebieten Afrikas angetroffen werden dürften oder vielleicht sogar über einen großen Teil dieses Kontinentes verbreitet sind. Jedenfalls aber wird die Vergleichung der beiden Faunen- gebiete gezeigt haben, daß wir berechtigt sind, Ägypten dem Mediterrangebiete, den ägyptischen Sudan hingegen dem äthiopischen zuzurechnen. Doch betone ich nochmals, daß die beiden Regionen ganz allmählich ineinander übergehen. Tiergeographische Gliederung des ägyptischen Sudans. Dieser allmähliche Übergang der beiden Regionen läßt es begreiflich erscheinen, daß auch die Fauna des ägyptischen Sudans nicht vollkommen homogen erscheint, sondern daß sie vielmehr im nördlicheren Gebiete noch an die ägyptische Tier- welt erinnert und hier auch noch mediterrane Formen aufweist; je weiter wir aber nach Süden fortschreiten, desto seltener Orthopterenfauna des Sudans. 275 werden solche Formen und desto mehr treten sie gegenüber den äthiopischen Elementen zurück. Demgemäß können wir den ägyptischen Sudan wieder in kleinere Gebiete abteilen, deren ungefähre Grenzen von Parallelkreisen gebildet würden. Dies will ich hier jedoch nicht weiter ausführen, da auch eine solche Ein- teilung mehr oder weniger willkürlich sein müßte; ich will nur einige Beispiele anführen, welche zeigen sollen, daß die Fauna des nördlicheren Teiles von der des südlichen in manchen Einzel- heiten abweicht. So ist z. B. Paratettix meridionalis eine echt mediterrane Form; sie ist auch noch aus dem Sudan (Chartum, Khor Attar) bekannt, jedoch in dessen südlichsten Teilen fehlt sie bereits und wird dort durch P. scaber ersetzt (Mongalla, Gondokoro). Sonst ist P. meridionalis aus der äthiopischen Region nicht bekannt (siehe Spezieller Teil Nr. 32). Ein noch schöneres Beispiel bietet uns die Gattung Pyrgo- morpha. Im nördlichen Teile lebt noch eine mediterrane Art, P. conica, die jedoch südlich nur bis Goz Abu Guma vordringt. Im äußersten Süden finden wir schon P. granulata, eine echt äthiopische Art, deren Verbreitungsgebiet sich bis nach Süd- afrika erstreckt, die jedoch nördlich von Gondokoro meines Wissens nicht mehr vorkommt. Zwischen diese beiden Arten schiebt sich P. cognata ein, die mir aus Renk und Gondokoro bekannt ist. Ebenso dringt die mediterrane Loaista Aegyptia nicht sehr weit in der äthiopischen Region vor, sondern wird weiter südlich durch Orthacanthacris-Avten ersetzt. Die angeführten Beispiele ließen sich nach Belieben vermehren und es wird hier genügen, auf die Ausführungen des speziellen Teiles hinzuweisen. Die Fauna der Sumpfgebiete. Aber nicht nur der geographischen Lage nach lassen sich einzelne Gebiete des ägyptischen Sudans unterscheiden, sondern auch nach anderen Verhältnissen, welche einen Einfluß auf die Fauna ausüben. So müssen wir vor allem einen Unterschied zwischen der Steppenfauna und den Formen der Sumpfgegenden machen. Letztere sind dem Leben in der Nähe des Wassers besonders angepaßt. Bei diesen Arten sind nämlich die Hintertibien mit langen, meist beweglichen Dornen oder abgeplatteten An- Sitzb. der mathem.-naturw. Kl. ; CXVI. Bd., Abt. I. 19 276 H. Karny, hängsein versehen, wodurch die Oberfläche der hinteren Ex- tremitäten vergrößert und die Schwimmfähigkeit vermehrt wird. Die so ausgerüsteten Arten werden dadurch vortreffliche Schwimmer und Taucher. Ich habe dies bei Arten der Gat- tungen Paratettix und Acrydütm selbst wiederholt beobachtet und oft gelingt es nicht, ein solches Tier, das sich ins Wasser gerettet, wieder zu erreichen. Aber nicht nur die Acrydiiden sind derart ausgerüstet, vielmehr bietet uns dieser Bau der Hinterschienen ein auffallendes Beispiel einer Konvergenz- erscheinung dar und findet sich bei den verschiedensten Orthopteren wieder, die unter ähnlichen Existenzbedingungen leben. Zuerst tritt er meines Wissens bei den liassischen Elcaniden auf, die zur Zeit der Ichthyosaurier unter gleichen Verhältnissen ihr Dasein hinbrachten. Unter den rezenten Formen ist er am auffallendsten bei den Tridactyliden (Spe- zieller Teil Nr. 30); doch konnte ich ähnliche Bildungen auch bei verschiedenen Achetoiden der Werner'schen Ausbeute beobachten, so namentlich bei der Gattung Cyrtoxipha. Außer den genannten Formen sind typische Vertreter der Sumpffauna, namentlich die Concephaliden (so Xiphidion spp, Conocephalus, Psetidorhytichiis). Es ist zu erwarten, daß sich diese Fauna noch als viel reicher an Orthopteren erweist; es ist in den betreffenden Gebieten das Sammeln sehr erschwert, wo nicht unmöglich. Von einem systematischen Sammeln unter den bestehenden Verhältnissen kann keine Rede sein und der Forscher ist meist auf Zufälligkeiten angewiesen. So teilte mir Dr. Werner mit, daß er den Pseiidorhynchus hastifer stets nur am Dampfer gefangen habe, weil es auf keine andere Weise möglich war, das von ihm bewohnte Gebiet zu durchforschen. Anpassung an die Grassteppe. Der weitaus größte Teil des ägyptischen Sudans ist jedoch Grassteppe, wo nicht Wüste. Die Orthopteren sind auch diesen Verhältnissen besonders an- gepaßt. Wir finden viele Formen, die eine auffallende Tendenz zur Streckung in der Richtung der Hauptachse aufweisen. Diese Erscheinung findet sich als Konvergenz unter den verschieden- sten Giuppen (Acketoidea: Etiscyrttis; Locustidae: IscJinacrida, Go